Nordstern

Nordstern

Alles ist surreal. Stimme an meinem Ohr
Lässt mich versinken. So wie in einem Moor
Dein Atem tiefer, als deine Emotion
Vergess zu denken. Ich wusst es immer schon.
Menschen zieh’n vorbei: Schattengestalten
Du wärmst sie auf, doch sie erkalten
Greifst durch sie durch – willst du auch stark sein
Es ist unmöglich. Aber es mag sein:
Keiner versteht dich, als wärst du taubstumm
Nicht nachvollziehbar, wie fremder Brauchtum
Du bist wie ich, wir sind verbunden
Brauch nicht mehr suchen, ich hab gefunden.

Du bist mein Nordstern. Du bleibst mein Fixpunkt
Such ich die Richtung / zur nächsten Lichtung
Doch brauch ein Streichholz, weil leider nix funkt
Und der Gewichtung / fehlt jede Schichtung
Alucinante, die Utopie
Wirklichkeitsferne, versteh ich nie?
Bist du bei mir stets, doch nie vor Ort
Anstatt “wir sehn uns”: “zum nächsten Wort”.

Bin weder ein noch aus und weder Tag noch Nacht
Ich schlaf mit offenen Augen und träume wach
In den Momenten, wenn das Dunkel sich ein bisschen erhellt
Verzichte ich auf Schwarz-Weiß, leb’ in der Zwischenwelt.
Kann dir nicht sagen, was ich gerne hätte, wo ich gerne wär
In dieser Mär in der ich sehr schwer mich selbst verzehr
Sechs Füße unter den Wolken: ich hab hier nie gehaust
Alles zieht mich runter und zugleich dort wieder raus
Und wenn ich grade denke, draußen wird es wieder hell
Beweist das Dunkle in mir drin ich war mal wieder zu schnell
Petroleumlampe: schwer inkonstant
Spendet kaum Licht im Unterland
Wo wir uns eigentlich befinden, versteh ich nie. Ich
Leb mit dir. Für immer. Im Zwielicht.

Du bist mein Nordstern. Du bleibst mein Fixpunkt
Such ich die Richtung / zur nächsten Lichtung
Doch brauch ein Streichholz – weil leider nix funkt
Und der Gewichtung / fehlt jede Schichtung
Alucinante, die Utopie
Wirklichkeitsferne, versteh ich nie
Bist du bei mir stets, doch nie vor Ort
Anstatt “wir sehn uns”: “zum nächsten Wort”.

Weißer Nebel treibt durch die Gassen
Tägliche Massen. Leer. Zurück gelassen
Ich hier, du da, alle andern weit weg
In der Ewigkeit, nur ein kleiner Zeitfleck.

Wer nicht sterben kann, ist bereits tot.
Wer nicht lieben kann, bricht ein Gebot
Doch kann ein Gott Einhaltung erwarten,
Bei diesem Zwielicht in seinem Garten?

Lieber Naiv

naiv

Und du fragst mich: “Kannst du nur noch über Liebe schreiben?
So viel Mädchen in deinen Texten, weißt du noch wie die heißen?
Und du im Zentrum immer wieder, wirst du nie bescheiden?
Es gibt doch so viel and’re Dinge an den Welten leiden.
Sagtest du nicht einmal, du willst die jetzt selten meiden?
Was ist mit Weißer Nebel, wolltest du nicht Kritik verbreiten?
Und einen Ansatz bringen, um den ganzen Shit vereiteln?
Wo es doch so viel Anderes noch zu verwalten gibt:
Die nächste Hungersnot, Armut, der nächste Kalte Krieg
Wen kümmert was du fühlst man, okay du bist halt verliebt
Doch tu jetzt deshalb nicht, als ob es da kein Halten gibt.
Und hast du grad vielleicht sogar ‘ne rosa Brille auf
High wie auf Droge, und auch einige Promille drauf
Dann wach doch bitte auf und nimm die rote Pille auch
Nimm diesen Krankheitserreger samt der Bazille raus
– und erzähl mal was wirklich Wichtiges.”


Doch ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Und nein, ich sag nicht die Welt ist doch schon schlimm genug!
Die Welt ist schön! Und das allein ist Sinn genug
Drauf zu verzichten, hier ne schlechte Stimmung zu verbreiten
Stattdessen sie zu erwähnen, die schönen Kleinigkeiten:
Croissant zum Frühstück und ne Stunde lang die Zeitung lesen
Nach ‘nem Spaziergang fragen: wo ist nur die Zeit gewesen?
Die Postkarte mit nichts weiter als dem Spruch “ich denk an dich”
Und wenn du ohne Geburtstag auch mal Geschenke kriegst
Ein sanfter Kuss auf die Wange, dieses schöne Gefühl
… und die Fugees als Album auf Vinyl!
Und wenn’s mal regnet: scheiß auf Regenschirm und zieh den Hut aus:
… nasse Haare sehen gut aus!
Seien wir mal ehrlich: ich kann mit Texten nicht die Welt verbessern
Doch kann vielleicht die Hoffnung darauf etwas mehr bewässern
Und kommt da jemand an und sagt mir “bleib mal realistisch”
Sag ich “Nö man!” Denn mir ist das hier eher wichtig

Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Ich schreibe: Lieber Naiv – Wir sehn uns wirklich oft
Doch immer wieder habe ich auf ‘ne Begegnung gehofft
Auch wenn dich alle immer gerne nur als Jugendfreund nennen
Sah ich genauer hin, und durfte dich als Tugend erkennen.
Drum lass uns Reigen tanzen und nur Kinderlieder sing’
Weil ich dank dir nicht nur mal kindisch war, sondern stets wieder bin!

Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Die Hoffnung ist in jedem syrischen noch lebenden Demonstranten
Dem Chinesen, den Zensur und Unterdrückung überrannten
Dem Kubaner im Schlauchboot auf der Freiheitssuche
Dem zu Unrecht Gefangenen ohne Recht auf Besuche
Dem Plantagenarbeiter ohne faires Gehalt
Und jedem anderen Opfer von schwerer Gewalt
Ich glaube weiter, dass die Menschheit für’s Gerechte kämpft
Ich geb die Hoffnung nicht auf. Für jeden schlechten Mensch
Werden tagtäglich viele Dutzend guter Neue gebor’n
Und wer kann wünschen, dass die Schlechten da im Feuer verschmor’n?
Wir müssen ihnen doch nur zeigen, dass sie schön ist, die Welt
Wie geht das besser als wenn man Töchter und Söhne vermählt?
Mit der großen Liebe oder alle Welt frei lieben lässt
Doch mir fällt auf, bei diesem Thema wirken viele wie gestresst
Und stört es jemanden, hab ich die letzte Nacht verzückt verbracht?
Ich bleib naiv – für Frieden auf der Welt und weil’s mich glücklich macht!

Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Utopía

Utopía

Es fühlt sich gut an, wenn ich dich mit Kuss wecke
Und es ist warm mit dir, unter der Decke.
Doch wenn ich den Stoff heb’, frag’ mich was ich entdecke
Ist es das, was ich zuvor noch glaubte, was ich versteckte?
Was mir fehlte bei dir: dass ich selten aneckte.
Und ich mich nach dieser Perfektion wohl allzusehr reckte.
Ich checkte es nicht, auf der Bühne als Fremdgang
Das inhaltlich, innerlich, irgendwas fremd klang
Man redet im Takt, die Gitarre fängt an,
Doch der knisternde Plattenspieler – der hängt dann.
Der hängt dann.
Und weil sonst alles stimmt, ist es dir unerklärlich
Doch du weißt: Es ist unentbehrlich
Es zur Seite zu schieben, wär vielleicht sehr gefährlich
So zu tun, als nichts wär, wäre schwer unehrlich.
Da ist nicht dieses Ding, das du meistens hast
Und irgendwas fehlt, doch du weißt nicht was

Alucinante. Los rayos se meten
Con nuestros ojos. Y nos prometen
Nuestros sueños. Pero no confía:
…Es utopía!

Die Stimme verklingt schnell, wenn man den Hörer auflegt
Und sich einredet, dass die Sonne höher aufgeht
Doch der Moment ist vorbei, es hat sich ausnaivt.
Und das Gefühl das da fehlt, das hat sich auch vertieft
Der Rotwein im Kopf. Kalter Kaffee in den Venen,
Kälte zieht sich zusammen, sag mir: was soll sie dehnen
Nicht gefriergetrocknet, doch nicht warm genug.
Haben das Gemälde zu dem goldverzierten Rahmen gesucht
Erinnerungn verblassen, so wie alte Fotos
Und nicht jede schöne Blume schafft das Glück so wie Lotus
Wir lernen den Traumpartner kennen, doch verlieben uns nicht
Doch deine Lebensvisionen verschieben sich nicht
Und all die Hoffnungen versiegen noch nicht,
Lassen den Kopf nicht sinken, schauen gediegen ins Licht.
Unsre schmalen Pupillen sind in Gold gemalt,
Lass die Sonne drin aufgehn. Und ich wollt’ es strahlt…

Alucinante. Los rayos se meten
Con nuestros ojos. Y nos prometen
Nuestros sueños. Pero no confía:
…Es utopía!

Die Strahlen treffen sich mit uns’ren Augen, und sie leuchten
Und versprechen uns beiden, uns’re Träume
Doch ich muss dir sagen: vertrau dem nie:
Es ist Utopie.

Lass dich nur tragen.
Was in Zukunft wird aus uns zwein, könn wir beide nicht sagen.
Nur weil aus der Petroleumlampe heute kein Licht kommt
Heißt das nicht, dass die Sonne nicht kommt
Und deine Hände sind warm: lass sie’s bleiben.
Leg deine Finger auf die Tastatur um mir zu schreiben
Denn ich warte auf die nächsten Worte, wie bisher
Bis ich in Zukunft vielleicht, mit mehr Gefühlen wiederkehr.


Den Text als Song: Fremdgang

Ich vergesse

schubladen

Ich vergesse wie es ist dich mit nem Kuss zu wecken
Und vergesse, wie deine Lippen schmecken
Ich vergesse wie erstaunt du warst als ich das erste Mal deine Hand nahm
Und weiß nicht wie es war wenn wir uns ansahn
Ich vergesse wie wir uns zu Anfang meist nur heimlich trafen
Und vergesse wie es war, mit und neben dir zu schlafen
Ich vergesse die Gespräche übers System und fremde Länder
Und die heißen Diskussionen über Gender
Ich vergesse die Nächte die wir beim Filmabend waren
Und vergesse den Geruch von dir und von deinen Haaren
Ich vergess wie du uns türkisch Kaffee an mein Bett brachtest
Und wie du über meine Blödeleien lachtest
Vergess wie du aufm Bett lagst lauschend dem neusten Gedicht
Und vielleicht vergess ich irgendwann sogar dein Gesicht

Ich vergesse meine Sicht auf dich
Vergesse was zwar richtig ist aber jetzt nichtig ist
Weil es halt nicht mehr ist
Und vergesse dieses kribbelnde Gefühl verdammt
Du wirst dich ändern sicherlich vergess ich hab ich dich je gekannt?

Ich vergess wie wir uns zankten und in Rage kamen
Und vergess auch wie wir uns danach versöhnen und umarmen
Ich vergess die Eifersucht die jeder von uns beiden hegte
Und vergesse wie, wann und warum sie sich dann wieder legte
Ich vergess wie alles anfing, Al Friends with benefits
Und vergess wie sich das wandelte in einen schlechten Witz
Ich vergesse unsern Abschied, den ersten und den zweiten
Und vergesse selbst die Zeiten ohne die mit Einsamkeiten
Ich vergesse all die Slamtexte die ich über dich schrieb
Und vergess dass ich zu spät erst merkte dass ich dich lieb

Ich vergesse meine Sicht auf dich
Vergesse was zwar richtig ist aber jetzt nichtig ist
Weil es halt nicht mehr ist
Und vergesse dieses kribbelnde Gefühl verdammt
Du wirst dich ändern sicherlich vergess ich hab ich dich je gekannt?

Ich werd all das, wie du, vergessen. Was zwar traurig, doch gerecht ist.
Doch eines bleibt mir stets im Gedächtnis:
Du. Und wie du mich geprägt hast.

Bar jeder Wirklichkeit

Bar jeder Wirklichkeit

Den ganzen Tag wart ich darauf, am Abend mehr von dir zu lesen
Denn jedes Wort, das du mir schreibst, erklärt mir mehr von deinem Wesen.
Dabei hab ich dich kaum gesehen, durch Entfernung bedingt
Hab seit Kurzem erst im Ohr, wie deine Stimme klingt.
Das Bild von dir in meinem Kopf ist von schwer unpräziser Sorte
Denn was sind wir für einander mehr – als unsre Worte?

Und so forme ich für mich, bar jeder Wirklichkeit
Die Fantasie in meinem Kopf; und sie reicht wirklich weit
Sitzen wir uns gegenüber, seh dich, hör dich, fass dich an
Traum wird so real, phänomenal, dass ich’s kaum fassen kann:

Und wir reden und reden und reden immer mehr
Und die Tische neben uns werden inzwischen leer
Während der Kaffee vor uns kälter und die Sonne röter wird
Sitzen wir hier und sehn uns an… Und das ist Glück
…Fantasie. Ich liege hier und wenig sonst könnte mich stör’n
Außer dem langersehnten Wunsch, wieder von dir zu hör’n.

Und so forme ich für mich, bar jeder Wirklichkeit
Die Fantasie in meinem Kopf; und sie reicht wirklich weit
Sitzen wir uns gegenüber, seh dich, hör dich, fass dich an
Traum wird so real, phänomenal, dass ich’s kaum fassen kann:

Wir stehn im hohen Gras; und die Sonne tief
Die Schuh und Rotwein in der Hand, während Fitzgerald lief
Die Lampions hinter uns sind kurz davor zu erlischen
Das Festessengeschirr steht aufgestapelt auf den Tischen
Der alte Plattenspieler knistert, Leute tanzen bei den Bäumen
Und ich denk an etwas Schönes, das kannste doch nur träumen
…Fantasie. Ich liege hier und wenig sonst könnte mich stör’n
Außer dem langersehnten Wunsch wieder von dir zu hör’n

Und so forme ich für mich, bar jeder Wirklichkeit
Die Fantasie in meinem Kopf; und sie reicht wirklich weit
Sitzen wir uns gegenüber, seh dich, hör dich, fass dich an
Traum wird so real, phänomenal, dass ich’s kaum fassen kann:

Wenn der Vorhang fällt, stehen wir hinter den Kulissen
Sunset am Set ist noch am Schönsten, musst du wissen
Die Maske Wirklichkeit gerade abgeschminkt
Die Frage “was hier ist right?”, die hast du abgewinkt
Ton-Strom knistert über unsern Köpfen,
Zuviel Energie um uns rum, aus der wir schöpfen
Alles um uns her wird lebendig, immer mehr
Versinken nimmermehr sehr schwer im Meer dieser Mär
Kaum zählt im Rausch viel
Traumwelt im Schauspiel
…Fantasie. Ich liege hier und wenig sonst könnte mich stör’n
Außer dem langersehnten Wunsch wieder von dir zu hör’n

Und so forme ich für mich, bar jeder Wirklichkeit
Die Fantasie in meinem Kopf; und sie reicht wirklich weit
Sitzen wir uns gegenüber, seh dich, hör dich, fass dich an
Traum wird so real, phänomenal, dass ich’s kaum fassen kann:

Die Sonne strahlt purpurn, pulsiert im Rhythmus
Unsre Blicke schweifen von hier über’n ganzen Isthmus
Grün, blau, rot, von Ozean zu Ozean
Was die Augen hier sehen wird man nie erfahrn
Abstrakt wie Kafka, vielseitig wie Wedekind
Stürzen Wortbäche hinunter, weil sie verwegen sind
Reißen uns stets wieder runter, eingehüllt in Wortgewand/t
Worte fiel’n mir stets zu Füßen, doch das hier ist unbekannt.
Mich mal fallen zu lassen, hab ich alleine nie gekonnt
Abgedrehte Ranken dreh’n sich um den Horizont
Welt dreht sich und Zeit vergeht nicht
Dimensionen aus Zeilen schon, reimen sich redlich
Wenig geht nicht vergeblich, ich seh mich
Sehnen mit Leben und Sehnen, wie Fetisch
Drum leb ich
…Fantasie. Ich liege hier und wenig sonst könnte mich stör’n
Außer dem langersehnten Wunsch wieder von dir zu hör’n

Und ich werd aus meinem Tagtraum geweckt
Comeback, lieg hier auf meinem Bett
Etwas holte mich zurück, hab das noch nicht gecheckt.
Das Telefon klingelt. Ich Greif zu, blick auf die Zahlen
Nehme ab. Und ich hör’ deine Augen strahlen.


Der Text als Song: Fremdgang

Rundes Ding

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Ich höre ständig dieses Zeug und denk: das kann ich auch
Kann Kannen voller Rauch im Bauch haben
Ich brauch nichts außer tausend schönen Wörtern
Zum erörtern
Ortern Orte gibt’s genug um das zu präsentiern
Schau dich nur um allein im Präsens hier: der leuchtet wie ein Leuchtturm
Turm Türme ich mit feinen Reimen in meinem Gehirn hinter der Stirn
Glänzend funkelnd meine Wortvielfalt wie Sterne am Gestirn. Mein Zwirn
Kreiert Worttepiche und Satzgebilde
Bild bilde dir nicht ein, du kommst in meine Gefilde, ohne Narben davon zu tragen
Du würdest gar nichts davon haben, mich nach meinem Geheimnis zu fragen
Denn Lagen meiner Sagen lagen da um dich zu plagen aber inhaltlich brauchte ich noch gar nichts sagen.
Tja.

Ich rede jetzt genauso inhaltsvoll wie die Bekannten
Kant kannten sie nicht und Brecht brachten sie nicht
denn die ham’ Ecken und Kanten
Doch das hier ist rund!

Je weniger ich sage, desto mehr kann ich sprechen
Sprech brechen mit der Konvention des Inhalts und euch allen versprechen
Ich verspreche mich nicht, nein ich räche mich
Räch- Recht hab ich grundsätzlich entsetzlich
Drum verletz ich das Gesetz des Geschmacks und versteck mich; vernetz mich
Verletzlich mit eurer Welt der Nichtigkeit
Denn wenn ihr richtig seid, verzicht ich halt und bleib leer.
Leer Lehr mich ein bisschen deiner Funktionsweise
Weiß weiße auf schwarze ohne Kontraste wie bei der Mondscheibe
Und wenn ich “Mond” schreibe, mein ich das als Metapher für deine Sichtweise
Denn du bist nicht weise, nein doch du stehst allein im Dunkeln
Nur bist du nicht leise, leider
Leid leiden muss ich, hör ich dich, dagegen wage ich’s und
Sage: Lagen meiner Sagen ragen auf um dich zu schlagen aber inhaltlich brauchte ich noch gar nichts sagen.
Tja.

Ich rede jetzt genauso inhaltsvoll wie die Bekannten
Kant kannten sie nicht und Brecht brachten sie nicht
denn die ham Ecken und Kanten
Doch das hier ist rund!

Ok ich gebe zu, so reimen hat mir Spaß gemacht.
Aber hat euch der Inhalt dieses Textes irgendwas gebracht?
Nein! Vielleicht habt ihr euch nass gemacht und schlapp gelacht
Bei so viel irren Reimen
Doch will ich lieber schreiben
Und damit was aussagen
Und mehr durch Inhalt, weniger durch Stil herausragen
Natürlich bin ich hier, um euch zu unterhalten
Natürlich will ich euch an diesem Abend munter halten
Natürlich will ich diesen Abend hier noch bunt gestalten
Und geh erst runte,r hab ich endlich meinen Mund gehalten
Und ihr habt endlich meinen Schund erhalten
Habt eure Ohren zurück, doch leider wund behalten
Von meinen Wörtern, den verunstallten, verunfallten
Und ihr könnt eure Ohr’n jetzt einmal umfalten und dann umfall’n.
Aber tut doch nicht so als würdet ihr über den Inhalt der Texte nicht gern denken
Denn das bedeutete für mich, ich würde meine Zeit und meine Reime hier verschwenden und verschenken…

Weißer Nebel

Weißer Nebel, zwischen den Anden
Sag mir wo kommen wir an, und wann denn?
Weißer Nebel, zwischen den Anden
Wo führt der Weg hin, wo werden wir landen?

Ich will endlich auch mal Texte schreiben, die kritisch sind
Hab schließlich so viele Zweifel, unter meinen Fittichen
Aber sag mir: wie kritisch sollen all die sein
Denn ich kauf’ trotz allem immer noch bei Aldi ein
Kann noch so kritisch sein. Denn im Sinne besehn
Bin ich auch nichts anderes als ein Kind des Systems:
Kapitalist. Spielt keine Rolle, ob ich gern was and’res wär
Ich bin so aufgewachsen. Ändern geht dann nicht mehr.
Und darum schreibe ich so Sachen, als mein Dank
Doch bleib so sehr im System, wie ein Halbzeitpunk
Nichts ändert dich, solang du in der Sonne bist:
Lebst du als Konsumist, anstatt als Kommunist.

Weißer Nebel, zwischen den Anden
Sag mir wo kommen wir an, und wann denn?
Weißer Nebel, zwischen den Anden
Wo führt der Weg hin, wo werden wir landen?

Ich lebe mein perfektes Leben, mit mehr Glück als fair ist
Mehr ist immer drin, trotzdem sag ich, dass es schwer ist
Und höre Manuskript, und Audio88,
Obwohl das was er sagt nichts hilft, bloß weil er’s ohne Reime macht.
“In Peru wurden die Straßen seit 30 Jahren nicht bearbeitet.
Aber das Wahlplakat ist von gestern!”
Seht ihr, das kann ich auch, doch ändern wird sich dadurch kein Stück
Außer der Tatsache, dass ich mich etwas anders ausdrück.
Wo wir dabei sind: in Matahuasi kann sich nicht jeder fließend Wasser leisten
Aber ‘nen Fernseher haben die Meisten!
Und irgendwie bin auch ich da mit Schuld dran:
Für die meisten Bolivianer bin ich reich wie ein Sultan
Und während sie die Arbeit schultern
Häng’ ich auf ihr Kosten dem Konsumkult an.
Kauf mir Klamotten, die ich nicht brauch, und geh’ ins 3D-Kino
Und trink’ für 5,50 Euro nen Starbucks Mocca Frapuccino
Obwohl mir all das bewusst ist, kann ich nicht darauf verzichten
Und meine Kultur sagt mir, es bringt was, so ‘nen Text zu dichten:

Weißer Nebel, zwischen den Anden
Sag mir wo kommen wir an, und wann denn?
Weißer Nebel, zwischen den Anden
Wo führt der Weg hin, wo werden wir landen?

Weißer Nebel schwarzer Sand
Eine Welt in der Hand
Leidenschaft wie blauer Samt
Aber leider verkannt
Person A im Goldgewand
Nummer X nur abgebrannt
Drängt die Mehrheit an den Rand
Mit dem Rücken zur Wand
Rote Seele, braunes Land
Weißer Nebel, schwarzer Sand…

Weißer Nebel, zwischen den Anden
Sag mir wo kommen wir an, und wann denn?
Weißer Nebel, zwischen den Anden
Wo führt der Weg hin, wo werden wir landen?

Weißer Nebel zieht auf und verschwindet nicht
Er bindet mich. Und obwohl ich suche man, ich find ihn nicht:
Den Weg der mich hier rausführt.
Und ich bin nicht der Typ, der dann ‘ne Revolution aufrührt
Denn was kann ich schon tun, außer Spenden und Texte schreiben?
Doch ich will nicht der Letzte bleiben
Der tatenlos zuschaut.


Dieser Text als Song: Fremdgang

Ich hasse

hasse

Ich hasse es, wenn du mich ansiehst
Mit diesem Auge, schimmernd blau,
Das ist der Grund, dass ich vermeide
Dich jemals wirklich anzuschau’n

Ich hass’ es wenn du mir erzählst,
Was laut dir neu und interessant
Obwohl es niemand mit Verstand in diesem Land
Auch halbwegs nur noch unbekannt

Ich hass, wie du auf jemand zeigst,
Der anders ist als norm-verlangt
Bloß weil er nicht zur Form gelangt
Die von der Norm als schön benannt.

Ich hass es wie dein Äußeres herrlich scheint
Während die Seele dumm mit schlecht vereint;
Es scheint, dein Schein-sein eint das Inn’re
Täuscht dabei mein und deine Sinne

Hass deine Mysteriösität
Und deine hochverehrte Majestät
Hass, wie du Klischees verbreitest
Weil hinter’m Rücken lästern zu müssen du meintest

Jedem der will, zeigst du die Titten
Und doch, inmitten, bist zerschnitten,
Wirst geritten
…von Wahnsinn – immerhin ein Sinn!

Ich hasse deine Schönheits-Umbau-Singsang-Polizei
Wandern-aus-und-kochen-Einheitsbrei
Eingespielte-Lacher-Ratequiz
Promidinner-Maden-Mist -Serien
Und deine Werbepausen hass ich auch!

((Jetzt die neusten Reisen erkunden!!!))

Ich hasse deine Panoramen
Deine Zooms, Schnitte, und die Halbtotalen
Und deine Malerei in Schwarz und Weiß
Ist fast so schlimm wie damals Stummfilmzeit

Hass wie du lästerst – von Pisaopfern
Damit wir deine Bildungsferne nich im Kopf ham’.
Ich hass, wie du Gewalt verehrst,
Gewalt und Hass sogar bei mir vermehrst

Ich hass – ich hasse! – deine bunten Kleider
Nur leider kenn ich keinen Schneider
Der sie dir wieder nehmen kann…

Hass es, wie du dich verkaufst an tausend Marken
Haken siehst du keine, weil du dich verschaust
Verguckt hast, in dem Rausch der Stars
Du warst noch in Gedanken,
Als die Seele dir verstarb – verstaubt

Ich hasse… deinen Traum von Saus und Braus
Nur Schaum- gekrönt,
So kommt’s bald raus.

Und doch mach ich dich immer wieder an.
Doch heute: heut schalt ich dich aus.
Denn heute: heut beweis ich
Weit-sicht
Um nicht, wie sonst, nur fern- zu sehen.