Geschichtenerzähler
Ich würde gerne von mir behaupten, dass ich ein Autor bin. Ich bin es nicht, was dieser Satz schon schließen lässt, doch manchmal tue ich so. Ich habe schon ein paar Mal versucht, eine meiner Kriminalromane an einen Verlag loszuwerden, doch sie hatten immer etwas daran auszusetzen. Ich habe das immer als eines meiner größten Probleme angesehen – was es damals auch war. Nach ein paar Jahren in meinem langweiligen, routinierten Bürojob hatte ich genug und entschloss mich, auf Reisen zu gehen. Kein Sightseeingurlaub nach New York, sondern mit einem Frachter nach Südamerika, und von dort aus wo immer meine Füße mich hintrugen. Stattdessen kam ich, wohin die Wellen mich trugen. Ich glaube, die Insel liegt irgendwo nicht zu weit von meinem Ziel in Kuba entfernt, aber ich kam bis jetzt nie dazu, das heraus zu finden. Ich glaube mittlerweile, der Kapitän war absolut unfähig, denn als der Sturm aufkam, wäre genügend Zeit gewesen uns an einer der Inseln sicher an Land zu bringen. Wenigstens hat jeder von uns in einem Rettungsboot Platz gefunden. Glücklicherweise waren in meinem Boot zwei kräftige Männer, die das Rudern gekonnt übernahmen während wir anderen das Wasser hinausschöpften. Bei einer besonders großen Welle glaubte ich uns schon in Gesellschaft der anderen Boote, doch die Welle nahm nur drei unserer Mitfahrer und fast sämtliches Gepäck mit. Sechs von uns, darunter die zwei Ruderer, ein Schiffsjunge, die Frau des ersten, eine andere junge Frau und ich erreichten schließlich ein Kliff, an dem unser Boot kaputt ging und an dem wir uns zur Insel hoch kämpften. Wir kletterten alle hintereinander, ich war der Vorletzte. Der zweite Ruderer über mir griff etwa auf der Hälfte des Weges fehl und rutschte ab. Ich presste mich an die Wand und betete so gut wie ich konnte während er hinter mir herabfiel und die Frau seines Mitruderers mit in die Tiefe riss. Ich habe mich nicht umgedreht als ihre Schreie abrupt endeten. Ich habe Höhenangst.
In der Nacht träumte ich von einem früheren Urlaub, in dem das Hotel überraschenderweise ausgebucht war und ich mit meinen Freunden am Strand übernachten musste. Als ich nun wieder aufwachte, lag ich ebenfalls an einer Art Strand, bloß das neben mir keine Koffer sonder die anderen vier Gestrandeten lagen. Ich stand auf und sah mich um. Das Land war eine Insel, die mir nach dem Angesicht des Ertrinkens wunderschön erschien. So schien es mir damals als ich nur mit meiner Kleidung auf dieser schrecklichen Insel ankam. Sie ist wohl als überschaubar zu bezeichnen, denn sie ist nicht sehr groß, dafür sehr felsig und mit einem kleinen Wald bedeckt. Ich wanderte umher und konnte nirgendwo eine Quelle entdecken und ich war froh, dass wir gerade in der Regenzeit hier angekommen waren. Im Wald bemerkte ich ein paar Pflanzen, die Beeren trugen. Plötzlich knackte es nicht allzu fern im Wald. Das musste ein größeres Tier sein, dachte ich. Das hätte unser Überleben gesichert, denn wo Tiere waren, gab es auch genügend Nahrung zum Leben. Ich sprang in seine Richtung und versuchte es zu schnappen, als ich hart umgestoßen wurde.
„Ach,
schade“,ertönte
die Stimme von dem ersten Ruderer, der Markus hieß. Er half
mir auf die Beine und erklärte, dass er dasselbe wie ich
erwartet hatte.
„Was
ist mit den anderen?“, fragte ich ihn.
„Die
liegen noch am Kliff“, antwortete er und wir machten uns auf
den Weg zu ihnen.
Ich
erzählte ihm von meinen Entdeckungen, oder besser was ich
nicht entdeckt hatte – nämlich Wasser. Die anderen
schliefen noch und wir suchten an dem Kliff nach einem Unterschlupf und
fanden tatsächlich eine Art Höhle. Wir machten den
Weg von Steinen frei um den Weg dorthin klar zu machen, damit wir sie
wieder finden würden. Ich weiß nicht wann, denn
meine Uhr war kaputt, aber als erste wachte das Mädchen auf.
Sie hatte uns wahrscheinlich gehört, denn wir gaben uns keine
Mühe leise zu sein und sie kam zu uns.
„Wo
bin ich hier?“, fragte sie verwirrt.
„Auf
einer Insel, auf der sie nicht sein wollen“, antwortete ich
und machte ihr Platz auf einem Stein zum sitzen frei. Ich hatte
bemerkt, dass sie hinkte und tatsächlich blutete sie am Knie,
was wahrscheinlich passiert war, als wir das Kliff hoch geklettert
waren.
„Ach,
das ist nicht schlimm“, sagte sie tapfer und verband es mit
einem Streifen ihres Kleides.
Der Junge
wachte erst auf, als wir schon wieder zurückgekommen waren. Er
war ganz ruhig und gelassen, obwohl er eine Kopfverletzung hatte. Er
ließ sie sich verbinden und setzte sich zu uns.
„Also,
hat irgendjemand etwas brauchbares mit?“, fragte Markus.
Wir
durchsuchten unsere Taschen. Mein Portmonee hatte ich verloren, ich
hatte nur noch mein altes Taschenmesser, einen Kugelschreiber und mein
kleines Notizbuch. Der Junge war Raucher, er hatte ein Feuerzeug und
eine Schachtel Zigaretten, welche wir allerdings sofort ins Meer warfen
– wenn der Tabak nicht vollkommen aufgeweicht war,
wäre es ein unnötiger Verbrauch vom Gas des
Feuerzeugs gewesen. Außerdem besaßen wir eine
kleine Flasche, zwei Portmonees samt Inhalt, eine Schere, Nagelfeile,
ein kaputtes Handy, Taschentücher und Kaugummis –
fast sämtlich von der jungen Emilie kommend. Wir hoben alles
auf und verstauten es in unserer provisorischen Unterkunft.
Markus und
ich waren von nun an dafür verantwortlich, etwas Essbares aus
dem Wald zu beschaffen. Anfangs versuchten wir, Fische aus dem Meer zu
fangen, doch sie waren viel zu schnell für uns. Deshalb gab es
viel zu oft nur Beeren, zwei Tage sogar gar nichts; aber das war schon
sehr viel später, als wir schon viel von den Beeren verbraucht
hatten. Der Junge war wegen seiner Kopfverletzung ziemlich schwach, er
blieb am Lager hielt nach Schiffen Ausschau und leerte die kleinen
Wasserschälchen die wir uns behelfsmäßig
aus großen Blättern mit Gras zusammengebunden hatten
in die große Kuhle in der Höhle, die nun unser
Wassersammler war. Emilie sorgte für unsere Unterkunft, legte
sie mit Gras und Blättern aus so dass wir nach einiger Zeit
etwas hatten, in dem wir zumindest lieber schliefen als unter freiem
Himmel. So waren wir die Tage über beschäftigt und
abends bevor wir einschliefen erzählten wir von unseren
früheren Leben oder erfanden Geschichten. Ich begann damit,
mir in meinem Notizbuch eine Geschichte aufzuschreiben, die ich
allerdings schon bald verwarf, weil mir die Ideen fehlten. Ich muss
immer erst über den Anfang hinweg kommen, damit mir der Rest
aus dem Stift fließt. Emilie regte sich wahnsinnig
über den Papierverbrauch auf, sie meinte, ich solle lieber
einen Kalender machen. Doch was bringt es, zu wissen wie lange wir auf
dieser Insel sitzen? Nach ein paar kalten Nächten hatten wir
uns entschlossen, uns in der Nacht gegenseitig zu wärmen. In
Hinsicht auf Emilie machte mir das natürlich nichts aus, aber
anfangs sträubte ich mich schon ein wenig, so dicht neben
Markus zu schlafen.
Einmal
kletterten Markus und ich zum Boot hinunter, um zu sehen, ob es zu
reparieren war, doch wir fanden nur einige Holzreste, die wir zum
Feuermachen mitnahmen.
Der
Zustand des Jungen verschlechterte sich zusehends, wir entdeckten eine
weitere Wunde an seinem Oberschenkel, die sich böse
entzündet hatte.
„Warum
hast du nichts davon gesagt?“, fragte Emilie ihn.
„Hättet
ihr was dagegen tun können?“
„Nein“,
meinte Markus, „nicht nach dem es sich entzündet
hat.“
Als
Markus und ich am nächsten Tag von der Essenssuche
zurückkamen, fanden wir den Jungen mit glasigen Augen auf dem
Boden liegend,
während Emilie ihm mit dem wertvollen Regenwasser die Stirn
kühlte. Ich hatte gerade gut gelaunt verkünden
wollen, dass ich einen Strauch mit mango-ähnlichen
Früchten gefunden hatte, doch jetzt fragte ich nur, wie es ihm
ginge. Mit schwacher, kaum hörbarer Stimme erzählte
er, dass er ein Schiff gesehen hätte und gewunken und gerufen
hätte, doch niemand hatte ihn bemerkt. Emilie war nicht da
gewesen, und während der Junge auf und ab hüpfte,
stürzte es auf den Felsen und fügte sich eine weitere
Wunde zu. Seit dem ginge es ihm immer schlechter, bis er so wie jetzt
da lag. „Ich sterbe“, endete er mit seiner matten
Stimme.
„Unsinn.
Die Wunde ist nicht so schlimm, und du hast nur ein normales
Fieber“, sagte Emilie, aber ich denke, sie glaubte ihren
eigenen Worten nicht.
Wir
aßen die Früchte und tranken ein wenig Wasser, doch
es war nicht mehr viel da. Hoffentlich würde es bald wieder
regnen.
„Gibt
es noch mehr von den Früchten?“, fragte Emilie
während wir aßen.
„Ich
habe noch ein paar gesehen, die dürften für die
nächste Woche gut reichen. Wenn wir Glück haben, gibt
es noch mehr.“
„Was
meint ihr, wie lange wir noch mit dem Essen durchhalten
können?“, fragte Markus nachdenklich.
„Wahrscheinlich
länger als mit dem Wasser – in der Trockenzeit
können wir den Regen vergessen“, meinte Emilie.
„Und
wie hoch sind die Chancen, dass uns jemand findet?“, fragte
ich in die Runde.
„Wahrscheinlich
genau so hoch wie die, dass gerade dein Frachter im Sturm
untergeht.“
Wir
lachten. Irgendwann während dem Gespräch, das bis
spät in die Nacht ging, kam mir die Idee, eine Geschichte zu
schreiben, die ein Verlag bestimmt nehmen würde. Alles war da,
es war so klar, dass ich mich fragte, warum ich nicht eher darauf
gekommen war. Sie war spannend und neu und das Ende würde
vollkommen unerwartet sein. Ich nannte sie ‚Der Chip
O-42’, denn das war der Hauptgegenstand, um den sich alles
drehte.
Noch am selben Abend begann ich in mein Notizbuch zu kritzeln
und von da an schrieb ich jeden Abend weiter. Manchmal schrieb ich auch
tagsüber weiter und ließ Markus alleine
weitersuchen, was mich bei ihnen wahrscheinlich nicht beliebter machte.
Doch diese Geschichte würde der Hammer werden und ich konnte
mich kaum noch von ihr wegholen. Nach ungefähr einer Woche war
mein Notizbuch voll, doch die Geschichte war noch lange nicht zuende.
Ich bettelte Emilie an, mir Papierreste aus ihrem Portmonee zu geben,
doch die wollte sie genau wie die Taschentücher zum
Feueranzünden benutzen. Es machte mich verrückt, dass
ich gerade jetzt die Idee hatte, die mich berühmt machen
würde und dann hatte ich kein Schreibmaterial da! Es war zum
verzweifeln!
„Schreib
doch auf deinen Arm!“, sagte sie scherzhaft als ich abends in
unserem Quartier saß und Stichpunkte der Geschichte vor mich
herredete um sie nicht zu vergessen. Ich lachte, aber als sie alle
schliefen, probierte ich es auf meinem linken Arm aus – es
klappte tatsächlich, alles war gut lesbar! Noch in derselben
Nacht schrieb ich meinen Arm bis zur Schulter hoch voll. Markus und
Emilie guckten mich zwar am nächsten Morgen an, als sei ich
durchgedreht, aber das machte mir nichts und an den nächsten
Abenden schrieb ich meine Beine voll. Ich hätte auch noch
meinen Rücken und meinen rechten Arm beschrieben,
wäre es mir möglich gewesen. Ich war für
eine Weile befriedigt, denn ich hatte eine ganze Menge meiner
Geschichte niederschreiben können.
Doch nach ein paar Tagen
ging es weiter, denn sie war noch immer nicht vollendet. Ich ging zu
den wenigen Bäumen im Wald, der
größtenteils aus Büschen bestand, und
versuchte, die Rinde mit meinem Messer abzuschälen, um darauf
zu schreiben. Doch mein Messer war stumpf, und immer, wenn ich ein
Stück abbekam, brach es und es blieben nur kleine
Stückchen über, auf die man höchstens zwei
Sätze hätte schreiben können. Ein einziges
Mal gelang es mir ein Stück abzuschälen, das etwa die
Größe meines Notizbuches hatte und ich schrieb ein
Stückchen weiter. Natürlich nummerierte ich dieses
Stück genauso wie meine Körperteile, denn ich musste
ja später die Reihenfolge meiner Geschichte wiederfinden.
Am selben
Abend sagte der Junge, dessen Fieber sich immer mehr verschlimmert
hatte, dass er jetzt sterben wolle und wir ihm die Pulsschlagader mit
meinem Messer aufschneiden sollen. Wir versuchten ihn umzustimmen,
außerdem war das Messer ja nicht mehr sehr scharf, doch
schließlich tat er es selber. Wir verbanden ihm schnell das
Gelenk, denn das viele Blut wäre kein schöner Anblick
gewesen.
Emilie
weinte, als wir eine kleine Trauerfeier machten, aber wir konnten kein
Festmahl veranstalten, denn die mango-ähnlichen
Früchte waren schon länger verbraucht.
Am
nächsten Tag fanden wir gar nichts mehr zu essen. Gott wusste,
ob es nichts mehr gab oder wir einfach nichts mehr fanden. Als es am
nächsten Tag wieder nichts zu essen gab, setzten wir uns
zusammen um zu überlegen, was wir tun sollten.
„Meint
ihr, irgendjemand verirrt sich noch hier hin?“, fragte Emilie.
„Selten,
aber bald ist die Regenzeit zu Ende, da müssten doch
eigentlich die Touristen kommen“, meinte ich.
„Was
sollen wir bis dahin essen wenn es so weitergeht? Und wenn der Regen
nachlässt, haben wir auch ein Problem!“, fragte
Markus. Eine längere Pause entstand. Schließlich
sprach Markus aus, was wir alle dachten. „Es klingt zwar
widerlich…“
„Es
ist widerlich“, sagte ich. „Aber haben wir eine
andere Wahl?“
„Nein“,
gab Emilie zu. „Und wenn wir zu lange warten, ist es
ungenießbar.“
Wenn man
nichts har, muss man eben alles benutzen, was man hat. Emilie weigerte
sich, uns zu helfen, was ich durchaus verstehen kann. Es war keine
angenehme Arbeit, unseren ehemaligen Kollegen so zu behandeln.
Zwischendrin setzten Markus und ich uns in eine andere Ecke, um uns von
dem Anblick zu erholen, doch am Ende des Tages hatten wir die Arbeit
geschafft und wir waren mit Essen und Trinken für eine gute
Weile versorgt. Die Knochen hoben wir zum Gedenken an ihn auf, und
sonst warfen wir so wenig ins Meer, wie wir konnten. So auch die Haut,
denn wir wollten nichts verschwenden. An den sonnigen Tagen
hängte ich die mühsam verarbeitete Haut aus und
ließ sie austrocknen, so dass ich nach ein paar Tagen jede
Menge Pergament hatte, auf dem ich mit meiner Geschichte fortfuhr.
Das
Fleisch hielt ziemlich lange, und auch wenn es meinen Geschmack absolut
nicht traf, war ich froh, dass ich etwas zu essen hatte. Die Tage
wurden langsam wärmer, doch damit wurde auch der Regen
seltener. Ich ärgerte mich darüber, mich nie
erkundigt zu haben, ob es schlecht für den Körper
ist, fremdes Blut zu trinken, doch was hätte es schon
geändert? Wir hatten Durst und wir hatten nichts anderes.
An einem Tag sahen wir ein Schiff, so weit entfernt, dass es nur zu sehen war, wenn man angestrengt hinsah. Eine zeitlang winkten und riefen wir, doch natürlich war es vergeblich. Seit dem unterhielten wir so oft es ging ein Feuer, von dem wir hofften, dass es genug Rauch machte um uns für das nächste Schiff sichtbar zu machen. Während all der Zeit schrieb ich jeden Abend an meiner Geschichte weiter und bedeckte Pergamentstück um Pergamentstück mit meiner Schrift. Es hielt ziemlich lange und mir fehlten nur noch wenige Kapitel zum Ende, als alles verbraucht war.
Ich
verfiel wieder in Verzweiflung, dass ich den wichtigsten Teil meiner
Geschichte, das Ende, nicht niederschreiben konnte. Als
schließlich auch das Fleisch knapp wurde, fasste ich einen
Entschluss. Emilie war schwächer als Markus und er
würde mir in Zukunft besser helfen als sie. Wir
würden wieder zu essen haben, und das sogar noch
länger als beim letzten Mal. Natürlich
erzählte ich Markus nichts von meinem Plan und vollbrachte ihn
in der Nacht als beide schliefen. Ich benutzte die gleiche Technik, die
der Junge bei sich selbst benutzt hatte und verarbeitete noch bevor
Markus aufwachte den größten Teil der Arbeit. Er war
schockiert und angewidert, glaube ich, doch ich ignorierte seine
Argumente und verarbeitete Fleisch, Haut und Blut damit wir noch lange
genug leben könnten, bis ein Schiff uns doch noch fand.
Anfangs weigerte Markus sich, von dem Fleisch zu essen, doch dann bekam
er Hunger, und als die Haut gut ausgetrocknet war und ich meine
Geschichte endlich fertig schreiben konnte, teilte er
schließlich das Mahl mit mir. Ich hatte noch einen guten Teil
von Emilies Haut übrig, als ich mit der Geschichte fertig war
und das Wort ENDE darunter schrieb. Ich weiß nicht, ob sie
jemals noch eine Druckmaschine sehen wird, denn ich habe es
mittlerweile aufgegeben, an unsere Rettung zu glauben und die Schrift
auf meiner Haut ist nur noch schwer lesbar. Ich sagte Markus, wenn ich
vor ihm starb, solle er mich vorsichtig behandeln, damit nicht zuviel
vom Text verloren gehe. Er lachte und erklärte mich
für verrückt.
Dann begann ich, auf Emilies Haut unsere Geschichte aufzuschreiben, als Gedenken an uns, falls wir tatsächlich nicht mehr gefunden werden würden, und so sitze ich hier noch immer, vor den letzten Resten ihrer Haut. Vielleicht könnte ich noch weiter schreiben, aber dafür müsste ich auch noch Markus umbringen, und deshalb bringe ich meine eigene Geschichte lieber jetzt zu Ende. Außerdem schreibt mein Kugelschreiber immer schlechter und unser Fleisch geht auch bald aus; ich denke, es würde nicht mehr viel zu schreiben geben. Mal sehen, wer später einmal all die Pergamentstück in unserer Höhle finden wird, die von kleinen, kaum lesbaren Zeichen bedeckt ist.















