Viertelstunde Glücklich
Ich verlier den Boden unter meinen Füßen.
Ein Blick nach oben, laufend, und ich werd erfasst. Grelles Sonnenlicht überspült mich in Wellen und die Wipfel der Tannen kitzeln meine Fersen. Sechzehnhundert Füße tief, der Nebel vor den Augen grad verflogen, klar der Geist nun, klar das Licht, klar der Himmel und das Glück in Sicht.
Ich denk nicht mehr, mein Körper reicht schon weit nach oben, Nerven, Sehnen reichen weit hinauf, sehnen sich, dehnen sich, weit über sich hinaus, ich rieche den leicht rauchigen, kühlen Geruch der Freiheit der von Beinen bis zu Haaren streichelt, bunt ist der Himmel...
Wozu war all mein Warten, all mein Leiden, all mein Schuften für ein Leben dass sich Leben selbst nicht nennen darf? Wozu war Schmerz und Freude, Dinge die der Welten Flachheit reflektierte? Was will ich noch mit Ehre, Mut, Respekt, Intelligenz? Verlor'ne Lieb', gewonn'ne Feind' – das graue Feld ist noch so weit!
Genieße den Moment da meine Augen schweifen dürfen, da die ersten Ohren hören Vögelrauschen, Bäumezwitschern, Welt und Raum, die Zweiten schon vernehmen Wind und Luft, spüren die Sonne und mein Gleichgewicht, die dritten Ohren lauschen Streichern, Violinen, sanften Tönen auf Gitarrensaiten, seitenweise Xylophon und Wasserflussgefällesommerrauschenfreiheitsklang.
Ich fühl es zerren, treiben hoch, ich gebe nach, wie tausend Flügel von eisweißen Greifen steig ich weiter über ihre Burg, gleite ab bis zu dem höchsten Punkt, noch nie geseh'nes Land streckt seine Fühler aus und lässt mich kurz, für ein' Moment die Welt erspür'n.
Es ist einsam hier und trotzdem nicht allein, ich bin das Land, der See, die Luft, wozu braucht man Gesellschaft dann?
Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Gedanken, Gedanken zu Legenden und in mir entstehen Stunden, wachsen aus dem Wachs der Wahrheit und taumeln aus dem Tuch der Ruh', sprießen aus dem Glas des Glücks, hinter sich ein Schweif aus Faszinosum, Novum eines Augenblicks erblickt durch Augen die die Zeit aus Lauten saugen.
Langsam kehrt mein Geist zurück, umschwärmt von tausend Bienen, spüre zitternd, prickelnd meine Finger wieder, dreh mich um mich selbst. Ich näh're mich der Welten Grund erneut, Leben muss geregelt sein und der Moment des Lebens und der Grund der Welt gehen dem Ende zu; doch nicht schon jetzt, nicht hier und heut, Himmel vermiss mich nicht denn bald bin ich zurück und riech' den feinen Duft des Glücks noch mal.
Bunt ist der Himmel von Schirmen, mein nächster Flug wird wieder lang, doch für jetzt zurück blick ich, auf Viertelstunde Glücklich – ich zieh den Schirm zusammen, verlass den Landeplatz mit Augen strahlend, leuchtend, gerichtet gegen Himmel, meine Hände packen den Gleitschirm ein, bereit schon für den nächsten Flug.
Viertelstunde Glücklich.















