Art Brut

art brut
Melancholisch
Romantisch
Autobiographisch
Storytelling
Gesellschaftskritik
Agressiv
Party
Entspannt

"Bang Bang Rock and Roll"


Sprache: Englisch (GB)
Veröffentlicht: 2005
Tracks: 12
Genre: Indie/Rock/Punk

Kurz: Intelligent humorvolle Indierock-Punkmischung von der Insel
Für Fans von: Blur, Beatsteaks, Bloc Party, Hard Fi, Jet, Kaiser Chiefs





Das Debütalbum der britischen Indieband Art Brut (auch ein Begriff für "Rohe Kunst") mit dem herrlich anarchistisch klingenden Titel "Bang Bang Rock And Roll" hat zu seiner Veröffentlichung die britische Musikszene gehörig aufgewirbelt, hierzulande jedoch viel zu wenig Beachtung erlangt. Dabei werden die mit deutschem "U" ausgesprochenen Jungs von Art Brut um Frontman Eddie Argos was Stil und Texte betrifft nicht zu Unrecht als Nachfolger der Erfolgsband Blur gehandelt.
Mit "Bang Bang Rock And Roll" haben die Londoner ein Album hingelegt, dass so vor punkiger Power strotzt und diese so elegant mit alltäglichen bis inhaltlos-humorvollen Texten verbindet, dass es in jeglichen Indiebars auf und ab gespielt werden müsste. Dass das nicht der Fall ist, ist zwar schade, gibt ihnen aber auch einen gewissen Exotenstatus. Erste Single und zugleich auch einer der definitiv stärksten Songs widmet sich der vergangenen Jugendliebe des Frontmannes - "Emily Kane". Gut gelaunte Gitarrenriffs von Chris Chinchilla und Ian Catskilkin mit einem punkigen Schlagzeug von Mikey Breyer und dezentem Bass von Freddy Feedback untermalen den herrlichen Liebestext. Die zwischengeschobene Bridge gibt dem Song den nötigen humorvollen Kick und baut die Energie für den eingängigen Refrain auf, während Argos aufzählt: I have not seen her in ten years, nine months, 3 weeks, 4 days, 6 hours, 13 minutes, 5 seconds... und sich dann wieder in den Refrain schreit: All my friends think I'm insane, I'm still in love with Emily Kane. Diesen Song muss man einfach lieben! Ebenso die Nummer 2 auf dem Album: "My little Brother", ein Track, der zu wahrscheinlich 80 Prozent aus der Zeile My little Brother just discovered Rock'n'roll mit dem Zusatz He's only 22, and he's out of control besteht. Schon allein dieser Text mit der trashig verzerrten Gitarre bringt einen auf der Tanzfläche zum Lachen - aber auch hier ist es wieder die Bridge, die das Stück perfektioniert: He no longer listens to A-sides / He made me a tape of bootlegs and B-sides / And every song - every single song on that tape says exactly the same thing / Why don't our parents worry about us?
Während diese beiden Songs stark hervortreten, sind die anderen zwar weniger eingängig, doch deshalb nichtsdestoweniger sympathisch-fröhliche Songs über das Leben, die man nur laut hören kann. "Good Weekend" oder "Formed a Band" bringen ebenso wie der Titelsong energiereiche, starke Refrains, und jedes Lied hat irgendwo seine kleine Besonderheit, die der Musik ihre Abwechslung verleiht und verhindert, dass die teils recht langen Refrains übermäßig nervig werden. In "Good Weekend" ist diese Besonderheit das überrascht und mit jugendlicher Begeisterung ausgerufene I've seen her naked - twice!, dass thematisch passend ebenfalls zweimal wiederholt wird. Mit "Moving to L.A." zeigen die Briten in einem etwas ruhigeren Song, wie nahe sie den altbekannten Musikern um Damon Albarn von Blur stehen - entspannt schrummige Gitarre, halb gesprochener Frontgesang mit wiederholter Dopplung im Backgroundgesang und klassisches Storytelling in den Strophen. Alles in allem bleiben die anderen Songs jedoch etwas blass und erreichen nicht die Qualität der einzelnen Goldstücke.
Zwei Songs, die ursprünglich nur auf der Single von "Emily Kane" vertreten waren, mittlerweile aber auch auf der Albumversion "Bang Stronger" (auf der weitere Bonussongs enthalten sind) auftauchen, haben sich mittlerweile neben den beiden erstgenannten zu meinen persönlichen Lieblingssongs entwickelt - die "Bang Stronger"-Version lohnt sich also durchaus. "About Time" und "Maternity Ward" sind beide eher ruhigere Songs, die jedoch trotzdem dem Art Brut-Stil treu bleiben. "About Time" mit der herrlichen Zeile In light of recent events / I think it's time to forgive your parents kommt fast schlagzeuglos daher doch mit einem einprägsamen, explodierenden Einsatz eines Glockenspiels nach etwa zwei Minuten und einem geklatschten Takt - Musik und Text erzeugen ein wunderbar frühlingshaftes Gefühl, das die Stimmung aus "Emily Kane" nahezu perfekt ergänzt. "Maternity Ward" schließlich ist zwar ähnlich ruhig, doch wieder etwas näher an der klassischen Indie-Instrumentierung und der unheimlich beruhigenden, gut gelaunt herausgeschrienen Zeile, die man eigentlich zum Schluss des Albums hören sollte: Everything's gonna be alright!

Fazit: Ein Album mit nicht allzu vielen herausragenden Songs, diese haben es aber dafür umso mehr in sich!