Samy Deluxe

samy deluxe
Melancholisch
Romantisch
Autobiographisch
Storytelling
Gesellschaftskritik
Agressiv
Party
Entspannt

"Dis wo ich herkomm"


Sprache: Deutsch
Veröffentlicht: 2009
Tracks: 16
Genre: Hip Hop/Reggae/Jazz

Kurz: Autobiographischer, gut gelaunter Hip Hop in Bestform
Für Fans von: Dynamite Deluxe, Beginner, Jan Eisfeld, Culcha Candela





Samy Deluxe, einer der größten und bekanntesten Rapper Deutschlands, hat sich 2009 auf eine Weise neu erfunden, die Hoffnung für die Vielfalt deutscher Blackmusik aufkommen lässt. "Dis wo ich herkomm" ist so vielseitig, so kritisch, so autobiographisch, wie der Hamburger MC es bisher nur in vereinzelten Songs ("Weck mich auf") zu zeigen vermocht hatte. Textete er früher noch Mich kriegt ihr nicht klein mit all den Fragen wie ich wirklich bin und rappte über die "Grüne Brille", so sagt er heute im Titelsong Früher dacht ich 'Fick Politik', heut will ich mitreden und erzählt von seiner Herkunft und seiner Familie.
Und bei all dem schafft er es trotzdem, gut gelaunte, sommerliche Songs und hymnenartige Lieder zu schreiben - und lässt trotzdem nicht die Kritik vermissen. Ein gekonnter Brückenschlag, wie er z.B. in "Bis die Sonne rauskommt" zu tragen kommt, in dem er zu reggae-lastigen Beats für ein bunteres Deutschland plädiert. Doch auch Lob bekommt seine Heimat in "Dis wo ich herkomm", wo Deutschland als durchaus positiv geschildert wird - was im Vergleich zu früherer Kritik einer Revolution gleichkommt. Doch auch neben den beiden bisherigen Singles strotz das Album von starken Songs, wie z.B. "Musik um durch den Tag zu kommen", in dem er mit passend mitmachender Musik die Wichtigkeit "sogenannter Drecksjobs" hervorhebt; oder der mit Xenja zusammen entstandene Song "Stumm", wo Samy gegen leider ungenannte Mächte textet, die das Volk "unten halten". Zusammen mit Xenjas Stimme und den Beats aus dem Hause Tropf und Dynamite geht der Song dermaßen unter die Haut, dass die Repeat-Taste den Finger magnetisch anzieht.
Unterdessen behandelt der gebürtige Samy Sorge in den drei aufeinanderfolgenden Tracks "Vatertag", "Oma Song" und "Superheld" seine Familie - erst seinen Vater, der seine Familie schon früh im Stich ließ (was Samy sich nun sogar an den "Vater" der Religion wenden lässt), dann seine verstorbene Oma, die sich in seiner Kindheitszeit um Samys Erziehung kümmerte und schließlich seinen Sohn, dessen schwierige Situation als schwarzer Deutscher er einfühlsam nachvollzieht und sich als sein "Superheld mit schwarzer Haut" wünscht. Im letzten Song "Sprech wie ich sprech" wendet sich Samsemilia sogar dem Jazz zu, während er sich inhaltlich mit seiner Beziehung zur deutschen Sprache auseinandersetzt.
Zusammengenommen ist das Album inhaltlich und musikalisch so vielfältig, wie es nicht nur in der Hip Hop Szene, sondern ganz generell nur äußerst selten der Fall ist. Der Hamburger MC blickt auf sein Leben zurück, das seine Entwicklung beeinflusst hat und nun zu Zeilen führt, die ihn "als Mensch repräsentieren". Auch wer nicht für alte Songs von Samy Deluxe zu gewinnen ist, sollte sich diese Platte anhören und sich überzeugen lassen, dass Rap weit mehr sein kann als Berliner Aggro-Musik. Doch auch für Fans des alten Stils gibt es mit "Erster" und "übers Geld" das Gewünschte.

Fazit: Wer etwas von Interpreten hält, die über ihre eigenen Grenzen hinausgehen, experimentieren und sich trotzdem in Talent und Flowtechnik treu bleiben, der kommt an "Dis wo ich herkomm" nicht vorbei!