Die Nation und der Nationalstaat
Unterrichtsmitschrift von Jesko Habert
Nationalismus als Integrationsideologie
Eugen
Lemberg beschreibt in
seinem Text zum Thema „Nationalismus als
Integrationsideologie“ einen Merkmalskatalog,
welcher die Ideologie eines Volkes beschreibt, die benötigt
wird, um diese
ansonsten nur durch sekundäre Merkmale
zusammenhängende Gruppe von Menschen zu
einem Volk im Nationalstaat zusammenzuschweißen. Dies hat
sowohl mobilisierende
als auch integrierende Wirkungen. Erstere sind deutlich zu erkennen am
Beispiel
der beiden Weltkriege. Nur da das Volk sich als
zusammengehörig definierte,
zogen sie gemeinsam in den Krieg, auch dann noch, als es schon schlecht
um den
Sieg aussah – ob diese Auswirkung positiv ist, ist
selbstverständlich eine
andere Frage. Aber andererseits ist es einem Volk nur dann
möglich, etwas gegen
Ungerechtigkeiten im eigenen Land und im Rest der Welt zu tun, wenn sie
einen
gewissen Zusammenhalt spüren, welcher in einer Diktatur ohne
jegliche
Volksidentifikation nicht erreichbar ist. Der Aspekt der Integration
ist
ebenfalls zweiseitig zu sehen. Einerseits ist es natürlich
wahr, dass man sich
leichter in ein Volk integrieren kann, wenn klar ist, durch welche
Werte sich
dieses identifiziert – und Werte kann man sich aneignen, im
Gegensatz zur
Herkunft. Andererseits können die Werte natürlich
auch so aussehen, dass eine
bestimmte Gruppe von Menschen daraus ausgeschlossen ist, wie z.B. die
Juden
während der Zeit der Nazi-Regierung.
Diese
Ideologie muss laut
Lemberg mindestens einen von sieben Punkten erfüllen, um ihren
Sinn und Zweck
zu erfüllen.
1.
Die Ideologie muss ein
Gesamtbild der Gruppe (des Volkes) enthalten, welches aus einem
charakteristischen Merkmal besteht und die Gruppe von außen
abgrenzt. Im
Deutschland der napoleonischen Ära waren das zum Beispiel die
inneren Werte der
Treue und Einfachheit (u.ä.) während unter Hitler die
äußeren Werte der
arischen Herkunft wichtig waren: blondes Haar, blaue Augen.
2.
Der Gruppe muss eine
Rolle in ihrer Umgebung zugewiesen werden. Anfang des 19. Jahrhunderts
war dies
das Schützen des Europa-zentralen Landes (die Tatsache, dass
die Deutschen im
Zentrum Europas lebt, wurde bereits als spezielle Rolle hervorgehoben).
In den
1940er Jahren war es die „Reinhaltung“ der
deutschen Rasse.
3.
Die Ideologie muss die
Gruppe sich Überlegen über andere fühlen
lassen. Hierfür können im gewissen
Maße die gleichen Vergleiche wie bei Punkt 2 gegeben werden.
4.
Die Gruppe muss eine
eigene Moral haben, die ein anderes Verhalten in der Gruppe als
außerhalb
vorschreibt. (Siehe 1)
5.
Die Ideologie muss einen
Feind haben, gegen den sich die Gruppe wendet. Dies waren zur Zeit der
preußischen Reformen die Franzosen, wie ganz gut auch im Text
„Völkerhass“ von
Ernst Moritz Arndt zu sehen ist, während es zur Zeit Hitlers
einerseits die
Juden waren, andererseits (nachdem der Krieg ausgebrochen war) die
Alliierten.
6.
Die Einheit der Gruppe
muss ein geradezu lebenswichtiges Gut sein. (Zusammenhalt damit Nation
nicht überschwemmt
wird von Franzosen – siehe 5)
7.
Die Individuen müssen
sich für die Gruppe hingeben, welche ihnen dafür
ihren Tribut erzollt. (Am
besten zu sehen in den Kriegen – Heldentum, Paradies.)
"Der deutsche Nationalismus" von H.U. Wehler
Der
Text besagt, dass der
Nationalismus nicht aus einer Nation entsteht, sondern genau
andersherum. Der
Nationalismus fordert einen Nationalstaat und bedient sich der
vergangenen
Ereignisse und Dinge, die zwar unter einer nicht-nationalen Herrschaft
stattfanden bzw. entstanden, sich aber trotzdem zu Nationalkrieg,
Nationalsprache und Nationalkultur umbilden lassen. Obwohl die
großen Nationen
erst in Frankreich, England und USA entstanden, nahmen diese sich doch
Deutschland zum Vorbild, wo das Thema bereits diskutiert wurde (was
möglich war
durch das rasanten Bevölkerungswachstum und die
ökonomischen Wandel, zusammen
mit Unzufriedenheit mit französischer Herrschaft). Vorteil
eines
Nationalstaates ist die Volkssouveränität (und
Lösung gegen
Integrationsprobleme und Lösung der Identitätskrise
nach Kriegs- und
Revolutionsproblemen). Deutsche Probleme in Demokratie kommen von
Unterentwicklung der nationaldemokratischen Komponente.
"Der Nationalstaat als natürlichster Staat" von Herder
Herder stellt die These auf, dass der natürlichste Staat der ist, der einen gemeinsamen Nationalcharakter, also ein Volk vereint. (Gleichnis: wie Pflanze oder Familie) Ein gebildeter Herrscher lässt den Staat auf diese Weise lebendig bleiben, während es nur schadet, wenn das Staatsgebiet künstlich erweitert wird, da sich dann verschiedenste Nationalitäten unter einem Zepter vereinen und so nicht lebendig sein können und sich nicht als ein Staat fühlen können – die führt früher oder später zum Zerfall des Staates. Symbole der künstlichen Zusammenschmelzung: Wappen aus Löwe, Drache, Adler und Bär, und „trojanische Rosse“ – Anspielung auf Untergang durch „Mechanisierung“ ebenso wie Tonbeispiel, da der zerbricht, während Nationalstaat unveränderlich und unumgänglich ist.