Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen
Unterrichtsmitschrift von Jesko Habert


1.Brief

Metakommunikation. (Appell an Leser) Auseinandersetzung mit Grundsätzen von Kant und Text über das Schöne und die Kunst (Kunst hängt mit Glückseligkeit zusammen und moralischen Adel (Horaz: Nutzen und Erfreuen)in gewisser Weise zusammen). Will größtenteils auf Kant eingehen, entschuldigt sich für theoretische Sprache und eigenes Unvermögen. (Bescheidenheit) Kant sehr hochgeschätzt. Kants wissenschaftliche Sprache verhindert allgemeines Erkennen. Durch Intuition ist trotzdem der Grundgedanke empfindbar, technische Sprache ist nur nötig zur Analisierung. Kant schreibt richtig, aber nicht verständlich für den normalen Bürger. Aufklärungsgedanke: Kants Gedanken sind intuitiv – eigentlich schon Verstand, da viele Sachen im Mittelalter von der Intuition ganz anders. Schiller will über Schönheit reden, diese mit dem Verstand nachzuvollziehen ist für Gefühlsmenschen noch weniger Nachvollziehbar als die Moral. Schwierigkeit bei der Schönheit, denn durch Verstandanalyse löst Schönheit / Kunst sich quasi auf, also eigentlich unangemessen.

>>Prinzipien durch die Untersuchung


2.Brief

Rhetorisch: ist es möglich über Kunst statt über Politik zu reden? Nicht sinnvoller, darein zu fügen? Gerade in diesem Jahrhundert wird Kunst immer mehr an die Wand gedrängt, es wird immer in Betracht gezogen ob etwas Nützlich ist und verliert Boden gegen Wissenschaft usw. Jeder mit Vernunft und Interesse müsste mitbilden und Gedanken beitragen nicht nur die „High Society“. Jetzt wo es auch eher möglich ist, sollte man sich auch politisch mehr engagieren. Durch Schönheit erwächst Freiheit, Kunst wird eingebunden, und dass will er in folgenden Briefen belegen.
Erweitertes Kunstwerk – politisches System. Staatsdebatten gut, aber es sollten noch mehr eingebunden werden. Auf jeden Fall ist Ästhetik notwendige Vorraussetzung für Freiheit (These). Ohne Schönheit wird Freiheit zur Willkür.

>>Auch in der Politik wird Freiheit durch Schönheit erlangt


3.Brief

Zwei Arten von Staaten: Notstaat (Aus Notwendigkeit des Zusammenlebens) ist Naturstaat (Jeder Mensch handelt nach den Naturbedürfnissen – Trieb Ausübung z.B. auch Adel) und Vernunftstaat (Moralischer Mensch strebt nach vernünftigen Gesetzen, Bsp: veredelte Liebe durch Sittlichkeit.). Vernunftmensch will Naturstaat verwandeln, da dieser unmoralisch und unbefriedigend. Er strebt nach Freiheit und moralischen Gesetzen – das war auch Ursprung der franz. Ref. Problem dabei, ist wenn dem Menschen der Naturstaat entzogen wird, werden den Menschen die natürlichen Triebe entzogen. Bei diesem Umschwung entsteht Chaos (Bild: Rad wechseln während der Wagen fährt) Naturstaat muss beachtet werden. Mensch muss Charakter zwischen Natur und Vernunft bilden bevor der Staat zum Vernunftstaat wird. Urteil: Mensch ist berechtigt, das zu verändern, da der Staat aus Menschen besteht. Daraus bildet sich der ästhetische Charakter, der führt zu Staat mit moralischen Gesetzen. Heißt: Vernunftstaat erst wenn die gewalttätigen Menschen über die ästhetische Erziehung vernünftig geworden sind möglich, vorher ist der feste Rahmen nötig. Argumentation ist eher konservativ, da man immer sagen könnte, die Menschen sind noch nicht reif, dann würde es keine Veränderung geben. Gegenthese Marx: Mensch reift am Staat.
Folgerung: Naturstaat darf nicht aufhören wenn es noch Naturmenschen gibt.
Fazit: Zwischenzustand (ästhetischer) zwischen den Schritten.

>>Vertragstheorie: Staat ist ein Vertrag zwischen Regierung und Volk. Eine Staatsumwandlung birgt die Gefahr des Chaos.


4. Brief

Für Vernunftstaat benötigt man ein Übermaß an Vernunftmenschen gegenüber der Gewaltmenschen. These: in jedem Menschen lebt ein „Idealmensch“, zu dem der physische Mensch hinstrebt (Entwicklung). Übertragung auf den Staat, da dieser den Idealmenschen in der Gemeinheit repräsentiert. Um zum Idealbild zu kommen kann nur entweder dieser (bzw. der Staat) den physischen Mensch (das Individuum) unterdrücken, oder Letzterer entwickelt sich zu Ersterem und geht in ihm auf. Vernunft ist Einheit, Natur ist Vielfältigkeit. Es wird eine Mischung aus beidem benötigt: ein Mensch oder ein Staat, der nur durch Verbannung der Vielfältigkeit einig wird, ist noch nicht ausgereift. Ebenso muss der Staat das Individuum unterdrücken, wenn es, also das subjektive Ich, das objektive Ich nicht akzeptiert und ihm noch zu widersprüchlich ist. Ist dies nicht mehr der Fall, stellt sich ein ausgeglicheneres Verhältnis ein.
Mensch kann sich auf zwei Weisen uneins sein: „Wilder“, der subjektive, der die Natur ehrt und die Kunst missachtet, und „Barbar“, der objektive, der die Natur missachtet. Synthese – Gebildeter Mensch zügelt die Natur bloß, akzeptiert sie aber ansonsten zusammen mit der Kunst.
Handwerker und Künstler behandeln Rohstoffe gedankenlos, da es ihnen um das Ganze geht, und nicht um die Teile des Ganzen. Der Politiker / Staatskünstler hingegen muss nicht nur wie der Künstler dies vortäuschen, sondern sich auch um die Individuen kümmern bzw. sie schonen. (Mensch ist nicht nur Rohstoff). Staat darf dem Menschen nicht Gewalt antun, da dieser nicht Selbstzweck ist.

>>Milder Staat braucht vernünftige, gebildete Bürger. (Gegensatz Wilder / Barbar)


5.Brief

Französische Revolution ist gewaltsame Forderung der (angeblichen) natürlichen Rechte auf den Vernunftstaat. Dies scheint die Möglichkeit auf einen solchen zu geben, da der Naturstaat tatsächlich wankt. Die Hoffnung ist aber vergeblich, weil die Moral noch nicht ausgereift ist. Niedere Klassen verwildern, Höhere Erschlaffen.
Aufklärung des Verstandes führt zu Verfall der Gesinnung. (deswegen Freiheit nicht möglich) (Nützlichkeitserklärung) – Natursohn wird Rasender, wenn die Gesellschaft sich auflöst. Barbar kennt die Grundsätze ignoriert sie aber bewusst. Nutzung des Verstandes für die Befriedigung der Triebe.

>>Gegenwart: Unterschicht verwildert, Oberschicht erschlafft.


6.Brief

Griechen. Schiller beginnt, damit, die Dialektik rauszustellen. Alle Völker fallen durch „Vernünftelei“ von der Natur ab, bevor sie zu ihre zurückkehren. Dialektik: Natur, dann davon abfallen, Synthese: nicht zurück sondern vorwärts zur Natur (Verbindung). Griechen sind anderen Naturvölkern voraus: natürlich, gute Kunst und Weisheit. In keinem Gebiet sind wir heute laut Schiller besser als sie. (Typische Griechenbegeisterung der Zeit) Dies kam daher, dass die freien Männer politisch, athletisch und wissenschaftlich gefordert wurden. Wir hingegen sind spezialisierter, aber nur auf einem Gebiet. Die Menschen empfinden Staat nicht mehr als positiven Wert, weil er Spezialisierung verlangt. Verbindung zwischen Theorie und Praxis ist verloren gegangen. Fortschritt musste trotzdem sein, und konnte nur so sein, dass die Einheit zerfällt – auf einzelnen Gebieten ist jeder weiter als die Griechen, dafür fehlt die Gesamtheit. Aber Schiller überlegt, ob es denn nicht trotzdem eine Einheit geben kann, die man erreichen kann.

>>Griechenland als Vorbild, die Moderne spezialisiert sich


7.Brief

Der Staat kann die harmonische Einheit nicht wiederherstellen. Teufelskreis: besserer Staat entsteht durch besseren Menschen und andersrum. Das Zeitalter hat sich entfernt von der Chance, einen Menschen hervorzubringen, der diese Staatsverbesserung bewirken könnte. Man muss sich solange von der Hoffnung eines harmonischen Staates entfernen, bis die unnatürliche Trennung wieder aufgelöst ist und der Mensch den benötigten Status erreicht. Beispiel der Natur: Einzeller zum Menschen: ebenfalls langwieriger Prozess und erst möglich wenn Abhängigkeit vom Elementaren überwunden werden. Mannichfaltigkeit darf erst gefördert werden, wenn Einheit erreicht ist. (Ebenso andersrum) Willkürlicher Mensch muss Freiheit bekommen und andersrum. Der Mensch muss sich der Natur entziehen um zur Wahrheit zu finden. Unterdrückung des Menschen wird bleiben, nicht mehr aus religiösen Gründen sondern aus rational-aufklärerischen Gründen. (Freiheit erschreckt, man ruft den Diktator zurück, durch dessen strengere Gesetze entsteht eine neue Revolution.

>>Der Staat braucht die Spezialisierung und kann deshalb nicht helfen


8.Brief

Rhetorische Frage: soll die Philosophie sich zurückziehen? Vernunft ist der Ausweg (Vergleich mit griechischen Göttern, Sendung wichtiger Persönlichkeiten) wenn sie zum Gesetz wird.

>>Das Herz muss gebildet werden: Gefühl und Wille


9.Brief

Staat kann verbieten aber nicht gebieten: Kunst und Wissenschaft sind frei. (möglich sind natürlich Ausnahmen der Sympathision) Mit Kunst kann man den Teufelskreis aufheben. Künstler = Sohn der Zeit, wenn aber auch Günstling, dann geht die Freiheit verloren. Nur an der Antike geschulter Künstler ist brauchbar – da Schiller nicht argumentieren kann und keine Vorschläge machen kann, benutzt er eindrucksvolle sprachliche Mittel. Dieser Künstler soll Harmonisierung der ganzen Welt einleiten (Romantikmotiv!) Künstler muss in seiner Welt leben aber über sie herauswollen, trotzdem aber nicht ungeduldig werden.

>>Autarke Bildungsquelle ist die Kunst – der Künstler wird als Ideal dargestellt.


10. Brief

Wie kann Kunst bei Rohheit und Erschlaffung helfen? (Energische Kunst und Schmelzende Kunst – siehe Brief 16)
Es gibt widersprechende (achtungswürdige) Menschen (z.B. Platon) die den Nutzen der Kunst leugnen. Das kommt daher, dass manche Kunst nur auf Form und nicht Inhalt achtet.
Künstlerische Blüte kommt erst nach politischer Blüte (fast schon Verfall) – dies spricht gegen Kunst als Mittel zur guten Erziehung. Schillers Ausweg: er kümmert sich nicht um Beispiele der Realität sondern um das Ziel. (Beispiele beweisen gar nichts). Schönheit muss sich aus dem Menschen ergeben (aus Mischung von Körper und Bewusstsein). 2 Einwände: Kunst gibt nur formale Bildung, und Kunst kommt erst nach politischem Höhepunkt. Schiller entkräftet sie nur teils.

>>Einwand: die künstlerische Blüte kommt erst nach der politischen Blüte. Kunst ist kein Erziehungsmittel? Schönheit ist Bedingung des Menschseins


11.Brief

Letzter Schritt der Abstraktion ist Aufteilung in Person (Bleibendes) und Zustand (sich verändernd). Aufgrund ihrer Natur kann weder das Eine auf dem Anderen, noch andersherum gründen. Außerdem steht das Sein nicht mit dem Denken, Wollen und Empfinden (da diese mit etwas außerhalb von uns zu tun hat)in Verbindung. Das heißt die Person ist in sich selbst begründet (das Sein – das ist Freiheit), da alles von außen abhängende veränderlich wäre. (Also auch nicht irgendwann „anfangen“, da sie selbst der subjektive Anfang für die Zeit ist.) Der Zustand hängt hingegen von der Zeit ab. Der Zustand, also die Veränderung wirkt an dem Menschen. (Bsp: die Blume blüht und verwelkt). Der Mensch ist also nicht eine Person, sondern eine Person in einem Zustand. Person ist nur die Anlage zum möglichen äußeren Ausdruck. Wenn diese bloße Form empfindet, wird sie zur Materie (ohne Vereinigung). Mensch hat die Aufgabe den Wechsel in ein Kontinuum zu verwandeln. (unendliche Aufgabe – nur bei Gott ist der Zustand vollkommen bleibend – Mensch ist gottähnlich). Aufgaben: Realität – alles zur Welt machen was nur Form ist und Formalität – alles was Welt ist verarbeiten.

>>Mensch ist Formtrieb und Stofftrieb


12.Brief

Gliederung in zwei Triebe: Stofftrieb: Veränderung schafft der Zeit einen Inhalt (Inneres veräußern, anderer Begriff ist Empfindung). Da Zeit linear verläuft schließt eine Aktion jede andere aus (Bsp: ein Klavierton schließt alle anderen aus). Sinnlicher Trieb ist Schranke??? Formtrieb ist Erhaltung und Stärkung der Person. (Äußeres formen). Seine Gesetze, z.B. Moral, sollten immer gelten. Mit Formtrieb nimmt man die Zeit in sich auf und ist nicht mehr abhängig von ihr.

>>Mensch ist Formtrieb und Stofftrieb


13.Brief

Urteil: Der Mensch besteht nur aus diesen beiden Trieben. Frage: wie vereinigt man diese miteinander? Beide Triebe richten sich auf verschiedene Bereiche, das heißt sie können nebeneinander existieren. Kultur sorgt für Ausgleich. Mensch soll Gefühlswelt ausbilden. Stofftrieb mäßigen nur aus Charakter und nicht aus Abstumpfung. Formtrieb mäßigen aus Selbsterziehung und nicht aus Dummheit.

>>Kultur ist eine Ausbildung und Begrenzung beider Triebe


14.Brief

Dadurch dass man die Dinge sieht, denkt man darüber nach, dadurch dass man darüber nachdenkt sieht man mehr davon. Wir sind Mensch, wenn wir beides zugleich erfahren. (Wechselwirkung = Ideal. Ganz zu vollenden nur als Gott – wieder unendliches Ziel: Mensch soll sich vervollkommnen) Einführung des dritten Triebes: Spieltrieb. Dieser will Empfänglichkeit mit Kreativität verbinden. Stofftrieb hat gewisse physische Zwänge, die sich nicht vermeiden lassen. Am Beispiel der Liebe: jemanden lieben, obwohl man ihn moralisch verachtet. Umgekehrt ist die Nötigung der Vernunft: einen achtbaren Menschen hassen. Positive Synthese ist: einen achtbaren Menschen zu lieben. Auflösung der beiden Nötigungen ist in der Phantasie – der Spieltrieb lebt sich in dieser aus. Ignorieren der anderen Affekte. Im Beispiel der Liebe: da man dies will ist es für sich die ideale Liebe: Aufhebung der Zwänge. Spieltrieb: muss nicht funktionieren, deshalb keine Zwänge. Es ist die Verbindung von Stoff- und Formtrieb, verbunden mit Genuss an der Sache. Spieltrieb ist also in gewisser Weise auch Kunst.

>>Spieltrieb ist die Aufhebung der Zwänge


15.Brief

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er dem Spieltrieb folgt. Schönheit entsteht durch Spieltrieb. Da der Mensch nur Mensch ist wenn er diesem Trieb folgt, ist die Schönheit damit notwendigerweise nötig zum Menschsein. Spieltrieb ist Einheit zwischen anderen Trieben. Kann Gestalt bekommen in Marmorskulptur. (andersrum kann rational wahrgenommener Mensch auch diese „Gestalt“ fehlen) Schönheit ist nicht nur äußerlich schön sondern eine schöne innere, zeitlich bewegte Gestalt. -> keine biographischen Einbrüche. Schon wandeln, aber keine unbegründeten, unschlüssigen Einbrüche. Ursprung der Schönheit lassen sich trotzdem nicht analysieren. In Griechenland war der Spieltrieb normal, wenn auch auf die Götter projiziert. Übertragung von griechischen Mythos (hat keine Naturgesetze und Sittengesetze) zur klassischen Kunst, wo dies ebenfalls der Fall sein soll.

>>Verbindung von Idealität und Realität ist Kunst und auch der Mensch. Mensch soll mit der Schönheit spielen


16.Brief

Schönheit kann Spannung aufheben und vergrößern. Gleichgewicht Idealität und Realität. Schmelzende Schönheit gegen Formtrieb, energische Schönheit gegen Stofftrieb.

>>In der Realität gibt es schmelzende und energische Schönheit


17.Brief

Wirkung der realen Schönheit. Schönheit wird aus der Idee in die Wirklichkeit übertragen. Hier wird die Endlichkeit der Person sichtbar. Diese Schranken entstehen aus dem Gebrauch der Freiheit. Mangeln an Übereinstimmung oder an Energie stören die Vollkommenheit der Schönheit. Scheinharmonie durch Erschlaffung der Kräfte oder Anspannung einer Kraft. Als Hilfe siehe 16.Brief schmelz. und energ. Schönheit.

>>Wirkung der beiden o.g. Schönheiten auf angespannten und abgespannten Menschen


18.Brief

Schönheit zwischen Form und Stofftrieb, um sie zu vereinigen. Dies ist andererseits aber nicht möglich, da die beiden sich widersprechen. Die einzige Lösung ist, dass der Spieltrieb beide anderen Triebe quasi auflöst. Durch Schönheit kommt geistiger Mensch zur Materie und andersherum. Schönheit ist Synthese: Aufhebung in drei Bedeutungen: anheben, auflösen und konservieren.

>>Kluft zwischen Erfahrung und Idee bleibt


19.Brief

Passive und aktive Bestimmbarkeit und passive und aktive Bestimmung. Zustand vor der Bestimmung ist Bestimmbarkeit ohne Grenzen (pB-t) (leere Bestimmbarkeit). Sinn des Menschen wird berührt aus unenendlicher Menge von Bestimmung durch Begrenzung. (pB-g) (bewusste Ergreifung) Das bildet Realität auf Kosten der Unendlichkeit. Dasselbe muss auch mit der Zeit passieren. Dies ist nur möglich durch Verstand. Schönheit ist keine Kluftfüllung, sondern Versöhnung zwischen den beiden Kräften. Die beiden Bestimmungen sind die beiden Grundtriebe. Wenn der eine Trieb jedoch den anderen begrenzt, dann entsteht ein freier Wille. (z.B. Denken begrenzt den Stofftrieb und bildet Freiheit – Schönheit begrenzt den Stofftrieb ebenfalls – aus anderen Gründen – und unterstützt in dem Fall das Denken: Schaffen der Kultur)
Mensch denkt nur dann nicht, wenn er seinen Geist nicht einsetzt – Sinneseindrücke können den Geist nicht schwächen. (aB-g = Selbstbestimmung, Denken, aB-t = ästhetischer Zustand: Alle Triebe sind aktiv, dadurch ist die Fülle der Möglichkeiten bewusst. Dieser Zustand zeigt das Idealbild des Menschen.)

>>Historische Entwicklung: wo sich Stoff und Formtr. begrenzen entsteht freier Wille


20.Brief

Um aus Stofftrieb zum Formtrieb zu kommen, muss man erst in die Bestimmungslosigkeit, dies geht nur durch gleiches Verhältnis beider Triebe (Bild der Waage) was dann den ästhetischen Zustand.

>>Ästhetischer Zustand ist: Stofftrieb hört auf, Formtrieb hat noch nicht eingesetzt.


21.Brief

Bestimmbarkeit durch Gegenstandslosigkeit (ohne Realität) oder Bestimmbarkeit durch totale Realität. Bestimmtheit durch Empfindung oder durch Denken. Schönheit gibt Möglichkeit zur Entwicklung, sie ist aber kein Zwang. Freiheit des Menschen, der zwischen Engel und Tier steht. Kunst dient nicht der Erkenntnis sondern der Freisetzung.

>>Ich werde bestimmt durch Stofftrieb und bestimme mich durch Formtrieb. Bestimmbarkeit= Mensch am Anfang ist unbestimmt, im ästhetischen Zustand ist er unbestimmt in der Gesamtheit.


22.Brief

Wirkungsästhetik – Zeit sollte aufgehoben werden. Form soll den Stoff vertilgen (übertrieben ausgedrückt). Gemüt muss trotz Leidenschaftlichkeit frei bleiben und von Zwecken frei gehalten werden, aber trotzdem hängt die Kunst auch von Betrachter ab.

>>Ästhetischer Zustand wird auf verschiedene Gattungen und Betrachter bezogen


23.Brief

Es gibt aufnehmenden Zustand (Leidend), den ästhetischen Zustand und das Denken und Wollen. Bevor der Mensch vernünftig werden kann, muss er in den ästhetischen Zustand kommen, da dieser einem das Vermögen gibt, vernünftig zu werden. Erst wenn man da angelangt ist können Gesetz und Moral auf einen wirken. Ist der ästhetische Zustand erreicht, kann man zum moralischen und logischen Menschen werden, wofür man äußere Einflüsse benötigt. (aus freiem Willen moralisch handelt ist ästhetische Natur). Moral und Wahrheit wirken für sich, aber der ästhetische Zustand gibt ihnen die Möglichkeit ihrer Wirkung. Einteilung in „Edel“, „Erhaben“ und „Anmut“ (Nötiges veredeln, Triebe wegen der Pflicht unterdrücken, Neigung und Pflicht fallen zusammen).

>>Rückblick auf 17.Brief: ästhetischer Zustand = notwendiger Übergang von Natur zu Moral


24.Brief

Es reich nicht aus, dass die Schönheit in Bezug auf den Menschen gesehen werden, sondern auch historisch: in jeder Kultur gibt es sie – hierauf konzentriert sich Schiller. Dreistufenmodell zeigt die menschliche Entwicklung über die drei Zustände (physisch, ästhetisch, moralisch). Geschichtlich: ist der Herrscher auf einer fortgeschrittenen Stufe, ist das Volk es auch. Idealer Mensch weiß nicht nur, dass es das Geistige gibt, sondern beschäftigt sich auch damit. (Vernunft nicht als äußeren Gott nehmen sondern als innere Vernunft akzeptieren.) Verwendet man die Vernunft auf das irdische statt auf das moralische, ist es ein vergänglicher Zustand und damit nur begrenzt sinnvoll, und deshalb nicht das Ziel einer Zivilisation.

>>Der vorherrschende Verstand, der sich auf Sinnliches konzentriert bringt Unform der Zivilisation.


25.Brief

Die drei Zustände: „Physisch, Ästhetisch, Moralisch“, welche für jeden Menschen gelten aber auch bei jeder Wahrnehmung zu beobachten ist. Stofftrieb lässt einen mit der Welt eins werden, während der Formtrieb sich auf die Ewigkeit richtet. (Beziehung auf Griechen – Götterdynastien stellen Bewusstseinswandel dar). Reflektierender Mensch ist frei und Geist, formt die Materie und fühlt sich überlegen. (Formtrieb). Ästhetischer Zustand: freie Betrachtung ohne Vergessen der sinnlichen Welt. Menschsein und Schönheit gehören zusammen, da sie beide aus den drei Zuständen bestehen.

>>Begriffsbestimmung Physisch, Ästhetisch, Moralisch


26.Brief

Ästhetischer Zustand ist ein Geschenk der Natur, tritt weder bei Mangel noch Üppigkeit ein. (Mensch kommt ganz natürlich auf spielerische Ideen – schon bei Naturvölkern vorhanden.) Dummheit richtet sich auf die Sinne, Verstand richtet sich auf die Wahrheit, Spieltrieb richtet sich hingegen auf Selbstgenuss und im Grunde auch auf Schein. Menschliche Natur kommt dem entgegen: Auge und Ohr brauchen Abstand zur Materie. Der Mensch schafft sich bewusst eine eigene Welt, in der er die Naturgesetze aufhebt – dies aber nicht als Täuschung, sondern als gewollten und klaren Schein. (Kunst ist nicht Wirklichkeit, Moral und Wahrheit)

>>Schein: ist Kunst nicht Lüge? Dies ist bewusst und gewollt.


27.Brief

Die Menschheit beginnt da, wo er anfängt zu streben und zu spielen (Kunst). Dabei ist der Spieltrieb selbst auch schon bei anderen Säugetieren vorhanden. Spieltrieb ist z.B. auch in der Verschönerung von Gebrauchsgegenständen schon in der Vergangenheit sichtbar. Nach der äußeren Verschönerung beginnt er auch, sich innerlich zu verschönern.
Der Mensch hat in der Gesellschaft die Freiheit, durch Ästhetik eine harmonische Gesellschaft hervorzubringen.
Formtrieb, Bewusstsein, muss auch in der Kunst beim Menschen den Spieltrieb ordnen.

>>Geschichtliche Entwicklung: gibt es eine ästhetische Gesellschaft?