Friedrich Schiller: Über die ästhetische
Erziehung des Menschen
Unterrichtsmitschrift von Jesko Habert
1.Brief
Metakommunikation. (Appell an Leser) Auseinandersetzung mit Grundsätzen von Kant und Text über das Schöne und die Kunst (Kunst hängt mit Glückseligkeit zusammen und moralischen Adel (Horaz: Nutzen und Erfreuen)in gewisser Weise zusammen). Will größtenteils auf Kant eingehen, entschuldigt sich für theoretische Sprache und eigenes Unvermögen. (Bescheidenheit) Kant sehr hochgeschätzt. Kants wissenschaftliche Sprache verhindert allgemeines Erkennen. Durch Intuition ist trotzdem der Grundgedanke empfindbar, technische Sprache ist nur nötig zur Analisierung. Kant schreibt richtig, aber nicht verständlich für den normalen Bürger. Aufklärungsgedanke: Kants Gedanken sind intuitiv – eigentlich schon Verstand, da viele Sachen im Mittelalter von der Intuition ganz anders. Schiller will über Schönheit reden, diese mit dem Verstand nachzuvollziehen ist für Gefühlsmenschen noch weniger Nachvollziehbar als die Moral. Schwierigkeit bei der Schönheit, denn durch Verstandanalyse löst Schönheit / Kunst sich quasi auf, also eigentlich unangemessen.
>>Prinzipien durch die Untersuchung
2.Brief
Rhetorisch:
ist es möglich über Kunst statt über Politik
zu reden? Nicht sinnvoller, darein
zu fügen? Gerade in diesem Jahrhundert wird Kunst immer mehr
an die Wand
gedrängt, es wird immer in Betracht gezogen ob etwas
Nützlich ist und verliert
Boden gegen Wissenschaft usw. Jeder mit Vernunft und Interesse
müsste mitbilden
und Gedanken beitragen nicht nur die „High
Society“. Jetzt wo es auch eher
möglich ist, sollte man sich auch politisch mehr engagieren.
Durch Schönheit
erwächst Freiheit, Kunst wird eingebunden, und dass will er in
folgenden
Briefen belegen.
Erweitertes
Kunstwerk – politisches System. Staatsdebatten gut, aber es
sollten noch mehr
eingebunden werden. Auf jeden Fall ist Ästhetik notwendige
Vorraussetzung für
Freiheit (These). Ohne Schönheit wird Freiheit zur
Willkür.
>>Auch in der Politik wird Freiheit durch Schönheit erlangt
3.Brief
Zwei
Arten von Staaten: Notstaat (Aus Notwendigkeit des Zusammenlebens) ist
Naturstaat (Jeder Mensch handelt nach den Naturbedürfnissen
– Trieb Ausübung
z.B. auch Adel) und Vernunftstaat (Moralischer Mensch strebt nach
vernünftigen
Gesetzen, Bsp: veredelte Liebe durch Sittlichkeit.). Vernunftmensch
will
Naturstaat verwandeln, da dieser unmoralisch und unbefriedigend. Er
strebt nach
Freiheit und moralischen Gesetzen – das war auch Ursprung der
franz. Ref.
Problem dabei, ist wenn dem Menschen der Naturstaat entzogen wird,
werden den
Menschen die natürlichen Triebe entzogen. Bei diesem Umschwung
entsteht Chaos
(Bild: Rad wechseln während der Wagen fährt)
Naturstaat muss beachtet werden.
Mensch muss Charakter zwischen Natur und Vernunft bilden bevor der
Staat zum
Vernunftstaat wird. Urteil: Mensch ist berechtigt, das zu
verändern, da der
Staat aus Menschen besteht. Daraus bildet sich der ästhetische
Charakter, der
führt zu Staat mit moralischen Gesetzen. Heißt:
Vernunftstaat erst wenn die
gewalttätigen Menschen über die ästhetische
Erziehung vernünftig geworden sind
möglich, vorher ist der feste Rahmen nötig.
Argumentation ist eher konservativ,
da man immer sagen könnte, die Menschen sind noch nicht reif,
dann würde es
keine Veränderung geben. Gegenthese Marx: Mensch reift am
Staat.
Folgerung:
Naturstaat darf nicht aufhören wenn es noch Naturmenschen
gibt.
Fazit:
Zwischenzustand (ästhetischer) zwischen den Schritten.
>>Vertragstheorie: Staat ist ein Vertrag zwischen Regierung und Volk. Eine Staatsumwandlung birgt die Gefahr des Chaos.
4.
Brief
Für
Vernunftstaat benötigt man ein Übermaß an
Vernunftmenschen gegenüber der Gewaltmenschen.
These: in jedem Menschen lebt ein „Idealmensch“, zu
dem der physische Mensch
hinstrebt (Entwicklung). Übertragung auf den Staat, da dieser
den Idealmenschen
in der Gemeinheit repräsentiert. Um zum Idealbild zu kommen
kann nur entweder
dieser (bzw. der Staat) den physischen Mensch (das Individuum)
unterdrücken,
oder Letzterer entwickelt sich zu Ersterem und geht in ihm auf.
Vernunft ist Einheit, Natur ist Vielfältigkeit. Es wird eine
Mischung
aus beidem
benötigt: ein Mensch oder ein Staat, der nur durch Verbannung
der
Vielfältigkeit einig wird, ist noch nicht ausgereift. Ebenso
muss der Staat das
Individuum unterdrücken, wenn es, also das subjektive Ich, das
objektive Ich
nicht akzeptiert und ihm noch zu widersprüchlich ist. Ist dies
nicht mehr der
Fall, stellt sich ein ausgeglicheneres Verhältnis ein.
Mensch
kann sich auf zwei Weisen uneins sein: „Wilder“,
der subjektive, der die Natur
ehrt und die Kunst missachtet, und „Barbar“, der
objektive, der die Natur
missachtet. Synthese – Gebildeter Mensch zügelt die
Natur bloß, akzeptiert sie
aber ansonsten zusammen mit der Kunst.
Handwerker
und Künstler behandeln Rohstoffe gedankenlos, da es ihnen um
das Ganze geht,
und nicht um die Teile des Ganzen. Der Politiker /
Staatskünstler hingegen muss
nicht nur wie der Künstler dies vortäuschen, sondern
sich auch um die
Individuen kümmern bzw. sie schonen. (Mensch ist nicht nur
Rohstoff). Staat
darf dem Menschen nicht Gewalt antun, da dieser nicht Selbstzweck ist.
>>Milder Staat braucht vernünftige, gebildete Bürger. (Gegensatz Wilder / Barbar)
5.Brief
Französische
Revolution ist gewaltsame Forderung der (angeblichen)
natürlichen Rechte auf
den Vernunftstaat. Dies scheint die Möglichkeit auf einen
solchen zu geben, da
der Naturstaat tatsächlich wankt. Die Hoffnung ist aber
vergeblich, weil die
Moral noch nicht ausgereift ist. Niedere Klassen verwildern,
Höhere
Erschlaffen.
Aufklärung
des Verstandes führt zu Verfall der Gesinnung. (deswegen
Freiheit nicht
möglich) (Nützlichkeitserklärung)
– Natursohn wird Rasender, wenn die
Gesellschaft sich auflöst. Barbar kennt die
Grundsätze ignoriert sie aber
bewusst. Nutzung des Verstandes für die Befriedigung der
Triebe.
>>Gegenwart: Unterschicht verwildert, Oberschicht erschlafft.
6.Brief
Griechen. Schiller beginnt, damit, die Dialektik rauszustellen. Alle Völker fallen durch „Vernünftelei“ von der Natur ab, bevor sie zu ihre zurückkehren. Dialektik: Natur, dann davon abfallen, Synthese: nicht zurück sondern vorwärts zur Natur (Verbindung). Griechen sind anderen Naturvölkern voraus: natürlich, gute Kunst und Weisheit. In keinem Gebiet sind wir heute laut Schiller besser als sie. (Typische Griechenbegeisterung der Zeit) Dies kam daher, dass die freien Männer politisch, athletisch und wissenschaftlich gefordert wurden. Wir hingegen sind spezialisierter, aber nur auf einem Gebiet. Die Menschen empfinden Staat nicht mehr als positiven Wert, weil er Spezialisierung verlangt. Verbindung zwischen Theorie und Praxis ist verloren gegangen. Fortschritt musste trotzdem sein, und konnte nur so sein, dass die Einheit zerfällt – auf einzelnen Gebieten ist jeder weiter als die Griechen, dafür fehlt die Gesamtheit. Aber Schiller überlegt, ob es denn nicht trotzdem eine Einheit geben kann, die man erreichen kann.
>>Griechenland als Vorbild, die Moderne spezialisiert sich
7.Brief
Der Staat kann die harmonische Einheit nicht wiederherstellen. Teufelskreis: besserer Staat entsteht durch besseren Menschen und andersrum. Das Zeitalter hat sich entfernt von der Chance, einen Menschen hervorzubringen, der diese Staatsverbesserung bewirken könnte. Man muss sich solange von der Hoffnung eines harmonischen Staates entfernen, bis die unnatürliche Trennung wieder aufgelöst ist und der Mensch den benötigten Status erreicht. Beispiel der Natur: Einzeller zum Menschen: ebenfalls langwieriger Prozess und erst möglich wenn Abhängigkeit vom Elementaren überwunden werden. Mannichfaltigkeit darf erst gefördert werden, wenn Einheit erreicht ist. (Ebenso andersrum) Willkürlicher Mensch muss Freiheit bekommen und andersrum. Der Mensch muss sich der Natur entziehen um zur Wahrheit zu finden. Unterdrückung des Menschen wird bleiben, nicht mehr aus religiösen Gründen sondern aus rational-aufklärerischen Gründen. (Freiheit erschreckt, man ruft den Diktator zurück, durch dessen strengere Gesetze entsteht eine neue Revolution.
>>Der Staat braucht die Spezialisierung und kann deshalb nicht helfen
8.Brief
Rhetorische Frage: soll die Philosophie sich zurückziehen? Vernunft ist der Ausweg (Vergleich mit griechischen Göttern, Sendung wichtiger Persönlichkeiten) wenn sie zum Gesetz wird.
>>Das Herz muss gebildet werden: Gefühl und Wille
9.Brief
Staat kann verbieten aber nicht gebieten: Kunst und Wissenschaft sind frei. (möglich sind natürlich Ausnahmen der Sympathision) Mit Kunst kann man den Teufelskreis aufheben. Künstler = Sohn der Zeit, wenn aber auch Günstling, dann geht die Freiheit verloren. Nur an der Antike geschulter Künstler ist brauchbar – da Schiller nicht argumentieren kann und keine Vorschläge machen kann, benutzt er eindrucksvolle sprachliche Mittel. Dieser Künstler soll Harmonisierung der ganzen Welt einleiten (Romantikmotiv!) Künstler muss in seiner Welt leben aber über sie herauswollen, trotzdem aber nicht ungeduldig werden.
>>Autarke Bildungsquelle ist die Kunst – der Künstler wird als Ideal dargestellt.
10.
Brief
Wie
kann Kunst bei Rohheit und Erschlaffung helfen? (Energische Kunst und
Schmelzende Kunst – siehe Brief 16)
Es
gibt widersprechende (achtungswürdige) Menschen (z.B. Platon)
die den Nutzen
der Kunst leugnen. Das kommt daher, dass manche Kunst nur auf Form und
nicht
Inhalt achtet.
Künstlerische
Blüte kommt erst nach politischer Blüte (fast schon
Verfall) – dies spricht
gegen Kunst als Mittel zur guten Erziehung. Schillers Ausweg: er
kümmert sich
nicht um Beispiele der Realität sondern um das Ziel.
(Beispiele beweisen gar
nichts). Schönheit muss sich aus dem Menschen ergeben (aus
Mischung von Körper
und Bewusstsein). 2 Einwände: Kunst gibt nur formale Bildung,
und Kunst kommt
erst nach politischem Höhepunkt. Schiller entkräftet
sie nur teils.
>>Einwand: die künstlerische Blüte kommt erst nach der politischen Blüte. Kunst ist kein Erziehungsmittel? Schönheit ist Bedingung des Menschseins
11.Brief
Letzter Schritt der Abstraktion ist Aufteilung in Person (Bleibendes) und Zustand (sich verändernd). Aufgrund ihrer Natur kann weder das Eine auf dem Anderen, noch andersherum gründen. Außerdem steht das Sein nicht mit dem Denken, Wollen und Empfinden (da diese mit etwas außerhalb von uns zu tun hat)in Verbindung. Das heißt die Person ist in sich selbst begründet (das Sein – das ist Freiheit), da alles von außen abhängende veränderlich wäre. (Also auch nicht irgendwann „anfangen“, da sie selbst der subjektive Anfang für die Zeit ist.) Der Zustand hängt hingegen von der Zeit ab. Der Zustand, also die Veränderung wirkt an dem Menschen. (Bsp: die Blume blüht und verwelkt). Der Mensch ist also nicht eine Person, sondern eine Person in einem Zustand. Person ist nur die Anlage zum möglichen äußeren Ausdruck. Wenn diese bloße Form empfindet, wird sie zur Materie (ohne Vereinigung). Mensch hat die Aufgabe den Wechsel in ein Kontinuum zu verwandeln. (unendliche Aufgabe – nur bei Gott ist der Zustand vollkommen bleibend – Mensch ist gottähnlich). Aufgaben: Realität – alles zur Welt machen was nur Form ist und Formalität – alles was Welt ist verarbeiten.
>>Mensch ist Formtrieb und Stofftrieb
12.Brief
Gliederung in zwei Triebe: Stofftrieb: Veränderung schafft der Zeit einen Inhalt (Inneres veräußern, anderer Begriff ist Empfindung). Da Zeit linear verläuft schließt eine Aktion jede andere aus (Bsp: ein Klavierton schließt alle anderen aus). Sinnlicher Trieb ist Schranke??? Formtrieb ist Erhaltung und Stärkung der Person. (Äußeres formen). Seine Gesetze, z.B. Moral, sollten immer gelten. Mit Formtrieb nimmt man die Zeit in sich auf und ist nicht mehr abhängig von ihr.
>>Mensch ist Formtrieb und Stofftrieb
13.Brief
Urteil: Der Mensch besteht nur aus diesen beiden Trieben. Frage: wie vereinigt man diese miteinander? Beide Triebe richten sich auf verschiedene Bereiche, das heißt sie können nebeneinander existieren. Kultur sorgt für Ausgleich. Mensch soll Gefühlswelt ausbilden. Stofftrieb mäßigen nur aus Charakter und nicht aus Abstumpfung. Formtrieb mäßigen aus Selbsterziehung und nicht aus Dummheit.
>>Kultur ist eine Ausbildung und Begrenzung beider Triebe
14.Brief
Dadurch dass man die Dinge sieht, denkt man darüber nach, dadurch dass man darüber nachdenkt sieht man mehr davon. Wir sind Mensch, wenn wir beides zugleich erfahren. (Wechselwirkung = Ideal. Ganz zu vollenden nur als Gott – wieder unendliches Ziel: Mensch soll sich vervollkommnen) Einführung des dritten Triebes: Spieltrieb. Dieser will Empfänglichkeit mit Kreativität verbinden. Stofftrieb hat gewisse physische Zwänge, die sich nicht vermeiden lassen. Am Beispiel der Liebe: jemanden lieben, obwohl man ihn moralisch verachtet. Umgekehrt ist die Nötigung der Vernunft: einen achtbaren Menschen hassen. Positive Synthese ist: einen achtbaren Menschen zu lieben. Auflösung der beiden Nötigungen ist in der Phantasie – der Spieltrieb lebt sich in dieser aus. Ignorieren der anderen Affekte. Im Beispiel der Liebe: da man dies will ist es für sich die ideale Liebe: Aufhebung der Zwänge. Spieltrieb: muss nicht funktionieren, deshalb keine Zwänge. Es ist die Verbindung von Stoff- und Formtrieb, verbunden mit Genuss an der Sache. Spieltrieb ist also in gewisser Weise auch Kunst.
>>Spieltrieb ist die Aufhebung der Zwänge
15.Brief
Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er dem Spieltrieb folgt. Schönheit entsteht durch Spieltrieb. Da der Mensch nur Mensch ist wenn er diesem Trieb folgt, ist die Schönheit damit notwendigerweise nötig zum Menschsein. Spieltrieb ist Einheit zwischen anderen Trieben. Kann Gestalt bekommen in Marmorskulptur. (andersrum kann rational wahrgenommener Mensch auch diese „Gestalt“ fehlen) Schönheit ist nicht nur äußerlich schön sondern eine schöne innere, zeitlich bewegte Gestalt. -> keine biographischen Einbrüche. Schon wandeln, aber keine unbegründeten, unschlüssigen Einbrüche. Ursprung der Schönheit lassen sich trotzdem nicht analysieren. In Griechenland war der Spieltrieb normal, wenn auch auf die Götter projiziert. Übertragung von griechischen Mythos (hat keine Naturgesetze und Sittengesetze) zur klassischen Kunst, wo dies ebenfalls der Fall sein soll.
>>Verbindung von Idealität und Realität ist Kunst und auch der Mensch. Mensch soll mit der Schönheit spielen
16.Brief
Schönheit kann Spannung aufheben und vergrößern. Gleichgewicht Idealität und Realität. Schmelzende Schönheit gegen Formtrieb, energische Schönheit gegen Stofftrieb.
>>In der Realität gibt es schmelzende und energische Schönheit
17.Brief
Wirkung der realen Schönheit. Schönheit wird aus der Idee in die Wirklichkeit übertragen. Hier wird die Endlichkeit der Person sichtbar. Diese Schranken entstehen aus dem Gebrauch der Freiheit. Mangeln an Übereinstimmung oder an Energie stören die Vollkommenheit der Schönheit. Scheinharmonie durch Erschlaffung der Kräfte oder Anspannung einer Kraft. Als Hilfe siehe 16.Brief schmelz. und energ. Schönheit.
>>Wirkung der beiden o.g. Schönheiten auf angespannten und abgespannten Menschen
18.Brief
Schönheit zwischen Form und Stofftrieb, um sie zu vereinigen. Dies ist andererseits aber nicht möglich, da die beiden sich widersprechen. Die einzige Lösung ist, dass der Spieltrieb beide anderen Triebe quasi auflöst. Durch Schönheit kommt geistiger Mensch zur Materie und andersherum. Schönheit ist Synthese: Aufhebung in drei Bedeutungen: anheben, auflösen und konservieren.
>>Kluft zwischen Erfahrung und Idee bleibt
19.Brief
Passive
und aktive Bestimmbarkeit und passive und aktive Bestimmung. Zustand
vor der
Bestimmung ist Bestimmbarkeit ohne Grenzen (pB-t) (leere
Bestimmbarkeit). Sinn des
Menschen wird
berührt aus unenendlicher Menge von Bestimmung durch
Begrenzung. (pB-g)
(bewusste Ergreifung) Das bildet Realität auf Kosten der
Unendlichkeit.
Dasselbe muss auch mit der Zeit passieren. Dies ist nur
möglich durch Verstand.
Schönheit ist keine Kluftfüllung, sondern
Versöhnung zwischen den beiden
Kräften. Die beiden Bestimmungen sind die beiden Grundtriebe.
Wenn der eine
Trieb jedoch den anderen begrenzt, dann entsteht ein freier Wille.
(z.B. Denken
begrenzt den Stofftrieb und bildet Freiheit –
Schönheit begrenzt den Stofftrieb
ebenfalls – aus anderen Gründen – und
unterstützt in dem Fall das Denken:
Schaffen der Kultur)
Mensch
denkt nur dann nicht, wenn er seinen Geist nicht einsetzt –
Sinneseindrücke
können den Geist nicht schwächen. (aB-g =
Selbstbestimmung, Denken, aB-t =
ästhetischer Zustand: Alle Triebe sind aktiv, dadurch ist die
Fülle der
Möglichkeiten bewusst. Dieser Zustand zeigt das Idealbild des
Menschen.)
>>Historische Entwicklung: wo sich Stoff und Formtr. begrenzen entsteht freier Wille
20.Brief
Um aus Stofftrieb zum Formtrieb zu kommen, muss man erst in die Bestimmungslosigkeit, dies geht nur durch gleiches Verhältnis beider Triebe (Bild der Waage) was dann den ästhetischen Zustand.
>>Ästhetischer Zustand ist: Stofftrieb hört auf, Formtrieb hat noch nicht eingesetzt.
21.Brief
Bestimmbarkeit durch Gegenstandslosigkeit (ohne Realität) oder Bestimmbarkeit durch totale Realität. Bestimmtheit durch Empfindung oder durch Denken. Schönheit gibt Möglichkeit zur Entwicklung, sie ist aber kein Zwang. Freiheit des Menschen, der zwischen Engel und Tier steht. Kunst dient nicht der Erkenntnis sondern der Freisetzung.
>>Ich werde bestimmt durch Stofftrieb und bestimme mich durch Formtrieb. Bestimmbarkeit= Mensch am Anfang ist unbestimmt, im ästhetischen Zustand ist er unbestimmt in der Gesamtheit.
22.Brief
Wirkungsästhetik – Zeit sollte aufgehoben werden. Form soll den Stoff vertilgen (übertrieben ausgedrückt). Gemüt muss trotz Leidenschaftlichkeit frei bleiben und von Zwecken frei gehalten werden, aber trotzdem hängt die Kunst auch von Betrachter ab.
>>Ästhetischer Zustand wird auf verschiedene Gattungen und Betrachter bezogen
23.Brief
Es gibt aufnehmenden Zustand (Leidend), den ästhetischen Zustand und das Denken und Wollen. Bevor der Mensch vernünftig werden kann, muss er in den ästhetischen Zustand kommen, da dieser einem das Vermögen gibt, vernünftig zu werden. Erst wenn man da angelangt ist können Gesetz und Moral auf einen wirken. Ist der ästhetische Zustand erreicht, kann man zum moralischen und logischen Menschen werden, wofür man äußere Einflüsse benötigt. (aus freiem Willen moralisch handelt ist ästhetische Natur). Moral und Wahrheit wirken für sich, aber der ästhetische Zustand gibt ihnen die Möglichkeit ihrer Wirkung. Einteilung in „Edel“, „Erhaben“ und „Anmut“ (Nötiges veredeln, Triebe wegen der Pflicht unterdrücken, Neigung und Pflicht fallen zusammen).
>>Rückblick auf 17.Brief: ästhetischer Zustand = notwendiger Übergang von Natur zu Moral
24.Brief
Es reich nicht aus, dass die Schönheit in Bezug auf den Menschen gesehen werden, sondern auch historisch: in jeder Kultur gibt es sie – hierauf konzentriert sich Schiller. Dreistufenmodell zeigt die menschliche Entwicklung über die drei Zustände (physisch, ästhetisch, moralisch). Geschichtlich: ist der Herrscher auf einer fortgeschrittenen Stufe, ist das Volk es auch. Idealer Mensch weiß nicht nur, dass es das Geistige gibt, sondern beschäftigt sich auch damit. (Vernunft nicht als äußeren Gott nehmen sondern als innere Vernunft akzeptieren.) Verwendet man die Vernunft auf das irdische statt auf das moralische, ist es ein vergänglicher Zustand und damit nur begrenzt sinnvoll, und deshalb nicht das Ziel einer Zivilisation.
>>Der vorherrschende Verstand, der sich auf Sinnliches konzentriert bringt Unform der Zivilisation.
25.Brief
Die drei Zustände: „Physisch, Ästhetisch, Moralisch“, welche für jeden Menschen gelten aber auch bei jeder Wahrnehmung zu beobachten ist. Stofftrieb lässt einen mit der Welt eins werden, während der Formtrieb sich auf die Ewigkeit richtet. (Beziehung auf Griechen – Götterdynastien stellen Bewusstseinswandel dar). Reflektierender Mensch ist frei und Geist, formt die Materie und fühlt sich überlegen. (Formtrieb). Ästhetischer Zustand: freie Betrachtung ohne Vergessen der sinnlichen Welt. Menschsein und Schönheit gehören zusammen, da sie beide aus den drei Zuständen bestehen.
>>Begriffsbestimmung Physisch, Ästhetisch, Moralisch
26.Brief
Ästhetischer Zustand ist ein Geschenk der Natur, tritt weder bei Mangel noch Üppigkeit ein. (Mensch kommt ganz natürlich auf spielerische Ideen – schon bei Naturvölkern vorhanden.) Dummheit richtet sich auf die Sinne, Verstand richtet sich auf die Wahrheit, Spieltrieb richtet sich hingegen auf Selbstgenuss und im Grunde auch auf Schein. Menschliche Natur kommt dem entgegen: Auge und Ohr brauchen Abstand zur Materie. Der Mensch schafft sich bewusst eine eigene Welt, in der er die Naturgesetze aufhebt – dies aber nicht als Täuschung, sondern als gewollten und klaren Schein. (Kunst ist nicht Wirklichkeit, Moral und Wahrheit)
>>Schein: ist Kunst nicht Lüge? Dies ist bewusst und gewollt.
27.Brief
Die
Menschheit beginnt da, wo er anfängt zu streben und zu spielen
(Kunst). Dabei
ist der Spieltrieb selbst auch schon bei anderen Säugetieren
vorhanden.
Spieltrieb ist z.B. auch in der Verschönerung von
Gebrauchsgegenständen schon
in der Vergangenheit sichtbar. Nach der äußeren
Verschönerung beginnt er auch,
sich innerlich zu verschönern.
Der
Mensch hat in der Gesellschaft die Freiheit, durch Ästhetik
eine harmonische
Gesellschaft hervorzubringen.
Formtrieb,
Bewusstsein, muss auch in der Kunst beim Menschen den Spieltrieb
ordnen.
>>Geschichtliche
Entwicklung:
gibt es eine ästhetische Gesellschaft?