Kuba - eine sozialistische Entdeckungsreise
Das Reisetagebuch von Jesko Habert
Sueño de un mundo imaginario
Traum einer erträumten Welt
// Der Flug / Ankunft in Havanna / Cienfuegos / Trinidad / Santa Clara / Matanzas
Nachdem ich meinen ersten großsen Reisetraum - die USA - im Jahre 2003 und dann noch einmal für einen kurzen Urlaub 2005 erfüllen konnte, erwachte das nächste Ziel in meinen Wünschen: so geographisch nah an meinem ersten Ziel und doch so ideologisch und ökonomisch entfernt - die Republik Kuba, der einzige wahrhaft sozialistische Staat der den Untergang der UdSSR überlebt hat. Schon von Anfang an faszinierte mich Lebensstil und Lebensfreude der Kubaner, die trotz aller Schwierigkeiten ihres Systems einen fröhlicheren Ausdruck im Gesicht haben als der Großteil der verwöhnten Deutschen. Natürlich war mir bewusst, dass ich in meinen Träumereien viel idealisierte, und dass dieses Land sehr wohl seine negativen Seiten haben wird, die ich auch bereit war, kennen zu lernen - mein Ziel stand fest. Sämtliche Zeit während meines Zivildienstes bereitete ich mich sogut ich konnte auf die zweimonatige Reise vor, buchte den Flug und die Unterkunft für die ersten Tage, frischte mein Spanisch mit einem Kurs erneut auf und ließ mir insgesamt sechs Impfungen verpassen (drei mal gegen Hepatitis A und B, drei mal gegen Tollwut), ich las sämtliche Reiseberichte von Rucksacktouristen in Kuba und machte mir eine Liste mit den besten Tipps, billig über die Insel zu kommen. Ich kaufte mir mein Reisegepäck zusammen (und ließ es mir schenken), Sonnenhut, Moskitospray, Sonnencreme, Campingkocher, kleine Geschenke für die kubanischen Casa-Particulares Besitzer, Stifte und jede Menge Papier für dieses Reisetagebuch, Land- und Stadtkarten, Reiseführer, Kamera plus drei Speicherkarten, genug Kleidung und Hygieneartikel und einen Batzen Euros (umtauschen muss man in Kuba, da die Pesos weder ein- noch ausgeführt werden dürfen), und ich beantragte einen neuen Reisepass und die Touristenkarte bei der kubanischen Botschaft. Ich stellte einige notdürftige Kontakte zu kubanischen Casa-Besitzern her um nicht auf der Straße schlafen zu müssen und schrieb mir ein handliches Buch mit den wichtigsten spanischen Wörtern zusammen, um zusammen mit meinen begrenzten Spanischkenntnissen nicht total übers Ohr gehauen zu werden. Der schwierigste Teil war dann noch, meine Familie darauf vorzubereiten, dass ich nicht wie damals in Amerika oder auch in Russland jederzeit angerufen werden konnte bzw. selbst anrufen oder mailen konnte - ein Anruf nach Deutschland kostet circa 4 Euro pro Minute, Internetcafes ungefähr 6 Euro die Stunde und einen fest erreichbaren Wohnsitz hatte ich schließlich auch nicht. Die Post benötigt meist mehrere Wochen und mein Handy nahm ich nur für den schlimmsten Notfall mit. Sie würden halt einfach warten müssen, bis ich mal die Gelegenheit finde, anzurufen. Das alles sieht zusammengenommen in so einem (immerhin recht langem) Absatz nach wenig aus, nahm jedoch zusammengenommen sehr viel Zeit in Anspruch... Aber es hat sich gelohnt, denn schließlich, am 9.5.2008, war ich bereit, bereit für mein nächstes Abenteuer!
Estoy un poco nervioso
...nur eeetwas nervös...
// Der Flug / Ankunft in Havanna / Cienfuegos / Trinidad / Santa Clara / Matanzas
So, jetzt sitze ich also im Flugzeug in Frankfurt, auf dem Weg über Paris nach Havana und ich bin un poco nervioso... Wurde ja auch einmal Zeit, nachdem mein Vater schon seit Wochen mehr Angst-Durchfall hatte als ich. Wie auch immer, ich habe alles mit (außer natürlich Streichhölzern, ohne die der Esbitkocher herzlich nutzlos ist) und bin top vorbereitet... einigermaßen, oder zumindest so sehr wie ich meine es sein zu müssen. Die Sonne scheint, das Triebwerk unter meinem Arsch brummt, die französische Stewardess weist uns darauf hin, dass „sisch dí Schwimmwäistäään üntär dän Siehsän“ befinden und ich hab festfestellt, dass ich wahrscheinlich viel zu wenig Geld mithabe, viel zu wenig Spanisch kann und mir viel zu viele Sorgen mache... Wird schon irgendwie klappen...
Francés, Francés y mas Francés
Alles voller Französäään
Was bringt es, wenn die französischen Frauen noch so hübsch sind, wenn sie so reden... ;-)
Ich bin jetzt grade fertig durch die französischen Horden in Charles-de-Gaulle geirrt und habe schließlich das Gate C91 gefunden. Leider verweigern Franzosen sich ja jeglicher Fremdsprache, weshalb ich nicht dazu kam nachzufragen, ob mein Gepäck durchgecheckt wird oder ob ich es selber rüberbringen muss - aber das wär ja eigentlich ein ganz schönes Ding und kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Wäre aber nicht so schön, auch wenn es schon hier so fies warm ist dass ich in Kuba wahrscheinlich gar keine Kleider brauche – hab ja immerhin Geld, Papier, Stifte und eine CD von Katie Melua hier bei mir, und was braucht man schon mehr...
Endlich startet der Flieger von Paris und ich kann mich bis zur Ankunft einigermaßen entspannen, denn das wird ja noch eine ganze Weile dauern. Lustigerweise sitzt neben mir eine in Spanien wohnende und in Russland geborene Deutsche, die neben anderen Großstadtmetropolen als früheren Wohnort auch Horhausen angeben kann – was ein krasser Zufall ist, schließlich sind die Wahrscheinlichkeiten, in einem Flieger von Paris nach Havana jemanden zu treffen, der zwar nicht zur gleichen Zeit aber immerhin kurz danach im gleichen Ort gewohnt hat in dem man selbst geboren ist, nicht relativ groß – vor allem nicht wenn es sich um ein westerwälder Kaff von wenigen tausend Einwohnern handelt. Das ist wirklich zu raro um wahr zu sein und so kommen wir gut ins Gespräch, ihre Freundin die weiter hinten im Flugzeug sitzt kommt aus Koblenz und kommt uns etwas später auch noch besuchen. Die andere Freundin neben ihr kommt nicht aus der Nähe, ist aber trotzdem ganz nett. Wir machen aus, uns auf jeden Fall morgen in Havana zu treffen.
Complicaciónes en la Habana
Havannische Probleme
/ Der Flug // Ankunft in Havanna / Cienfuegos / Trinidad / Santa Clara / Matanzas
Mein erster Abend in Havana war nicht so einfach wie erhofft. Die Passkontrolle und das Gepäckaufsammeln liefen problemlos (obwohl die blickdichten Wände hinter der Kontrolle an Stelle der gewohnten Glaswände einen etwas verunsichern), wir tauschten Geld und ich machte mich mit zwei anderen Deutschen aus München zum Taxistand auf um uns ein Taxi zu teilen. Eine Zuteilerin von ihrer Reisegesellschafft verschaffte uns ein Taxi zum Preis von insgesamt 25 CUC (ich zu meinem vorreservierten Casa Particular, die Münchnerinnen zum Hotel Inglaterra, lustigerweise das gleiche Hotel an dem ich mich morgen mit meinen ersten drei Bekannten aus dem Flugzeug treffen wollte, da sie dort wohnen würden). Leider stellte sich während der Fahrt heraus, dass das mit dem Fahrer nicht so richtig abgesprochen war – es handele sich ja um zwei verschiedene direcciones, weshalb der Taxifahrer 25 von den Münchnerinnen wollte und von mir noch einmal 13 CUC. Daran ließ sich jetzt kaum etwas ändern, ich habe auf jeden Fall meine erste Lektion gelernt: mach den Preis immer mit dem aus, der nachher das Geld kriegt. Aber okay, 13 CUC ist noch in Ordnung, alleine hätte ich wahrscheinlich mehr bezahlt. Leider blieb es nicht nur bei dem einen Problem, denn aus irgendeinem Grund entdeckten wir, nachdem wir die Münchnerinnen zum Hotel Inglaterra gebracht hatten, dass am Casa Anía, in dem ich die Nacht verbringen wollte, ein Schild mit der Aufschrift „Cerrado“ (geschlossen) hing – es war auch die richtige Adresse, kann also kaum ein Trick des Fahrers gewesen sein, es half jedenfalls kein Klopfen und keine Reservierung, ich musste wohl oder übel woanders hin.
Jetzt wohne ich ganz in der Nähe vom Malecon in dem durchaus schönen Casa Mercé (Escobar #113, e/ Animas y Lagunas, Centro Habana. Tel: 53 7 8661511) mit Klimaanlage, eigenem Bad und einer sehr hohen Altbau-Decke bei Teresa, kostet aber leider 25 CUC die Nacht. Das ist ja jetzt nicht so billig, also hab ich gesagt dass ich noch nicht weiß wie lange ich bleibe und dass ich das morgen mit mis amigas kläre – und werde mich vielleicht nach einem billigeren Casa umsehen, so dass ich unter Umständen übermorgen oder so schon wieder umziehe – schade eigentlich, weils hier doch sehr schön ist und die Besitzerin echt nett und hilfreich, aber der Preis ist für mein Budget dann doch etwas überproportioniert.
Vale, mal sehen was der Tag morgen bringt, wenn ich Glück habe hat das Casa Anía ja wieder auf, bei dem ich (laut Reservierung) für 15 CUC übernachten könnte... Das ist dann wohl der factor cubano.
Loco como un turisto
Touristen-Irrsinn
Schön fing der Tag an – ich stand auf, nachdem ich nachts kaum Schlaf gefunden hatte, duschte im kolonial anmutenden Bad und öffnete die breiten Flügelfenster, schlenderte durch den Innenhof zum Esszimmer, fing bereits schwitzend zu frühstücken an und übergab mich über einem Regenabfluss. Nicht dass das Essen schlecht war, ich weiß nicht was das sollte, vielleicht war es die Nachwirkung der Reise und der Jetlag kombiniert mit der Hitze und dem ungewohnten, aus Mangos bestehenden Frühstück, auf jeden Fall entwickelte ich von da an eine gewisse Distanz zu Mangos. Ich schluckte eine Alca Seltzer Tablette von Teresa, ruhte mich etwas aus und bemühte mich dann, es mir besser gehen zu lassen.
Es schien zum Glück ein Einzelfall gewesen zu sein und ich traf mich mit Irene, Anette und Hanah (den erwähnten Mädchen aus dem Flugzeug) und wir schauten uns ein wenig die Stadt in der Mittagshitze an, was ein klein wenig irrsinnig ist. Außerdem tauschten wir etwas von unserem konvertiblen Geld in die Währung der nationalen Pesos um und stellten fest das es niemand haben wollte: jeder noch so kubanische Laden, der sonst und von allen nur monada nacional nimmt, sattelt mal schnell auf Pesos convertibles um, wenn er einen Touristen erkennt... Vielleicht ändert sich das ja noch wenn mein Spanisch besser ist...
Wir spazierten dann noch ein wenig am Malecon entlang auf den die Sonne jetzt genau herunterprallte und zeichneten uns mindestens dadurch als idiotische Touristen aus und trennten uns dann vorerst, weil ich erst mal ne Dusche, ein Mittagsnickerchen und Zeit brauchte um mein zweites Gepäckstück loszuwerden. (Ich hatte für eine Bekannte meiner Cousine ein Gepäckstück für eine Freundin in Kuba mitgenommen, gefüllt mit Hygieneartikeln und anderen in Kuba schwer erwerblichen Dingen wie zum Beispiel Streichhölzer, von denen ich ich mir direkt zwei Packungen für den Eigengebrauch abzweigte.) Das war ein wenig umständlich – erst mal musste ich den doch recht langen Weg mit dem Gepäckstück zurücklegen, die Hausnummer finden, feststellen dass der Bewohner noch nie etwas von einer Lourdes Vazquez gehört hatte, mich durchfragen bis ich erfuhr dass ihr Appartment über das daneben liegende Haus über die Treppe erreichbar sei, dort an drei Türen klopfen ohne eine vernünftige Antwort zu bekommen bis ich sie schließlich doch noch fand. Dann gab es nur noch ein paar unwichtige Sprachbarrieren bis endlich klar war von wem das Geschenk war und dass sie eine Karte an Mary (die deutsche Bekannte) schreiben wollte und mich bat, diese mitzunehmen wenn ich wieder in Havana war. All die Mühe war aber nicht umsonst, weil sie mir auch noch anbot, bei meinem späteren Aufenthalt in Havana bei ihr zu übernachten. Bueno, wenn das so klappt, hab ich Grund mich zu freuen.
Am frühen Abend traf ich mich wieder mit Hanah, Anette und Irene, trank meinen ersten echten Cuba Libre und ging in einem Paladares essen. Eigentlich wollten wir alle zusammen hingehen, aber Irene und Hanah waren etwas müde und so gingen Anette und ich etwas am Malecon spazieren um die Beiden dann nachher im Paladares zu treffen. Wir spazierten also ein bisschen das Meer entlang, blockten Jineteros ab und hatten die herrliche Chance, fünf Kinder zu beobachten, die mit ein paar Musikeinstrumenten eines polnischen Touristen am Malecon entlang liefen und einen Riesenspaß damit hatten...
Mit dem Treffen wurde es dann nichts, wir warteten eine Weile auf sie und aßen dann schließlich ohne sie – wie sich später herausstellte, fühlten sie sich aus irgendeinem Grund nicht gut (vielleicht von den Mojitos zuvor?) und waren im Hotel geblieben, und da Anette ihr Handy nicht mithatte, konnten sie uns nicht erreichen. Das Paladares war aber durchaus einen Besuch wert, durchschnittliche Preise bei durchaus leckerem Essen und sehr schicker Atmosphäre – leider weiß ich nicht mehr den Namen, aber in seinen Räumen wurde wohl auch eine Szene des berühmten kubanischen Filmes „Fresa y Chocolate“ gedreht.
Calor, el misionero y mas calor
Hitze, der Missionar und noch mehr Hitze
Eigentlich ist die Hitze nicht weiter erwähnenswert, da allgegenwärtig. Die kalte Dusche und die Klimaanlage in meinem Zimmer sind göttlich und fast schon den teuren Casapreis wert. Aber apropos göttlich: nachdem ich den Vormittag damit verbracht hatte, zu versuchen meine Familie zu erreichen (ich habe festgestellt, dass ich un poco zu wenig Geld habe, kam dann auf die Idee, über Anettes Kreditkarte 400 Euro abzuheben was mein Vater ihr dann wiederum überweisen sollte – letztenendes klappte das dann doch nicht wie gewollt und war auch gar nicht mehr nötig doch dazu später). Um ein Telefon in Deutschland aber auch nur anbimmeln zu können brauchte ich eine Internationale Tarjeta (Telefonkarte), die ich im dritten aufgesuchten Hotel schließlich fand und für die ich 10 CUC bezahlte, was leider nur für die knapp 2 Minuten reichte, die ich brauchte um herauszufinden dass er mich aus irgendeinem Grund unter der Nummer im Casa nicht erreichen konnte – letztenendes hab ich ihm dann eine E-Mail geschrieben vom Internetcafe im Hotel, was dann doch etwas billiger kommt (trotzdem musste ich nochmal 6 CUC berappen und dann auch noch fast eine Stunde auf einen freien Computer warten) ... danach also setzte ich mich ein wenig auf eine Parkbank in der Nähe der Fußgängerzone, wo ich für eine kleine Weile die Leute betrachtete. Nach einem nicht weiter wichtigen Zeitraum setzte sich ein dunkelhäutiger Kubaner neben mich und begann sich mit mir zu unterhalten. Anfangs vermutete ich, er sei wie die meisten Kubaner, die die Touristen ansprechen, auf irgendeine Weise auf mein Geld aus – dem war aber nicht so. Wie ich spätestens feststellte, nachdem er mir über das Buch in seiner Hand erzählte (immerhin hatte ich selbst ihn danach gefragt, es handelte von der kubanischen Mischreligion Santería, was ich recht interessant finde) und mehr und mehr zum Christentum überleitete. Der Mann wollte nicht mein Geld, der wollte meine Seele!!!
Das Gespräch wurde zunehmend religiöser („...dann kann der Satanus keinen Besitz mehr über dich ergreifen...“ etc) und mir wurde zunehmend unwohler. Der Kerl war ja durchaus nett, weshalb ich das Gespräch auch nicht einfach so abbrechen konnte und er redete so begeistert von seiner Sache, dass ich mit meinen begrenzten Spanischkenntnissen auch nicht wirklich in der Lage war ihn zu überzeugen dass ich mit meiner derzeitigen Weltansicht ganz zufrieden war. Die Sache endete jedenfalls so, dass ich zusagte, wahrscheinlich heute Abend in die Iglesia in Centro Habana zu kommen und er mich netterweise zum Bahnhof begleitete, wo ich ein Billet für Morgen kaufen wollte (was nicht klappte weil der Schalter wegen Muttertag zu hatte und ich das Ticket jetzt morgen kaufen muss – ich will nämlich jetzt schon morgen nach Cienfuegos um mich Donnerstag dann dort wieder mit meinen drei Bekannten zu treffen - in Havanna kann ich ja dann am Schluss noch genug Zeit verbringen). Auf jeden Fall hab ich jetzt ein bisschen ein schlechtes Gewissen nicht dahin zu kommen weil er mir ja geholfen hat, aber erstens hatte ich heute Abend schon mit Anette, Irene und Hanah ein Treffen ausgemacht und zweitens lasse ich mich auch nicht so gerne bekehren. Man könnte sich schon fast ärgern, nicht religiös zu sein, immerhin hat der vom missionarischen Eifer getriebene Kerl mir angeboten, wenn ich später wieder in Havana bin, bei der Kirche zu übernachten... ;-)
Nun ja. Ansonsten lief den frühen Abend über nicht relativ viel, ich schlenderte durch Havana und packte mein Zeug im Zimmer zusammen, da ich ja morgen schon wieder abreise. Dann traf ich mich noch ein letztes Mal mit Irene, Anette und Hanah, ging mit ihnen Pizza essen und auf der Hoteldachterasse etwas trinken, wobei wir ein paar kubanischen Salsatänzern zuschauen konnten. Während Anette und Irene spätestens bei der folgenden Tangomusik müde wurden und schlafen gehen wollten entschlossen Hanah und ich uns, noch ins Casa de la Musica zu gehen, um vielleicht auch mal ein bisschen tanzen gehen zu können (auch wenn meine Salsakenntnisse sich auf ein Minimum belaufen). Der Eintrittspreis und die mittelmäßig teuren Preise für Getränke waren es aber leider gar nicht wert, außer ein bisschen Show am Anfang lief mit Blick auf Tanzen so gut wie gar nichts – da hätte man das Geld auch in andere Dinge investieren können (z.B. in das Kokain, dass uns auf dem Weg hierher drei Mal auf der Straße angeboten wurde... )
Der abschließende Spaziergang am Malecon war aber noch ganz schön, wir redeten ein bisschen über Kuba als Entwicklungsland während wir an der Promenade voller gutgekleideter, -gelaunter und rumtrinkender Kubaner entlanggingen. Kuba ist schon ein wenig kontrovers...
Um eine viel zu späte Uhrzeit fiel ich dann endlich halb tot ins Bett im Casa Mercé, mich wahnsinnig ärgernd weil ich ja am nächsten Tag früh aufstehen wollte um meine Reise fortzusetzen.
El comunismo y la dureza de los particulos del aire
Kommunismus und die Härte kubanischer Luftpartikel
Vale, dachte ich mir, packte den Rest meiner Sachen zusammen, frühstückte ein letztes Mal mit Teresa und verließ dann gegen halb acht das Haus in Richtung estacion. Der Weg war lang in der vormittäglichen Hitze mit dem großen Rucksack den ich mein Eigen nannte, aber kein Taxifahrer der mich anhielt konnte mir ein gutes Angebot machen – erst kurz bevor ich den Schalter für die Tickets erreicht hatte, bot mir (nach einer kurzen Nachfrage) einer von ihnen die Fahrt nach Cienfuegos für 15 CUC an – ich so „okay“ und er so „ja, dann geh da vorne zur Haltestelle, ich bin in ein paar Minuten da“ (er war grad zu Fuß). Als nach zehn Minuten kein Taxi da war, gab ich auf und legte den Rest des Weges zum Bahnschalter zurück – der geschlossen war!!! Auf Nachfrage an einem anderen Schalter erfuhr ich, dass der Zug heute nicht fährt. Ausgefallen. Keine Ahnung warum, es lebe der Kommunismus. Also machte ich mich zurück Richtung Stadt und Viazul-Busterminal, hoffend, auf dem Weg dahin noch so ein gutes Taxiangebot zu bekommen. Aber wenn man eins braucht, kommt natürlich kein Taxi und wenn doch, wollen sie nicht so weit fahren oder nicht für so wenig Geld. Schön ging es weiter, nachdem ich feststellte, dass nur die Astrobusse vom Zentralen Park fuhren, Viazul aber nur vom Plaza de la Revolución. Was solls, Taxifahrt dahin, nochmal 5 CUC.
Als ich ausstieg, bot mir ein Kubaner zufällig die Fahrt nach Cienfuegos für 15 CUC an – ich so „okay, aber einen Moment, ich frag grad am Schalter wie viel der Bus kostet“. Er so „Ja, dann warte ich grad“. Viazul kostete 20 CUC, also ging ich zum Kubaner zurück und sagte der Bus kostet 16, ich will bei dir für 14 CUC mitfahren. Erstaunlicherweise sagte er okay und ging direkt mit mir zu seinem Auto. Es handelte sich um zwei Cienfuegeros auf dem Weg zurück nach Hause in einem alten Fiat (selbstverständlich ohne Klimaanlage), die erst noch grad einen Brief bei der spanischen Botschaft einwerfen mussten, weshalb es nochmal quer durch Havana und seine von Autoabgasen gefüllte Straßen ging (riecht man besonders wenn man den Kopf aus dem Fenster hängt um etwas kühlere Luft zu bekommen). Letztenendes ging es aber dann doch auf die Autobahn (nicht nur Autos, sondern auch Kutschen, Fahrräder und jede Menge Anhalter am Straßenrand) und die Abgase der Stadt wichen den Abgasen der Autobahn. Alle Fenster waren auf und ließen die selbst bei 100km/h noch warme Luft rein, mir erstaunlich harte Luftpartikel ins Gesicht prügelnd während sich die zwei Kubaner lautstark unterhielten und ab und zu ein Wort an mich richteten. (Z.B. warum ich denn kein „pelo rubio“ und „ojos claros“ habe, Adolfo hätte das doch damals so gewollt... ich bin bis jetzt um eine gute Antwort verlegen.) Sehr kubanisch das Ganze also, zumindest so sehr, wie es hier möglich zu sein scheint wenn man aus irgendeinem Grund eindeutig als Tourist identifizierbar ist, vielleicht haben wir ja so einen Touristengeruch, der allen Kubanern auf zehn Meilen sagt, dass wir Europäer sind. (Ich hoffe ja immer noch darauf, irgendwann in einem Camioneta mitfahren zu können.)
Angekommen in Cienfuegos suchte ich schließlich eine der Adressen von Casas Particulares in meinem Buch auf – die sich als eines mit rotem Zeichen (also nur für Kubaner) entpuppte. Drei Türen nebenan aber fand ich ein sehr nettes Haus für 15 CUC die Nacht mit aire acondicionado, frío und sogar television, was ich bei Teresa nicht gehabt hatte... Das Casa von dem sehr freundlichen Enrique (Ave 60 #3705, e/ 37 y 39, Cienfuegos. Tel: 53 43 515641) liegt nur einen Block weiter von der breiten, auch als Prado bekannten 37sten Straße, die direkt in den Malecon am Meer übergeht und die Fußgängerzone am Parque José Martí ist auch nicht weit von hier. Für 3 CUC gibt’s noch Frühstück, aber ich weiß noch nicht ob ich das in Anspruch nehmen werde. Jetzt wird erstmal ausgeruht und ab dem frühen Abend dann die Stadt erkundet – ich bin ja schließlich kein blöder Tourist, der das in der Mittagshitze macht ;-)
Tres palabras: ¡Me encanta Cienfuegos! ¿de verdad?
Ich liebe die Stadt der hundert Feuer! (...wirklich?)
/ Der Flug / Ankunft in Havanna // Cienfuegos / Trinidad / Santa Clara / Matanzas
Da ich eben doch ein blöder Tourist bin und außerdem fiesen Hunger hatte, machte ich mich auf zu einem Supermarkt – und fand tatsächlich einen mit akzeptablen nicht überhöhten Touripreisen. Die Regale waren zwar nur halb gefüllt, aber so gehört sich das ja für eine kommunistische Stadt. Wo ich schon mal unterwegs war konnte ich nicht widerstehen und sah mir ein bisschen die Stadt an – und wurde nur drei Mal angesprochen in Bezug auf nervige Verkaufsangebote – und einer davon war ein Kerl der meine Kamera kaufen wollte! (weil wir ja in Europa so viele davon haben...). Auch ansonsten war die Stadt herrlich ruhig, entspannt und nicht ganz so luftverpestet wie Havana – also schlicht und einfach normaler, natürlicher Sozialismus an Stelle von Havanas Paradoxkapitalismus – so sieht bis jetzt zumindest meine persönliche Erfahrung aus.
Beim Essen in Coppelias (dem Eisladen wo es heute nur Orangeneis gab) traf ich ein deutsches Pärchen (lustigerweise kam die Frau aus Koblenz) die andersherum reisten – und nach all den ruhigen kleinen Orten ohne jegliche Jineteros u.ä. kam es ihnen hier schrecklich vor, jeder den sie nach dem Weg fragten wollte sie direkt dorthin schleppen (samt Provision natürlich) – ich habe bis jetzt noch niemanden nach dem Weg gefragt also vielleicht haben sie Recht und ich irre mich. Aber selbst dann ist es mir lieber als ungefragt irgendwohin geschleppt zu werden wie es mir in Havana hunderte Male passiert wäre wenn ich nicht aufgepasst hätte. Ich hoffe nur, dass ich irgendwie ein bisschen zum Spanisch sprechen komme, denn das ist nicht so leicht, wenn jeder mit dem man spricht, nur etwas von einem will und dann möglichst schnell das Gespräch beendet.
Alejandro y una noche extranja en la "playa"
Alejandro und ein seltsamer Abend am "Strand"
Gestern gegen frühen Abend ging ich noch einmal los zum Parque José Martí, wo ich es mir einfach gemütlich machte und la gente bobachtete. Der Park ist herrlich, viel Schatten, wenig Auos und mich hat keiner während dieser Zeit gestört. Erst nachdem ich mich aufmachte um zu einem Steg am Meer zu gehen, den ich tagsüber ausgemacht hatte, kam ein junger Mann hinter mir her und sprach mich an. Da er neben mir herlief und nicht allzu aufdringlich wurde, unterhielt ich mich ein wenig mit ihm, erzählte von meiner Sprachreise und hörte zu, wie er von seiner Arbeit etc. erzählte. Seine Eingangsfrage, ob ich irgendwo tanzen gehen wolle hatte ich schon abgeblockt, weil ich – gerade erst hier angekommen – noch müde war und auch nicht großartige Lust hatte und so blieb das Gespräch den Großteil der Zeit über relativ frei von solchen Angeboten (Irgendwann später kam er auch auf Zigarren zu sprechen aber das war erledigt, nachdem ich sagte dass ich nur Zigarillos rauche, denn die hatte er scheinbar nicht). Wir setzten uns an den Steg mit Blick aufs Meer und den Malecon, unterhielten uns über die Amerikaflüchtlinge, Raúl und warum ich keinen Fisch mag, irgendwann bot er mir an, am nächsten Tag bei ihm für 2 CUC Essen zu kommen (was ja tatsächlich recht billig ist) und versprach als ich sagte, dass ich Früchte mag, mir am nächsten Morgen ein paar vorbei zu bringen. Alles in allem ist natürlich klar, dass auch er irgendwie Geld wollte, aber das Gespräch mit ihm war so angenehm, dass ich ihm zum Abschied ein paar CUCs für ein Fahrrad schenkte, von dem er erzählte, es sich eines Tages holen zu wollen.
Heute morgen um 10:00 klopfte er tatsächlich an die Tür und brachte einen Beutel mit Mangos (oh, geliebte Mangos...), Bananen und einigen anderen Früchten vorbei und sagte, wenn ich heute Abend was bei ihm essen wollte, solle ich einfach gegen fünf zum Martí-Park kommen. Muss ich mal noch überlegen, aber klingt eigentlich ganz gut.
Den Rest des Vormittags verbrachte ich mit ein wenig Magengrummeln nachdem ich einige der Früchte gegessen hatte und dem Warten auf den großen Rülpser der Befreiung. Ob das an den Früchten lag weiß ich nicht, kann sein, muss aber nicht. Ich hasse meinen Magen.
Jetzt Mittags rauszugehen ist eigentlich Unsinn, ich weiß nicht so Recht was ich tun soll... Wollt noch irgendwann Schwimmen gehen aber vielleicht besser gegen Nachmittag.
Abandonar puede ser mas difícil que empezarlo
Aufgeben braucht mehr Mut als anzufangen
Woran auch immer es lag, es ist mehr als nur ein Magengrummeln. Doch fange ich da an, wo ich aufgehört habe. Das Grummeln war noch nicht so schlimm und ich machte mich gegen Nachmittag auf, einen schönen Platz zum Schwimmen zu suchen. Da ich nicht mit dem Bus an die weit entfernten, wenn auch schönen Strände fahren wollte, wanderte ich von einem Ende Cienfuegos zum Anderen, entdeckte im Norden nur Straße und Industrie und ging in den Westen durch den Stadtteil Reina. Zwar konnte ich keinen Strand sehen, dafür aber eine fast schon urwaldliche Plantage, vor der ich mich ein wenig ausruhte, bis ein Kubaner vorbeikam und mir anbot, mir das Projekt zu zeigen (und er wollte tatsächlich kein Geld haben, er war einfach nur stolz auf das Projekt wo er mitwirkte und froh, es mir zeigen zu dürfen). In dieser Plantage wurden nicht nur sämtliche möglichen Pflanzen angebaut, es gab auch einen Ort für Kunstschaffende, einen Spielplatz, ein Theater (bestehend aus einer Bühne vor einer Mauer) und einen eigenen Strand (da war er also!). Es war wirklich wahnsinnig interessant und schön zu hören, dass hier auch etwas produktiv war. Dieses Projekt hat mir ein bisschen von dem Glauben an Kuba wiedergegeben, den ich in Havana verloren hatte.
Anschließend ging ich in die südliche Ecke der Reina, wo ich tatsächlich einen unbenutzten Strand fand – nicht schön, aber gut genug zum Schwimmen. Die Erfrischung war nötig, und so konnte ich danach einigermaßen normal weitergehen, wobei die Erschöpfung mich trotzdem mehr und mehr heimsuchte. Als ich endlich in meinem Casa ankam, duschte und ins Bett fiel, war ich zu KO um zu schlafen. Und nicht viel später fing das große Übergeben an, gefolgt von ausgeprägtem Durchfall, den ich hier nicht unbedingt näher beschreiben will. Ich verbrachte eine sehr lange Zeit ständig zwischen Bett und Bad, Halbschlaf, Toilette und dem Nachschieben der verlorenen Flüssigkeit in meinen ausgetrockneten Mund während die Sonne draußen unbemerkt von diesem Idiot mit schwachem Magen aufging, Asphalt verbrannte und wieder unterging.
Jetzt geht es mir zwar nicht gut, aber immerhin habe ich es bis zum Supermarkt geschafft um mehr Wasser zu kaufen. Ob ich es diesen Nachmittag oder Abend nochmal rausschaffe? Ich weiß es nicht.
Ich komme langsam ernsthaft ins Überlegen, ob ich mir einen verfrühten Rückflug holen will, denn wenn ich die Hälfte der Zeit krank bin und kaum mehr als Wasser und Brot zu mir nehmen kann und mich dazu noch ständig ärgere nicht vernünftig Spanisch lernen zu können weil keiner mehr als diesen wandelnden Geldschein hier sieht und ich an ihrem Akzent zu verzweifeln beginne und mein Geld knapp werden wird weil ich fast ausschließlich in convertiblen Pesos einkaufen kann, was verdammt noch mal soll ich dann noch hier? Aber aufgeben ist schwer und üblicherweise bringe ich zu Ende was ich beginne, und erklär erstmal all den Leuten warum du es nur einen Bruchteil der geplanten zwei Monate ausgehalten hast... Aber es ärgert mich einfach nur noch – vielleicht sollte ich mal schauen wie teuer ein Rückflug wär, vielleicht komm ich damit trotzdem noch billiger weg. Möglicherweise bin ich einfach doch nicht der Typ für solche Abenteuerreisen und mein Magen will nur sagen „Jesko, brech es ab so wie ich es ausbreche und mach stattdessen einen Spanischintensivkurs in einem Land in dem man auch Spanisch spricht, zum Beispiel in Spanien“. Es ist zum Verzweifeln, mein Kopf dreht sich ständig um die Frage ob ich es mir eingestehen kann, aufzugeben und ob ich dann all meine Prinzipien verrate und meine Zukunft nichtig mache oder einfach nur meine Grenzen kennenlerne...
¿Soy cubano? ¡Es impossible!
Kubaner sein? - Unöglich!
Ich habe gestern Abend nicht mehr sonderlich viel unternommen, aber das was ich getan habe war von größter Wichtigkeit – erst ging ich in die Stadt um das Internetcafe aufzusuchen, stellte dort aber fest, dass meine ETECSA-Internetkarte, von der ich gerade einmal 5 Minuten verbraucht hatte, nur in Havana genutzt werden kann. Da ich keine große Lust hatte, noch eine hier zu kaufen, ging ich zurück und fragte Enrique, ob ich seinen Internetzugang benutzen könne (er hat nämlich einen Laptop), Seltsamerweise hat er zwar E-Mail (Outlook Express) aber kein Internet, aber immerhin, das durfte ich nutzen und so überwand ich mich und den verzweifelten Abenteurer in mir und schrieb meinen Eltern, ob es nicht möglich sei, für die kommende Woche oder so einen Rückflug für mich zu besorgen wenn es nicht allzu teuer sei. Mal sehen was sie antworten werden. Ich jedenfalls habe mich entschlossen, wenn es möglich ist in Kürze wieder abzureisen. Warum? Also:
Erstens: ich bin noch immer nicht gesund, traue mich kaum mehr etwas außer Wasser und Brot zu mir zu nehmen und die durchgehende Hitze verstärkt das Ganze und macht meinem Organismus mehr zu schaffen als ich erwartet hätte. Ich liege bereits mehrere Tage flach und weiß nicht, wie schnell ein Rückschlag kommen kann. Zweitens: Mein ganzer Sinn und Zweck der Reise ist heillos fehlgeschlagen und kann sich auch nicht erfüllen. Mein Rat für alle, die Kuba bereisen wollen: tut das – zu zweit oder dritt oder viert, für zwei oder drei Wochen, sucht euch drei oder vier oder fünf Orte raus die ihr sehen wollt, bleibt dort jeweils drei oder vier oder fünf Tage, wohnt in den guten, billigen Casas Particulares, seht euch die Städte an, die Natur, Cubas schöne Ecken und manchmal auch die nicht so schönen, macht ein paar Exkursionen und unterhaltet euch am besten mit schon ausgeprägten Spanischkenntnissen mit euren Casabesitzern. Was habe ich gemacht? Genau das Gegenteil. Ich bin alleine los, meine Spanischkenntnisse wollte ich hier erst aufbauen (was aus bereits erwähnten Gründen kaum geht) und mein größter Fehler: ich habe für 2 Monate gebucht aber weder genug Geld um tolle Ausflüge zu machen noch einen Work-and-Travel Job oder Auslandssemester das mich beschäftigen würde, vertrauend darauf dass ich meine Zeit einfach so mit Kubanern verbringen könnte, vielleicht auch ein bisschen naiv von mir. Ich bin es einfach falsch angegangen, ich wolte Sprache, Land und Leute kennenlernen aber das geht hier nicht, hier geht nur Urlaub, mehr nicht; zumindest nicht wenn man keine Verwandten oder Studienkollegen hier hat, die einen in das normale Leben einführen können.
Deshalb gebe ich auf, man muss auch erkennen wenn man einen Fehler gemacht hat und werde in der dadurch überbleibenden Zeit vielleicht einen Intensivsprachkurs in Madrid machen. Und es ist eine Erfahrung wert, auch der innere Schmerz den eigenen Traum zu vernichten weil man sich verträumt hat in der Traumwelt einer selbsterbauten Illusion, verrannt in der Vorstellung des Unmöglichen, auch das ist ein Gefühl das mich prägt, mich vielleicht dazu bringt, in Zukunft nicht nur detailliert zu planen sondern auch die eigene Illusion zu hinterfragen und nicht mehr die Augen zu verschließen vor den Hinweisen die einem zeigen dass die Dinge anders sein könnten als erdacht.
Naja, hab ich mir gedacht, so lange ich noch hier bin (ob das nur bis zum verfrühten Rückflug ist oder doch bis zum Schluss, weil selbiger zu teuer ist...?) mach ich das Beste draus und geh jetzt erst mal Schwimmen. War zwar ein recht langer Weg aber ich war schließlich eine Weile lang am Punta Gorda und an der Laguna del Cura schwimmen, beide sehr schön und nicht sehr voll, durchaus eine angenehme Art den Vormittag zu verbringen. Leider habe ich festgestellt dass meine Sonnencreme nur Faktor 20 hat und ich einen fiesen Sonnenbrand im Nacken habe. Was solls, das schockt mich jetzt auch nicht mehr. Nachher geh ich noch ein bisschen was Essen, (schön vorsichtig, will ja nichts riskieren) und im Internetcafe checken ob ich eine Antwort von meinen Eltern habe. Wie ich den Rest der Zeit totschlage weiß ich noch nicht, heute Abend wollte ich mich mit Hanah, Anette und Irene treffen die heute in Cienfuegos ankommen sollten.
El dinero santo
Das heilige Geld
Ich hab mich mal getraut ein bisschen was bei "Rapido" zu essen, war billig, relativ schnell, essbar im Sinne von „einigermaßen sättigend“ aber nicht gerade im Sinne von „einigermaßen lecker“. Immerhin hat mein Magen bis jetzt noch keine Revolution gestartet. Später bekam ich tatsächlich einen Anruf von meinen Eltern betreffs meiner Mail, pues, vamos a ver was sie jetzt finden werden und vor allem wann. Jetzt kann ich immerhin den Rest der Zeit richtig Urlauber sein (abgesehen vom Essen), dafür hab ich ja dann jetzt genug Geld (so ist das, man hat immer entweder wenig Geld oder wenig Zeit...). In verbesserter Laune wanderte ich nochmals durch die Stadt, wo ich von Alejandro angesprochen wurde, der natürlich wegen des Abendessens gewartet hatte bzw. sich gewundert hatte warum ich nicht gekommen bin. Ich erklärte ihm dass ich krank war und es mir sauschlecht ging und sagte ich würde vielleicht morgen kommen, stellte aber nachher fest dass ich um die Zeit schon in Trinidad sein wollte. Er fragte ob ich nicht heute Abend kommen wolle aber ehrlich gesagt will ich das nicht, vielleicht weil mein noch immer wie eine Zeitbombe tickender Magen mich an die von ihm gebrachten Früchte erinnert, die der Krankheit unmittelbar vorausgegangen waren. Schon seltsam wie ich mich in Cuba verändere, noch vor gar nicht allzu langer Zeit hätte ich vor Freude ein Ché-Shirt anziehen können bei der Aussicht auf ein 2CUC-Abendessen bei einem Cubano, aber jetzt schon hat mich all die Jineterorei und die Krankheit dazu gebracht, lieber in ein herkömmliches Paladares zu gehen. Vielleicht hasse ich mich dafür aber ich werde mehr und mehr Tourist hier – ich kam in der Absicht, mich dem Leben der Kubaner zu nähern und hab mich nur noch weiter entfernt: der Kontrast zur Armut macht den Reichen nur noch reicher, die ökonomischen Zustände sind einfach zwei zu weit voneinander entfernte Planeten als dass ein simples Raumschiff diese Differenzen überwinden könnte. Mierda, ich sollte in Zukunft einfach irgendwo Spaßurlaub machen, da komm ich zwar nicht auf so schön philosophische Sätze aber kann auch nicht so enttäuscht werden, enttäuscht von der Realität vernichtend die Erwartung wie die Welle in der Laguna del Cura den Sand verschwemmt.
Viaje a la ciudad de Trinidad
Auf dem Weg nach Trinidad
/ Der Flug / Ankunft in Havanna / Cienfuegos // Trinidad / Santa Clara / Matanzas
Woran auch immer es lag, das mit dem Treffen klappte nicht so wirklich – da die Geschäfte schon zu hatten konnte ich auch keine Telefonkarte mehr kaufen um sie zu fragen wo sie sind. Vielleicht treff ich sie ja in Trinidad... der Rest des Abends war eigentlich recht schön, mit dem Nachteil, dass ich, nachdem ein besoffener Cubaner an meinem Platz am Meer ein bisschen was erzählte dass er jetzt hier unbedingt schwimmen wollte mich verabschiedete und ging – leider ohne meinen Hut, der natürlich später auch nicht mehr da war (ebensowenig wie der Kubaner).
Heut früh bin ich jedenfalls los weil ich ja trotzdem nach Trinidad will, und der Bus kostet nur 6 CUC also hin zum Terminal, Taxifahrer abwimmeln die mindestens 20 CUC wollen und das Busticket kaufen. Jetzt muss nur noch der Bus kommen, voy a esperar un poco. Esperar ist ein schönes Wort für die lateinamerikanische Mentalität, es heißt sowohl „warten“ als auch „hoffen“. ...
In einem Fernseher in der Wartehalle läuft auf einem der beiden kubanischen Sender ein US-amerikanischer Spielfilm mit spanischen Untertiteln, gestern Abend auch schon, das einzige was sie mit Cuba zu tun hatten waren in jeweils einer Szene Zigarren. Das kann aber nicht das einzige Kriterium sein, denn vorgestern lief „Greys Anatomy“ und da wird nicht geraucht. Frag mich warum die nicht Filme aus China oder Bollywood oder Europa zeigen statt die Filmkultur des Staatsfeindes zu verbreiten. Aber Windows Laptops, Coca-Cola, Disney Spielzeug und Apple iPods ließen sich ja auch nicht vom US-Embargo aufhalten und wie es aussieht hat Kuba ja auch nicht wirklich viel dagegen.
Trinidad, Costa Rica y la casa de la musica
Trinidad, Costa Rica und das Haus der Musik
Irgendwann kam dann der Bus doch noch und wir fuhren nach Trinidad, im klimatisierten, fast ausschließlich mit Touristen gefüllten Viazul-Bus. Ab und zu unterhielt ich mich mit dem Italiener neben mir auf Spanisch und betrachtete die nicht sonderlich aufregende Landschaft, ansonsten war es aber nicht gerade eine spannende Reise.
In der schülen Hitze am Busbahnhof Trinidad wartete vor dem Tor schon eine Horde von Casa Particulares Besitzern die um die Gunst der Reisenden buhlten, Schilder mit Fotos ihrer Wohnung hochhielten und laut den Namen des Hauses riefen. Ich nahm das erstbeste Haus für 15 CUC, relativ in der Nähe, zwar nicht so schön wie das Casa Mercé und nicht so groß und komfortabel wie im Casa Enrique dafür aber mit Dachterasse, die einen recht schönen Blick auf die Stadt präsentiert. Das Badezimmer ist nicht der Höhepunkt der Exzellenz aber es gibt keinen Grund zur Beschwerde, außer der Tatsache, dass der Kontakt zu seiner Besitzerin auf ein Minimum beschränkt blieb.
Fest entschlossen, meine restliche Zeit hier in Cuba als Tourist zu erleben und mir auch mal ein bisschen was zu gönnen ging ich, nachdem ich die heißeste Mittagshitze abgewartet hatte durch Trinidad und machte jede Menge schöner Fotos der kleinen Gässchen, die im inneren Stadtteil sogar Autofrei sind. Es ist durchaus eine recht schöne Stadt mit Kopfsteinpflaster auf den Straßen und bunten, alten Häusern, wenn auch nicht alles so wahnsinnig toll ist wie der Reiseführer es beschreibt. Besonders der angeblich meistfotografierteste Platz Cubas, der Plaza Mayor, konnte nicht so mit meinen Erwartungen mithalten. Trotzdem setzte ich mich dort hin und machte eine kleine Pause auf der Treppe und betrachtete die weißen Zäune um den mit Bänken bestückten Park und die alten Häuser drumherum.
Als ich von schräg hinten angesprochen wurde, ob ich alleine unterwegs sei, war ich fast schon auf einen weiteren Jinetero (bzw. die weibliche Version, da es sich um eine Frauenstimme handelte) gefasst, die es hier nämlich auch des Öfteren gibt; doch es handelte sich um eine andere Reisende, die mich schon im Bus gesehen hatte und mit ihrer Mutter unterwegs durch Kuba ist. Sie sind Costa Ricaner, aber Carolina (die 27 Jahre alte Tochter) spricht sehr gut Deutsch, da sie vor ein paar Jahren einen einjährigen Austausch nach Deutschland gemacht hatte. Wir unterhielten uns kurz, sie gingen weiter und ich nach einer Weile in der ich den Schatten der Kirche hinter mir genoss auch. Irgendwann, nachdem ich von zwei Leuten auf ein Paladares angesprochen worden war, mir eines sogar hatte zeigen lassen und mich gerade vor ein paar Straßenmusiker setzen wollte um ein Foto zu machen (sie waren wirklich gut, ein Gitarrist, ein Sänger und ein Bongospieler, wäre ein herrliches Foto geworden), merkte ich, dass ich meine Kamera nicht finden konnte. Ich ging den ganzen Weg zurück, suchte im Paladares und den ganzen Weg zurück zum Plaza ab und diesen natürlich selbst. Natürlich war die Kamera nicht mehr auffindbar. Nichts in diesem Urlaub, nicht die Krankheit, die Jineteros, das fehlende Geld, hat mich so geärgert wie dieser Verlust, verständlichweise, denn sämtliche Fotos die ich in Kuba gemacht hatte befanden sich auf der in dieser Kamera befindlichen Karte.
Während ich da saß und mich ärgerte kamen zufälligerweise Carolina und ihre Mutter erneut vorbei, denen ich von meinem Missgeschick erzählte. Wir sprachen einen der herumlaufenden Polizisten an, der sich einen Vermerk machte, aber ich erhoffe mir nicht sonderlich viel davon, die Chancen stehen da eher schlecht. Immerhin bot mir Carolina an, mir nach dem Urlaub ihre Fotos per Mail zu schicken, und dementsprechend sind auch die hier zu sehenden Fotos nicht mit meiner eigenen Kamera entstanden sondern sind mir netterweise von ihr zur Verfügung gestellt worden.
Soviel also zu meinem Plan, den Rest der Zeit als puren Urlaub zu genießen, ich gab mir zwar alle Mühe während ich mich durch eine Kirche / Herrenhaus führen ließ, welches einen herrlichen Ausblick über die Stadt hergab und schlenderte noch eine Weile mit Carolina durch die Stadt aber die fehlende Kamera blieb trotzdem ständig in unangenehmer Erinnerung. Immerhin fand ich im Laufe des Tages noch ein Internetcafe und fand so heraus, dass meine Eltern einen Flug für Donnerstag gebucht hatten. Ich werde also jetzt wohl bis Montag hierbleiben, dann nach Matanzas fahren und von dort am Donnerstag zum Flughafen in Varadero.
Da ich mittlerweile einen guten Hunger hatte, (immerhin hatte ich aufgrund der Krankheit fast zwei Tage lang gar nichts gegessen und deshalb guten Nachholbedarf) ging ich in ein Restaurant und bestellte mir einen Insalate Mixta, der mir am schonendsten für meinen Magen vorkam. Leider fiel der Salat recht klein aus und dementsprechend waren also die Preise im Restaurant „Plaza Mayor“ doch nicht so billig wie auf den ersten Blick gedacht.
Abends gegen Neun traf ich mich nochmal mit Carolina, ihrer Mutter und zwei Kubanerinnen aus dem Bus (von denen eine jetzt in Kanada wohnt) am Casa de la Musica, eine große Treppe mit Cocktailbar und Liveband, die echt gut war. An dieser Stelle übrigens als Anmerkung weil ich schon des öfteren danach gefragt werde - ich hab keine Ahnung warum ich fast ausschließlich in Kontakt mit weiblichen Reisenden kam - ehrlich! Vielleicht liegt es daran dass Männer öfters mit Partnerin reisen und sich dann eher dem Kontakt zu anderen Reisenden verschließen... keine Ahnung. War jedenfalls nicht beabsichtigt... ;-)
Heute morgen wollte ich eigentlich auf einen angeblich hier in der Nähe stattfindenden Markt gehen nachdem ich aber erst gegen 9 Uhr aufstand, in meinem Casa das „sehr ausgiebige“ Frühstück zu mir nahm (Brot mit Honig, ein paar Früchte und Kaffee) und nach der Hälfte feststellte dass mein Magen mich hasst nahm ich stattdessen lieber noch eine Antidurchfallpille und legte mich nochmal ein wenig hin. Jetzt bin ich halb am verhungern und halb krank, weiß also nicht ob und was ich essen kann aber irgendetwas muss ich ja zu mir nehmen, sonst kippe ich bald um... ich überrede mich, mir zu sagen dass man ja auch mal schlechte Erfahrungen machen muss und stopfe mich ein wenig mit Brot voll.
¡Leche mas cara que ron!
Milch teurer als Rum!
Die Hitze ist unerträglich, ich schleppe mich von Schatten zu Schatten. Auf der Straße spielen Kinder Ball, ein alter Mann sitzt in seinem Schaukelstuhl vor einem leeren Schachbrett und lauscht der dröhnenden Musik, noch abends prallt die Sonne auf die Straße. Ein Gitarrist spielt ungefragt Musik während der Strom von den gebündelten Kabeln über meinem Kopf knistert, die Hitze drückt unbarmherzig auf erbärmliche Straßenköter, es riecht nach rohem Fleisch, leicht angefault, Reste des Bürgersteigs liegen auf der Straße während die Abgase von alten Lastern, russischen Ladas und amerikanischen Oldtimern der Luft die braune Farbe geben... Vielleicht ist Deutschland doch gar nicht so schlecht wie wir immer denken...
Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf als ich durch die äußeren (für Autos zugelassenen) Straßen der Stadt gehe auf dem Weg zu einem Supermarkt mit Milch für das Frühstück des nächsten Tages. Das Mittagessen im Casa von Carolina hab ich sogar vertragen (den Teil den ich gegessen habe) aber auf die teure, kleine Portion Frühstück in meinem Casa kann ich verzichten und esse lieber was, das mein Magen schon kennt.
Im Supermarkt fielen mir zwei Dinge auf, die im ersten Moment komisch scheinen, im Zweiten jedoch einfach nur noch traurig: ein Liter Milch kostet genauso viel wie ein Liter brauner Rum. Und was noch krasser ist: gerade mal 0,5 Liter Wasser kosten mehr als doppelt so viel wie eine Schachtel Zigaretten. Ich will nicht lamentieren,es ist nur erschreckend aus Sicht der Einwohner, für Milch fast gleich viel zu zahlen wie für einen Cocktail... und damit ist nicht gemeint, dass die Cocktails so billig sind.
Naja, was ist sonst heute noch passiert? Nicht viel, habe eine Zeit lang eine Kathedrale betrachtet und angesehen und davor rumgesessen wobei ich mich mit einem einheimischen Zeichner unterhalten habe (unter anderem über meine verlorene Kamera), das war ganz nett. Ansonsten wollen wir morgen noch an den Strand fahren und Montags geht es dann auch nach Matanzas, wo ich mir noch die berühmten Cuevas de Bellamar ansehen will. Heute Abend geht es noch einmal zum Casa de la Musica und vielleicht ins Canchanchara, wo es einen berühmten Cocktail aus Rum und Honig geben soll. Da es gerade nichts interessanteres zu erzählen gibt, liste ich hier einmal die Top 3 der prägensten Gespräche betreffs "Dinge kaufen" auf:
Nummer 3: Ich wollte mir in der Marktstraße eine Bongo kaufen, die 8 CUC kosten sollte, was ich noch ein wenig herunterhandeln wollte. Der Mann ließ aber nicht mit sich handeln bis er auf die Idee kam „hast du T-Shirts? Wenn du mir T-Shirts dazugibst verkauf ich sie für 5 CUC“ - leider gefielen ihm meine ihm angebotenen Shirts nicht, er blieb bei seinen 8 CUC, also kaufte ich sie später woanders für 7 CUC.
Nummer 2: Ein junger Jinetero sprach mich an um mich an ein Paladares zu „empfehlen“. Als er merkte dass ich darauf nicht einging sagte er „andere Frage!“ und zeigte auf meine grünen Chucks. „Tauschst du die mit mir?“ als ich anmerkte, dass ich die Schuhe ja noch brauchte sagte er „Ich hab so ähnliche, aber Plagiate. Wir Tauschen und du kriegst noch zwei Zigarren dabei!“
Nummer 1: Schon an anderer Stelle erwähnt, aber hier nochmal weils so schön war: Ich machte es mir in Cienfuegos in einem Park gemütlich, will ein Foto machen wo zufällig ein paar Cubanos in ner Bar mit drauf gewesen wären, sie winken heftig ab, ich weiß bis jetzt noch nicht warum. Kurz darauf kommt einer von ihnen herüber, bietet mir einen Schluck Rum an und meint dann: „Tío, verkaufst du mir deine Kamera?“. Als ich anmerke dass ich dann in Kuba ja keine Fotos mehr machen könne sagte er „Aber ihr habt doch tausende davon in Europa, wir haben hier gar keine!“ Nur schwer verstand er, dass ich sie sofort verkaufen würde wenn ich zwei davon hätte oder wenn ich morgen abreisen würde, dies aber nicht der Fall ist und ich sie deshalb noch brauche. Im Nachhinein denke ich „Idiot!“, hätte ichs gemacht dann hätte ich jetzt nicht nur noch jede Menge Fotos von Cienfuegos und Havana die ich jetzt nicht mehr habe, sondern außerdem ein paar 100 CUC mehr um mir später ne neue Kamera zu kaufen, was ich ja jetzt genauso machen muss... hätte ich das gewusst... ;-)
Reencuentro por casualidad
Zufälliges Wiedersehen
Gegen Abend, wo die Temperatur angenehmer wurde ging ich nochmal raus, langsam in Richtung Casa de la Musica, wo ich trotz einiger Pausen viel zu früh ankam. Zwischendrin hatte ich mich mit einem armen Kerl namens Edél (nicht Fidel, wie er betonte!) unterhalten, der sich über den einen CUC den ich ihm nachher schenkte so riesig freute, dass er gar nicht aufhören wollte mich zu umarmen. Ich habe nicht so Recht verstanden was er arbeitet, aber er kriegt dafür angeblich nur 10 CUC im Monat – so einem Kerl geb ich dann auch echt lieber Geld als den ganzen Jineteros die wahrscheinlich durch all die Touristen mehr als genug haben. Nach dem Gespräch saß ich dann auf der Terasse, trank eine Cola für 1 CUC und fragte mich was ich eigentlich für ein eingebildeter Idiot und Touri bin. Da jammer ich über meine Magenprobleme und die Tatsache dass jeder hier nur Geld will und sich deshalb meine Reise kaum lohnt während der Großteil der Menschen hier noch nicht einmal ansatzweise von so einer Reise träumen kann. Für die Cornflakes ein Luxusessen sind. Ich hätte mich am liebsten selbst geohrfeigt. Sieht aber ein bisschen komisch aus, wenn da so ein Tourist auf der Terasse vom Casa de la Musica sitzt und sich Ohrfeigen verpasst. Es ist eine fiese gedankliche Gratwanderung, weil es den Kubanern im Vergleich zu anderen südamerikanischen und afrikanischen Ländern gut geht – ich habe niemanden hungern gesehen, die Krankenversorgung ist kostenlos (ich habe sogar echt viele Leute mit Hörgeräten gesehen), Schulbildung ist umsonst, die Kriminalität ist äußerst niedrig... aber im Vergleich zu uns europäischen Millionären scheint das natürlich ein Witz zu sein. Leider kann ich deshalb trotzdem nicht jedem Kubaner auf der Straße Geld schenken. Warum nicht? Weil ich dann vielleicht auf ein paar meiner gewohnten Luxuriösitäten verzichten müsste. Bah, wir müssen ihnen vorkommen wie mir so eingebildete, golfende Reichen-Kids mit Golduhren und Seitenscheitel. Verflucht, man weiß gar nicht mehr was man denken soll, aber schließlich kann ich ja auch nichts dafür, in einer Kultur aufgewachsen zu sein, die es aus ökonomischer Sicht richtig gemacht hat, genauso wie ich nichts dafür kann dass sie es nicht sind. So Gedanken können einem das Weltbild schon ganz schön durcheinander bringen.
Glücklicherweise / Leider (wie mans sieht) wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als zwei Personen auf meinen Tisch zukamen – nicht Caro und ihre Mutterm sondern lustigerweise die zwei Münchnerinnen mit denen ich mir am ersten Tag in Havana das Taxi geteilt hatte (namentlich Maria und Beate) und die da auch im Hotel Inglaterra gewohnt hatten. Sie waren heute (bzw. Gestern) in Trinidad angekommen und waren gerade auf der Suche nach etwas zu Essen. Da Carolina immer noch nicht da war, schlug ich vor, bei ihrem Casa vorbeizuschauen und dann gemeinsam etwas essen zu gehen. Tatsächlich war Caro noch nicht ganz fertig und so machten wir aus, uns später wieder am Casa de la Musica zu treffen während ich, Beate und Maria noch etwas Essen gingen und uns dabei von unseren Erlebnissen erzählten. Diese Begegnung war für mich nicht nur praktisch weil es lustig war, „Bekannte“ wiederzutreffen, sondern auch, weil ich erstens jetzt per Mail auch ihre Fotos bekommen würde und zweitens die Möglichkeit bekam, am Montag mit ihnen Richtung Varadero weiterzufahren. (Sie haben einen Mietwagen und wollen über Santa Clara nach Varadero fahren).
Später gingen wir dann wieder wie abgemacht zum Casa de la Musica wo wir uns mit Caro, ihrer Mutter und den zwei Kubanerinnen trafen. Eigentlich wollten wir nachher noch ins Canchanchara aber es war schon nach 12 und um diese unglaublich späte Uhrzeit macht der Laden da schon zu... ;-)
Heute ist Sonntag und wieder mal sehr warm (wen wundert das schon noch?), um halb drei fahren wir an den Strand, vorher kaufe ich noch ein paar Souveniers in der Stadt und irgendwas an Rum. Abgesehen von meinem immer noch rumzickenden Magen (vor allem Morgens) geht es mir eigentlich ganz gut, aber das verfrühte Reiseende ist trotzdem in Ordnung so – denn ich könnte zwar 2 Monate so Urlaub machen wie jetzt, mich mit Wasser, Cola, Cornflakes, Brot und Reis ernährend und mit anderen Reisenden lustige Dinge unternehmend durchs Land reisen (naja, genaugenommen könnte ich das nicht, weil dafür mein Budget nicht ausgelegt wäre) aber das wäre ja auch nicht so wirklich was ich vorhatte... Da geh ich noch lieber auf das Angebot von Caro ein und komm über Sylvester mit ihr und n paar Bekannten nach Ecuador :) (was ja finanziell gar kein Problem wäre...)
Pensamientos de la playa
Strandgedanken
Der Strandausflug war ganz schön, und weil wir das Taxi geteilt haben war es auch gar nicht so teuer. Manchon war auch dabei, ein Cubaner und Freund der kanadischen Kubanerin die sagte, es wäre ganz gut, einen Kubaner dabei zu haben – Carolina und ich waren da etwas skeptisch aber ihre Mutter entschied schließlich, ihn mitzunehmen – was letztenendes hieß dass sie seinen Teil der Taxikosten zahlte und er ging uns eigentlich Großteils nur auf die Nerven. ;-) Wir sonnten uns also ein bisschen, erfrischten uns im Meer und taten also einmal genau das, was andere Touristen jeden Tag machen. Die Gespräche in Deutsch (mit Caro), Spanisch (mit ihrer Mutter) und Englisch (mit beiden, wenn wir über Manchon redeten) waren ganz entspannt und mit dem costa-ricanischen Spanisch konnte ich auch schon etwas mehr anfangen – und war erleichtert zu hören, dass die beiden oftmals auch nicht den strengen Dialekt Manchons verstanden...
Nachdem wir nach Trinidad zurück kamen und uns für Abends verabredeten flitzte ich zum Casa Bombino um mit Maria und Beate für morgen (also Heute) eine Zeit zur Abfahrt auszumachen (unterhielt mich auch ein wenig mit Bombino, ein netter alter Professor, das Haus ist echt hübch und empfehlenswert nicht zuletzt wegen dem netten Bombino, wen es interessiert, 20 CUC die Nacht, Calle Cienfuegos #414 in Trinidad) und anschließend zum Casa de la Musica wo ich für Caro eine CD des Buena Vista Social Club kaufte, da sie an diesem Tag ihren 28. Geburtstag feierte. Auf dem Weg dahin traf ich lustigerweise als ich jemandem nach den Weg fragen wollte (war ja vorher noch nicht beim Casa Bombino gewesen) zwei deutsche Touristen, die, wie sich herausstellte, auch am 9.5. von Paris mit AirFrance angekommen waren – also im gleichen Flieger gesessen hatten wie ich.
Wir aßen dann noch sehr lecker zu Abend im Hostal Castellanos (ihrem Casa, auch sehr empfehlenswert, ebenfalls 20 CUC und sehr zentral gelegen, nette Familie und liegt direkt neben einem Innenhof wo Abends öfters eine kleine Band spielt – Adresse Calle Rubén Martínez Villena #51 e/ Simón Bolívar y Piro Guínart, Trinidad) und Douglas (der Vater) mixte uns einen Canchanchara (den wir in der gleichnamigen Bar abends nicht bekamen weil sie wegen Besucherschwäche schon um 10 zu hatte...) - ein sehr leckerer Drink aus Honig, Limone, Wasser und einem Rumähnlichen Alkohol namens „Santería“ (inwiefern der sich von herkömmlichen Rum unterscheidet habe ich leider nicht so Recht verstanden).
So, jetzt ist also mein letzter Morgen in Trinidad, hab mich natürlich gestern Abend schon vernünftig von den beiden Costa Ricanerinnen verabschiedet, weil sie heute früh schon nach Havana weiter sind und jetzt sitze ich bei Bombino und warte ein bisschen bis Maria und Beate fertig gepackt haben. Bueno, und dann geht es über Santi Spiritus nach Santa Clara und von da aus Richtung Varadero, dem Touristenresort Cubas schlechthin...
Santi Spíritus, Santa Clara y Varadero
Santi Spiritus, Santa Clara und Varadero
/ Der Flug / Ankunft in Havanna / Cienfuegos / Trinidad // Santa Clara / Matanzas
So, es gibt viel nachzuholen vom gestrigen Tag. Zuerst machten wir uns wie gesagt nach Santi Spiritus auf, das wir auch relativ problemlos fanden. Santi Spiritus ist ein schönes kleines Städtchen, touristisch so gut wie kaum entdeckt und deshalb sehr angenehm zum durch die Fußgängerzone und den Park schlendern und ein Eis für 3 CUP zu kaufen. Ansonsten gab es hier aber nicht viel zu sehen und so machten wir uns recht bald wieder auf in Richtung Santa Clara während wir an Fahrrädern, alten Autos und Pferdekutschen vorbeifahrend die, ehrlich gesagt, recht eintönige Landschaft betrachteten und uns darüber unterhielten, was eine Waldorfschule (ich) und eine Mädchen-Klosterschule (Beate) voneinander unterscheidet.
In Santa Clara suchten wir dann die Calle Colon nach dem uns von Bombino empfohlenen Casa ab, was nicht so einfach war, da die Nummerierung irgendwo bei 600 wieder von vorne anfing und auf unserer Adresse 2651 stand (und wir eine Weile brauchten um herauszufinde, dass die ein 1 ein / war...). Also sahen wir direkt mal ein wenig von der Stadt, wenn auch eher die dreckigeren Stadtteile und den Müll in den Parks und demolierten nebenbei noch fast das Auto weil wir grade Lust bekommen hatten einen Bordstein seitlich mitzunehmen.
Nach mindestens 50 befragten Cubanern (die zwar alle nett und hilfsbereit waren aber nicht unbedingt hilfreich) fanden wir schließlich das Haus, wo Maria und Beate für 20 CUC in einem Zimmer und ich für 15 CUC im anderen unterkam (eigentlich wollte die Besitzerin auch 20 für mein Zimmer, weil ja pro habitacion bezahlt wird und nicht pro Person, aber das Argument, dass dieses Zimmer kein Fenster hatte und deshalb nicht so schön sei, half dann.
Und dann, als wir gerade rausgehen wollten um etwas zu Essen zu suchen, fing es an zu regnen – das erste Mal seit ich in Kuba bin, anscheinend längst überfällig und deshalb auch in Strömen, dass das Wasser durch die tiefen Straßenrinnen stürmte und die Schlaglöcher in Seen verwandelte. Wir hatten aber Hunger! Schön und Gut, Regen hat ja nen Sinn und außerdem kühlte danach das Klima etwas ab aber deshalb würden wir nicht verhungern. Also Regencape ausgepackt, über uns gehalten und losgestapft. Meine Chucks waren nach fünf Minuten ein einziger Waschlappen.
Nach etwa vier Straßenblocks merkten wir einerseits, dass es aufgehört hatte zu regnen und andererseits dass wir den Reiseführer samt Karte vergessen hatten, ohne die wir das tolle Szenerestaurant wohl nicht finden würden, dass sich nachher als recht durchschnittliche, wenn auch günstige Location entpuppte. Also brachten wir das Cape zurück, holten die Karte und suchten das Restaurant, welches sich in Realität zwei Straßen weiter zu befinden schien als auf unserem Plan. Das Essen war zwar durchaus ganz gut, aber trotzdem nicht unbedingt den langen Weg wert, den wir bis zur Ecke Carretera Central / Danielito zurücklegten. Auch die vom Reiseführer als „Kneipenviertel“ bezeichnete Gegend nördlich vom zentralen Platz war recht leer und Großteils geschlossen, dafür dass es gerade einmal 10 Uhr war also recht enttäuschend (okay, es war ein Montag, aber trotzdem...).
Nachdem wir also in einer der wenigen offenen Bars ein paar Drinks zu uns nahmen und uns mit einem alten Cubaner unterhielten, der einen Finger im Krieg an der Seite von Ché Guevara verloren hatte (sagte er zumindest, möglich wäre natürlich auch, dass er sich beim Gurkenschneiden geschnitten hat – klang aber eigentlich schon recht echt) gingen wir zurück zum Platz, wo wir vom Dach eines 11stöckigen Gebäudes (auf das wir schon etwas früher hochgefahren waren, da war aber noch niemand da gewesen) laute Musik vernahmen und uns entschlossen dort noch ein wenig tanzen zu gehen, und tatsächlich war da oben gut was los. Derartige Entscheidungen wurden hauptsächlich von Maria und Beate getroffen, weil ich mit einem aus einem mir unerfindlichen Grund heiseren Hals zu dem Zeitpunkt kaum noch etwas sagen konnte und mich mit so wenig Worten wie möglich äußerte. Der Hals-Tee am nächsten Morgen tat aber jedenfalls einen guten Teil zur Besserung bei und mittlerweile kann man mich wieder verstehen.
Wir zahlten unsere Unterkunft und packten unser Zeug zusammen. Bevor wir uns auf den langen Weg nach Varadero aufmachten, hielten wir noch am Ché – Denkmal und Memorial in Santa Clara. Vor der gigantischen Statue auf einem monumentalen Platz konnte man bei heroischer Musik sein Antlitz bestaunen und anschließend (nachdem man mehrmals drauf hingewiesen worden war, seine Kamera und seinen Rucksack abzugeben) das kleine, aber kostenlose Museum besuchen in dem einem mal wieder klar wurde, dass Dr. Ernesto Ché Guevara so ein armer, proletarischer Arbeiter ja gar nicht gewesen sein konnte... Außerdem befindet sich hier in Santa Clara, also einem Ort wo sonst echt kaum etwas bemerkenswertes zu finden ist, die sterblichen Überreste nicht nur vieler seiner Mitkämpfer (mit so schönen Spitznamen wie „Chino“, „Negro“, „Papi“ etc) sondern hinter einer Metallplatte mit seinem Namen und Gesicht darauf auch die des Chés (Spitzname für Argentinier, von ihrem Wort für „Kumpel“ kommend).
Nun ja, nach diesem kleinen Exkurs in Heroentum irrten wir noch zwei Mal durch den großen Stadtring bevor wir die nicht ausgeschilderte Abfahrt zur Carretera del Norte fanden. Den Rest der Fahrt geschah dann wenig besonderes außer der Fahrt durch die Ciudad Sin Nombre („Ohne Namen“) und Cifuente wo ich drei Stück recht leckeres Brot für 4 CUP zu erwerben in der Lage war.
In Varadero gegen späten Abend angekommen checkte ich in der Hotel-Schule Turquino ein, wo Hoteliers ausgebildet werden und man deshalb verhältnismäßig billig (im Vergleich zu den anderen Preisen hier) unterkommt – 30 CUC die Nacht, und das Zimmer ist nicht annähernd so schön wie manche der billigeren Casas in denen ich untergekommen war. Dafür gibt’s immerhin Kabelfernsehen inklusive der Deutschen Welle.
Um den Sonnenuntergang noch zu sehen ging ich sofort an den Strand, wo ich ein bisschen im für Nichtschwimmer geeigneten Meer schwamm (super flach ins Meer führender weißer Sandstrand, durchaus recht schön) und sah mir den touristischsten, kapitalistischsten Ort Kubas an – tausende Hotels, Bars und Restaurants aber kein einziges Gebäude dass aus architektonischer Sicht einen zweiten Blick wert gewesen wäre. Deshalb, wie langweilig Matanzas auch sein kann, es wird morgen wohl trotzdem noch interessanter sein als hier zu bleiben, wo man wirklich den ganzen Tag über nicht viel mehr tun kann als zu schwimmen und sich zu sonnen...
Estoy esperando otra vez
Wieder am warten / hoffen
Irgendwie hab ich besonderes Glück mit Buszeiten, vielleicht hatte ich auch einfach die falsche Uhrzeit im Kopf. Da stehe ich extra rechtzeitig auf, geh noch schnell meine überschüssigen nationalen Pesos in CUCs wechseln und ins Internet, Frühstücke im Hotel (was doch nicht inklusive war) und dusche nochmal bevor ich die Tür zu meinem Hotelzimmer ein letztes Mal mit Gewalt zustemme (sie klemmt etwas) und das recht simple Zimmer hinter mir lasse und jetzt sitze ich an der Busstation und erfahre, dass der Bus erst in einer Stunde geht (und ich auch erst dann das Ticket kaufen kann...) Muss ich mir bis dahin wohl noch ein wenig die Zeit vertreiben, grad eben hab ich mich schon mit einer Amerikanerin unterhalten (keine Ahnung wie die nach Kuba gekommen ist...) die aber so fies schnell und schluderig gesprochen hat dass es auch nicht grade leicht zu verstehen war - vielleicht bin ich auch schon zu sehr hispanisiert.
Immerhin spare ich auf diese Art (also die Fahrt nach Matanzas statt noch hierzubleiben) etwas Geld, denn das Zimmer im Hotel Turqino würde für eine weitere Nacht ja noch mal 30 CUC kosten, jetzt zahle ich 6 CUC für die Busfahrt und ungefähr 15 CUC (hoffe ich doch mal) für ein Casa. Die Fahrt zum Flughafen ist genauso teuer weil dieser zwischen Varadero und Matanzas liegt. Vielleicht komme ich ja von dem übrigbleibenden Geld zu den Cuevas de Bellamar die dort in der Nähe liegen. Und dann, tja, dann geht es schon wieder nach Hause... man könnte fast traurig werden.
Ciudad de los matadores o el guagua-odissey
Stadt der Schlächter oder Guagua-Odyssee
/ Der Flug / Ankunft in Havanna / Cienfuegos / Trinidad / Santa Clara // Matanzas
Nachdem ich gestern in Matanzas (heißt soviel wie „Stadt der Schlachtung“) am Viazul Terminal ankam empfing mich direkt ein Kerl, der fragte ob ich eine habitacion bräuchte. Da er auf Nachfrage meinte, 15 CUC sein möglich dachte ich, dann bräuchte ich nicht so lange zu suchen und ging mit ihm mit. Es stellte sich aber heraus dass er selbst gnausowenig Ahnung hatte und nachdem das „muy cerca“ (sehr nah) doch irgendwie lejo wurde (weit) und wir doch ein Fahrradtaxi nahmen (10 CUP, das war in Ordnung) und zwar dem Stadtzentrum näher kamen (mit Umwegen allerdings, wie ich später herausfand) aber dann schließlich nur ein Casa für 25 CUC fanden (das war zwar sehr hübsch, mir aber zu teuer) schickte ich den Kerl zur Hölle (oder zumindest in das atheistische Äquivalent davon) und suchte alleine weiter – und wurde zwei Straßen später fündig. Die 15 CUC ließen sich zwar trotz nicht vorhandener Klimaanlage nicht mehr herunterhandeln, aber gut, ich hatte keine Lust mehr zu suchen und war zufrieden. Außerdem muss man sagen, dass das Haas zwar sicherlich nicht das Beste in Matanzas ist, die Besitzer aber sehr freundlich und hilfsbereit sind (Calle 79 #29016 e/ 290 y 292, Matanzas).
Da ich nichts mehr zu Trinken dabei hatte machte ich mich direkt auf die Suche nach einem Supermarkt und entdeckte dabei nebenbei erstmalig ein Haus mit der Nummer 33333, bevor ich in den örtlichen Guagua (=Bus) am Parque Libertad einstieg um die so berühmten Cuevas de Bellamar zu besichtigen. Nachdem ich mit dem 1 CUP(!) billigen Guagua eine Odyssee durch die halbe Stadt machte (was auch sehr interessant war) erreichte der Bus schließlich die Endstation an den Cuevas. Sah alles sehr schön aus, zumindest von außen, denn rein konnte ich nicht, da die Höhlen schon um 16 Uhr zu machen – und es war 20 Minuten danach. Ein bisschen ärgerte ich mich schon, beeilte mich aber damit, da ich auf diese Weise wenigsten wieder den gleichen Bus zurück in die Stadt nehmen konnte. nach diesem gescheiterten Ausflug nahm ich mir vor etwas anderes zu machen was nicht schließen kann, zog meine Badehose an und ging an den Strand (den ich nach einigen dreckigen Felsküsten und Brücken von denen einheimische Jugendliche heruntersprangen sogar auch fand). Das Wasser ist nicht ganz so klar wie in Varadero und der Sand nicht ganz so weiß und weich, aber dafür geht der Strand noch flacher ins Meer so dass man das Gefühl hat man könnte bis zum Horizont laufen (zumindest so lang bis man merkt dass man nicht mehr stehen kann). Außerdem ist der Sand im Meer herrlich beispielhaft gewellt, richtige Rillen prägen den Boden und so lässt sich herrlich schwimmen, Fußmassage inklusive. Während ich anschließend am Strand saß und kleine Krebse beobachtete gingen mir wieder zahllose Gedanken über das Gesehene durch den den Kopf und ich stelle fest, dass ich in manchen Momenten hier in Kuba mich und meine Kultur hasse und in manchen die kubanisch-sozialistische Kultur. Meistens sind es dieselben Momente. Es sind die Momente, in denen man erneut die Armut sieht, das Ausnutzen der Touristen wahrnimmt, den Gestank der Straße riecht und sich abseits der schönen Straßen bewegt und man sich sagt „ich kann ihnen nicht allen Geld schenken“ und sich dann fragt warum nicht, und es ist der gleiche Grund den eklige Manager mit Millionengehältern vorbringen wenn es darum geht auf eine oder zwei ihrer Millionen zugunsten der Belegschaft zu verzichten: Jeder von ihnen hätte nur 1 oder 2 Euro davon, was bringt ihnen das, mir hingegen bringt die Gesamtmenge sehr viel... In was für einer Welt leben wir eigentlich? Oder wie Ché sagte, „ich bin auch nur ein Kind meiner Zeit“, wir bräuchten eine Welt die den heutigen Individualismus mit der Gruppenidentität von Urzeiten mischt. Der Sozialismus hat das Versucht und ist kläglich gescheitert weil die Menschen einfach dafür noch nicht bereit sind, beispielhaft zu sehen hier in Kuba.
Mit so Gedanken im Kopf kehre ich zurück zum Casa, am pompösen Theater vorbei in dem heute eine Sinfonie gespielt wird, ich überlege ein paar Sekunden ob ich dort hingehen soll und entscheide mich stattdessen an einem Büchergeschäft zu halten, wo ich mir die Buchrücken anschaue und schließlich drei recht billige CDs kaufe (ohne eine Möglichkeit sie anzuhören – bin gespannt ob sie gut sind...) . In der Bäckerei gibt es leider nur noch hartes Fladenbrot, ich kaufe ein paar und esse sie Abends zusammen mit einer Suppe und dem letzten Hals-Tee und nehme mir vor, am nächsten Tag frisches Brot zu kaufen. Abends will ich noch irgendwohin weggehen und lasse mir vom Hausvater das Café Athena empfehlen, wo aber leider nichts los ist. Stattdessen gehe ich an einen lugar, dessen Name ich nicht weiß, 3. Stock irgeneines Gebäudes und wahrscheinlich der beste Club der ganzen Provinz mit einem DJ von herausragender Qualität, der kubanische Salsarhythmen in amerikanischen Hip Hop übergehen lässt. Ich habe die außergewöhnliche Möglichkeit, zwei kubanische Breakdancer bei einem Battle zu erleben und trinke meine wohl letzten kubanischen Drinks.
Die unklimatisierte Nacht ist gar nicht so schlimm, den Ventilator stelle ich neben mein Bett und durch das Fenster kommt eine frische Brise, so dass ich morgens entspannt in der Bäckerei fünf der leckeren Brötchen kaufen gehe. Der Supermarkt hat leider schon zu, muss ich mir wohl am Flughafen etwas zu trinken kaufen.
Viel mehr gibt es hier von Kuba nicht zu erzählen, ich verließ das Haus, erwischte gerade noch den Guagua zum Viazul-Termnal musste dort aber noch eine Weile warten und dann am Flughafen noch eine halbe Ewigkeit verbringen, da der Viazulbus nach 10 Uhr erst wieder um 14 Uhr losgefahren wäre und das wäre wiederum zu spät gewesen. Nachdem ich das Ticket abgeholt habe stelle ich fest, dass die 25 CUC Flughafengebühr, die ich mir extra zurückgelegt hatte, schon im Flug enthalten war und so geh ich noch ein bisschen Zeug in der Flughafenhalle kaufen. Interessanterweise kann ich selbst in einem Laden vor dem Sicherheitscheck alkoholische Getränke kaufen und sie im Handgepäck mitnehmen, dem Sicherheitsmann scheint das egal zu sein, wichtiger ist dem Passport-Kontrolleur, was ich von Beruf mache, was ich studiere und was ich in Kuba gemacht habe, bevor er mich mit kritischem Blick passieren lässt.
Mein Flug hat Verspätung und so warte ich noch ein bisschen bevor ich in den zum totschwitzen warmen Flieger steigen kann, der erst etwas nach dem Start abkühlt.
Es herrscht auf dem Flug nach Montego bay in Jamaika freie Sitzplatzwahl und so setze ich mich ans Fenster und betrachte die kubanische Landschaft unter mir verschwinden.
Lluvia en Jamaika
Regen auf Jamaika
In Jamaika regnet es, das Land sieht erstaunlich unaufregend aus und einen kleinen Schreck bekommen wir Passagiere nur als sich der Flieger vor dem Landen erstaunlich weit dem Wasser annähert. Das liegt, wie ich dann mit Erleichterung feststelle, daran, dass die Landebahn direkt am Wasser beginnt, und das Flugzeug nur wenige Meter nachdem es das Meer hinter sich gelassen hat, auf die Landepiste aufsetzt.
Wir verlassen das Flugzeug, das in der Zwischenzeit gereinigt wird, laufen durch zahllose Gänge und einen Sicherheitscheck, nur um nach etwa einer Stunde wieder an Bord zu klettern.
Und damit ist meine Reise an ihr Ende gelangt und ich bin wieder in meinem gewohnten Deutschland, nur dem nachtrauernd, was ich mir mal erwartet hatte. Aber mein Ziel ist schließlich, bis zu meinem Studienbeginn im September auf einer vernünftigen Basis Spanisch zu sprechen, und so nutze ich diese Zeit und mache mich einfach in das ursprüngliche Land der spanischen Muttersprache auf um in einem Intensivkurs diese Sprache zu erlernen, von der ich bis jetzt noch nicht viel mehr beherrsche als ich mich mit Gartenpflanzen auskenne... Gelernt habe ich trotzdem, ich habe meine Grenzen entdeckt und durchaus einiges über diesen letzten sozialistischen Staat auf Erden gelernt, ich habe einiges Schönes erlebt und einiges weniger Schönes und ich habe festgestellt, wie groß die Differenzen zwischen unseren Kulturen wirklich sind.
Wenn ich nun jemanden nach Kuba empfehlen soll, so werde ich das trotzdem tun, aber lernt aus meinen Fehlern und erwartet nicht zu viel, dann werdet ihr auch nicht enttäuscht werden. Nun liste ich noch ein paar wichtige Informaitonen auf, die einem zukünftigen Kubareisenden vielleicht von Nutzen sein könnten, verabschiede mich und bedanke mich vor allem bei meinen Mitreisenden für die gemeinsame Zeit und für die Fotos von Carolina Protti, die hier zu sehen sind!
El mas importante
Die wahnsinnig wichtigen Reisetipps
| Währung
-- Verkehr -- Unterkunft -- Sicherheit -- Jineteros -- Essen -- Bars -- Klima -- Musik | Zum derzeitigen Zeitpunkt existiert in Kuba eine Doppelwährung aus dem nationalen Peso (Moneda Nacional, MN oder CUP) und dem konvertiblen Peso (CUC). Leider ist es als Tourist sehr, sehr schwer, MN zu benutzen, obwohl es durchaus nützlich ist, immer ein paar dabei zu haben, um zum Beispiel in einer Bäckerei billiges Brot zu kaufen oder für wenig Geld in einem Guagua mitzufahren. Der CUC ist 24 CUPs wert, und mit ihm wird der überwiegende Großteil aller Waren und Dienstleistungen gekauft. |
| Verkehrsmittel | Abgesehen von der Möglichkeit eines Mietwagens gibt es die sehr angenehme und meist recht günstige Möglichkeit mit den Reisebussen von Viazul von Stadt zu Stadt reisen. Taxis hingegen sind meist eher teuer, man sollte auf jeden Fall vorher verhandeln und einen fairen Preis aushandeln. Günstig sind innerhalb der Städte auch die Fahrradtaxis und Kutschen, wobei gerade in den touristischeren Städten auch oft extra teure Touristenpreise verlangt werden – sehr praktisch, wenn auch nicht gerade komfortabel sind die sogenannten Guaguas (kubanisches Wort für Bus), also die Stadtbusse, bei denen man dem Fahrer einfach einen CUP gibt und dafür so lange man will mitfährt. Eine feste Stationenreihenfolge gibt es allerdings meist nicht,man sollte also nicht unter Zeitdruck stehen. Achtung: Wechselgeld gibt es nicht! Wer also nur einen 10CUP-Schein hat, der wird wohl oder übel 10 bezahlen müssen. |
| -- Währung -- Verkehr Unterkunft -- Sicherheit -- Jineteros -- Essen -- Bars -- Klima -- Musik | Die Casas Particulares, die sich in nahezu jeder Stadt finden, sind eine optimale Übernachtungsmöglichkeit, weitaus billiger und meist besser als die großen Hotels (Im mindestens 70CUC teuren Hotel Inglaterra gab es zeitweise kein warmes Wasser!). Eine Reservierung im Voraus ist nur für die ersten 3 Tage zwecks Einreise vonnöten, nachher absolut unnötig, wenn man sich die Mühe macht, einfach nach einem billigen Casa zu suchen oder zur Sicherheit ein paar gute Adressen von vorher Gereisten mitnehmen (wie z.B. die von mir genannten Casas) ist völlig ausreichend. Die Häuser sind meist sehr sicher (zumindest die Legalen mit dem blauen Symbol an der Tür), da die Besitzer bei einer Polizeianzeige u.U. den Verlust des Hauses riskieren. |
| Sicherheit | Kuba ist ein relativ sicheres Reiseland mit geringer Kriminalitätsrate und vielen Polizisten auf den Straßen. Auch alleinreisende Frauen haben außer Pfiffen u.ä. nichts zu befürchten. Ich habe mich in Bezug auf Ausgeraubt werden nicht unsicherer gefühlt als in deutschen Großstädten. Trotzdem sollte man natürlich nichts provozieren und die nötige Vorsicht walten lassen. Worauf man allerdings mehr achten muss, ist dass man nicht übers Ohr gehauen wird. (s.u.) |
| -- Währung -- Verkehr -- Unterkunft -- Sicherheit Jineteros -- Essen -- Bars -- Klima -- Musik | Besonders in Havana, Trinidad und ähnlichen Städten mit vielen Touristen wimmelt es von Jineteros, die einem Zigarren, Unterkünfte oder Paladares (s.u.) andrehen wollen oder einfach nur um ein paar Pesos betteln und dabei sehr aufdringlich werden können. Von ihnen sollte man versuchen sich fernzuhalten, am Besten schnell abwimmeln denn sie bekommen eine Provision für die „empfohlenen“ Dienstleistungen. Falls man jemandem Geld schenken will, sollte man das eher den Leuten geben die weniger aufdringlich sind und z.B. in einer Fabrik nur 10 CUC im Monat verdienen – die Jineteros leben aufgrund der Geschäfte mit den Touristen nämlich recht gut. Wenn man eine bestimmte Adresse sucht, sollte man von sich aus Leute fragen, am Besten eher ältere Leute, Mütter oder Väter mit Kindern oder Arbeiter die gerade einen Truck entladen, da unter diesen Umständen die Wahrscheinlichkeit, übers Ohr gehauen zu werden geringer ist. |
| Essen | Eine gute und günstige Möglichkeit, Essen zu gehen sind die Paladares, in denen privat meist Abendessen angeboten wird. Dies ist meist auch billiger / abwechslungsreicher als in den Casas Particulares. Durchaus nicht so schlecht wie oft behauptet sind aber auch die (u.U. staatlichen) größeren Restaurants. Straßenstände verlangen leider oft von Touristen statt der normal genommenen CUPs Bezahlung in CUC, und Selbstverpflegung ist relativ schwer, da die Supermärkte u.ä. meist schlecht ausgestattet sind und Märkte zwar zahllose Früchte anbieten aber seltener Dinge wie Reis u.ä. - keine Ahnung wo die Kubaner ihr Essen kaufen ;-) |
| -- Währung -- Verkehr -- Unterkunft -- Sicherheit -- Jineteros -- Essen Bars -- Klima -- Musik | Wer nach Kuba geht in der Erwartung eine ausgeprägte Cocktailkultur vorzufinden irrt sich. Die Bars sind meist recht schlecht ausgestattet, selbst das große Casa de la Musica in Trinidad hat nicht viel mehr Cocktailzutaten als Rum und drei bis vier Säfte sowie Softdrinks und Bier. An Biermarken gibt es Bucanero und das etwas leichtere Crystal, da ich kein Biertrinker bin kann ich mir da kein vernünftiges Urteil drüber erlauben. Als Softdrinks gibt es Tu-Cola, Orangen- und Zitronenlimonade, oft aber auch Coca-Cola. Die hauptsächlich zu findenden Chupitos sind Cuba Líbre, Mojito, Canchanchara (in Trinidad) und Cubanito. |
| Klima | Während meiner Reisezeit über war es durchgehend sehr warm und drückend, zwischen 11 und 16 Uhr fast schon zu heiß um sich außerhalb von Schatten zu bewegen. Regen gibt es hauptsächlich in der Zeit zwischen Juni und August, im Mai auch schon ab und zu. Abends ab etwa 18:30 ist es am erträglichsten und somit abgesehen vom fehlenden Licht für tolle Fotos die beste Zeit für Unternehmungen. |
| -- Währung -- Verkehr -- Unterkunft -- Sicherheit -- Jineteros -- Essen -- Bars -- Klima Musik | In den meisten Bars und Diskotheken hört man hauptsächlich Salsa, Tango und Reggaeton, nur wenige spielen auch für uns gewohntere Klänge, dann aber meistens in einer guten Mischung mit ihrer eigenen Musik. Wer nicht die Tänze Salsa oder Tango beherrscht ist also mit Reggaeton am besten beraten, auf den relativ frei getanzt wird. |
