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Das Reisetagebuch von Jesko Habert

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Gestern um 7 Uhr morgens sind wir in Koblenz abgefahren, nachdem wir uns alle schön brav von unseren Eltern verabschiedet hatten. Meine Mutter machte mich darauf aufmerksam, dass mein Rucksack für das Handgepäck einen Riss hat (den ich bereits laienhaft geflickt hatte) und er bestimmt nicht halten würde. Ich winkte ab und stieg in den Zug ein. Glücklicherweise hatte ich noch Sicherheitsnadeln mit, die ich für die Rückfahrt zwei Wochen später noch dringend benötigte. Wir fuhren nach Köln, stiegen dort um und fuhren mit einem brandneuen ICE nach Berlin Ost. Richtig lustig wurde es aber erst im Schlafwagon ab Frankfurt an der Oder. Es war ein alter D-Zug mit einem hektischen, der deutschen Sprache nicht mächtigen Personal, in dem wir anderthalb Schlafwagons gemietet hatten. Der Wagen sah jedenfalls schon so aus, als ob er bereits 30 Jahre auf dieser Strecke unterwegs war, was durchaus möglich ist. Er hörte sich auch so an. Lukas, Milan und ich wählten ein Abteil, dass eine Verbindung zu dem Abteil von Christian, Anna und Marinus hatte, womit wir quasi die Besitzer des größten Abteils der Klasse waren.

Ich schlafe unten, und nachdem wir alle Koffer verstaut hatten, war es auch mehr oder weniger gemütlich. Abends haben wir versucht, einen Song aufzunehmen mithilfe meiner Kamera, das Ergebnis könnte man als... nun ja... zweifelhaft bezeichnen. Christian machte den Bass , Milan und ich die Melodie und Marinus den Text, was eine gute Methode war, um sich die lange Fahrt über zu beschäftigen. Andere diverse Klassenmitglieder versuchten sich stattdessen laut den Gerüchten mit verschiedenen temporären Beziehungen, was sicherlich auch interessant war.
Mitten in der Nacht wurden unsere Räder für die russischen Schienen gewechselt und später kamen noch die Leute von der „Пасспортное Контролл“ (Passportnoe Kontroll), kontrollierten unsere Pässe und Visa und überprüften, ob wir nukleare oder atomare Waffen, national-sozialistische Dokumente, Drogen oder mehr als 1 Mio. Dollar mithatten.
Hatten wir nicht, bis auf Marinus, der 5 Atombomben zwischen seinen 12 Suppenterrinen von Maggi versteckt hatte.
Die Suppenterrinen waren im Übrigen unser Mittagessen, Abendessen und Mitternachtsmahl, denn außer heißem Wasser bekamen wir hier keine fremde Hilfe. Wir wussten das natürlich vorher und hatten uns entsprechend eingedeckt, ich leider ein wenig zu viel, wenn auch nicht ganz so viel wie Marinus.

Heute haben wir einen Stop in „Орша“ (Orscha) in Weißrussland. Alles irrsinnig billig hier, ein Euro sind ~2700 (weißrussische) Rubel und eine Zigarettenschachtel kostet 1000 Rubel. Das nutzten nicht allzu wenige natürlich aus, denn auch der Vodkapreis bewegte sich in billigeren Kreisen als in Deutschland. Ein Fass Bier wurde gestern Abend schon geleert (entsprechend benahmen sich die Meisten. Felix' Satz "Bleib mal chillig!" wurde der meistbenutzteste Satz der Fahrt. Außerdem bemerkte er, dass sich die Schiebetür zwischen unseren Abteilen bewegte und er war sehr fasziniert davon...) und deshalb brauchten wir jetzt Nachschub. Bis vier Uhr Nachmittags bleiben wir jetzt noch hier, bevor es weitergeht und wir morgen früh um 6 Uhr in Санкт Петербург ankommen.


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Nach einer langen Nacht wurden wir alle geweckt um unsere Sachen zu packen. War ein bisschen eng, aber es klappte, und ich vergaß im Zug nur die Liste mit den wichtigsten russischen Sätzen inklusive Übersetzung. Dann fuhren wir schließlich in St. Petersburg ein – der Anblick ernüchterte selbst die, die letzte Nacht nichts getrunken hatten, denn als erstes sahen wir die äußeren Armenviertel, die man durchaus als Ghetto und Slum bezeichnen kann. Müllhalden, Fabrikgebäude und für die  Glücklicheren Plattenbauten – man kann es kaum mit Worten beschreiben. Leider habe ich im Angesicht all des Elends vergessen, Fotos zu machen, um nicht Dagewesenen eine Vorstellung zu geben, wie es aussah, doch ich glaube, irgendjemand aus der Klasse hat welche gemacht. Immerhin gehört auch diese Seite zu St. Petersburg dazu, nicht nur die Paläste und Kanäle der Innenstadt. Ich glaube unser Klassenlehrer Herr Lenz war der Einzige, der optimistisch blieb, obwohl man bei ihm nie sicher sein kann, ob das echter Optimismus ist oder er einfach nur so ironisch ist, dass man es nicht einmal merkt. Die Direktorin holte uns mit einer anderen Lehrerin am Bahnsteig ab und wir verluden unser Gepäck und uns in zwei Kleinbusse und zwei Autos. Mit denen fuhren wir durch die Stadt zur Goetheschule. Der Weg erleichterte uns wieder etwas, denn trotz des hier üblichen Fahrstils und des Russentechnos im Radio bekamen wir nun auch die schöne Seite zu sehen – die Kanäle der Newa und den Winterpalast. In der Schule gab es erst einmal Frühstück und Kaffee für uns alle – was wir wirklich nötig hatten. Dann kam Frau Plotnikova mit der Liste, wer zu wem kommen würde – 7 von uns müssen in der Schule schlafen und ich bin darunter. Das fand ich schon mal nicht so ganz toll denn dort lernt man wahrscheinlich weniger die Sprache. Also hab ich gesagt, dass ich lieber zu einer Familie gehen würde und habe mit Katharina getauscht, so dass ich jetzt für Kristina Fumina eingetragen war, bei der auch meine Schwester Silja vor zwei Jahren gewohnt hatte. Immerhin wohnte sie im Stadtzentrum, dass wusste ich schon einmal mit Sicherheit. Dann tauschte ich aber noch mit Anna-Luise, weil sie bei einem Jungen war, und Kristina sowieso doch recht andere Interessen als ich hat. Aber das war es auch noch nicht, denn unsere Russischlehrerin Frau Plotnikova tauschte Marvin und mich aus, denn sie meinte, Maxim (bei dem Marvin bis dahin stand) würde von Hobbys und Interessen eher mit mir klar kommen. Fand ich gut, und ich kann es auch jetzt noch bestätigen, Marvin hätte hierhin nicht gepasst. Anna kam letzten Endes doch nicht zur Kristina, denn die wollte entweder nur die russischsprechende Katharina aufnehmen (welche nicht wollte) oder Milan oder Ivo, wenn es denn nicht anders ginge, weil die ja so süß sind... Marvin kam nicht zu dem Jungen sondern in die Schule, wo er wahrscheinlich noch am ehesten hingepasst hat. Mein bester Freund Lukas schaffte es zwar nicht in eine Familie, aber wenigstens zur Direktorin zusammen mit ein paar anderen Leuten, was immerhin besser als die Schule war. Oh, und Clarissa kam mit Julia und Sandra in eine Familie, die bestimmt zur Mafia gehörte (der Chauffeur hatte eine Lederjacke und fuhr einmal mit ihnen auf dem Weg zur Schule nicht durch die Stadt sondern durch die äußeren Slums – sie wären fast GESTORBEN, wer weiß schon was der mit ihnen vorhatte!...). Maxims Oma Lewa holte mich in der Schule ab, denn sie arbeitet dort in der Schulbibliothek, und wir gingen zu ihrer Wohnung – einen Häuserblock weiter. Die Wohnung (Quartier 8, 3. Stock) ist relativ groß, dafür dass sie mehr oder weniger im Stadtzentrum ist, zwar noch nicht ganz angestrichen, da die Familie

Newa


Straße




Newa

Прилипко sie noch neu hat, aber auf jeden Fall gemütlich. Julia, Maxims Mutter war auch da und begrüßte mich. Ich habe ziemlich Glück gehabt, denn sie spricht fließend Englisch – sie ist Dolmetscherin. Das könnte zwar etwas schlecht fürs Russischlernen werden, aber immerhin ist es einfacher, sich zu verständigen und zu sagen was man eigentlich will, was bei meinen begrenzten Russischkenntnissen von Vorteil ist. Später stellte sich heraus, dass sie fast den ganzen Tag bis spät Abends weg ist und ich deshalb noch genug Gelegenheit zum Russisch sprechen hatte. Julia zeigte mir mein Zimmer (ich bin allerdings nicht sicher, was es eigentlich ist. Entweder Maxims Zimmer, der noch in der Schule ist, das Wohnzimmer (der Fernseher steht allerdings in der Küche) oder Lewas Zimmer.) und die anderen Räume. Und natürlich auch, wo das Telefon steht. Innerhalb St. Petersburg ist das telefonieren kostenlos, und nach Deutschland muss man 8 10 und 49 vorwählen – keine Ahnung warum. Ich hab jedenfalls natürlich zuhause angerufen und Bescheid gesagt, dass ich angekommen bin, und nicht mit zwei Koffern und einem Tennisball in der russischen Pampa verlorengegangen bin. Wir tranken noch чаи (Earl Grey von Lipton) und dann ging ich schlafen und duschte. Anschließend fühlte ich mich erst mal wieder wie ein Mensch, was sehr angenehm war. Leider musste ich feststellen, dass ich meinen Rasierschaum vergessen hatte und Maxim mit Sicherheit noch keinen benutzte. Also fand ich mich gezwungenerweise mit 2 Wochen ohne Rasieren ab, weil das russische Wort für Rasierschaum auf jeden Fall nicht zu meinem Wortschatz gehört. In 2 Stunden kommen Maxim und Lewa von der Schule, Julia ist auf der Arbeit, bis dahin habe ich noch absolut freie Zeit. Danach wahrscheinlich auch. Mal sehen was ich dann noch mache.


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Wir haben gestern nicht mehr viel gemacht, nur gegessen und geredet, und ich habe noch mein Gastgeschenk überreicht. Im Nachhinein kommt es mir ein wenig dumm vor, aber ich hatte keine Ahnung was ich außer Süßigkeiten und dem Neuwieder Fair Trade Kaffee hätte mitbringen können. Blöd nur, dass sie keine Kaffeemaschine haben. Das Essen gehört hier scheinbar sowohl zur Tradition des Landes wie auch der Familie. Die Gastfreundschaft ist hier so hoch angesehen, dass der Gast solange weiter etwas zu Essen bekommt, bis er entweder daran explodiert oder einen Rest auf dem Teller liegen lässt und sagt "Нет спасибо, Я не хочу эсть !"
Heute habe ich nur fast verschlafen, aber da ich ja in 5 Minuten in der Schule bin, ging alles glatt. Von mir aus zumindest, da die drei Klassenkameraden in der Mafiafamilie fast eine halbe Stunde zu spät kamen, weil sie Probleme mit ihren Gasteltern und Verständigungsprobleme betreffs Fahrtzeit hatten. Wir machten zu Fuß eine Tour durch St. Petersburg geführt von einem sächsischen Professor von der Petersburger Uni. Zumindest glaube ich, dass er sächsisch war, denn man wird einem Russen wohl kaum Sächsisch beibringen, wenn er deutsch sprechen will. Wir sahen eine ganze Menge Gebäude, überlegten, dass man, wenn man im Marmorpalast wohnen würde, seine Kinder wunderbar vor der Türe spielen lassen konnte, (Verstecken-im-Verkehr, „Wer-zuerst-getroffen-wird“ und Autos fangen und gefangen werden), bemerkten, von Herr Lenz darauf aufmerksam gemacht, das angenehme, grün-freie Stadtbild und das Öl mit dem die Straßen vom Staub befreit worden waren sowie die schöne frische Luft die über den Straßen hängt. Dann fuhren wir ein paar tausend Meter oder vielleicht auch etwas weniger mit der 20 km/h Rolltreppe unter den Morast zur Metrostation Newski Prospekt.
Anschließend sollten irgendwelche Projekte an der Schule stattfinden, fanden aber nicht, wahrscheinlich hatte sie irgendein Verantwortlicher verloren – was in St. Petersburg nicht schwer ist. Stattdessen gingen ein paar von uns heiße Ware schmuggeln – nur den ersten Teil natürlich, nämlich das einkaufen. 12 Euro (400 Rubel) für Outkast, Magix Musicmaker, Троя (zusammen mit Спартак auf einer DVD), Sky Captain (Небесный Капитан и Мир Будущего) und Sin City (welcher gerade im Kino läuft. Ich hab ihn später aber weiterverschenkt, weil er mir nicht gefiel.) Das Ganze steht in legalen Läden, und ich frage mich ob deswegen die Ware auch legal ist. Zuhause hab ich es sogar geschafft, auf Russisch zu sagen, dass ich mit Freunden zum Невский Проспект (Newski Prospekt) möchte (macht mich richtig stolz), was Lukas, Anna, Christian, Marinus, Benjamin und ich dann Abends auch noch machten. Nachdem wir die ursprünglich mitkommenden Taisa und Ivo verloren hatten, die Metrostation Петроградская gefunden hatten, den offiziell vierspurigen (in Wirklichkeit mind. sechsspurigen) Newskii so schnell wir konnten bei grüner Ampel überquert hatten, in einem Deluxe (Делюкс) Lebensmittelladen mit Froschschenkeln und Kaviar für ein paar tausend Rubel rein und schnell wieder rausgegangen waren, das Дом Книги nach deutschen Büchern durchsucht hatten und in einem angeblichen Einkaufszentrum lediglich eine weitere Metrostation gefunden hatten; nachdem wir viele Portraits, Bilder und Karikaturen von Straßenmalern angesehen hatten, uns entschlossen hatten, den Polizisten auch nicht für 100 Rubel zwischen die Beine zu treten und Anna vor laufender Kamera auf unsere Straßenseite retteten fanden wir endlich ein Café, das russisch, gemütlich und billig war. Wir tranken einen Kakao, ordneten die leeren Tassen symmetrisch an und verzierten sie mit Babybildern aus der Zeitung, bevor wir unsere Kaffeehauskunst fotografierten und das Tablett der Bedienung zurückgaben. Ich glaube sie hat sich wirklich darüber gefreut. Auf dem Weg nach Hause von der Petrogradskaja Metrostation verlief ich mich ein wenig aber eine Frau konnte mir weiterhelfen. Ich weiß allerdings nicht so wirklich, was ich gesagt habe, dass sie verstehen konnte was ich wollte.

u-bahn


Peter und Paul



Eremitage-Platz


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Heute mussten wir um Punkt neun Uhr russischer Zeit los und gingen dann um halb 10 zu unserem Ausflug. Herr Lenzens Definition von russischer Zeit bewegt sich seit dem in einem Zeitraum von mindestens einer halben Stunde, meistens mehr. Es regnete, zwar nicht aus Kübeln aber bestimmt aus einem Sieb während wir zur Петропаблоская крепост (Peter und Pauls Festung) gingen. Unsere Führerin, die nicht ganz so gut sächsisch sprach wie der Typ gestern und auch nicht ganz so begeistert von ihrer Arbeit war, konnte uns nicht so wirklich vom Hocker reißen, erst recht nicht weil wir die ganze Zeit durch die Gegend liefen während wir uns anhörten, welcher Zar welche deutsche Prinzessin geheiratet hatte. Was sicherlich ganz toll für die beiden war, aber nicht wirklich im Zusammenhang mit dem stand, was uns gezeigt wurde. Wir besichtigten die Peter und Paulskathedrale, das erste richtige Gebäude Petersburgs von innen, sowie das in der Festung sitzende Музеий Космонаутики (Raumfahrtmuseum), auch hier hielt sich die Begeisterung ein bisschen in Grenzen. In Projekten Nachmittags versuchten wir mit den 1. Klässlern in einem Theaterstückchen mitzuhalten, was lustig war, denn wir hatten nicht unbeträchtliche Probleme, uns den Text zu merken – besonders Benjamin, der die größte Rolle hatte und zuhause Russisch bereits abgewählt hatte. Ein paar andere aus der Klasse gingen noch in die Stadt, da wir aber Morgen einen langen Tag im Эрмитаж (Eremitage) haben, gehe ich jetzt schon nach Hause und bereite mich mental ein bisschen auf das harte russische Leben vor.


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Zu Hause habe ich mit Maxim noch ein Video bearbeitet, wir haben also außer lesen (allerdings liest er russisch, ich nicht) noch ein Hobby gemeinsam. Abends habe ich mir „Sky Captain and the world of tomorrow“ (Mit Джуд Лоу, Гвинет Пэлтроу und Анжелина Джоли = "Dschud Loi, Gwinet Pältroi und Andschelina Dscholi") angesehen den ich mir für 90 Rubel geholt hatte. Die verhältnismäßig billigen Preise (36 Rubel = 1 Euro) sind ganz einfach nachvollziehbar – selbst in den Läden im Einkaufszentrum sind Musik Cds, Computerprogramme, Videospiele und DVDs zum Großteil Raubkopien. Das erkennt man ganz einfach an der schlechten Kopie des Titels, außerdem fehlen sämtliche Booklets. Die Preise veranlassen einen natürlich dazu, mindestens 10 CDs und DVDs mit nach Deutschland zu nehmen. Ich frage mich, warum eine Unterhaltungsindustrie, die über Peer-to-Peer Netzwerke herzieht wie über den Teufel und Metallica-Fans für das CD brennen verklagt, kein Problem damit zu haben scheint, dass ganz Russland Raubkopien kauft. Vielleicht wird es als ehemaliges Kommunistenland nicht in die Gewinnmärkte mit eingerechnet...

Heute waren wir im Эрмитаж (Eremitage). Auf dem Weg dahin tauschte ich schnell für mich und Lukas jeweils 20 Euro (=720 Rubel) um, was 15 Minuten benötigte so dass der Rest ein wenig auf uns warten musste. (In die Bank rein, 2 Minuten Schalter suchen, 8 Minuten dort auf jemanden warten, 5 Minuten für Geld geben, Ausweis zeigen, zwei mal unterschreiben, beim Geldscheinszählen zusehen und Rubel nehmen und weitere zwei Sekunden zum rausgehen. In einer anderen Bank ein paar Tage später benötigte ich ganze 2 Minuten.) In der Eremitage durfte sich jeder frei bewegen und Lukas und ich verirrten uns als eine Gruppe und später dann mit Anna, Christian, Marinus und Benjamin zusammen durch die drei Stockwerke. Schon im Treppenhaus bekam man die Vorstellung, dass Gold hier so billig war wie die Raubkopien denn das Schloss war bis zum geht-nicht-mehr damit verziert. Im Erdgeschoss sahen wir uns hauptsächlich griechische Statuen an, da dort der Hauptteil Barocke Kunst und die Renaissance war. Am interessantesten war es daher im obersten Stockwerk, wo die moderne Kunst, beziehungsweise die vom 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war. Ein Teil war zwar wegen Bauarbeiten geschlossen, aber nachdem wir die Treppe gefunden hatten, die in den anderen offenen Teil des dritten Stocks führte, konnten wir ein paar Statuen und u.a. Bilder von Claude Monet bestaunen, und fragten uns, warum man derart fantastische Kunstwerke nicht ins Erdgeschoss stellt und die zwanzigtausend barocken Prinzenpotraits auf den Dachboden verbannt.

Eremitage Platz





Eremitage

Kirche

Lukas und ich waren eher fertig als die anderen und trainierten draußen noch ein wenig unsere Königsdisziplin Russlands: warten. 1 ½ Stunden später entschieden wir uns dass wir lieber etwas anderes machen würden. Die anderen dachten sich das auch, nachdem sie (nach eigener Aussage) genauso lange dort gewartet hatten. Diese Aussage brachte uns später etwas in Verwirrung doch wir fanden keine Lösung. Lukas und ich gingen jedenfalls in ein Pizzarestaurant, wo uns erst zu spät einfiel, was „Ты хотешь пить?“ hieß, wobei es hauptsächlich am letzten Wort haperte - was zur Auswirkung hatte, dass wir letzten Endes nichts zu Trinken bekamen.

An dem zwischen 5 und 6 Uhr geschlossenen Metroeingang trafen wir um halb 6 zufällig die anderen wieder und gingen zusammen zu einer anderen Metrostation. Da die schon so nah an unseren Wohnungen war, gingen wir den Rest auch noch zu Fuß zurück zur Schule. Währenddessen hatten wir genug Zeit unsere Pläne für unseren Film zu erweitern, der hauptsächlich aus unzusammenhängenden Szenen bestand. Bis jetzt hatten wir schon zwei Szenen:

Szene I: Alle außer dem Filmenden gehen gemütlich den Newskii Prospekt entlang. Sie sehen eine gerade grün gewordene Ampel und rennen schreiend über die 5spurige Straße während sie diversen weiterfahrenden Autos ausweichen. Die Hälfte wird angefahren und verblutet mit abgerissenen Körperteilen auf diversen Fahrspuren. Auf der anderen Seite halten die Übriggebliebenen abrupt an und gehen in normalem Tempo weiter. Die leichte Überzeichnung der Realität ist natürlich gewollt

Szene II: Einer geht in die Erlöserkirche, faltet die Hände und betet. Ein Pappbecher mit dampfendem Kaffe fällt ihm von oben herab in die Hände, er dankt und geht. Hervorzuheben sind dabei die praktischen Eigenschaften eines realen Glaubens, bei dem nicht einmal ein Tropfen des Kaffees während des Fallens verschüttet wird. Vielleicht ergänzen wir es irgendwann noch einma, drehen den Film und werden berühmte Filmregisseure in Russland. Oder sterben bei den Dreharbeiten zu der ersten Szene.


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Nach einem Ausschlafen bis 9 Uhr trafen wir uns an der Schule. Es sollte um 10 Uhr russischer Zeit (laut Herr Lenz) losgehen, weshalb wir uns dann auch um 11 aufmachten. Wir fuhren mit der Metro zur Wassiljewski Insel, auf der außer der Uni auch drei Museen sind, bei denen wir betont darauf hingewiesen wurden, dass es sich nicht um Musen handelte. Die drei Museen jedenfalls waren das völkerkundliche (ethnologische), dessen Name ich vergessen habe und wo ich mit meiner Familie morgen hingehen werde, also fiel das schon mal für heute raus, dann das zoologische Museum, das mich weniger interessierte und schließlich das Marinemuseum, welches ein paar von uns auswählten, unter anderen auch ich. Da die Eintrittskarten für Ausländer mindestens 70 Rubel teurer waren als für Russen holte Frau Plotnikova die Karten und wir gingen rein ohne zu reden, damit man uns nicht als Nichtrussen identifizieren konnte. Wir wurden noch zurückgeschickt um unsere Taschen abzugeben, was wir auch machten, und trotzdem merkte keiner dass wir Deutsche waren – oder sie wollten es nicht merken. Wer weiß schon was sie für Gründe dafür hatten. Vielleicht hatten sie Angst wir wären Nazis und könnten auf die Idee kommen, Russland anzugreifen. Wir gingen durch ein paar Räume und Treppen mit Verbotsschildern und fotografierten ohne Blitz und aus der Jackentasche die Schiffe und Schiffsmodelle größtenteils längst vergangener Zeiten, denn die Fototickets waren recht teuer – ich weiß nicht wie viel, aber wahrscheinlich genug, sonst hätten wir uns welche geholt. Ein Bild/Collage war besonders beeindruckend, ich weiß leider nicht wie es hieß. Es zeigte einen Kriegsschauplatz auf einem Bild im Glaskasten mit davor plastisch gebauten verbrannten Häuserresten. Es lässt sich nur schwer in Worte beschreiben, es war wirklich schwer beeindruckend - und ein wenig verwunderlich, dass es in einem staatlichen Marinemuseum zu sehen war, das allgemein nicht die Tendenz hatte, die Gräuel des Kriegs aufzuzeigen. So zum Beispiel ein Bildschirm in einem anderen Raum der verschiedene Filme zeigte. Die schöne Musik dazu, die abenteuerlichen Bilder mit abgefeuerten und fliegenden Torpedos (nie die treffenden), sich galant abrollende und schießen übende, lachende Matrosen und das gute Wetter ließen uns darauf schließen, dass der Produzent entweder dem Marinefanclub angehörte, nie da gewesen war oder eine rosa Brille aufgehabt hatte, während er da war. (Vielleicht auch noch rosa Kopfhörer – vielleicht war er schwul?) Anna meinte, es könnte Werbung gewesen sein, was natürlich vollkommener Blödsinn ist – dafür haben schließlich die Bilder von sich besaufenden, kumpelhaften Offizieren gefehlt, die würden doch bestimmt dazu gehören.


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Nachdem ich und Lewa um 12 Uhr heute einen passenden Bus gefunden hatten fuhren wir zum Кунсткамера (Kunstkammer). In dem recht kleinen (wahrscheinlich privaten) Bus fand ich interessant, dass alle ihr Geld einfach nach vorne durch die Reihe zum Fahrer geben. Trotz den großstädtischen Verhältnissen mit der üblichen Menge an Dieben und Räubern scheinen die Leute hier doch ziemlich vertrauensselig zu sein – und da fast alle Leute, denen ich begegnet bin, zuvorkommend und freundlich waren, scheint das ja nicht so schlimm zu sein. Die Kunstkammer ist das ethnologische Museum, in dem es hauptsächlich Kleidung und Gebrauchsgegenstände/Schmuck von Eskimos, Indianern, Indios, Indern, Indonesiern, Japanern, Ostasiaten, Arabern, Iranern, Irakis und den ganzen anderen Urvölkern die meinen, ihre Extrakultur zu brauchen gibt. Außerdem natürlich die gruselige, berühmt/berüchtigte Sammlung von Peter dem Großen: „konservierte“ Embryos in allen Altersklassen, mit zwei Köpfen, mit einem Bein, ohne Kopf und ähnlichen Extremitäten sowie dem Skelett eines zweiköpfigen Kindes und Kalbs. Da dreht sich einem schon irgendwie der Magen um, wenn man sich vorstellt, was Mutter Natur und anschließend die Wissenschaftler mit den Kindern gemacht haben - und noch mehr, wenn man bedenkt dass es einen irren Autokraten gab, der sich einen Spaß daraus machte, sie zu sammeln. Leider waren Fotos verboten, weshalb sich auf meiner Kamera auch nur verwackelte und schräge Bilder finden.


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Blöderweise hat heute niemand gesagt, wann es losgeht, da die heutige Tour freiwillig war. Nicht einmal eine russische Zeit war festgelegt. Also war ich schon um viertel vor 10 da, was ja im Vergleich zu den letzten Exkursionen schon eher spät war. Heute stand ich aber vor verschlossenen Türen (wahrscheinlich weil Sonntag war) und musste warten, bis ich mit dem Hausmeister rein konnte und mit ihm im Esszimmer etwas fernsah. (Spätestens jetzt verstehe ich, warum die Russen so wenig fernsehen. Außer Nachrichten laufen nur unendlich alte, verstaubte Filme, oft aus dem Krieg und etwas, dass wahrscheinlich lustig sein soll aber noch primitiver ist als unsere deutschen Komödianten.) Um halb 11 wachten die ersten in der Schule Schlafenden auf (Exkursion sollte gegen halb 12 starten), alle ziemlich verschlafen und verkatert, denn die letzte Nacht schien lang gewesen zu sein.

Nachdem Frau Plotnikova da war, konnten wir dann auch endlich los, und zwar zur Isaakskathedrale. (Etwas anders als auf dem Programm.) Wir kamen auch alle hin (auch wenn wir unterwegs immer mal wieder durchzählen mussten, was in etwa so aussah. Jesko: "Durchzählen!" Lukas: "Eins" Christian: "Drei" Jesko: "Eins" Anna: "Vier" Christian: "Zwei" Christian: "Oh verdammt, wir sind nur zu zweit, wir haben wen verloren!"). Ich habe mir diesmal für den Ausblick oben eine Fotokarte geholt, da hat aber keiner nachgeguckt, und als ich dann unten in der Kirche meinen Pass zeigen sollte, haben sie den angenommen, obwohl ich dafür weniger bezahlt hatte als ich für einen Innenraumfotopass bezahlt hätte. Von oben aus hat man den wahrscheinlich besten Blick der Stadt auf dieselbe, da die ja so flach ist, kann man wirklich sehr weit sehen. Dazu wird dann auch noch tolle imposante Musik gespielt, um einen in die richtige Stimmung zu bringen. Unten (innen drin) ist die Kirche mit Mosaiken bis zum geht nicht mehr ausgeschmückt, bei manchen Bildern sah man das nur, wenn man wirklich nah dran ging. (Was bei den Bildern an der Decke leider und aus vollkommen unnachvollziehbaren Gründen nicht klappte.) Angeblich haben all die Mosaike bis jetzt 600 Jahre in Anspruch genommen – 1 m² pro Jahr!


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Heute waren wir in der Erlöserkirche, das ist die mit den bunten Türmen. Allerdings war Frau Plotnilova nicht mit, weil sie ihren kaputten Knöchel für die Exkursion morgen schonen wollte. Mit unseren russischen Schülerausweisen kamen wir zu den billigeren Preisen rein, bis auf die, die sie vergessen hatten – die durften draufzahlen, ganze 100 Rubel, was ja immerhin 30 Cent sind. Marinus war das zuviel (immerhin kann man hier davon mindestens 1 CD kaufen!) und er kam nicht mit rein. Hat er wirklich was verpasst, denn wenn ich gestern noch über die Isaakskathedrale gesagt habe, sie wäre bis zum geht nicht mehr mit Mosaiken ausgeschmückt, dann weiß ich jetzt nicht mehr, wie ich das noch steigern kann. Man könnte sagen, dass die Erlöserkirche von innen quasi aus Mosaiken besteht, und das wäre gar nicht mal allzu falsch. Sie ist eigentlich relativ klein, da sie nur von Volksspenden gebaut wurde, als Sühne für das Attentat an irgendeinem Zaren. Ich finde sie ist die schönste Kirche in St. Petersburg, was daran liegen kann, dass sie die einzige nach altrussischem Stil gebaute Kirche zwischen all den nach europäischem Stil gebauten Kirchen in dieser Stadt ist. Danach sind wir noch auf einen Souvenir/Straßenmarkt gegangen und haben Pelzmützen mit Sowjet-Kommunistensternen gekauft. Die haben momentan Hochkonjunktur, ebenso wie alle anderen Sachen mit dem roten Stern drauf, weil hier gerade groß die 60 Jahre Sieg ("60 лет победи") Feier gefeiert wird. In der Nähe vom Eremitage hängt auch so ein super großes Plakat mit dem Stern drauf – also schon irgendwie ein bisschen abgefahren, denn wirklich beschäftigen mit den Stalin-Greueltaten tut sich hier scheinbar keiner.


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Wir fuhren heute in den Katharinenpalast, Peters Sommerresidenz. Um 10 Uhr ungefähr (russ. Zeit) fuhren wir mit der Metro los bis zum Bahnhof Pushkinskaya und von da aus mit der Bahn nach Царское Село (Tsarskoje Selo). Wobei ich mir nicht 100prozentig sicher bin, ob es wirklich ein Zug war oder eher eine Markthalle. Quasi durchgehend kam irgendein armer Schlucker in den mit harten Holzbänken ausgestatteten Zug und redete uns voll, ob wir seine Artikel kaufen wollten. Das entsprechende Produkt war natürlich variabel, das Angebot ging von Kugelschreibern über Knirps-Regenschirme (passend fürs Wetter), Zahnbürsten, kleine Teppiche, Wodka und Schuhe bis zu Atombomben, alle Artikel konnte man selbstredend ausprobieren. Marinus und ich kauften uns zusammen eine Atombombe, mit der wir später am Zoll noch Probleme bekommen sollten aber sonst ließen wir ihnen ihre Wahre für folgende Wagons. Nach ein bisschen warten vor dem Bahnhof (einfach weil Warten soviel Spaß macht) fuhren wir mit dem sehr vollen Bus in dem wir uns irgendwie ums bezahlen drückten zwei Haltestellen bis wir schließlich an dem Schloss im Park ankamen. Im Ganzen benötigten wir mehr als 2 Stunden für die Fahrt und das Warten auf die Ergebnisse der Eintrittskartenverhandlungen, was genug Zeit ist, um einen dazu zu bringen, sich mit idiotischen Spielereien zu beschäftigen...

Im Schloss durften wir nach dem Kartencheck im Hausschuhraum noch mal ein bisschen warten, denn die Frau dort glaubte uns nicht, dass Frau Plotnikova das mit den Russenpreisen geregelt hatte. Außerdem sollten wir als eine Gruppe in eine Führung, und da ein paar unserer Klasse etwas länger brauchten übten wir uns eben noch ein wenig in der Königsdisziplin. Hier durften wir sogar bis auf im berühmten Bernsteinzimmer Fotos machen, was uns natürlich dazu brachte, von beiden Seiten möglichst viel ins Bernsteinzimmer hinein zu fotografieren. Als Zusammenfassung kann man sagen, dass Ganze war sehr pompös mit sehr viel Gold (und natürlich Bernstein. Das Zimmer ist zwar nicht schlecht, aber der einzige Grund, warum so ein Aufsehen darum gemacht wird, ist wahrscheinlich, dass es einfach nur wertvoll ist, und mal gestohlen wurde) teilweise ein wenig übertrieben bis geschmacklos.

Aussicht





Erlöserkirche

Erlöserkirche



Erlöserkirche


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Der vorletzte Tag ist heute, und außerdem der letzte, an dem wir Programm von der Schule unternehmen. Deswegen sind wir ins Pushkinhaus gegangen, wo wir trotz Vereinbarungen Ausländerpreise zahlen durften und statt der bestellten deutschen eine russische Führung bekamen. Verständlicherweise war nicht nur Frau Plotnikova ziemlich sauer. Der Inhalt der Führung (die uns Katharina übersetzte) und des Museums überhaupt war auch nicht so ganz der Clou, ein wenig nieder meiner Meinung nach, und das nicht nur weil die Decken ziemlich tief waren sondern weil das ganze Teil quasi nur eine Hauptaussage hatte: Pushkin starb in diesem Haus nach einem langen Duell. Das wurde natürlich etwas ausgeführt – wir bekamen beeindruckende Sachen zu sehen: Das Bett, in dem Pushkin starb, sein Testament, die Jacke die er trug als er im Duell starb (sie hatte nicht einmal ein Einschussloch), den Duellrevolver, ein Gedicht darüber, wie er sich vor dem Duell fühlte, ein Selbstportrait dass er nicht gemocht hatte, den Essensrest, den er zwischen den Zähnen hatte als er duellierte und das UFO das ihn so abgelenkt hatte, dass er das Duell überhaupt verloren hatte. Viele von uns, inklusive mir, wären wirklich lieber zum Peterhof gegangen, der aber irgendwie zugeschneit war oder so. Jetzt wäre es dafür eh zu spät gewesen.

Christian, Anna, Bejamin, Leonie und ich (Lukas ist heute krank, hat was auf den Bronchien) gingen in unser Lieblingscafe, von dem wir beschlossen, dass es das beste Cafe überhaupt ist. Eindeutig. Auch wenn manche Bedienungen kein Russisch sprechen, heute der Kakao nicht so gut ist und wir weder Untertassen noch Löffel und Servietten bekamen und die Musik schlecht ist, ist es eindeutig das beste Cafe der Welt. Vielleicht gerade deswegen. Bei unserer üblichen Kaffeehaus-Kunst gingen Christian leider ein Glas und eine Tasse kaputt, als er versuchte, eine Pyramide zu bauen, was wir natürlich fotografisch dokumentierten. Vielleicht hat sich die Bedienung auch darüber gefreut. Danach gingen Christian, Benjamin und ich noch zur Admiralität und zum ehernen Reiter, da man den ja auch mal gesehen haben muss, wenn man in St. Petersburg ist, bemerkten jede Menge kahle Bäume und quetschten den letzten Rest aus unseren Fotobatterien heraus. Wir liefen noch einen ein bisschen zu weiten Weg zur nächsten Metrostation um uns den letzten Rest zu sparen, den wir dann mit der Metro fuhren.

Heute Abend trafen sich ein paar von uns um in die Billardhalle zu gehen, allerdings warteten wir ein wenig an der Schule um uns in der Königsdisziplin zu disziplinieren, wobei Christian mit einem Fußball zufällig eine Fensterscheibe kaputt schoss. Scheint sein Glückstag zu sein heute. Wir gingen schnell in den Billardladen auf dem Болшоий Проспект, wo es auch ganz lustig wurde, auch wenn ich kein Billard spielen kann. Herr Lenz erzählte von seinen Reisen, die er schon gemacht hatte (Brasilien, Afrika, China) und anschließend exte er 10 Gläser Wodka und starb sofort an einer Alkoholvergiftung. Zum Glück konnte er jetzt nicht mehr über Alkoholleichen stolpern, wie er im Brief vor der Fahrt befürchtet hatte und was ihm bis dahin bestimmt hier in Petersburg auch noch nicht passiert ist...


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Unser letzter Tag in St. Petersburg hat begonnen und wir haben bis 3 Uhr nachmittags (deutscher Zeit!!!) freie Zeit. Ich habe meine Sachen gepackt und so gut es ging überall untergebracht, das Essen, das ich noch von der Hinfahrt übrig hatte, meiner Familie geschenkt und festgestellt, dass ich noch 800 Rubel übrig hatte. Die konnte ich natürlich nicht unverbraucht lassen und so kaufte ich noch schnell auf dem Bolschoii Prospekt (in einem Laden natürlich) drei CDs. Leider kam ich nachher nicht mehr wieder nach Hause, weil ja alle weg waren und ich keinen Schlüssel habe. Dazu gingen auch noch die Batterien von meinem Discman leer und so blieb mir nichts anderes übrig als zur Schule zu gehen, die Bücherei zu suchen und Oma Lewa bitten, mir den Schlüssel zu geben. Vielleicht hat sie mich nicht ganz richtig verstanden, jedenfalls ist sie mitgekommen und hat mir aufgeschlossen, was ja auch nicht schlecht ist. Dann ging ich etwas früher als geplant zur Schule wo wir noch unser kleines Theaterstückchen übten und dann war auch schon die Abschlussfeier wo wir es aufführten – ich finde unseres war immerhin besser als das der anderen Gruppen. Was wirklich nichts zu bedeuten hat.

Abends um 6 ging ich mit Julia Souvenirs купилен, erst in einem Laden, der so was von zu teuer war und jede Menge Edelzeugs und Gold hatte und deswegen auch ein bisschen zu teuer war, so sehr, dass sich mir die Haare auch noch unter meiner Pelzmütze gesträubt hätten und dass ich erst sehr spät bemerkte, dass das alles Dollarpreise waren und nicht Rubel. Dann in einen, wo es so was von zu wenig gab und dann zu dem Straßenmarkt hinter der Erlöserkirche, wo schon fast alles zu war, ich aber trotzdem noch ein bisschen was fand. Abends tranken wir zu Hause (bis auf Maxim natürlich) ein paar Gläser Champagner der nicht aus der Champagne kam und dazu Tee und redeten, bis wir uns um kurz vor 10 zur Schule aufmachten.


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Nach ein bisschen... was wohl? - Warten kam der Bus dann auch, ich verabschiedete mich und stieg ein. Leider waren wir im Bus nicht alleine, hinten saßen noch mehrere ältere russische Hühner die unbedingt irgendeinen doofen, lauten Film gucken mussten. Als wir „Мы хотем спать“ antworteten und den Bildschirm mit der Gardine zuhingen fanden sie das nicht so toll und warfen mit Teegeschirr bis der Busfahrer einen Unfall baute und insgesamt 78 Menschen und 12 Hühner ums Leben kamen. Irgendwann schaltete der Busfahrer das Fernsehen gnädigerweise aus und wir konnten ein bisschen schlafen, bis wir übers Mikro geweckt wurden weil wir entweder eine Pause machten oder die Russen unsere Pässe kontrollieren wollten. (Kam nur einmal vor.) Der Kontrolleur war überaus nett, obwohl Anna ihren Reisepass im Gepäck unten im Bus hatte und verabschiedete sich von uns mit Handschlag. Das hatten wir nicht erwartet weil die russische Polizei meistens aus dummen aber starken Typen vom Land besteht mit denen man nicht gut Kirschenessen hat. Dann überprüften die Finnen auch noch unsere Pässe und checkten, ob wir nukleare Waffen mithatten. Die Atombombe die Marinus und ich uns im Zug geholt hatten, hatten wir natürlich gut unter dem Bus versteckt. In unserem ständigen Halbschlaf bemerkten wir trotzdem die fantastischen grünen Wälder wo immer wir auch hinsahen. Man könnte fast neidisch werden, dass man die zwei Wochen nicht in Finnland verbracht hat.

Auf dem Flughafen konnten wir von 6-15 Uhr warten, was wir jetzt ja langsam konnten, nach zwei Wochen, war natürlich auch sehr spaßig. Ach ja, der Boden hier überall ist echter Laminat. Im ganzen Flughafengebäude. Beim Einchecken für die Sicherheit wurde festgestellt, dass Milan eine große Schere und Marinus eine Atombombe im Handgepäck hatten. Milan durfte die Schere bei Laura (die weiter hinten stand) ins Gepäck tun, aber wir mussten unsere Atombombe letzten Endes doch noch abgeben. Nachdem ich den restlichen Platz auf meiner Speicherkarte verfilmt hatte kam das Flugzeug und alle, auch die mit Flugangst, gingen an Board.

Tatsächlich stürzten wir nicht ab und kamen mit zu vielen Souvenirs und CDs und zu wenigen Atombomben nach 2 Wochen Санкт Петербург wieder in dem grünen Urwald namens Deutschland an.


Was wir auf der Russlandfahrt gelernt haben

Die Königsdisziplin: Warten. Seit der Russlandfahrt sind wir alle trainierte Warter (vielleicht auch Wärter?) und können problemlos einehalbe bis eine ganze Stunde auf Nachzügler warten.

Fotos machen ohne durch den Sucher/das Display zu sehen. Da die untragbar teuren Fototickets (oft über 50 Rubel!!!) uns schlicht und einfach zu teuer waren, mussten wir wohl oder übel lernen, wie wir Fotos aus der Jackentasche machen können – noch ein bisschen Training und uns hält keiner mehr auf!

Den Russen Eintrittspreis in einem Museum bezahlen. Da wir den russischen Akzent noch nicht so ganz drin haben, lassen wir einen beliebigen Russen (vorzugsweise Frau Plotnikova) die Tickets für uns holen und gehen dann einfach rein. Erstaunlicherweise hat man uns kein Mal als Deutsche erkannt.

Die Möglichkeit, billig an CDs und DVDs zu kommen. Die Kosten einer Zugfahrt nach Russland sind natürlich vergleichsweise gering wenn man bedenkt, dass man einen aktuellen Film für gerade einmal 150 Rubel kaufen kann. In der richtigen Größenordnung kann man so ausgezeichnete Geschäfte machen.

Dass man keine halbe Flasche Wodka in Kombination mit 4 Flaschen Bier und einem leeren Magen trinken sollte wenn man weniger als 50 Kilo wiegt und Marinus heißt.

Dass man keine Atombomben und nukleare Waffen versuchen sollte, mitzunehmen. Auf dem Hinweg ist das ja machbar, denn im Zug wird nur nach nationalsozialistischen Dokumenten gefragt, doch falls man vorhat, sie über Finnland wieder mit auszuführen, sollte man aufpassen – die Bombe sollte nicht zu viel Ähnlichkeit mit einer großen Schere haben, mit der man den Piloten umbringen könnte – Tip: in Russland selbst verbrauchen!

Wie man am besten eine Straße wie den Newskii Prospekt überquert: Weder auf grüne noch rote Fußgängerampel achten, sondern lediglich darauf, ob ein Auto kommt oder nicht. Auch Polizeiautos sind keine Ausnahmen.

Dass Deutschland ein tropischer Urwald ist mit lahmen Autofahrern, lahmen Rolltreppen und viel zu unfreundlichen Leuten.

Wie man die Gastfreundschaft am besten umgeht um nicht unendlich viel Essen auf den Teller zu bekommen: Platzen oder einen Rest übrig lassen.

Dass Ironie an einem Ort ohne wirkliche Natur gar nicht so fehl am Platz ist.

Dass nicht jeder Russe in Lederjacke und einem teuren Auto zur Mafia gehört.

Was wir tatsächlich ebenfalls gelernt haben und uns gar nicht erhofften.

Russisch zu sprechen. Zumindest so viel, dass man uns verstehen kann, wenn wir sagen wollen „Nein, ich will nichts mehr zu essen!“, „Ich möchte keine dumme Fernsehsendung gucken, ich möchte schlafen!“ , „Ich habe CDs gekauft“ und „Wo geht es zur Goethe Schule, Barmalewa Straße?“

Dass viele Russen wirklich nett sind und alles für einen tun was ihnen möglich ist - auch wenn es ihre Lebensverhältnisse übersteigt, was wir aus Deutschland gar nicht so gewohnt sind.

Dass es in St. Petersburg eine ganze Menge mehr schöner Gebäude gibt als in durchschnittlichen deutschen Städten. Abgesehen von den Slums natürlich, die weniger zu besagten Gebäuden gehören.

Dass genügend Russen entweder Deutsch oder Englisch sprechen können. Zwar nicht alle, aber auf jeden Fall genug, vor allem an den Touristenorten.

Dass wir nicht ganz doof sind und auch etwas gelernt haben außer der oben stehenden Liste.

Dass die Russlandfahrt nach St. Petersburg sich trotz all des Geldes eindeutig gelohnt hat, und man sie nur weiterempfehlen kann.

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