Yolo

yolo

Die Zahnbürste steht noch im Badezimmer
Der Kaffee ist noch warm so wie immer.
Doch die Tasche ist gepackt, verlass die Stadt
Es ist kalt draußen, nimm dir noch nen Pulli mit.
Ich packe meinen Koffer, nehme mit:
Den Geruch von frischem Brot
Ein bisschen Nachdenklichkeit
Das Gefühl der Farbe Rot
Und die innre Schönheit
Etwas Solidari-, viel Naivität
Und nichts von all den Sachen, die mir meist mein Vater rät

“Räum dein Zimmer auf bevor du gehst”, hat meine Ma stets gesagt
“Falls du nicht wiederkehrst
Wie sieht das denn sonst aus?
Irgendwann kommst du nach Haus und dann ist Chaos. Das will doch keiner”
Also räum ich den Mist weg, den ich hier gelassen hab
War nötig, ist jetzt alles unter’m Bett,
Falls wer wieder kommt. Ich werd’s nicht sein.

Hab so viele Zahnbüsten in meinem Leben irgendwo vergessen
Zahnbürsten sind wie – der Glaube an die gute Welt
Verloren in Hotels und bei Affären die du nicht mehr magst
Sagst: “ist nicht so schlimm wenn du den Neueinkauf vertagst ein paar Tage geht ja auch ohne.”
Und plötzlich brauchst du schon wieder eine Krone.
Oder eine Drone
Also: Kronen im Fall von Zahnbürsten, Dronen im Fall vom guten Glauben
Rauben uns den Sinn wenn wir uns Gründe zusammenklauben
Und uns einreden, dass wir schon wieder kommen.
Irgendwann. Mit Zahnbürste und gutem Glauben.

Doch:

Du gehst nur einmal fort. Yolo:
You only leave once
Vergesse dich, entfessel mich
Bin Djesko unchained
Das Gehn ist stumm
Und eben drum
Lass ich’s leise hinter mir. Und kehr nie wieder zurück.

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Bahnsteig-Poesie

Bahnsteig-Poesie

Langer Tag
in ‘ner Berliner Bibliothek
Tausend Bücher gewälzt, mach mich auf den Heimweg
Eine Stunde kann ich jetzt in diesem Rotz fahr’n:
S-Bahn Linie 7, Richtung Potsdam.
War sechs Stunden hier, ich war nicht nur fleißig
Jetzt ist dunkel draußen, grade Fünf Uhr Dreißig
Scheiß Winter. Derbe kalt, zieh die Mütze tief
Chucks aufgeweicht, weil ich grade durch ne Pfütze lief
Wie sich vor der Kälte schützen ließ? Steig in’ S-Bahn-Schacht
Kracht der Lärm der Stadt hinter mir herab in die Nacht
Es riecht wie immer: Großstadt-Dreck-Urin-Mief
Frag mich wie jedes Mal, was mich nach Berlin rief
Naja, die Bibliothek.
Egal. Ich schlendre zum Gleis
“Linie 7 hat Verspätung”, schon klar ich weiß
Will mich hinsetzen und warten wie sonst jeder
Es täte. Doch da steht ‘n Koffer aus Leder
Die Nähte: vergilbt. Und die Ränder: verwetzt
Den hat jemand offenbar kürzlich hier versetzt
Verlassen. Niemand um mich her, ganz alleine
Ich meine: ein kleines bisschen beunruhigend. Aber fein, ne?
Was soll das schon sein hä?
Ne Bombe auf’m leeren Gleis? Ich hör nicht’s ticken
Ich als Terrorist würd die sowieso eher nach Frankfurt schicken
Wär’s n Geigenkoffer könnte man mein Misstrauen verstehen
Zu viele Mafiafilme gesehen, ich würd sofort wieder gehen
Gleich kommt die S-Bahn, just in case, dass man mich rette.
Doch ich mach ihn auf – und es ist ‘ne Klarinette.

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Stadtmalerei

Stadtmalerei

Es war ein Event in Kreuzberg und ein Meisterabend.
Erholsam nach diesem Tag und auch den Geiste labend
Etwas Kultur und weil man morgen frei hat, Beats –
Jetzt noch ein Bier für den Weg zum Heimatkiez
Heiliger Duft auf der Zunge,
Eisige Luft in der Lunge
Junge schöne Menschen auf’m Nachtspaziergang
Kleine süße Kneipen, die sich sacht verziert ham’
Wenn die Stadt zur Ruhe kommt, kann man sie beinah mögen
Und nicht wie tagsüber denken, allen hier sei nach drögem
Jutetaschen-Einerlei. Denn seit um Acht verliert man
Langsam den Blick fürs Ganze. Berlin wird wieder kreativ
Und selbst der Straßenlärm verschwindet mit dem Tagesmief
Hier hält ein Pärchen die Hand,
Dort lebt von Freuden ein Mädchen
In Kreuzberg hat man sich lieb
Man hat sich wieder erkannt,
und geht mit Freunden zum Lädchen
Links läuft ein Rechter vorbei,
rechts ruft wer “haltet den Dieb!”
Man erinnert sich selbst, wie krass, hab ab und an Acht
Den Dieb zu halten: zu spät. Der Mann läuft zu schnell von dannen
Das Dunkel frisst die Gestalt und er taucht ab in die Nacht
Das Opfer sitzt auf dem Boden, und schiebt Papiere zusammen
Es war ein Becher voll Geld für ihre Straßenmalerei
Man will ihr irgendwie helfen, war ja quasi nah dabei
Kauft ihr ‘ne Pizza und ‘nen Kaffee denn die Nacht ist heute kalt
Für mehr bleibt grad nicht die Zeit, die Heimweg-S-Bahn kommt schon bald
Und dann geht man nach Hause. Gute Tat vollbracht?!
Fall in die warmen Kissen, bis irgendwann und gute Nacht…

Hmm.

Das hier ist die Geschichte, die man hört, wenn man bleibt.

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Straßenmusik

 

akkordeon

Es regnet. Selbst die Graffity sind grau.
Die ganze Stadt wirkt bei dem Wetter wie noch grad im Aufbau
Man denkt hier bleibt man trocken, wenn man etwas an sich werkelt
Und bei Regen ‘ne Fresse zieht wie Angela Merkel.
Zwischen Neubau und Regenwolken verschwindet der Kontrast
Um dich zurechtzufinden brauchst du bald ‘nen Kompass
Selbst der Regen hilft dir nicht dabei mal klar zu kommn
Denn alles fließt davon, du fühlst dich klar benommen
Und aus der Regenrinne tropft es auf den harten Asphalt
Es ist kalt. Und ich denke nichts gibt mehr Halt
Laufe so durch die Straßen voller Monotonie
Doch horche auf: und ich vergess’ die Melodie nie
Ich seh ihn dort unter der Brücke, vertreib’ die Sorgen schon
Rap im Kop zu der Musik vom Mann mit dem Akkordeon:

Mr. Akkordeon und ich, da habt ihr sicher klar gecheckt
Wir bring’ die Oldschool zurück, das hier ist Straßenrap
Wir bleiben positiv, auch mit dem Hals in der Gruft
Machen wir Kopfstand: schon weisen die Mundwinkel in die Luft
Machen aus Chili Schokolade, aus Zitronen Limonade
Wenn wir fertig sind, schmeckt sogar Mensaessen nicht mehr fade
Denn ich fühl mich immer bester Laune, wenn ich diesen Sound check
Der Mann ist positiv wie Schlagersänger auf Crack!

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Traumstoff

Traumstoff

Kam ich in diesen Buchladen, waren die Geschichten unendlich
Die alte Frau sortierte Bände ein. Sie grüßt und kennt mich
Drohte die große, erwachsene Welt, mich zu erdrücken
Sucht’ ich Brücken in dieses andre Leben, in diesen Lücken
Zwischen den Seiten. Zweifel? Wisch’ sie beiseiten beizeiten in Zeiten wie diesen,
Reit in andere andere Breiten
Und ließ meine Augen weiten, von den großen Regalen stets aufs Neue verleiten.
Verbrachte Stunden mit Science Fiction auf den Sitzsäcken
Oder im Stehen mit den Comics in den Witzecken
Die Sonne stahl sich davon. Draußen – aber hier drinnen
Sah ich Sonnenstrahlen zwischen den Regalen gerinnen.
Es war wie Scala oder Princess, mit Besitzern schwer von Sinnen
Da war nie wer drin, damit konnt man nix gewinnen
Außer wenn ich mit meiner Familie kam, schlossen sich hinter uns die Pforten
Wir besetzten die Hälfte des Kinosaals und fühlten uns very important
Saßen da im Mikroversum voll altem recken Schmuck
Mit den schweren roten Vorhängen und an den Decken Stuck
Jeder Kratzer auf der Filmrolle als rauschendes Bild
Saß ich in den schweren Sesseln dort und lauschte nur still
Solche Filme klebten gleichermaßen unter dem Papier
Zwischen Pappdeckeln im Buchgeschäft der Wunderstraße 4.
Dies war mein Auenland. Meine eigene Welt,
Aus der man höchstens aufsieht, wenn mal die Türklingel schellt
Doch komm ich heute zurück, ist der Laden sichtbar leer
Und die alte Dame mit den Büchern kennt mich nicht mehr.

Und keiner kauft mehr bei ihr ein,
Ihre Tür verstaubt,
Ihr Haupt glaubt kaum, es sei ihr noch erlaubt
An die Zukunft zu glauben. Denn die hat man ihr geraubt
Mit großen Ketten, auf die jetzt alle Welten wetten,
Selbst die netten Leute meinen kaum, dass sie noch was zu retten hätten
Und ihn’ ist nicht bewusst, was ich in ihren Räumen find’:
Sie webt den Stoff aus dem die Träume sind!

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Legendario

Legendario

Legendario. Sie war legendär.
Wie wenn Santeria-Hexerei zugleich ein Segen wär.
Lächelt süß wie Honig, haut dich um wie hart Rum,
Betrat den Tanzflur und der ganze Club ward stumm:
Eine Morena, dunkle Haut, schwarzes Haar und große Augen
Ein karibisches Lächeln wie zum Verstand dir rauben
Man fing zu munkeln / an, ich hör sie komme aus Havanna
Club-Musik ließ ihre Miene mehr verdunkeln
Doch bei Salsa oder Reggaeton ward’s plötzlich schönes Wetter
Und die Spanischtanzkurs-Stunden wurden mir dabei zum Retter
Wie bei Romeo y Julieta – nahm ich nen tiefen Zug
Sah mich selbst wie ich den Club durchquerte, zu ihr lief und frug:
“Señorita, wärst du vielleicht für ‘nen Tanz bereit?
Für ‘nen Tanz zu zweit, für jetzt oder die Ewigkeit?
Sie von Nahem zu sehen, toppt den Eindruck schon auf’s Ganze
Und bin ich sonst auch vorsichtig, brach ich für sie eine Lanze:
Denn ich nehm kein’ Cuba Libre. Ich mach’ mit Kuba Liebe!
Sie roch fantastisch und sah gut aus, wie ein feiner Single Malt

Die and’ren Frauen waren auch Single, aber neben ihr mehr old
…Timer /an: sonst siehst du nicht wie schnell sie sich bewegen kann,
Du brauchst sie nur zu sehen und schon fängt ein neues Leben an
Man sagt, Kubaner können alles reparieren: guapa du flickst mein Herz.
Die Jungs im Club geiferten, ihre Blicke sagten “die fickst du derbst”,
Doch du weißt dir schon zu helfen, wie man sich gegen solche Wichser wehrt
Du blickst verklärt, nix versehrt, über sie alle hinweg.
Und hast so ganz nebenbei mit Neid die ganzen Chicks ernährt,
sie haben alle gecheckt:
Mit deiner Person kam Trinidad in die Stadt, einer Heiligen gleich –
Dreeinigkeit: Körper, Seele und der “heilige Geist”
Ich brauch nicht fragen, wie ich dich auf Facebook finde; denn es ist klar:
Du brauchst kein Social Club. Chica du BIST Buena Vista!

Aber obwohl ich dachte, dass ich sie grad massig verführ’
Ist ihre eisig kalte Schulter alles was ich berühr’…

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Nordstern

Nordstern

Alles ist surreal. Stimme an meinem Ohr
Lässt mich versinken. So wie in einem Moor
Dein Atem tiefer, als deine Emotion
Vergess zu denken. Ich wusst es immer schon.
Menschen zieh’n vorbei: Schattengestalten
Du wärmst sie auf, doch sie erkalten
Greifst durch sie durch – willst du auch stark sein
Es ist unmöglich. Aber es mag sein:
Keiner versteht dich, als wärst du taubstumm
Nicht nachvollziehbar, wie fremder Brauchtum
Du bist wie ich, wir sind verbunden
Brauch nicht mehr suchen, ich hab gefunden.

Du bist mein Nordstern. Du bleibst mein Fixpunkt
Such ich die Richtung / zur nächsten Lichtung
Doch brauch ein Streichholz, weil leider nix funkt
Und der Gewichtung / fehlt jede Schichtung
Alucinante, die Utopie
Wirklichkeitsferne, versteh ich nie?
Bist du bei mir stets, doch nie vor Ort
Anstatt “wir sehn uns”: “zum nächsten Wort”.

Bin weder ein noch aus und weder Tag noch Nacht
Ich schlaf mit offenen Augen und träume wach
In den Momenten, wenn das Dunkel sich ein bisschen erhellt
Verzichte ich auf Schwarz-Weiß, leb’ in der Zwischenwelt.
Kann dir nicht sagen, was ich gerne hätte, wo ich gerne wär
In dieser Mär in der ich sehr schwer mich selbst verzehr
Sechs Füße unter den Wolken: ich hab hier nie gehaust
Alles zieht mich runter und zugleich dort wieder raus
Und wenn ich grade denke, draußen wird es wieder hell
Beweist das Dunkle in mir drin ich war mal wieder zu schnell
Petroleumlampe: schwer inkonstant
Spendet kaum Licht im Unterland
Wo wir uns eigentlich befinden, versteh ich nie. Ich
Leb mit dir. Für immer. Im Zwielicht.

Du bist mein Nordstern. Du bleibst mein Fixpunkt
Such ich die Richtung / zur nächsten Lichtung
Doch brauch ein Streichholz – weil leider nix funkt
Und der Gewichtung / fehlt jede Schichtung
Alucinante, die Utopie
Wirklichkeitsferne, versteh ich nie
Bist du bei mir stets, doch nie vor Ort
Anstatt “wir sehn uns”: “zum nächsten Wort”.

Weißer Nebel treibt durch die Gassen
Tägliche Massen. Leer. Zurück gelassen
Ich hier, du da, alle andern weit weg
In der Ewigkeit, nur ein kleiner Zeitfleck.

Wer nicht sterben kann, ist bereits tot.
Wer nicht lieben kann, bricht ein Gebot
Doch kann ein Gott Einhaltung erwarten,
Bei diesem Zwielicht in seinem Garten?

Lieber Naiv

naiv

Und du fragst mich: “Kannst du nur noch über Liebe schreiben?
So viel Mädchen in deinen Texten, weißt du noch wie die heißen?
Und du im Zentrum immer wieder, wirst du nie bescheiden?
Es gibt doch so viel and’re Dinge an den Welten leiden.
Sagtest du nicht einmal, du willst die jetzt selten meiden?
Was ist mit Weißer Nebel, wolltest du nicht Kritik verbreiten?
Und einen Ansatz bringen, um den ganzen Shit vereiteln?
Wo es doch so viel Anderes noch zu verwalten gibt:
Die nächste Hungersnot, Armut, der nächste Kalte Krieg
Wen kümmert was du fühlst man, okay du bist halt verliebt
Doch tu jetzt deshalb nicht, als ob es da kein Halten gibt.
Und hast du grad vielleicht sogar ‘ne rosa Brille auf
High wie auf Droge, und auch einige Promille drauf
Dann wach doch bitte auf und nimm die rote Pille auch
Nimm diesen Krankheitserreger samt der Bazille raus
– und erzähl mal was wirklich Wichtiges.”


Doch ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Und nein, ich sag nicht die Welt ist doch schon schlimm genug!
Die Welt ist schön! Und das allein ist Sinn genug
Drauf zu verzichten, hier ne schlechte Stimmung zu verbreiten
Stattdessen sie zu erwähnen, die schönen Kleinigkeiten:
Croissant zum Frühstück und ne Stunde lang die Zeitung lesen
Nach ‘nem Spaziergang fragen: wo ist nur die Zeit gewesen?
Die Postkarte mit nichts weiter als dem Spruch “ich denk an dich”
Und wenn du ohne Geburtstag auch mal Geschenke kriegst
Ein sanfter Kuss auf die Wange, dieses schöne Gefühl
… und die Fugees als Album auf Vinyl!
Und wenn’s mal regnet: scheiß auf Regenschirm und zieh den Hut aus:
… nasse Haare sehen gut aus!
Seien wir mal ehrlich: ich kann mit Texten nicht die Welt verbessern
Doch kann vielleicht die Hoffnung darauf etwas mehr bewässern
Und kommt da jemand an und sagt mir “bleib mal realistisch”
Sag ich “Nö man!” Denn mir ist das hier eher wichtig

Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Ich schreibe: Lieber Naiv – Wir sehn uns wirklich oft
Doch immer wieder habe ich auf ‘ne Begegnung gehofft
Auch wenn dich alle immer gerne nur als Jugendfreund nennen
Sah ich genauer hin, und durfte dich als Tugend erkennen.
Drum lass uns Reigen tanzen und nur Kinderlieder sing’
Weil ich dank dir nicht nur mal kindisch war, sondern stets wieder bin!

Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Die Hoffnung ist in jedem syrischen noch lebenden Demonstranten
Dem Chinesen, den Zensur und Unterdrückung überrannten
Dem Kubaner im Schlauchboot auf der Freiheitssuche
Dem zu Unrecht Gefangenen ohne Recht auf Besuche
Dem Plantagenarbeiter ohne faires Gehalt
Und jedem anderen Opfer von schwerer Gewalt
Ich glaube weiter, dass die Menschheit für’s Gerechte kämpft
Ich geb die Hoffnung nicht auf. Für jeden schlechten Mensch
Werden tagtäglich viele Dutzend guter Neue gebor’n
Und wer kann wünschen, dass die Schlechten da im Feuer verschmor’n?
Wir müssen ihnen doch nur zeigen, dass sie schön ist, die Welt
Wie geht das besser als wenn man Töchter und Söhne vermählt?
Mit der großen Liebe oder alle Welt frei lieben lässt
Doch mir fällt auf, bei diesem Thema wirken viele wie gestresst
Und stört es jemanden, hab ich die letzte Nacht verzückt verbracht?
Ich bleib naiv – für Frieden auf der Welt und weil’s mich glücklich macht!

Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nö!
Ich bleibe lieber naiv naiv naiv naiv
Ich sage Nöö. Nöö Nöö Nöö Nöö!
Und sing es lieber mal schief, mal hoch, mal tief, ja so naiv
Ich sage nö nö nö!
Ich bleibe lieber naiv.

Utopía

Utopía

Es fühlt sich gut an, wenn ich dich mit Kuss wecke
Und es ist warm mit dir, unter der Decke.
Doch wenn ich den Stoff heb’, frag’ mich was ich entdecke
Ist es das, was ich zuvor noch glaubte, was ich versteckte?
Was mir fehlte bei dir: dass ich selten aneckte.
Und ich mich nach dieser Perfektion wohl allzusehr reckte.
Ich checkte es nicht, auf der Bühne als Fremdgang
Das inhaltlich, innerlich, irgendwas fremd klang
Man redet im Takt, die Gitarre fängt an,
Doch der knisternde Plattenspieler – der hängt dann.
Der hängt dann.
Und weil sonst alles stimmt, ist es dir unerklärlich
Doch du weißt: Es ist unentbehrlich
Es zur Seite zu schieben, wär vielleicht sehr gefährlich
So zu tun, als nichts wär, wäre schwer unehrlich.
Da ist nicht dieses Ding, das du meistens hast
Und irgendwas fehlt, doch du weißt nicht was

Alucinante. Los rayos se meten
Con nuestros ojos. Y nos prometen
Nuestros sueños. Pero no confía:
…Es utopía!

Die Stimme verklingt schnell, wenn man den Hörer auflegt
Und sich einredet, dass die Sonne höher aufgeht
Doch der Moment ist vorbei, es hat sich ausnaivt.
Und das Gefühl das da fehlt, das hat sich auch vertieft
Der Rotwein im Kopf. Kalter Kaffee in den Venen,
Kälte zieht sich zusammen, sag mir: was soll sie dehnen
Nicht gefriergetrocknet, doch nicht warm genug.
Haben das Gemälde zu dem goldverzierten Rahmen gesucht
Erinnerungn verblassen, so wie alte Fotos
Und nicht jede schöne Blume schafft das Glück so wie Lotus
Wir lernen den Traumpartner kennen, doch verlieben uns nicht
Doch deine Lebensvisionen verschieben sich nicht
Und all die Hoffnungen versiegen noch nicht,
Lassen den Kopf nicht sinken, schauen gediegen ins Licht.
Unsre schmalen Pupillen sind in Gold gemalt,
Lass die Sonne drin aufgehn. Und ich wollt’ es strahlt…

Alucinante. Los rayos se meten
Con nuestros ojos. Y nos prometen
Nuestros sueños. Pero no confía:
…Es utopía!

Die Strahlen treffen sich mit uns’ren Augen, und sie leuchten
Und versprechen uns beiden, uns’re Träume
Doch ich muss dir sagen: vertrau dem nie:
Es ist Utopie.

Lass dich nur tragen.
Was in Zukunft wird aus uns zwein, könn wir beide nicht sagen.
Nur weil aus der Petroleumlampe heute kein Licht kommt
Heißt das nicht, dass die Sonne nicht kommt
Und deine Hände sind warm: lass sie’s bleiben.
Leg deine Finger auf die Tastatur um mir zu schreiben
Denn ich warte auf die nächsten Worte, wie bisher
Bis ich in Zukunft vielleicht, mit mehr Gefühlen wiederkehr.


Den Text als Song: Fremdgang