“Tiefsommer” – meine bisher längste Reise

 

Als ich 2010 aus Lateinamerika zurückkam, hatte sich mein Gepäck verzehnfacht, obwohl ich die Hälfte meines Rucksacks in Panama zurückließ: Die Anden, der Amazonas, Lima, ein neuer Blick auf Umweltprobleme und andere (ärmere) Lebensweisen, magischer Realismus… Es waren langfristige Eindrücke, die mich noch heute prägen. Einige Jahre später begann ich, eine Reihe von Kindergeschichten (darunter auch Pepe) zu schreiben, die die Probleme unserer Zeit kinderfreundlich in eine fantastische Welt übertrug, die dem, was ich in Peru gesehen hatte, doch recht ähnlich war. Aus einer anfänglichen Idee, die Erlebnisse der Kinderheld*innen im Erwachsenenleben in Form einer Kurzgeschichte weiterzuschreiben, wuchs mit der Zeit ein ganzer Roman. Vieles verselbstständigte sich: Die Charaktere bekamen ein eigenes Leben, die Story drehte und wendete sich stets aufs Neue. Das letzte Drittel schrieb ich zwei Mal ganz neu und ließ damit der ganzen Geschichte einen neuen Zweck erwachsen. Was blieb, war die Landschaft: Die Akhi-Berge (abgeleitet von “aqui”, span. “hier”) trägt die Struktur der Anden, der Khaminu (abgeleitet von “Camino”, span. “Weg”) zieht sich Amazonas-gleich durch den heiß-triefenden, lebendigen Dschungel. Ganz Pagau (abgeleitet von “pago”, span. “Heimatort”) lag ausgebreitet in meinem Kopf wie die Vielfalt Perus, mit der Küstenhauptstadt Kurra’o, und der südlichen Hochland-Stadt Zegir mit ihren leicht unabhängigen Einwohnern. Bei allen Eigenheiten, die seit dem dazu kamen, ist der Kern noch immer da. Und jetzt, rund acht Jahre später, findet sich all das in Buchstaben gepresst zwischen zwei Buchdeckel. Tiefsommer.

In den nächsten Monaten werde ich zusammen mit den befreundeten Musikerinnen von “Sommertag” eine musikalische Lesung machen, mit der wir als “TiefSommerTag” ein paar Bühnen bereisen. Die Reise der Geschichte ist eben noch nicht zu Ende. Aber so richtig glauben kann ich das alles noch nicht. Vielleicht ist das dieser magische Realismus.

Mehr zum Buch findet ihr auf der Tiefsommer-Seite, und ihr könnt es entweder direkt bei mir (zum Beispiel über das Kontaktformular) kaufen – dann signiere ich es auch gerne! –, im kleinen Buchhandel eures Vertrauens oder direkt beim Verlag Periplaneta.