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Auf der Trollzunge

Ich überblicke den Fjord
Trolltunga PosingLiegestatt Fels
Unter mir erstreckt sich ein mächtiger Fjord, die mehrere hundert Meter hohen Steilklippen ragen steinern und nur im unteren Drittel bewachsen daneben auf und ich sitze auf dieser kleinen, schmalen, zum Glück nur begrenzt windigen Klippe namens Trollzunge, die Beine über dem Abgrund baumelnd. Trolltunga ist, trotz aller touristischen Popularität (kommt man Mittags, muss man Schlange stehen) ein mächtiger Anblick. Neben der berphmten Klippe ragt noch eine kleinere über die Schlucht, ein paar weitere nah-am-Abrund-Stellen laden zum Wagemut ein und wir probieren natürlich alle davon aus.
Jumpy PictureWir, das sind 5 internationale Studenten an der Uni Oslo (die wanderunerfahrene Biologin, der Kommunikationswissenschaftler, die britische Skandinavistin, die australische Designerin und ich), die sich am letzten Wochenende zusammengetan haben, die Trollzunge zu bezwingen. Am Freitag hatten wir uns aufgemacht, gleich nach der Uni den Mietwagen abgeholt und unsere vollbepackten Rucksäcke mit einer Armada von Sandwiches verstaut und waren die guten 6 Stunden nach Odda gefahren – auf der südlichen Strecke, ein herrlicher Weg vorbei an Wasserfällen und Seen (was auch sonst) und mit nur einem Verfahren das aber dafür schöne Aussicht auf schmaler Straße bot. Erst nachts und im Regen erreichten wir den Campground, wo wir möglichst zügig das eine Zelt aufbauten (zwei schliefen der Einfachheit halber im Auto), und am Morgen mit Ausblick auf (na was wohl) einen riesigen See erwachten. Nicht weit von Odda entfernt kamen wir dann zum Startpunkt des Wanderweges, der selbst im schlechtwetterlichen Spätsommer (obwohl wir kaum Regen hatten danach) gut besucht war.
Das steilste Stück
Die ZahnradbahnDer Weg beginnt mit einem furchtbar steilen Stück gute 1,7 Kilometer, die man auch auf den mit viel Fantasie als Treppe zu bezeichnenden Holzstreben auf einer alten Zahnradbahn zurücklegen kann (und dabei das Tal erschreckend klein werden sieht). Völlig erschöpft und durchschwitzt kamen wir oben an, yeah, wir hatten es geschafft, jetzt fehlten nur noch 9 Kilometer. Die gingen auch erstmal noch weitere 3 km relativ durchweg aufwärts, bevor wir das obere Plateau erreicht hatten und da nun eine Weile mit nur kleineren Steigungen, dafür aber mit einem eiskalten, starken Wind kämpfen mussten.
Auf dem HikeDie letzten 2 KilometerSteiniger Pfad
Das CampWir schlugen unsere Zelte 2 km vor dem Ziel auf, an einer Stelle, die nicht wirklich als windgeschützt, aber immerhin windgeschützter als der Rest zu bezeichnen war – zum einschlafen begleitete uns das Knattern der Zeltwände im Wind. Auf der Höhe findet sich nun wirklich nicht mehr viel außer einer klaren Quelle, teils sumpfigem Moos und ein par quiekenden Lemmingen. Wir bereiteten unseren Couscoussalat vor damit er seine zwei Stunden ziehen konnte und wanderten dann, vom Gepäck befreit, weiter zur Klippe, durch steinige Felslandschaft, auf der nur das rote „T“ und übereinandergestapelte Steine uns den Weg wiesen. Und dann eben Trolltunga. Wir hatten den Ort aufgrund der späten Zeit fast für uns, und nur eine kleine Gruppe Wanderer, die um 7 tatsächlich noch vorhatten den ganzen Weg zurückzugehen, kreuzte noch unseren Weg.
Am nächsten frühen (und sehr kalten) Morgen gingen die Skandinavistin, die Designerin und ich noch einmal dorthin, wo wir schonmal so nah waren, und genossen die kalte Morgenluft auf der einsamen Klippe, bevor wir unsere Zelte einpackten und uns auf den Rückweg machten.
Ein letzter philosophischer Gedanke?Es steht mir auf der ZungenspitzeDer höchste Wasserfall
Wir waren schon am frühen Nachmittag wieder unten, so gönnten wir uns noch überteuertes Mittagessen in Odda und fuhren auf der Nordroute wieder nach Oslo zurück – praktischerweise fand sich genau auf dieser Strecke nebenbei noch der höchste Wasserfall Norwegens (schmal, aber wirklich verdammt hoch, und man kann es kaum in ein Foto packen, erst Recht nicht, wenn man den daneben liegenden, nicht so hohen aber viel mächtigeren Wasserfall mit ins Bild bekommen möchte). Als es gerade dunkelte, bemerkten wir eine im Vikingerstil gebaute Holzkirche in einem der passierten Orte und unsere Skandinavistin rief aus das sei die 1000 Jahre alte Stavkirkene, wir müssten anhalten! Taten wir, war sie aber nicht, sondern die Achtzehnhundert-Nochwas „neue“ Version, die natürlich trotzdem ihre Reize hatte. Da es schon spät war, wollten wir nicht nach der ursprünglichen suchen – taten wir auch nicht, sondern fuhren wiederum zufällig nur fast vorbei. Die noch nach Holz riechende, 1170-Kirche auf einem abgelegenen Hügel umringt von metallenen Kreuzfahrer-Gräbern mit schweren metallenen Kreuzen hatte schon einen eigenen Effekt, so in der Dämmerung, mitten im westnorwegischen Nirgendwo.

Das war also das Wochenende, ein wahrhaft fantastischer Trip. Aber das ist noch nicht mal alles, was seit dem letzten Blog passiert ist. Hier eine Kurzfassung des Rests:
– Ein Tageswanderausflug in die Østmark, leicht per Metro erreichbar und doch so abgelegen einsam schön als wäre es mitten in der Wildnis
– Ein zunehmend interessanter werdender Unikurs der mich wirklich nicht bereuen lässt hier zu sein
– Entspannen auf der Terrasse mit neukennengelernten Nachbarn und dem Columbiano
– Ein überraschender Besuch von meinen „Schwiegereltern“ aus Hannover mit Hafenwanderung
Aussicht von meiner DachterasseSchwiegerelternbesuch
… und viele weitere Eindrücke, sei es von der Uni oder der Stadt, die mich hier wirklich in gewisser Weise ankommen lassen.

Danke an Jo für die Fotos!

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Von Regen, Seen, Dachterrassen und Treibhäusern in Oslo

Der Sommer im Oslo ist doch etwas ziemlich anderes als in Kanada. Heute ist der erste Tag seit einer Woche, an dem es noch nicht geregnet hat (was sich aber noch gut ändern kann) – auch wenn an sich schönes Wetter ist, muss man jeden Moment mit einem leichten Nieselschauer rechnen, der einen aber nicht von seinen Aktivitäten abhalten sollte – nach spätestens einer halben Stunde ist es meistens schon wieder vorbei. Davon abgesehen gibt es keinen Grund zur Beschwerde, ich habe mich schon ein bisschen eingelebt, erste (gute) Kurse an der Uni besucht und sogar schon meine ersten zwei Couchsurfer in meinem kleinen Zimmerchen beherbergt.
Fähre von FrederikshavnDoch der Reihe nach. Letzte Woche Samstag war ich hier angekommen, nach einer langen Reise mit Bahn und Schiff (darunter eine Bahn, die selbst auf eine Fähre fuhr und eine Dreiviertelstunde nach Dänemark geschifft wurde). Eine an sich unspektakuläre, aber durchaus schöne Fahrt, inklusive 8 stündigem Aufenthalt größtenteils auf dem sonnigen Sonnendeck der Fähre von Frederikshavn. Meinen schweren Rucksack aufgepackt machte ich mich dann am Samstag abend quer durch Oslo, vom Hafen zum Bahnhof und von da mit der T-Bane zum Carl Berners Plass, wo der graue Block, der mein neues Zuhause ist, steht. Das klingt trister, als es ist – es ist ein eigentlich recht nettes Haus mit Felswand und Garten auf der Rückseite (auf die ich blicke) und kleinen Zimmern, bzw. in meinem Fall Apartments, da ich mir anders als die anderen Nachbarn auf dem Flur Küche und Bad nur mit einem norwegischen Studenten teile. Das tollste allerdings ist die Dachterrasse im achten Stockwerk, auf die wir Zugang haben und eine herrliche Aussicht auf ganz Oslo, die Bucht und die Berge, hat. Fotos davon folgen das nächste Mal wenn ich da eine Kamera mithabe, meist sitze ich dort nur und entspanne in den sonnigen Augenblick oder lese meine Unitexte dort. Oder ich lade die Clique internationaler Studenten dorthin ein, mit der ich nächste Woche eine Wanderung unternehmen werde – aber dazu dann mehr.
Im Laufe der letzten Woche richtete ich dann mein Zimmer ein, besuchte meine ersten Unikurse und stand insgesamt wohl ca 2-3 Stunden beim Studentenwerk an, um meine Studentenkarte zu bekommen, holte furchtbar überteuerte Reader (Zwei Kurse für 100 Euro) und stromerte ein bisschen durch Oslo – davon hier erstmal ein paar Fotos als Eindruck:
Oslos PrunkbautenStraßenkunst OslosDie Oper Oslo
Ausblick auf die BuchtModerne Kunst
Die Gegenden, in denen ich mir am Meisten herumtreibe, sind neben meinem eigenen Viertel Rødaloka das trendig-hippe Grünerløkka, das Zentrum (von dem hier die meisten Bilder sind) und der Universitätscampus Blindern (da gibts natürlich auch noch irgendwann Fotos von). Zwei bemerkenswerte Ausflüge waren daneben noch der Skulpturenpark Vigeland, in dem eine ganze Brücke mit Skulpturen gesäumt ist, die verschiedene menschliche Beziehungen darstellen, endend in einem riesigen Monolithen aus ineinander verschlungenen Menschen. Das dritte Bild ist der See Sognsvann (zu dem ich auch gleich wieder fahre), gleich am Ende der T-Bane Linie Nummer 6: gerade noch in der Stadt, steigt man aus, geht etwa hundert Meter gerade aus und findet sich an einem herrlichen See (in dem ich natürlich auch schon schwamm), der sich gänzlich auf gemütlichen Wanderwegen umrunden lässt (vorausgesetzt man ist nicht wie die 100.000 Norweger/innen die ganze Zeit dabei, darumherum zu joggen, dann ist gemütlich wohl der falsche Ausdruck).
Der Monolith im Skulpturenpark Skulpturenpark VigelandSognsvann
Dieses Wochenende gab es dann ein paar erfreuliche Erlebnisse. Am Freitag hatte eine Norwegerin aus dem Kurs „Key Issues of Environmental Change“ (Kürzel „SUM4200“), einem Erstkurs eines beginnenden Masters, die Kommilitonen zu einer Party bei sich eingeladen, was viel dazu beigetragen hat, etwa die Hälfte des Kurses bereits jetzt auf eine freundschaftliche Ebene zu bringen, wo man mehr miteinander unternimmt. Am selben Abend bekam ich auch meine ersten Couchsurfer, die abends eintrafen und entsprechend gleich mit zur Party kamen und nachher in meiner kleinen Bude übernachteten. Nachdem ich sie nach einem Terrassenfrühstück zu ihrer Station gebracht hatte (sie sind jetzt natürlich in der norwegischen Wildnis wandern) ging ich zu einem herrlichen Fest in einem von Schulen pädagogisch genutzten Gemeinschaftsgarten, in dem von Nachmittag an bis spät in die Nacht die verschiedenen Bands spielten, Lämpchen in den Bäumen hingen und gutes Essen gekocht wurde. Die zuvor erwähnte Kommilitonin hatte uns empfohlen, dorthin zu kommen und gefragt, ob wir als Freiwillige in der Küche helfen wollten. So endete ich an der Apfelpresse und half dort eine Weile aus, bevor ich den Rest des Abends mit den SUM-Leuten durch den Garten schlenderte, guten Bands lauschte und Nachts bei der anschließenden Disko im Treibhaus die Seele aus dem Leib tanzte. Was kann man mehr wollen von seiner ersten Woche in Norwegen?
Festival im GemeinschaftsgartenFeuerkünstler im Gemeinschaftsgarten
Jetzt freue ich mich unbändig aufs nächste Wochenende, an dem besagte internationale Clique zu einer Wochenendwanderung aufbrechen werden – wohin es geht und was es dort wundervolles zu sehen gibt, das werdet ihr dann wohl in einer Woche erfahren.
Party like its a greenhouse

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Reiseabschluss in Ann Arbor

Wie erwartet war es fast ein wenig wie zuhause. Auch wenn ich meine
eigene Gastfamilie erst am Donnerstag sah, machte die Austauschfamilie
meiner Schwester die ersten fünf Tage zu einem herrlichen,
chaotischen, planungsreichen und aufregenden Familienfest. Wir sahen
das vom Regieführenden Austauschbruder produzierte Stück
„Homesteaders“ in einer dem Schauspiel angemessenen Hütte, besahen uns
von Anwohnern gestaltete Kunstprojekte im semiurbanen Detroit, wurden
von einem hochdotierten Anwalt beim Besichtigen des beeindruckenden
Art Deco-Guardianturmes zum Stadtausblick in den dreißigsten Stock
geladen, gingen Kanufahren im Huron und bildeten beim Tuberafting in
den künstlichen Huronrapids die wohl längste Kette zusammenhängender
Rafter, spielten endlose Runden Fluxx und entdeckten downtown den
Robot Repair Shop (der eigentlich nur eine Ladenfrontfassade ist für
ein gemeinnutziges Projekt für Jugendliche, um ihnen das Schreiben
näher zu bringen – die Roboterspielereien finanzieren das ganze). Die
letzten Tage zogen wir (meine Schwester, inzwischen angekommenen
Eltern und ich) dann (um ihnen nicht allzusehr auf die Last zu gehen)
von der Austausch-Gastfamilie zu einer wohlhabenden, mit meinen
Zweiteltern befreundeten Familie mit Haus am (motorbootfreien) See, in
dem sich herrlich schwimmen ließ. (da ich schon gestern fuhr, blieb es
mit verwehrt, wie der Rest meiner Familie noch länger dort zu
verbringen). Und dann natürlich das große Event, der eigentlche
Anlass für die Reise – die gigantische Hochzeitsfeier meiner Sister
from another Mister (sfam) mit ihren brasilianischen Ehemann – die nun
schon zum dritten mal (nach ziviler und brasilianisch-zeremonieller
nun auch noch in den Usa) stattfand. Dank ausgiebiger umgebender
Events (Cocktailempfang am Donnerstag, Lunch und kleiner Barabend am
Freitag und der Hochzeit selbst am Samstag) gab es dann doch noch
einige Gelegenheiten, meine sfam und ihre Eltern zu sehen, die ganze
brasilianische Familie kennenzulernen und drei Abende mit Essen
vollgestopft schlafen zu gehen 😉
Der Tag der Zeremonie selbst: viele ausserordentlich gut gekleidete
Menschen, mehr Klassenkameraden meines Austauschjahrgangs als erhofft,
famoses Essen, Tanz und Schnäpse, eine mit 150 Leuten gefüllte
Edelscheune und ein leicht ins Herz zu schließendes Hochzeitspaar. Im
Anschluss ging es dann noch in einen Club in Ann Arbor zur Afterparty,
mit extra Räumlichkeit für die Hochzeitsgäste und gerocktem Tanzflur
bis zwei Uhr nachts (dann machen alle Clubs zu hierzulande). Zu viel,
um alles zu erzählen – aber alles in allem eine wundervolle Feier, und
als mein letzter Abend in Michigan durchaus angemessen 😉
Gestern holte ich dann das letzte Mal ein Auto ab, um damit nach
Newark zu fahren. Auf dem Weg sah ich noch im Krankenhaus vorbei, wo
ich tatsächlich einen alten Schulfreund auffand, der die letzten
Wochen wegen Herzprobleme leider dort verbringen musste (ist aber auf
dem Weg der Besserung). Ich bin froh, mir die Zeit genommen zu haben
ihn noch zu besuchen, auch wenn meine Zeit knapp bemessen war:
immerhin hatte ich nur bis heute Mittag Zeit, den Wagen am Flughafen
zurück zu geben. Da ich heute früh aufwachte und eigentlich nur noch
3,5 Std Fahrt vor mir hatte, fuhr ich noch für einen Abstecher in die
Pennsylvania Wilds, um noch eine letzte kleine Waldwanderung
einzulegen. Leider verfuhr ich mich auf dem Rückweg etwas, so dass ich
nur gerade so mit letztem tankrest wieder zum Highway fand, und die
vielen fehlenden Meilen in 3 Stunden zuruck legen musste – mit nur
wenigen Minuten Verspätung schaffte ich es schließlich noch zur
Abgabe in Newark, checkte ein und nun, ja nun bin ich kurz davor
zurück zu fliegen, zurück nach Berlin, wennauch nur für wenige Tage.
Ich bleibe aufgeregt. Ein Resumee gibt es noch nicht – denn irgendwie
ist diese Reise ja noch nicht vorbei.

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Camping Out Canada

Der Wasserfall vor unseren Gesichtern prasselt mit ohrenbetäubendem
Lärm hinab, halb erfrischend und halb zu kalt in dem wechselhaften
Wetter jener Tage, während wir die nassen Steine zur anderen Seite
hinüber laufen. Auf den Resten einer alten mühle lassen wir den
Anblick auf uns wirken und nehmen uns vor, später hier, oben bei der
Feuerstelle, Abend zu essen. Wir sind in einem Teil der HamiltonParks,
wo wir vorgestern Nachmittag unser Zelt am Rattlesnake Point (wo es
aber keine Klapperschlangen mehr gibt) aufgeschlagen haben. Es war ein
ruhiger, weitläufiger Platz, zu dem nur zum donnerstagabendlichen Yoga
im Park sich ein paar Gäste von außerhalb versammelten – dachten wir,
bis gestern Abend mehrere Gruppen lauter Menschen eintraf, die dazu
heute morgen für eine lange Schlange vor den Duschen sorgten. Doch der
Donnerstagabend war noch unbehelligt von den Massen, und unser
Vorabendspaziergang an den Klippen des Rattlesnakepoints entlang, mit
Aussicht aufs weite Land und verdrehten Bäumen am Waldrand war von
herrlicher Ruhe gesäumt. Gestern machten wir dann neben unserem
Ausflug zu den Hilton Falls und dem dazugehörigen Park (wo wir
tatsächlich stets an der Grenze zum Regenschauer Zucchinis grillten
und Pasta kochten) einen ausgedehnten Wanderstopp am Crawford Lake,
einem ruhig gelegenen, von Holzwanderstegen umgebenden und mit
Wasserschildkröten bevölkertem See und Feuchtgebiet, an dem schon die
Huronen ihre Dörfer hatten – eines davon wurde rekonstruiert, so dass
wir in einem erstaunlich großen Langhaus (24m lang und hoch) von einer
selbst einer der First Nations entstammenden Führerin dabei zuhören
und -sehen konnten, wie ihre Vorfahren dort gelebt haben. (Keineswegs
dem Klischee entsprechend: sie lebten ca 15 Jahre in solchen Dörfern
mit mehreren Hundert Einwohnern, bis die Mais- und Bohnenfelder
jenseits der Dorfpalisaden nicht mehr fruchtbar genug waren und
weiterzogen.)
Einige Wanderwege, Ausblicke und Waldabschnitte später freuten wir uns
auf das bereitstehende Zelt, das auch mir nun erstmal die letzte Nacht
gedient hat – heute früh, nachdem wir unsere Lieblingsholländerin zur
Bushaltestelle gebracht hatten, fuhren wir mit dem Mietwagen nach
Windsor, einem Städtchen gleich auf der anderen Flussseite von
Detroit, wo wir ihn in einem winzigen Flughafen abgaben und uns
ärgerten, dass es dort keinen einzigen Bus gab, der uns in die Stadt
bringen konnte, so dass wir mit dem Taxi zum Busbahnhof kommen
mussten. Dort wiederum erwischten wir relativ problemlos gerad noch
den Tunnelbus, der für eine Handvoll Dollar die Grenze überquert und
uns schließlich zurück in die USA brachte.
Und auf jene unspektakuläre Weise endet nun vorerst der aufregendere
Teil meiner Reise – der Austauschbruder meiner Schwester (also
irgendwie auch mein Bruder 😉 ) sammelte uns auf und brachte uns nach
Ann Arbor, dem letzten großen Ziel meines Trips, und zugleich meiner
zweiten Heimat aus alten Tagen. Dort warten eine Hochzeit, ein paar
alte Schulfreunde und meine zweite Familie, und wer weiß was sonst
noch alles, in dieser letzten Woche overseas. Vielleicht ein bisschen
Gefühl von Zuhause, bevor es schon wenige Tage nach meiner Rückkehr
wieder fort gehen wird.
Aber das ist eine andere Geschichte.

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Von alter Königsstadt ins Herz des Financial Districts

Auch wenn meine Gastgeberin meinte, es gäbe nichts zu sehen in
Kingston, so bewies die Stadt in den knapp zwei Tagen meines
Aufenthaltes doch das Gegenteil. Die Businessstudentin selbst
geleitete mich durch die alte Queens-Universität, die schon mehr Jahre
auf dem Buckel hat als der Staat Kanada. Die Walking Tour „in
Footsteps of John A.“, (womit der erste Kanadische Premierminister
gemeint ist, John A Macdonald) tat ein Übriges, indem eine
Schauspieltruppe die Historie der Fast-Hauptstadt in Songs und
Charaktere packte. Doch die Liste geht weiter mit riesigem Farmers
Market, „The Producers“-Musical, kostenloser Inselfähre und guten
Buchläden, so dass es schon ein bisschen schade war, am Sonntag Abend
(nach ein wenig Busverbindungs-Irrungen) in die überteuerte Bahn nach
Toronto zu steigen.
Im strömenden Regen hechtete ich, die drei unhandlichen Radtaschen
über die Schulter geworfen, zum „The One“, einem preiswerten und sehr
alternativ gestalteten Hostel/Cafe/Bar. Meine Sorge, nach 11 Uhr
Abends nicht mehr einchecken zu können (was online so stand) war zum
Glück unberechtigt und so konnte ich schon kurz darauf auf der
überdachten Terasse mit ein paar anderen Gästen den prasselnden Regen
über den Dächern der Stadt betrachten.
Da am Montag Abend meine Schwester eintreffen sollte, nahm ich mir für
den Tag nichts vor, als ziellos durch die Stadt zu schlendern, wobei
mich eine holländische Artificial-Intelligence-Studentin begleitete,
die ebenfalls gestern Abend angekommen war. Nach einem ungeplanten Tag
voller erfundener Geschichts-Facts, zufälligen Vorbeistolpern in der
„Graffity-Alley“ und dem irgendwo zwischen hipster und Dumpster
liegenden Kensington Market entschlossen wir uns, das Fehlende am
nächsten Tag mit meiner Schwester zu ergänzen, die ich am frühen
Abend aufsammelte.
Ab diesem Abend konnten wir erfreulicherweise bei einem Couchsurfer
bleiben, einem indischen Koch, der bis Januar sieben Tage die Woche in
zwei Jobs arbeitet, um dann drei Monate dem kanadischen Winter zu
entfliehen und auf Reisen zu gehen. Sein Appartment liegt zwar gute 40
Minuten vom Stadtzentrum entfernt, aber über eine kostenlose Couch
will man sich ja nicht beschweren, und dass er dazu noch nach seinem
harten Arbeitstag Zeit fand, uns ein wenig durch die Stadt zu
geleiten, spricht noch mehr für ihn.
Zum Dienstag waren wir (meine Schwester, ich und unsere kurzerhand zur
Truppe aquirierte Holländerin)
kurz davor, den berühmten CN Tower (einst das höchste Gebäude der
Welt, auch wenn wir ihn erst kaum als solchen wahrnahmen – er schien
mit jedem Mal wo wir ihn sahen gewachsen zu sein) hinaufzufahren.
Erschrocken vom Preis entschieden wir uns, dass es sicher noch
irgendein hohes Gebäude gebe, wo man hoch könnte. Das sollten wir am
Abend auch schaffen (nach ausgiebigem Schlendern durch Kensington, den
Hafen und das Retro-stylische Distellery-Viertel) – durch ein Dreistes
Erfragen beim Trump Tower, wo uns der nette Sicherheitsmann
tatsächlich in die Hotelbar im 31. Stock ließ. Uns nur geringfügig
fehl am Platz fühlend holten wir uns alkoholfreie Cocktails in der
Preisliga eines gutbepreisten Schnapscocktail in Normalsterblichen-
Bars und genossen vom luftigen Patio aus den Blick auf die
nachtlichternden Wolkenkratzer des Financial Districts.
Heute verbrachten wir unseren letzten Tag in Toronto zunächst damit,
dem Lärm und den blickbegrenzenden Glastürmen auf dem Wasserweg zu
entfliehen und auf den Toronto-Islands umherzustromern, im eiskalten
Lake Ontario zu schwimmen und gerade rechtzeitig vor einem
sintflutartigen Regen auf die Fähre zu flüchten. Zurück auf dem
festen Land schauten wir bei einer (kostenlosen) Gallerie für moderne
Kunst vorbei, wo wir uns therapieren ließen und Toninstalltionen unter
Haarperücken vorfanden und blieben, bis man uns hinauswarf.
(Uhrzeitbedingt)
Erstaunlicherweise hatten wir das Gefühl, von Toronto gesehen zu haben
was wir sehen wollten, und konnten nach dem Abendessen die lange Fahrt
zu unserem Host antreten. Morgen werden wir dann erneut einen
Mietwagen holen und für zwei Tage irgendwo zwischen hier und Windsor
verbringen – wobei wir unsere Holländerin einfach überredet haben,
uns zu begleiten, wo wir schon mal ein Auto und Zelt mit genügend
Platz haben und ihr offenbar noch nicht so sehr auf die Nerven
gegangen sind dass sie sich eine Ausrede gesucht hätte.
Wo genau wir morgen Abend sein werden – wer weiß. Ob ich die letzten
Tage meiner mehrere Wochen andauernden Kanada-Reise genießen werde –
ganz sicher.

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Von einsamen Seen Und Millionärsinseln

Ich bin der einzige Mensch an diesem See. Kraniche und schwarzköpfige
Enten sind die lautesten Geràusche, ab und an ein größerer Raubvogel
am
Himmel, unzählige Insekten (ich zähle 25 stiche am rechten Ellbogen)
und das Kräuseln von Fischen im Johnston Lake, sonst: nichts. Mein Bad
im See, mit dem ich mich für den ungemütlchen, mückenbegleiteten
abendmarsch hierher belohne, schreckt ein paar Wasserläufer auf. Im
Nachhinein ärgere ich mich, nicht einen Tag länger dort geblieben zu
sein, wo ich es schon mal in diesen abgelegenen Ostteil des
Algonquinparks geschafft habe. Ich war von Ottawa ausgebrochen
undhatte nachmittags in Pembroke halt gemacht, einem von Wandmalereien
überfüllten Örtchen mit hübscher Strandpromenade. Da der Eintritt
in den Park Geld kostet und es schon spät war, entschied ich mich,
erst am nächsten morgen die fehlenden 30 km zurück zu legen – an
welchem mich leider der ärgste Regen erwartete. Zum Vormittag war es
ein wenig besser, so dass ich trotzdem zum Sand Lake Entrance des
Parks fuhr, einem beinah versteckten Eingang nach langer Dustroad, den
nur vergleichsweise wenige Touristen in den Park (der größer als eine
der kanadischen Provinzen ist) nehmen. Immer wieder blieb es für ein
Weilchen trocken, so dass ich erst den Canyontrail (mit grandioser
Aussicht auf selbigen, direkt an der Steilküste stehend in den
wolkenverhangenen Canyon blickend) und dann den
„Cheatertrail“ (trotzdem noch über eine Stunde) zu den High Falls nahm
– wo mich eine Ansammlung von Wasserfällen und natürlicher Rutschen
zwischen durchschwimmbaren Fluss-Pools erwartete. Leider blieb das
Wetter aber bis zum frühen Abend wechselhaft und so wurde ich immer
wieder durch neue Regenfälle überrascht (bzw nich, denn inzwischen
erwartete ich sie ja). Abends ging ich dann zu eben jenem „Inside
campground“, und nur der lange, unebene und matschige Weg und die
vielen Moskitos erklärten, warum die anderen Gäste lieber am
etablierten (teuren) Campingplatz blieben.
Nur knapp über drei Stunden war diese Einsamkeit entfernt von einer
derart erschlossenen Region, dass nur vereinzelte (wortwörtliche)
Inseln der Masse von Privateigentum gegenüberstehen: den 1000 Islands,
jenen, die eigentlich fast 2000 sind, jenen, wo das Dressing herkommt,
jenen, die schon die ganze Tour über ein Punkt der Vorfreude gewesen
waren. Zuvor machte ich jedoch einen Abstecher ins „Upper Canada
Village“, einer Art Living Museum, in dem Häuser und Lebensweise von
1860 bewahrt werden, nachdem 1965 bei der Staudammflutung des St
Lawrence Rivers zahllose Häuser umgesiedelt werden mussten und dabei
ein paar alte Schätze den Weg in dieses neu geschaffen „Dorf“ fanden.
Zahllose dem Zeitalter gemäß sich verhaltende und kleidende Leute
laufen neben den Besuchern umher, erklären auf Nachfrage alles, gehen
aber gleichzeitig einem „normalen“ Leben von damals da – im Sägewerk
wird Das Holz für neue Hütten präpariert, in der Bäckerei das Brot
fürs Restaurant gebacken und die Näherin macht die Kleider für die
schauspielenden Dorfbewohner. Wenn man sich Zeit nimmt, kann man (wie
in meinem Fall) da schon einen halben Tag drin vebringen.
Von dort fuhr ich nach Brockville, wo es außer einem alten
Eisenbahntunnel um ehrlich zu sein nicht viel zu sehen gibt, den Abend
aber doch noch ganz angenehm machte. Am nächsten Tag erreichte ich
schließlich die Kernregion der 1000 Islands, und ließ es mir nicht
nehmen, mit einer Bootstour von Rockville durch die von
Millionärsvillen dominierten Inseln zu fahren – darunter Heart Island,
auf der der ehemalige (preußische) Waldorf Astoria Besitzer seiner
Frau ein Rheinland-style Schloss baute, das von Billardzimmer bis Pool
und Spielturm für die Kinder alles beherbergte, was ein Millionar von
damals eben so brauchte. Leider starb seine Frau kurz vor Vollendung
des Schlosses und er ließ das Prachtstück vor sich hin verrotten, bis
die Nationalparkverwatung Bridge Authority der internationalen Brücke
zwischen Kanada und Usa die Insel aufkaufte.
Schön und gut, aber den eigentlichen Flair der Insel bekam ich doch
erst mit, als ich gestern in Gananoque, einem Uferstädtchen mit
Farmers Market, kostenloser Musik im Park und Open Mic im Pub
(magischer Anziehungspunkt für mich) ein Kayak mietete und den ganzen
Tag über von einer Insel zur nächsten paddelte, um die Region so
kennenzulernen, wie es kein Ausblick von der internationalen Brücke es
ermöglichen kann. Und tatsächlich, wenn auch der Großteil wie gesagt
im Privatbesitz ist, so sah ich doch einige herrliche kleine und
Mittelkleine Inseln, betrat fünf im Nationalparksbesitz befindlche und
spazierte über die ruhigen Wanderwege, durchquerte ein welliges Stück
See bis Thwartway (kurz vor der Us-Grenze) und entdeckte einen
unbesuchten Strand, an dem ich es mir gemütlich machte, sah eine als
Open Air Kathedrale benutze Felsformation und ärgerte mich daruber,
dass man an keinem Punkt je ganz dem Motorgeräusch von Jachten und
Jetsky entfliehen konnte. Ich denke, näher konnte ich all dem, was
diese Region
ausmacht, nur schwer kommen (außer per Über-Nacht Ausleihe des
Kayaks und campen auf den Inseln… Nächstes Mal! 😉 )
Und so konnte ich heute zufrieden das letzte Stück mit diesem Auto bis
Kingston zurücklegen, wo mich tatsächlich eine bequeme Couch bei
einer freundlichen Couchsurferin erwartet – ein Luxus, der nach
mehreren Tagen im Auto schlafen umso wertvoller ist.

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Radfahrerpech, Anhalterglueck und zwei Naechte im Gefaengnis

So, nachdem gerade nach einem ewig langen Blogeintrag der Computer entschied, sich einfach mal auszuloggen, schreibe ich jetzt leider nicht noch mal alles so ausfuehrlich. Schade… Stattdessen hier die Stichpunktartige Kurzfassung:

– Zwei Radtage wieder auf Highway-Seitenstreifen, erst im Regen, dann mit Plattem, der sich trotz vermehrter Versuche partout nicht flicken lassen wollte
– zwei Mal gerade so nahe den Felgen in den Zielort eintrudeln, beim zweiten Tag auch nur dank mehrmaligem Aufpumpen zwischendrin
– In Montebello nicht wie angekuendigt einen Rad-Laden gefunden, so dass die Reparatur noch immer nicht moeglich war
– In Kombination mit a) schlechten Radrouten und b) dem Gefuehl, nicht mehr zwischendurch fuer interessante Dinge anhalten zu koennen und es einfach nicht mehr zu geniessen, mich schweren Herzens von meinem Rad getrennt (hier kam im urspruenglichen Text ein langer, emotionaler Abschnitt ueber die Dienste, die es erst Chili und dann mir geleistet hat)
– Das Rad der Montebelloer Allgemeinheit (mit Schildchen) hinterlassen
– Von dort aus mit Schild „Ouest“ fortgetrampt
– Von einer Schulbusfahrerin (in ihrem Privatauto) mitgenommen worden, die spontan entschied, doch zu Ikea in Ottawa zu fahren und mich dorthin mitzunehmen (da ich die Adresse per Handy rausfinden konnte)
– In Ottawa im Gefaengnis uebernachtet – nein, keine Angst, der ehemalige ist jetzt eine Jugendherberge, auch wenn noch die Metallgitter vor den Fenstern haengen
– Das Parlament von „Westminster of the Wilderness“ von innen und aussen bewundert, samt der abendlichen Lichtshow auf der Fassade des riesigen Gebaeudes ueber die kanadische Geschichte
– Durch die Strassen des By-Marktes geschlendert, kostenlos Inuitausstellungen in Museen betrachtet
– Bei einem Open Mic teilgenommen und nachher spontan mit ein paar Ottawaern trinken gegangen (darunter einer Montrealerin, die mit dem Rad hier her gekommen ist 🙂 )
– Mich entschieden, die letzte Woche vor Toronto ein Auto zu mieten, um noch einmal mehr Zeit an den eigentlichen Orten und weniger Zeit auf den Highways dazwischen zu verbringen

…und jetzt geht es auf in Richtung Algonquin Nationalpark. Sorry fuer die Kurzfassung, aber wenn ich das nochmal alles geschrieben haette, wuerde ich wahrscheinlich die Checkout Zeit des Hostels verpassen… 🙂

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Kunst und Sport

Die letzten 100 Kilometer haben mich weiter von Montreal weggebracht, als die blosse Nummer vermuten liesse. Jenseits der bilingualen Grossstadt ist die Kommunikation schwieriger, aber das Leben trotzem leichter. Mein schwer bepacktes Rad (zu viel Essen mit, musste ich noch ueber die drei Packtaschen draufspannen) in die Banlieu-Bahn nach Saint Jerome gewuchtet, liess ich die Stadt hinter mir, in der es mich noch bis Samstag frueh gehalten hatte – zu verlockend die Aussicht, noch einen Abend mit den Zimmernachbarn des Hostels feiern zu gehen (darunter sehr entspannt und umsonst am oeffentlichen Strand beim Clockhousetower), in den gut ausgestatteten Lebensmittellaeden im Plateau Zeug fuer unterwegs zu besorgen und mit dem Rad zur Westseite des Mont Royals zu fahren, um bei der Sacre Coer-esken Saint Joseph den Sonnenuntergang ueber der sich bis an den Horizont erstreckenden Metropole (da stellt man immer fest, wie viel groesser als der vielbefahrene, Metroerschlossene Innenstadtbereich so eine Grossstadt doch ist) zu beobachten.
Fuer die naechsten Tage sollte der „Petit Train du Norde“ meine Strecke sein, und ich habe es bis jetzt nicht bereut, die Route diesbezueglich geaendert zu haben. Mitten durch die Laurentides schlaengelt sich diese ehemalige Bahnstrecke, die in eine grossteils von gruen umgebende Radstrecke verwandelt wurde, und auch, wenn gerade die ersten 60 Kilometer nahezu ueberwiegend bergauf gingen, war die Steigung doch verhalten, gemessen an der geologischen Region in der ich mich befinde. Am Samstag schaffte ich es so bis zum kleinen Staedtchen Val David, in dem man mir in Saint Jerome ein Hostel nur wenige Minuten vom Ortszentrum entfernt empfohlen hatte. Und tatsaechlich: als ich nach packen, Metro, Banlieu-Bahn und vierzig Kilometern (fast nur) bergauf radeln die Herberge erreichte, wollte ich meinen Augen kaum trauen – fuer weniger Geld als der naechste Zeltplatz bekam ich hier ein bequemstes Dormbett (war aber der einzige im Raum, also eigentlich ein Einzelzimmer) im rustikal gehaltenen Holzhaus mit Kamin, grosser Kueche zur Benutzung und Billardtisch im Keller, Haengematte im Vorgarten und Katze im Wohnzimmer… ich wollte gar nicht mehr hinaus! Bin ich dann aber zum abend doch noch, weil das Wetter so herrlich (und fuer morgen alles andere als sonnig angekuendigt) war, und ich doch noch ein wenig im trockenen das alternative Kuenstlerstaedtchen bewundern wollte. Ich sage ja gerne, die Kunst ist in der Provinz, und nirgends trifft das mehr zu, als in Val David. Nicht nur wegen dem sonntaeglichen Regen, sondern auch wegen dieser Atmosphaere blieb ich gerne eine weitere Nacht vor Ort, auch wenn die Mitgaeste am zweiten Abend nicht ganz so sozial-kuenstlerisch gesinnt waren.

Nur eine kurze Aufzaehlung, was Val David zum bisherigen Kunst-Stopp meiner Reise machte:
– Die Ausstellung „1001 Pots“ von kanadischen Tonkuenstlern, die zu einer festen Instanz
geworden ist und eine Art Toepferszene hervorgebracht hat, die ihresgleichen sucht
– Der erste Abend im Hostel, an dem abwechselnd ein montrealer Akademikerpaerchen franzoesischsprachige Quebecker Singer/Songwriter Lieder auf der Gitarre coverten und ein Maedchen einer auf Reisen befindlichen Inuit-Gruppe Inuktitut-Volkslieder anstimmte
– Der Jardin du Precambrien (etwas ausserhalb der Stadt, so dass ich im Regen hintrampen musste, weil ich bei diesem Wetter keine Lust auf Fahrrad hatte), eine auf Nationalparkgelaende liegende Ausstellung, wo Kuenstler die Natur des Waldes zu Kunst werden liessen (kann man wirklich schwer beschreiben…)
– Nachdem ich abends auf ein Konzert in einer der Bars gewartet hatte (was schon nachmittags gewesen war) und gerade zum Hostel zurueck wollte, improvisierten einer der Toepfer (und gleichzeitig Gitarrist) und eine im Wohnwagen lebende Gitana (= Zigeunerin, wie sie sich selbst nannte, aber ohne negative Konnotation) mit fantastischer Gesangsstimme auf der Terasse des Lokals und luden mich dazu ein, so dass im Laufe des Abends eine Jamsession mit Trommel, Raps, Gesang und Gitarre entstand

Wer weiss, was noch passiert waere, bliebe ich laenger. Doch die Strecke rief mich weiter, und so stand der Montag unter sportlicherem Vorzeichen: nachdem ich mein Tagesziel, das 50km entfernte Mont Tremblant schon am Mittag erreichte (gut, ab Kilometer 70 verwandelte sich die bisherige Bergauf-Strecke in grossteils abfallendes Gelaende, ausserdem bin ich frueh losgefahren… hab mich trotzdem sportlich gefuehlt), und auch hier eine Jugendherberge fand, die preislich unter dem Campingplatz lag (krass, Kanada, krass!), ging ich erstmal eine schoene Runde im angrenzenden See schwimmen und trampte dann noch zum 3km entfernten Village am Fusse des gleichnamigen Berges. Eigentlich reizte mich die viel beworbene Zipline (was ich ja schon in Lateinamerika gemacht hatte), aber 100$ waren mir dafuer dann doch zu viel. Als ich feststellte, dass auch die simple Seilbahnfahrt von dem touristisch orientierten Village voller Restaurants und aufgehuebschter Haeuser bis zum Gipfel gut 20$ kostete (und die letzte Bahn hinab um 5 Uhr ging, so dass ich kaum eine Stunde oben haette. (Durch das Schwimmen und Trampen war es spaet geworden). Morgen sollte es aber bewoelkter werden. Also entschloss ich mich kurzerhand, ausgestattet lediglich mit der Jutetasche mit Wasserflasche, Sonnencreme und Kamera (und ein bisschen wander-ueberfluessigem Kleinzeug), stattdessen hoch zu laufen, dann koennte ich schliesslich so lange oben bleiben, bis ich sonnenuntergangsbedingt wieder hinunter musste. Das hiess: 2 Stunden hochlaufen, 1,5 Stunden (auf anderem Weg) wieder runter, da blieb mir oben letztlich auch nur eine halbe Stunde, wenn ich bis 8 wieder im Village sein wollte, aber gelaufen waere ich dafuer schon genug. Gesagt getan, und so erreichte ich nach einer herrliche Aussichten bietenden, aber furchtbar anstrengenden 6 Kilometerstrecke den Gipfel. (Fotos kann ich leider immer noch nicht hinzufuegen mangels SD Kartenslot). Passend um acht (ich bin echt zu deutsch manchmal) war ich zurueck und nahm den Bus zurueck zur Herberge, wo ich froh war, dass ich noch genug Leftoverfood vom Vorabend hatte, dass sich schnell erwaermen liess, so dass der Tag entspannt am See sitzend ausklingen konnte – und morgen geht es schon wieder weiter, wohin, das weiss ich selbst noch nicht so genau. Aber das sind ja oft die besten Tage.

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Ein bisschen Frankreich in Kanada

Wenn die Bedienung im Café dich plötzlich nicht mehr versteht, wenn Burger King durch Bistró ersetzt wurde, Autofahrer (großteils) die
zweirädrigen Kollegen respektieren und man frisches Baguette selbst im ländlichen General Store findet, dann ist man in Quebec, der
französisch geprägten kanadischen Provinz, deren südliches Ende wir letzte Woche endlich erreichten. An der Grenze beäugte man die zwei
Radler zwar etwas, winkte sie dann jedoch durch, ohne weitere Schwierigkeiten zu machen. Keine hundert Meter hinter der Grenze
erwartete uns das Glück in Form von einem französischem USA-Durchradler, der kommende Woche von Chicago nach San Francisco reisen wird, und gerade mit Freunden einen Ausflug am Lake Champlain machte – prinzipiell aber in Montreal wohnt. Er war natürlich furchtbar interessiert, wie das bei uns alles so läuft, und bot uns im Laufe der Unterhaltung an, dass wir in Montreal natürlich auch gerne bei ihm unterkommen könnten. Wir tauschten Kontaktdaten aus, und hatten tatsächlich unsere Übernachtung in Montreal am Sonntagabend sicher. Zuvor radelten wir jedoch unter stärkstem Gegenwind nach Saint Jean zur Richelieu, einem kleinen, sehr französischsprachigen Städtchen in der Mitte der Strecke, wo ein Campingplatz auf uns wartete, der bis auf die gesprochene Sprache beinah aufs Haar jenem in Alburg glich: Übergroße Wohnmobile, Vorgärten wie in einer Kleinstadt, Pool, Seezugang (hier allerdings mit Hollywoodschaukel) und abendliches Mueckenmittelbenutzen. Da wir aber die Strecke zuvor mit gutem Tempo durchgezogen hatten, konnten wir tatsächlich einen Nachmittag dort verbringen, kochen und frisches Obst einkaufen und uns für die letzte, lange Strecke bis Montreal entspannen. Natürlich hatte der Wind gerade an diesem Tag sich so gedreht, dass er uns nun nicht mehr von Norden entgegenkam, sondern von Westen (da dies unsere neue Reiserichtung war) und so strampelten wir uns noch einmal die Knie wund. Der ausgewiesene „Grüne Weg“, mit dem Quebec gerne angibt, war zwar weniger befahren als so mancher Biketrail in New York, aber bestand letztlich doch Größtenteils aus einfachen Ueberlandstrasen mit relativ schmalem Seitenstreifen. Dass wir jedoch ab der Hälfte der Strecke bereits die Skyline der bilingualen Grossstadt sahen, motivierte uns jedoch ungemein, und auch wenn sich das letzte Stück, auf der anderen Flussseite gelegen, durch einige hin und herführende Brücken noch einmal ewig hinzuziehen schien, gab es mit Erreichen der Metropolregion tatsächlich richtige Fahrradwege, die die fahrradfreundliche Stadt quer durch ihr Hoheitsgebiet gezogen hat.
Verschwitzt und fertig vom Gegenwind, aber glücklich über das erreichte Ziel, kehrten wir schliesslich am hübschen, alten Hafen der Stadt in ein Bistro ein und freuten uns, nun nur noch die Adresse von unserem Host dem US-Durchradler finden mussten, um mit Dusche und Bett belohnt zu werden.
Das dauerte natürlich noch eine Weile, und da er selbst erst an diesem Tag vom Lake Champlain zurück kam, vertrieben wir uns bis neun Uhr abends im sehr hübschen Viertel um die Rue Mont Royal die Zeit (was mit bepackten Rädern auch nur eingeschränkt geht). Da er kein Handy besitzt, mussten wir Starbucks-Internet anzapfen, um ihm zu schreiben, in welchem Apartment er denn wohne und ob er schon da sei (wir hatten nur die Hausnummer, und an den Klingeln standen keine Namen). Irgendwie mussten wir beim Mails checken gerade die Antwort verpasst haben, jedenfalls kamen wir (kurz vor der Enttäuschung, dass er vielleicht doch noch nicht hier sei und wir ein Hostel suchen müssten) doch noch herein, in dem ich einfach mal ein paar Apartments durchklingelte. Unser Radler war ein fantastischer Host, der sich nicht ausreden liess, auf der Couch zu schlafen um uns das Bett zu überlassen, und uns ausgerüstet mit Schlüsseln für die Hintertüre tun und lassen liess, was immer uns beliebte. Wir verbrachten einige angenehme Gespräche mit Bier auf der Terrasse, gaben ihm Packempfehlungen für seine Reise und gingen zusammen essen, nahmen seine Empfehlung für Poutin, die montrealer Stammspeise (eine Art weichgekochte Pommes mit sehr matschiger, aber gar nicht so schlechter Sauce und Käse) an und sind überaus dankbar für all die anderen kleinen Tipps, die er für uns bereithielt.
Wir verbrachten noch eine schöne Zeit in dieser herrlich entspannten Stadt, in der selbst die gelegentlichen Regenfälle der letzten Tage uns nicht daran hinderte, Einiges zu sehen, darunter:
– Den Mont Royal, von dem aus man eine herrliche Aussicht auf die ganze Stadt hat, während ein begabter junger Mann an einem frei herumstehenden Public Piano spielt
– Die skylinebereichernde Kuppel der Biosphere, einem an sich furchtbar toll gestalteten Umweltmuseum (auch wenn es uns nicht allzu viel Neues erzählte)
– Die europaeisch-franzoesisch anmutende Altstadt mit Notre Dame Kathedrale, strassenmusikantenbevoelkerten Plätzen und Kopfsteinpflasterstrassen
– Das hippe Viertel um den Mont Royal, in dem sich Creperien, Cafes, Restaurants und kleine Laedchen aneinanderreihen

Gestern morgen endete dann der gemeinsame Abschnitt unserer Reise, und Chili nahm eine Bahn zurück nach New York, von wo aus sie heute hoffentlich wohlbehalten nach Berlin zurück fliegt. Es war eine gute Zeit, und das gemeinsame Reisen hat manches leichter, manches schwerer gemacht, wie verschiedene Arten des Reisens nun immer ihre Vor und Nachteile haben. Ich bin auf jeden Fall froh, dass sie diesen Abschnitt der Reise mit mir geteilt hat und bin gespannt, ob die kommenden Wochen ähnlich aufregend werden.
Zunächst blieb / bleibe ich erstmal ein paar Tage in Montreal, wo ich noch den botanischen Garten und so manches Viertel der Stadt durchstreifte, vom Clocktower am Hafen aus über die Altstadt blickte und am Stadtstrand am Fluss entspannte. Ausserdem brachte ich eines der Fahrräder weg (tatsächlich meins, da Chilis etwas besser ist und mir noch gut dienen wird) – der ursprünglichen Idee folgend, fuhr ich es zu einem Thrift Shop der Salvation Army, die es mit grosser Freude entgegennahmen, und von wo es hoffentlich jemanden finden wird, dem es noch für lange Zeit etwas bringen wird. Dann zog ich bei unserem USA-Durchradler aus, da ich während seiner aktuellen Arbeite- und Reisevorplanungszeit nicht noch länger sein Schlafzimmer okkupieren wollte, und kam im sehr empfehlenswerten Hostel „M Montreal“ unter. Gestern Abend stolperte ich noch zufällig über eine Performance einer Circusartistikgruppe, die zum derzeitigen Festival in der Stadt (eines der gefühlten 10.000 Festivals die Montreal den Sommer über veranstaltet) an der nächsten Metrostation auf mehrere Stockwerke hohen Gerüsten herumturnten. Bis Samstag morgen habe ich nun noch mein Zimmer verlängert, dann geht es auf den nächsten Abschnitt der Route, die ich angesichts der ausgiebig beschriebenen Strassenlage stark geändert habe – aber dazu später mehr.
Jetzt geniesse ich noch ein wenig die Vorteile einer Grossstadt, bevor es mich in die Wälder Kanadas zieht, das Gepäck nurmehr auf einen Gepaecktrager gezurrt und verstaut. Nächstes Zwischenziel (über Umwege): Ottawa.

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Lake Champlain oder wie man durch Unglück tolle Leute kennenlernt

Die Tage, an denen wir verzweifelt einen Schlafplatz für die Nacht
suchten, sollten noch nicht vorbei sein. Dabei hatten wir doch extra
in Boston Campingplätze für die nächsten vier Tage rausgesucht, um
nicht wieder kurzfristig auf ein teures Hotel umsteigen zu müssen.
Während wir jedoch unseren Mietwagen Richtung Norden zurück fuhren,
verriet uns die der Anrufbeantworter des Little River Camps, dass sie
für die nächsten 2 Wochen völlig ausgebucht sein – immerhin war ja
die Woche des 4. Juli, da sind wir nicht die einzigen Camper. Wir
entschieden uns, trotzdem dorthinzu fahren und persönlich zu fragen,
vielleicht wüsste man ja dort einen alternativen Platz in der Nähe,
immerhin hatten wir ja noch die letzte Nacht ein Auto. Wir nahmen
also, wie zuvor notiert, den Exit 10 auf der Interstate 89, fanden
dahinter jedoch weder die erwartete Route 10, noch den Campingplatz,
sondern landeten in einem kleinen Ort am See, in dem es nicht viel
mehr gab als einen Grocerie Store und ein Inn. Das ältere Pärchen,
das wir bei ersterem fragten, schlugen überrascht die Hände an den
Kopf: „You’re in the wrong state!“ riefen sie theatralisch, „ihr seid
nicht in Vermont, sondern in New Hampshire!“. Wie wir später
herausfanden, hätten wir einfach die I89 eine Weile weiterfahren
müssen und dann den Exit 10 nehmen müssen – die werden nämlich in
jedem Staat neu durchnummeriert. Nach ein bisschen rumtelefoniere
stellte sich heraus, das auch alle Campgrounds hier in der Gegend voll
waren, und so fragten wir verzweifelt den Inn-Besitzer, ob man nicht
(gegen Geld) das Zelt im Garten des Inns aufschlagen könne. „Da oben
ist eigentlich genug Platz“, sagte er, „aber das müsst ihr mit dem
Kerl abklären, dem ich die Hütte dort vermietet habe, sein motorrad
steht da, er müsste also zuhause sein.“
Der Motorradfahrer war ein netter Kerl, der damit überhaupt keine
Probleme hatte, aber er müsse seine Freundin fragen, die gerade noch
in einer Gärtnerei arbeite aber bald zurück kommen müsse. Wir
hinterließen dankend unsere Nummer und gingen eine Runde in dem
herrlich erfrischenden See schwimmen – bis er vorbeikam und meinte,
das ginge klar, und wir könnten gerne das Zelt aufbauen. So
verbrachten wir einen Abend am wunderschön ruhigen, warmen See,
unterhielten uns mit dem Motorradfahrer und der Gärtnerin, bestaunten
ihre herrlich eingerichtete, wohnliche Hütte und schlugen unser Zelt
auf.
Am Mittwoch mussten wir dann das Auto in Burlington zurückgeben und
packten dort wieder unsere guten alten Räder, die die letzten Tage eng
im Kofferraum verstaut verbracht hatten. Diesmal hatten wir
tatsächlich eine Reservierung für einen Campingplatz auf der Insel
South Hero im Lake Champlain ergattern können, und so fuhren wir
hochmotiviert los. Nachdem wir endlich Burlingtons Zentrum erreicht
und den highway hinter uns hatten, wurde es die wohl schönste Strecke
unserer Tour. Wir aßen Tortellini in der Burlingtoner Fußgängerzone,
ließen uns dann zum Ufer runterrollen und stießen dort auf den
Burlington Bikeway, der diesen Namen wirklich verdient – eine alte
Bahntrasse, die in einen Fuß- und Radweg umgewandelt wurde. Am
nördlichen Ende der Bucht geht der Weg weiter auf eine aus Schutt
aufgebauten, reich bepflanzten Passage, auf der früher die Bahn den
gut 4 Meilen Abschnitt See bis zur Insel überbrückte – und den wir
nun in voller Ruhe hinabradeln durften, bei Ausblick auf den riesigen
Lake Champlain. Kurz vor Ende der Passage überbrückt eine Radfähre
die Lücke, die für passierende Schiffe gelassen wurde, und so kamen
wir glücklich beim Camp am Südende der Insel an, welches den Tag noch
runder machte. Viel Platz, grüne Wiese, Seeblick und ein kleiner
Strand… Da wir für morgen eh noch keine Bleibe hatten, entschieden
wir uns, zwei Nächte zu bleiben. So war vorgestern ein schöner,
Gepäckfreier Tag, an dem wir über die Insel fuhren, Maplesoda von
einem kleinen Bauernhof tranken, schwammen und uns gemütlich Mittag
kochten. Abends brachen leider alle Regenwolken auf, so dass wir in
eine Gemeinschaftshütte flüchteten, dort aber dafür ein junges
Kunstleherpärchen trafen, die mit uns Billard spielten,
Schauermärchen erzählten und uns lokalen Blüten-Gin spendierten. So
hatte der Regenschauer doch noch etwas Gutes – auch wenn der Regen die
ganze Nacht immer wieder kam, einige unserer Sachen durchnässte und
eine der Zeltstangen unterm Wassergewiht brechen ließ. (Zum Glück
nicht so schlimm, dass es nicht flickbar wäre).
Mit entsprechender Wetteraussicht fuhren wir gestern los, um eine
passable Strecke bis nach Alburg (dem nächsten Camp) zurück zu legen.
Das Wetter meinte es jedoch gut mit uns und wir blieben on größerem
Regen verschont – weil der starke Wind es alles an uns vorbeischob
bevor es abregnen konnte. Leider hieß das 26 Meilen Gegenwind auf den
drei Inseln, die wir überquerten, und das auf einer längst nicht so
schönen Strecke wie zuvor. Hätten wir keine Reservierung für Alburg
gehabt, wir hätten wohl vorher aufgegeben. So jedoch erreichten wir
das Camp voller Wohnmobile von Hausgröße (viele scheinen ganz hier zu
wohnen), genossen Pool und Sandstrand mit herrlichem Blick über den
See, an dessen Rotgefärbtem Himmel die Unabhängigkeitstag-Feuerwerke
am Horizont von einem guten Dutzend Städte aufleuchteten. Kompensation
für einen langen Tag: gelungen.