Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Deutschland-Reise: Das Rheinland

Ein wenig Heimspiel war es für mich, sich im Zuge unserer Deutschland-Reise auch dem Rheinland zu widmen. Sonntag vormittags erreichten wir Köln, wo wir in der leeren Wohnung von Julia und Giovanna wohnen durften – Julia konnte uns gerade noch den Schlüssel, eine Serviette mit Köln-Stadtkarte und einige Tipps geben, bevor sie nach Berlin aufbrach und uns die Wohnung auf Gedeih und Verderb überließ. Den Luxus einer „eigenen“ Wohnung nutzten wir erstmal, um Anusch, einen Schulfreund Torbens einzuladen, der eigens von Essen herunterfuhr, um mit uns zusammen dann die 533 Stufen des Kölner Doms zu erklimmen und auf das verregnete Köln herabzublicken und kindische Fotos in der Schokoladenfabrik zu machen. Ohne Anusch hätte dieser Schlechtwetter-Tag sicherlich nicht gerade eine gute Erinnerung an die Rheinstadt hergegeben. Glücklicherweise wurden wir am Montag nach Frühstück mit meiner Schwester Silja mit Sonnenschein überrascht, und die Stadt wirkte gleich ganz anders, als wir durch die Innenstadt schlenderten, die Uni anschauten und uns in Parks und Plattenläden die Zeit um die Ohren schlugen. Leckeres Gulasch-Abendessen gibt’s übrigens in der Puszta-Hütte am Neumarkt. Abends wurde dann die Reisekasse ein wenig durch einen Auftritt meinerseits beim Kunst gegen Bares im ARTheater in Ehrenfeld aufgebessert und gleich nebenbei mein unterwegs entstandener Text vor Publikum getestet. Noch anschließend legten wir den wahrscheinlich kürzesten Streckenabschnitt zurück, um nachts um zwölf bei meinen Eltern in Sankt Augustin anzukommen. Neben dem Verzehren guter Mahlzeiten und dem Verstauen zweier Boxen im Kofferraum verbrachten wir unsere Zeit damit, das seit einer Woche verlassene Kloster Siegburgs und seinen Abtei-Likör-Keller (gleicht mehr einer Garage) zu besuchen, mit meiner Schwester Jelka Musik aufzunehmen und dumme Sprüche zu machen. Nun gut, das machen wir natürlich nicht nur in Sankt Augustin. Aber hier wurde auch ausgiebig daran teilgenommen.
Dienstag Abend fuhren wir dann zu einem spontan per Schnick-Schnack-Schnuck ausgewählten nächsten Ziel. Eigentlich sollte es ja an den Vulkansee von Maria Laach gehen, doch das derzeitig unstete Wetter veranlasste uns zu einer kleinen Planänderung. So schlugen wir erstmals unser mitgebrachtes Zelt am Campingplatz zu Fuße der Marksburg in Bacharach südlich von Koblenz auf. Nach Köln und Sankt Augustin erreichten wir hier in gewisser Weise das Herz des Rheinlandes, aßen Dosenessen am Fluss und betrachteten den Sonnenuntergang. Am Mittwoch erklommen wir dann die Marksburg und integrierten so gleich nebenbei noch das Mittelalter in unser während der Reise erlerntes, freuten uns über das ausgestorbene, aber hübsche Fachwerkhäuser-Städtchen und fuhren nachmittags weiter zum Felsen der Loreley. Torben war begeistert vom erstmals so kennengelernten Rheinland und der Spruch „wir müssen mal hier für länger zurückkommen“, fand auch hier wieder seinen Platz. Und ich, ich fühlte mich fast ein wenig heimisch…

Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Deutschlandtour: Münster. Und Bielefeld auch.

Wir müssen jetzt endgültig diese Legende aus der Welt fegen: es gibt Bielefeld. Wirklich. Glaubten wir erst auch nicht. Dafür gibt es dort schlecht gekochtes Essen. Unser Nudelauflauf hatte jedenfalls mehr was von Filmabend-Crackern. Wie auch immer, wir besuchten meine ehemalige Studienkommilitonin Marie in ihrer durchgeknallten WG, und obwohl das Zurechtfinden in der mancherorts überdimensionierten Stadt manchmal (für Marie) schwer war, fanden wir sogar zur Burg hoch. Ansonsten bietet Bielefeld ehrlicherweise wenig Berichtenswertes, außer einer dystopisch anmutenden Campus-Uni für 20.000 Studenten in einem einzigen, riesigen 70er-Jahre-Kasten. Leicht abstrus. Zum Glück wurden wir auf Derbste in Bielefelds wahrscheinlich Sitcom-reifster WG unterhalten.
Münster bot dann erwarteterweise mit niedlicher Innenstadt auf, kleinen Gässchen mit zahllosen Kirchen (wir gaben uns ein wenig Kulturprogramm), kleinen Lädchen und Mädchen mit Blumensträußen auf Fahrrädern. Hier trafen wir auch meine hallische Mitbewohnerin Johanna und ihren Freund Kamil, welcher gestern mit seiner Lossprechung eine fertige Ausbildung feiern konnte. Zusammen den Hafen entlanglaufen, in Bars rumhängen und im „Puschkin“ abtanzen verlieh der Stadt noch den nötigen persönlichen Flair, und der einzige Grund zur Klage wäre gewesen, dass wir gegen halb zwei die Party verlassen mussten (früh aufstehen am nächsten Morgen…), wurden dafür aber von einem frisch gemachten Bett im Wintergarten der Kuglers (Johannas Eltern) erwartet und am morgen mit reichlichem Frühstück verwöhnt. Da geht die Fahrt gen Köln doch gleich viel leichter… würde es nur nicht so viel regnen… nun denn, wir hoffen auf besseres Wetter.

Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Deutschland-Reise: Hamburg

Als wir erschöpft in unserem Hotelzimmer lagen, ausgelaugt von einer Besichtigungstour auf der wir gerade einmal Hafen-City und die Elbphilarmonie hatten sehen können, nach unserem privaten Kampf mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Einchecken in unserem ersten und hoffentlich einzigen Hotel auf unserer Reise, dachten wir, wir hätten schließlich den befürchteten Knick in unserer bisher so erfolgreichen Tour erreicht. In Hamburg angekommen, trafen wir uns mit Anke, einer Freundin Torbens aus alten Zeiten, die jedoch schon wenige Stunden später die Stadt gen Süden verließ. In einem Feinkostladen mit Restaurant, geführt von einer Freundin Ankes, bekamen wir nicht nur das wahrscheinlich beste Wiener Schnitzel im Norden Deutschlands, sondern auch ein paar Tipps für unsere Zeit in Hamburg von dem typisch hamburgischen Urgestein hinter der Theke. Nach erwähntem touristisch anmutenden Nachmittag ging es am Abend allerdings wieder steil bergauf, so dass wir am Freitag auch Hamburg mit einem mehr als guten Blick zurück verlassen können, und gerne noch länger geblieben wären – warum?
Nun, zuerst trafen wir uns mit Bo Flower aka Flo Bauer, einem seit inzwischen 14 Jahren aktiven Musiker, den wir aus der Hipp Hop Szene kennen, der aber inzwischen auch Kinderlieder produziert und so von der Musik leben kann. Wir interviewten ihn für unsere Stadtvögel-Sendung, wo er nun nicht nur in unserer Roadtrip-Sendung am 11.8. auftauchen wird, sondern im September auch in einer extra Sendung mit ausgiebigem Interview über sein soziales Engagement, seine derzeitige rosa Brille und die zwei EPs, welche er in diesem Sommer veröffentlicht. Die erste, „Wo Wo Wo“, ist ab dem 5.8. verfügbar, und läuft jetzt schon bei uns im Auto auf Rotation, die zweite ist eigentlich noch ein ganz geheimes Ding. In ganz Hamburg weisen nur mysteriöse magentafarbene Poster mit dem Titel „Magenta“ und dem Schriftzug „Bo Flower“ auf die gleichnamige EP hin, doch um was es sich da eigentlich handelt, das wird erst in wenigen Wochen öffentlich gemacht, und dann Mitte August zu kaufen sein. Wir sind selbst noch wahnsinnig gespannt, diese EP konnte er uns nämlich noch nicht geben, da sie eben noch gar nicht fertig ist.
Nach dem sich recht langziehenden Interview kamen wir mit lateinamerikanischer Pünktlichkeit nach Sankt Pauli, wo wir uns mit einem Freund Ankes trafen, der angekündigt hatte, umbedingt mit uns feiern gehen zu müssen. Und, ganz ehrlich: Bernd machte – obwohl wir ihn ständig wegen seines Alters aufzogen… – die Nacht zu einem fantastischen Ereignis. Solltet ihr mal nach Hamburg gehen, stellt sicher, dass ihr euch mit ihm trefft, er weiß wirklich, wie man in Hamburg zu feiern hat. Dass die letzte Bar, das „Bambi“, so ungefähr die besten Hip Hop Tranks aller Zeiten spielte, hinterließ natürlich auch eine entsprechende Begeisterung bei uns.
Nach entsprechendem Ausschlafen schlenderten Torben und ich heute dann noch an den Landebrücken der Elbe entlang, kehrten zu Kaffee und Tapas in einer Bar in der Schanze ein und zwangen uns, unsere Mitfahrer nicht hängen zu lassen, und nachmittags tatsächlich weiter Richtung Süden zu fahren, so gerne wir auch geblieben wären. Aber wiederkommen… das werden wir bestimmt!

Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Rostock und die Ostsee

Rostock StadtEs war ein weißer Fleck auf der Karte in unserem Kopf. „Wir müssen irgendwohin an die Ostsee“, dachten wir uns, und zuvorderst aus pragmatischen Argumenten schickten wir ein paar Couchsurfing-Anfragen an ein paar Rostocker. Dankenswerterweise nahm Laureen uns auf, und sorgte trotz ihrer derzeit arbeitsreichen Tage dafür, dass Rostock einige Pluspunkte in unserer mentalen Deutschlandkarte bekam. Kaum in den frühen Abendstunden angekommen genossen wir den Luxus einer privaten Stadtführung durch das Sonnenbeschienene Städtchen und ließen den Tag mit Essen im „Heumond“ und Cuba Libre auf ihrer Dachterasse ausklingen. Leuchtturm in WarnemündeAm Mittwoch verbrachten wir dann den halben Tag an der Ostsee in Warnemünde, Heiligendamm und Kühlungsborn, Torben und ich am Strandgingen in den (diesmal wirklich) kalten Fluten der Ostsee schwimmen, schlenderten durch die touristisch geprägte Altstadt Warnemündes, bewunderten die Strandvillen und -Hotels in Heiligendamm und fuhren dann von Kühlungsborn aus zurück nach Rostock.
Hier bekamen die Radiomoderatoren und Hip-Hop-Fans in uns ein besonderes Schmankerl: Laureen, die bei dem lokalen freien Radio „Lohro“ arbeitet, zeigte uns die Räume des gerade sechs Jahre jungen Radiosenders (im Vergleich zu Corax um einiges organisierter, aber technisch dafür noch nicht ganz so gut eingerichtet) und stellte uns Florian Zent vor, einem Rapper der Rostocker Gruppe „Sun of a Gun“, der dort ebenfalls eine Zeit lang eine Hip Hop Sendung moderierte. Wir schnappten unser Aufnahmegerät und machten nicht nur eine kleine Aufnahme für unsere Anfang August erscheinende On-the-Road-Sendung bei Stadtvögel zu machen, sondern gleich noch ein längeres Interview dran zu hängen, welches wir in eine spätere Sendung einbinden werden. Das wir Laureen als Dank für ihre Gastfreundschaft abends mit Ananas-Curry-Hähnchengeschnetzeltem bekochten, war in Folge natürlich Ehrensache, und passte außerdem in den Rahmen unserer hallischen Mittwochs-Kochabend-Tradition. Und wenn man schon eine Dachterasse zur Verfügung hat, muss dort natürlich auch der Abend ausklingen. Good times, ein weißer Fleck weniger auf der mentalen Landkarte, und in der Ostsee geschwommen, plus Stadtvögel-Hochgefühl. Und wir machten uns Sorgen, dass wir unser Level nicht halten können…

Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Deutschlandtour: Mecklenburger Seenplatte

Mecklenburger SeenplatteKontrast: 100%. Sonnenuntergang überm See statt Neonlichter, Vögelgezwitscher statt Menschenmassen, Grillen und Lagerfeuer statt Dönerbude. Auch das gehört zu Deutschland, und erfreulicherweise konnten Torben und ich dank der Gastfreundschaft von Ulrike und Marian Reinartz einen sehr schönen Aufenthalt in diesem herrlichen Ort an der Mecklenburger Seenplatte zu unserer Tour zählen. Fürstenberg, ein selbst zur Hauptsaison eher gemütlicher kleiner Ort, mag nicht viel mehr als eine nette Marktkirche zu bieten haben, doch was an Stadt fehlt, macht das Land mit Abstand wett. Montag machten wir uns mit dem Kanu auf, durchkreuzten zwei Seen und ein Stückchen Havel samt dem Fisch-Kanu-Pass mit seinen reißenden Fluten, gingen natürlich auch in den eiskalten Fluten schwimmen und entschieden uns spontan, uns die leerstehende Mischfutter-Fabrik, die den See säumt, aus der Nähe anzusehen. Fürstenberg MischfutterfabrikdBis aufs Dach des 42 Meter hohen Silos bahnten wir unseren Weg durch halbzerfallene Stockwerke durch Räume, in denen wir neben einer völlig intakten Schalttafel alles von 2006er Telefonbüchern bis zu SED-Direktivenheften aus den späten 80ern fanden, Regalschränke mit Tonbandaufnahmen und zurückgelassenen Ordnern, Spinde mit Pin-Up-Mädchen und DDR-Wandkarten. Der Geruch von Rattengift in der Luft, das Geräusch des vom Wind bewegten Wellbleches und knarrende Türen. Wir konnten uns kaum von diesem Prachtstück lösen, um zurück ins Hause Reinartz zu paddeln. Per Rad ging es weiter durch die Natur, eine alte Eisenbahnfähre am Wegesrand und zu viele Mücken in der Luft. Perfekter Abendausklang am Lagerfeuer mit Gegrilltem, Rotwein und langen Gesprächen bis in die Nacht, während die Fledermäuse nahezu lautlos über den dunklen See huschen.
Heute besichtigten wir dann die Gedenkstätte Ravensbrück auf der anderen Seite des Sees, wo die Nazis einst das größte Frauen-KZ des Landes betrieben, und vor allem politische Gefangene, aber auch Sinti, Roma und Juden aufgrund ihrer Abstammung in Verzweiflung und Tod trieben. All dies lässt sich kaum in angemessener Weise hier niederschreiben, doch ich möchte den Inhalt einer der Tafeln wiedergeben, der den wohl stärksten Impakt auf mich hatte:

Weihnachten 1944 bastelten einige der inhaftierten Frauen Puppen, um die nebenan internierten Kinder und Jugendlichen zu Weihnachten zu unterhalten – zuerst verbotenerweise natürlich. Überraschenderweise gestattete der Lagerkommandant auf eine mutige Anfrage jedoch tatsächlich, eine kleine Weihnachtsfeier für die Kinder durchzuführen: es gab ein Kasperletheater mit den Puppen, Musik, und einer der sonst gefürchteten Aufseher verteilte gar „Zuckerl“ an die Kinder, und versprach ihnen eine glorreiche Zukunft im kommenden, erfolgreichen Nazideutschland.
Im Januar 1945 wurden mehrere Tausend Kinder aus dem KZ Ravensbrück zur Vergasung geschickt.

Es blieben kaum Worte, die im Anschluss gesprochen werden wollten. Still radelten wir zurück auf die andere Seite des Sees. Die Schönheit des Sees, die strahlende Sonne und die rauschenden Bäume brauchen eine Weile, um meinem Hirn erneut einzureden, dass diese Welt ein schöner, guter Ort ist. Wir sollten trotz allem nicht aufhören, ihnen zu glauben.

Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Deutschlandtour: Berlin

Eine Deutschland-Tour kann kaum ohne Berlin auskommen – um nicht zu sagen: beginnen. Und deshalb starteten wir unseren Trip mit der Hauptstadt, wo wir am Abend des 16.7. bei meiner Cousine Grusche und ihrem Mann Robin ankamen. Und ja, wir hatten ja damit gerechnet, dass zumindest einer von uns beiden sich auf dieser Tour verlieben wird – aber das es uns gleich beide direkt am ersten Ort erwischt… Luna Nothdurft-Zuñiga verdrehte Torben und mir gehörig den Kopf, mit ihren scheinbar willkürlich aus Spanischem und Deutschem zusammengesuchten Sätzen und einer schier unaufhaltsamen Energie. Rompe corazones, bestätigten wir den stolzen Eltern nur allzu gerne.
Zusammen mit Robins aus Chile angereister Schwester Jessica, die sich zur Zeit ebenfalls in Berlin aufhält, unterhielten wir uns ausgiebig über chilenischen Pisco (der natürlich nicht so gut ist wie der peruanische… ehem…) und ähnlich wichtige Dinge und freuten uns, wenn Luna ganz alleine die Spielplatzrutsche bis nach oben hochkletterte.
Doch selbstverständlich wollten wir trotzdem noch ein wenig mehr von Berlin mitbekommen außer Kreuzbergs Spielplätze voller Jan-Hendriks und Finn-Oles (die wir angesichts Luna ohnehin ignorierten), und so trafen wir uns nach einem kurzen Schwenk durch das Viertel mit Manuskript und Sinok, zwei Musikern, welche wir im Übrigen auch in unserer nächsten Stadtvögel-Sendung mit einigen anderen Musikern im Studio vorstellen werden. Sinok kommt nämlich aus Halle, und Manu wohnte bisher in Leipzig, so dass es fast wie ein Treffen mit alten Bekannten war. Gemeinsam gingen wir zum sonntäglichen Flohmarkt im Mauerpark, schlängelten uns durch die Menschenmassen und blieben an jedem Stand mit Schallplattenkisten stehen, der uns in den Weg kam. Zum Glück stehen wir da alle so drauf, sonst wären wir schnell voneinander genervt gewesen. Ich erstand auch gleich mal zwei Vinyl, die ich schon voller Vorfreude auf das Durchhören zurück in Halle in meinem Gepäck verstaute.
Anschließend trafen wir Andrea, eine Berlinerin (was ja in Berlin gar nicht mal so leicht ist), die über einen Freund Torbens aus Kuba Kontakt mit ihm aufgenommen hatte. Sie wird nach vielen Jahren (noch zu DDR-Zeiten war sie dort) seit ihrem letzten Besuch der Insel Ende des Jahres dort hinfahren, und ließ sich von Torben erzählen, wie es dort inzwischen aussieht. In einem Café beim Hackeschen Markt sitzenden redeten wir über Lateinamerika und die DDR, über den Wandel der geteilten Hauptstadt und der sozialistischen Insel, und erst als der inzwischen eingesetzte Regen eine Pause einlegte, machten wir uns auf den Heimweg nach Kreuzberg. Luna kam uns schon auf der Treppe entgegen und begrüßte uns zweisprachig. Kann ein so abwechslungsreicher Tag in Berlin besser enden?

Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Deutschland-Tour in Planung

Nachdem Torben und ich so viel zusammen durch Mittelamerika gereist waren, stellten wir fest, dass wir jetzt fast mehr von dieser Ecke der Welt kennen als von unserem eigenen Land. So entstand die Idee, gemeinsam für ein paar Wochen Deutschland zu durchreisen – nachdem wir Mitte Juli dann hoffentlich erfolgreich unser Semester hinter uns gebracht haben, werden wir also alles Nötige und eine Polaroid-Kamera einpacken und gegen den Uhrzeigersinn von Halle aus das ganze Land bereisen.

Wir werden, getreu der Latino-mentalität, flexibel und offen bleiben, und die in der unten stehenden Karte sind kaum mehr als Orientierungen auf unserer Route, auf welcher wir nicht nur einige schöne Städte kennenlernen wollen, sondern gerade auch selten besuchte Orte abseits der üblichen Ziele besuchen, die man vielleicht gar nicht in unserem Land erwartet hätte. So reihen sich zwischen unseren Wunschstädten Berlin, Hamburg, Köln und Weimar (ja ich weiß, die Liste ist lustig) auch die Mecklenburger Seenplatte, die Ostsee, der Laacher See und der ein oder andere hoffentlich noch kommende Vorschlag von Freunden und Bekannten. (Aufruf an euch 😉 ). Dass wir an unseren verschiedenen Stationen natürlich auch gerne den einen oder anderen besuchen werden und eure Übernachtungsangebote sicherlich nicht ausschlagen werden, versteht sich von selbst. Unsere noch zu beschaffende Polaroidkamera soll das übliche 1000-Digitale-Fotos Prinzip ersetzen. Der Anhalter im Auto, der unerwartete Gastgeber in einer Stadt, der Sonnenuntergang über der Ostsee. Und wenn wir unterwegs Hip Hop Begeisterte treffen, werden die per Mikrofon in die unterwegs gemachte Voraufzeichnung unserer nächsten Stadtvögel-Sendung eingebunden.
Warum schreibe ich das alles hier, abgesehen davon, mich wichtig und euch neidisch zu machen? Ganz klar, wir brauchen eure Hilfe: eure Couch- und Schlafgelegenheiten, eure Stadtführungen und Tipps für versteckte Juwelen in der Umgebung und die Möglichkeit, durch euch ganz viel Neues kennenzulernen. Und ja, vielleicht auch ein bisschen eure Aufmerksamkeit. Aber das ist ne andere Sache 😉

Kategorien
Alte Reisen Reiseblog

Reunion zum Dia de la Reunificación

Kartoffelsalat á la Christian, Fleischklöpse, Schwarzbrot mit Ei, Erdinger Weissbier, Paradiescrem (Schlackamaschüü!) mit Erdbeeren und Schokolade und eine schwarz-rot-gelbe Torte. Keine Angst, ich bin kein Nationalist geworden, aber ein bisschen feiern kann man 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung ja schon. Und so versammelte sich ein Grüppchen deutscher und peruanischer Studenten in meinem Appartment mit den oben genannten Leckereien und hatten eine doch eher unperuanische Feier – denn die sehen anders aus (s.u.). Als Begründung können wir nicht nur unsere Herkunft anführen, sondern auch die „Ley secca“: diesen Sonntag wurden nämlich in ganz Peru Bürgermeister und Regionalvertreter gewählt, und da gilt das ganze Wochenende: kein Alkoholverkauf, keine lauten Feiern. Bars und Diskos sind zu, Supermärkte verstellen ihre Weinabteile mit Softdrinkpaletten. Wir nahmens gelassen und tranken unser Donnerstag gekauftes Erdinger bei einer „Reunion“ statt einer „Feier“ 😉 und verfolgten zwischendurch die Hochrechnungen zu Limas Alcaldia (Bürgermeisterwahl) – die glücklicherweise nicht die nervige mitte-rechts-Kandidatin Lourdes Flores, sondern das „neue Gesicht“ der peruanischen Politik, Susanna Villaran, für die Mitte-links-Partei Fuerza Social gewann. (Übrigens nicht nur besonders weil erstmals eine Frau, sondern weil „links“ hier in Folge des Sendero-Terroismus’eher eine Verunglimpfung ist und Susanne seit Jahren die ersten linksorientierte Politikerin).
Heute wollte ich dann meine Museumswoche fortführen und nach Pachacamac fahren, hab ich auch gemacht, nur um nach 1 h Fahrt vor Ort festzustellen, dass die seit kurzem den Montag als Ruhetag eingeführt haben. Auswegplan: Museo de las Bellas Artes – fiel aus dem selben Grund ins Wasser. Ärgerlich. Habe vor, das morgen nachzuholen.
Zum Zeitvertreib war ich dann erstmals im Luxuseinkaufszentrum LarcoMar in Miraflores, voller überteuerter Restaurants und Klamottenläden, aber auch mit dem ersten gutsortierten Musikladen, den ich hier gefunden habe. Leider zu fast europäischen Preisen – dafür aber sogar mit einer peruanischen Hip-Hop-CD. Stand in der Kategorie „Peruanischer Rock“ – das ist hier zumindest was einheimischen Rap betrifft, echt noch so real, dass es noch nicht mal ne eigene Plattenregal-Kategorie hat…

Um meinen Vorsatz nachzuholen und euch ein wenig zu zeigen, warum unsere Reunion so unperuanisch war, heute mal wieder ein How To:

How To celebrate with Peruvians

Tanz: Während feierliche Anlässe in Deutschland hauptsächlich aus Essn bestehen, ist die zentrale Tätigkeit hier das Tanzen. Auch wenn eine/r gute/r Tänzer/in mehr Aufmerksamkeit bekommt, spielt es keine allzu grosse Rolle, ob man „tanzen kann“. Wer kann, tanzt eben Salsa und besondere Figuren (bzw. eben zur Musik passendes), wer nicht, bewegt sich irgendwie rhytmisch. Beliebt ist es auch, in einer Gruppe im Kreis zu tanzen, an den Händen gefasst, oft mit wechselnden Tanzpärchen in der Mitte. Ablehnen ist nicht, und nur mit seinem Partner tanzen auch nicht – genauso, wie aus der Gruppe auszusteigen und bei anderen weiterzutanzen. (Da muss dann mindestens eine Ess- oder Trinkpause zwischen sein 😉 ). Bei grösseren Feiern spielt eine Band (oft Mariachis), manchmal mit Gesang, sonst gibt es grösstenteils Salsa-Konserve, bei jüngerem Publikum gemischt mit Reggaeton.
Essen: …spielt – für die gute peruanische Küche sehr erstaunlich – keine grosse Rolle. Je nach Feierlichkeit (und Budget des Veranstalters) gibt es eine kleine Mahlzeit dazu, manchmal zum selber kaufen – z.B. Huhn mit Reis und Kartoffeln, gerne bei besonderem Anlass auch Cuy (Meeschweinchen). Gegessen wird mit Papptellen auf dem Schoss auf einer Bank am Raumand sitzend oder im Stehen, selten essen alle gleichzeitig, und eher nur um das Bedürfnis zu stillen, damit man weitertanzen kann. Gerade bei privaten Feiern gibt es, wenn die Familie es sich leisten kann, Fingerfood-Buffet (Chickenwings, Chips, Pralinen, Kekse, alle möglichen Sachen die man im stehen essen kann). Es steht meist schön zubereitet auf einem Tisch im Veranstaltungsraum, an dem man sich aber nicht bedienen sollte – jeder einzelne Teller mit Fingerfood wird von Bedienung oder einem Familienmitglied zu den Gästen gebracht, die sich dann ein Stück davon nehmen. Eine ganz andere Relevanz bekommt die
Torte: die auf keinen Fall fehlen darf. Und sie muss natürlich zum Anlass passen (Hochzeit, Kindergeburtstag etc), sonst ist die Feier eigentlich fast ins Wasser gefallen. Die Kalorienbomben aus Sahne und/oder Schokolade wird eher spät aufgeteilt (und ebenso gegessen wie der Rest, s.o.) – je nach Menge (von Torte und Gästen) sollte man keine allzu grossen Stücke erwarten.
Geschenke: Der Schenkzwang steigt mit Bekanntschaftsgrad. Als relativ neuer Bekannter wird nicht unbedingt ein Geschenk erwartet. In jedem Fall sollte man seinen Namen auf das Geschenkpapier schreiben, wenn man damit in Verbindung gebracht werden will: sie werden nicht während der Feier aufgemacht! In feierlicher Zeremonie werden sie vom Geburtstagskind abgeholt oder von den Schenkenden (tanzen) vorbeiebracht und dann an einem Ort gelagert und zu Hause geöffnet . damit der Schenkende nicht mit ansehen muss, falls der Beschenkte enttäuscht ist. 🙂
Anfang: ist natürlich verzögert. Wenn es heisst „ab 8:00pm“ erscheinen nur die besten Bekanntn wenn überhaupt vor 9. Ausnahmen sind z.B. Hochzeitszeremonien in der Kirche – die aber natürlich trotzdem verspätet anfangen. Wer pünktlich kommt ist selbst schuld und muss warten – wer später kommt muss wahrscheinlich trotzdem noch warten. Einem Deutschen ist aber keiner böse, wenn er pünktlich ist.
Ende: gibt es offiziell nicht. Kann aber spät werden. Mit passender Ausrede is es aber akzeptiert, früher zu gehen, wenn man nicht mehr tanzen kann 😉
Unterhaltungen: sind sporadisch – geht auch schwer, wenn man dabei zu lauten Blechbläsermusik tanzt. Also wenn, dann vorher, während alle auf den Bänken sitzn und warten, oder beim Essen.
Trinken: Das Bier wird meist je von einem für die Gruppe gekauft (die Runde um), vor Ort meist 3 Flaschen für 10 Sol (eins kaufen ist ungewöhnlich). Zusammen mit einem Becher wird es dann rumgereicht: man schenkt sich ein, gibt die Flasche weiter, trinkt aus, schüttet den Schaum auf den Boden und gibt den Becher weiter. Ablehnen sollte man, wenn überhaupt, dann nur mit gutem Grund – oder spät, wenn eh schon alle betrunken sind. Einfacher ist es, sich einfach nur einen kleinen Schluck einzuschenken – voll wird der Becher ohnehin nie gemacht, sondern maximal halbvoll.
Das alles kann natürlich vollkommen anders aussehen, wenn man sich unter Reichen oder Ausländern befindet 😀 …wenn man sich auf eine peruanische Feier eingestellt hat, wird es aber meistens ein ganz amüsanter Abend: wenn einem nicht vorher von der überlauten Mariachi-Musik die Ohren geplatzt sind…

4.10.10, Lima