Alpaca, Chicha morada und Mate de Coca gegen die Höhenerschöpfung

Nachtrag vom 7.8.: Park statt Uni
Jetzt habe ich doch nicht mehr die Uni gesehen – dafür habe ich mich fast zwei Stunden mit einem peruanischen Professor de letras und gleichzeitigem Ingenieur-Studenten unterhalten. Park im Norden ArequipasIch wanderte durch den sehr schönen ruhigen Park nördlich des “Selva alegre”-Kinderspielplatz-Parks und erwiederte auf das grüssende Nicken des älteren Herren auf der Parkbank mit einer entsprechenden Grussfloskel. “¿De donde es Usted?” [Woher kommen Sie?] kam auch schon die durchschnittliche Standardeinstiegsfrage. Auf meine Antwort fragte er, ob ich ihm erklären könne, was “Leitmotiv” auf Spanisch heisst – ein Wort, das er in einem englischsprachigen Buch gelesen hatte (und offenbar eines der deutschen Export-Wörter ist). Auf schwer nachzuzeichnende Weise entwickelte sich das Gespräch von da aus über soziologische Betrachtungen von Gruppen zu Gesellschaftssystemen und Politik, zu Kapitalismuskritik und der Suche nach einem “neuen System”, zu Umweltbewusstsein und der Macht der Natur als entwicklungsbestimmendes Element. (@Keks: das Gespräch hätte dir sicher gefallen!). Wir kamen erst zum Ende, als die Parkaufsicht uns um halb sechs rauswarf und ich mich schliesslich von Roz (wenn ich mich recht an seinen Namen erinnere) verabschiedete. Schade zwar, dass ich jetzt nicht die Uni gesehen habe – aber das war es definitiv wert!

7.8., Arequipa

Alpaca, Chicha morada und Mate de Coca gegen die Höhenerschöpfung
Vicuñas auf dem Weg nach PunoNach guten sechs Stunden im Bus nach Puno (durch mit Alpacas und Vincuñas bevölkerte Steppen, bergige Serpentinenstrassen und das ernüchternd triste Juliaca) bin ich am Nachmittag in Puno angekommen. Ausblick auf den Titicacasee3400 Meter überm Meeresspiegel, direkt am Titicacasee gelegen und Hafen zu verschiedenen angeblich malerischen Inseln (werde ich morgen hoffentlich bestätigt sehen). Obwohl ich ja aus dem bereits etwas höher gelegenen Arequipa kam und der H¨pohenunterschied nicht ganz so drastisch ist, merke ich inzwischen trotzdem die Auswirkungen. Hier angekommen suchte und fand ich erstmal ein Hostal in der zentralen Fussgängerzone Calle Lima (das Monterron, mit einem spartanischen, aber sauberen und einigermassen sicheren Zimmer) und ging dann zum Hafen, um zu sehen, wann morgen früh ein Boot zu meinen gewünschten Zielen losfährt – so soll meine Route aussehen:

Hafen von PunoMontag Puno -> Islas flotandes -> Amantaneí, dort übernachten,
dann Dienstag Amantaneí -> Taquile, und nachmittags zurück nach Puno.

Schon auf dem Rückweg war ich erstaunlich erschöpft, obwohl ich gerade 1 km gelaufen war (ca. 15 Min.) – was für mich als gewohnter Hallenser Fussgänger eigentlich nicht viel ist 😉 . Also schleppte ich mich wieder zur Calle Lima und befinde mich nun im Restaurant “Don Piero” (also “nun”, als ich das in mein Reisetagebuch schrieb 😉 ), wo ich so traditionell / peruanisch esse wie nie zuvor: Alpaca-Steak, Chicha morada und Mate de Coca – hier eine kleine Geschmacksbeschreibung:

Mate de Coca: Kräutertee aus den Kokablättern – macht aber nicht high, auch wenn es angeblich die gleichen Spuren im Blut hinterlässt wie Kokain. Wird als Teebeutel in heissem Wasser aufgelöst und v.a. im Altiplano getrunken, da angeblich gut gegen die Höhenkrankheit. Ist geschmackloser als man denkt, und unterscheidet sich nicht so stark von “normalen” Kräutertees. Stattdessen viel interessanter: Anis-Mate!

Chicha Morada: Weinrotes bierähnliches Getränk auf Maisbasis, das in aufwendigem Fertilisierungsprozess hergestellt wird – nach traditioneller Herstellungsweise samt Spucke der Mate-Kauerinnen. Unbedingt probieren (also das Getränk, nicht die Herstellung) – schmeckt v.a. gekühlt unglaublich gut!Der Geschmack liegt irgendwo zwischen Rotwein, kleines bisschen Bier, Traubensaft, Mais und – wenn ich mich nicht irre – Inca Kola. Wobei die Entstehungsreihenfolge wohl eher umgekehrt gewesen sein dürfte.

Lomo de Alpaca: Steak aus dem Fleisch der Lama-verwandten Alpaca. besonders im Altiplano zu finden. Schmeckt eigentlich wie Rind, angeblich mit weniger Kalorien. Klasse, als ob mich das interessiert. Wird gerne sehr dünn serviert. Genau wie diverse andere Fleisch-Mahlzeiten wird das offenbar häufig nur gerade lauwarm serviert, selbst wenn das Fleisch durch ist. Keine Ahnung wie und warum. Und natürlich, wie fast alles in Peru, ohne jegliche Sauce… da hilft nur Chicha morada nebenher trinken.

PS an Maike: die Meerschweinchen wurden bisher noch verschont. Noch…

8.8.2010, Puno

4 thoughts on “Alpaca, Chicha morada und Mate de Coca gegen die Höhenerschöpfung

  1. also ich weiß ja nicht, was sie dir da als chicha morada verkauft haben, aber das hat so üüüberhaupt nichts mit alkohol zu tun, eigentlich. chicha allein ist maisbier, aber chicha morada ist einfach zuckersüßer (wie fast alle getränke) saft aus diesen lilanen maiskolben, die es überall gibt! naja und teebeuteltee ist sowieso uncool! 😉 gibts bei gelegenheit bestimmt mal mit richtigen blättern, da merkt man schon den unterschied. der schmeckt nämlich eigentlich richtig sch….! ;)aber coole tour! wir haben damals die gleiche gemacht! (kannst dich an die fotos in traditioneller kleidung in meinem zimmer erinnern?! das war auf amantani!) ich würde dir echt empfehlen irgendwie höhenkrankheitstabletten zu kaufen, falls du nicht an richtige kokablätter kommst. ist vielleicht alles nur placeboeffekt, aber mich hat es ziemlich beruhigt so was zu haben. sorry fürs permanente kommentieren, aber ooooh maaaan ich wäre einfach soooo gerne dabei! 🙂

  2. wie cool!will auch!!!oh mann, fotos runterladen hat bei mir geklappt (susanne, du musst sie dann, wenn sie runtergeladen sind halt noch “entpacken” wie jesko ja auch geschrieben hatte, mit zip oder so und dann klappts eigentlich die anzugucken) und sie wecken das fernweh!
    flora ist seit heute früh auf dem rückweg nach tansania und ich könnt auch glatt hinterherfliegen…
    schön zu sehen, dass es dir super geht und du durch deine offene art jede menge leute kennenlernst, sehr super sowas :)!
    fühl dich gedrückt von köln nach wo auch immer du grade rumturnst!*

    • @ jesko, toll, was du alles erlebst- wir warten mittlerweile schon wieder sehnsüchtig auf deinen nächsten blog … und weil er nicht spontan “pünktlich” nach dem letzten kommt, sorgen wir uns schon ein wenig, ob wohl alles klar ist! Vielleicht gibts auch nur grad kein Internetcafe, dort wo du bist. Falls du vorhast nicht mehr so viel zu schreiben, lass es uns wissen, dann warten wir nicht mehr voller Bange! Hab dich lieb!
      @ Silja: Wär ja nett, wenn du dann die runtergeladenen Fotos für Jesko aufhebst- wo dus schon mal geschafft hat.

  3. immer mit der Ruhe 😉 ich lebe noch – war nur auf Amantani, und da gibts nicht mal elektrisches Licht… da kann man lange nach nem I-netcafe suchen 🙂 so, jetzt erstmal viele viele mails checken und hoffe ich komme noch zum blogeinrag sonst gibts den am samstag oder allerspaetestens montag… =)

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