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Herbstreisen

Draußen reißt der Regen unseres stark bewässerten Berliner Sommers die Wolken in Fetzen, flutet U-Bahnschächte und presst Kanäle über ihre Ufer – so ganz war das nicht der Plan, als ich vorhatte, den Sommer in Berlin zu verbringen. Umso leichter fällt es mir, mich auf meine Herbstreisen vorzubereiten – denn da steht dieses Jahr wieder einiges bevor, von dem ich gerne hier berichten werde.
Wie mein Vater und Gastautor Micha schon beschrieben hat, werden wir Anfang Oktober zwei Wochen Flüchtlingshilfe auf Lesbos leisten, und hoffen, dass unsere Fähigkeiten dort Menschen zugute kommen, die sie gerade sehr dringend benötigen. Womöglich mag es seltsam erscheinen, das in einem Text mit meinen Reisen zu nennen, in denen ich zwar auch ein bisschen andere Perspektiven auf die Welt sammle, die aber doch vor allem meinem Privatvergnügen dienen. Ich habe eine Weile mit mir gehadert, ob und wie ich darüber schreiben will. Zum „wie“ bin ich noch nicht recht fortgeschritten, das „ob“ klärte sich jedoch schnell: Ist es doch so unheimlich wichtig, das, was wir dort sehen werden, nach Hause und nach Außen zu tragen. Nicht, um unser „Gutmenschentum“ anzupreisen, sondern um die Lage dort zu schildern, die es so oft durch unsere Aufmerksamkeitsschleusen schafft. Deshalb also seit an seit mit meinen Reisen: Denn auch das ist ja unsere Welt. Was ich mit Bildern und Worten, Gedanken und Metaphern beschreiben will. Nicht etwas, das nur in gesonderte Talk-Runden und Meinungsartikel der Polit-Ressorts gehört, sondern dort stehen sollte, wo auch das restliche Leben steht. Zweifellos wäre es besser, es gäbe keinen Anlass, darüber zu schreiben. Da er aber nunmal leider existiert, soll er auch sichtbar sein, augenscheinlich als Schattenseite unserer ach so freien Welt.

Während Micha im Anschluss von Athen zurückfliegen wird, habe ich beschlossen, ein bisschen von Südosteuropa kennenzulernen – auch, weil ich denke, ein allzu harter Schnitt von dieser einschneidenden Erfahrung zurück in den Alltag wäre keine kluge Idee.
Nach einigem Versinken in herrlichsten Berichten über die Wunder des Balkans gelangte ich zu zwei Erkenntnissen:
1) Das gibt genug Reisepläne für die nächsten drei Jahre
2) Die ganze Region in drei zur Verfügung stehende Wochen aufteilen zu wollen ist aussichtslos.
Entsprechend werde ich mich in der zweiten Oktoberhälfte auf Griechenland, Mazedonien, einen Zipfel Kroatiens und Bosnien einschränken und schauen, dass ich von dort zurück in den Berliner Winter komme. Die Eckpunkte auf meinen Wunschzielen: Abgelegene Klöster auf Felsspitzen, multireligiöse Großstädte, bergumragte Seen, ins Meer gestreute Inseln und legendenumwobene Tempel.
Verrückterweise ist dieser vielseitige, aufregende Oktobermonat aber noch nicht alles. Denn noch davor, im September, werde ich für circa drei Wochen in die USA reisen. Woher das nun kommt, und ob ich da nicht erst vor drei Jahren noch war, könnte man mich fragen. Gibt es nicht so viele andere spannende Länder, die noch eine Reise wert wären? Zweifellos. Erfreulicherweise hat mich allerdings die Monmouth University in Long Branch, New Jersey für Mitte September eingeladen, einige Inhalte zum Thema Nachhaltigkeit und Kreatives Schreiben mit ihnen zu erarbeiten und zu planen. Dieses Mal also eine Art Planungsaufenthalt, fünf Tage am Campus, doch mit der Aussicht auf weitere Zusammenarbeit. Das kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Also werde ich meinen Rucksack packen und an die US-Ostküste fliegen, und wenn ich schonmal da bin, ein bisschen mehr von Jersey Shore und Nationalparks zu sehen, in die New York City jenseits der Manhattan-Wolkenkratzer einzutauchen und vielleicht auch ein paar Slambühnen mitzunehmen. Was da so alles passieren wird, werdet ihr also hier ab Mitte September erfahren…
Bis dahin durchschmöker ich noch ein paar Reisebücher und trockne meine Regenkleidung vom Berliner Sommer, voller Vorfreude auf die nächsten Abenteuer.

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Schuhe und ein Koffer!

 

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Ihr lieben,

ich habe heute mit Zaki gesprochen, der vor Ort auf Lesbos die Flüchtlingsarbeit koordiniert.

Ich habe ihn gefragt, was Jesko und ich vielleicht mitbringen können und ihm den Vorschlag gemacht, dass die Flüchtlinge vielleicht dringend Schuhe brauchen, da sie ihre entweder verloren haben oder diese schon durch die Flucht unbrauchbar geworden sind.

Daher nun hier mein Aufruf:

Wir haben ja bald unsere Familientreffen:

Zuerst das Geissler – Treffen in Müschenbach und dann das Habert – Treffen in der Schweiz; beide finden vor der Herzensreise Lesbos 2017 statt.

Vielleicht könnt ihr mir dort zu den Familientreffen gut erhaltene Schuhe mitbringen, die Jesko und ich dann mitnehmen können.

Bitte bringt nicht mehr als ein Paar Schuhe pro Mensch mit und bindet immer die passenden Schuhe (verschiedene Größen) direkt zusammen, damit die Zuordnung reibungslos klappt; auch Kinderschuhe sind sehr wichtig.

Da die Flüchtlinge – auch wenn sie dort die Schuhe bekommen haben – auf ihrer Flucht quer durch Europa und über unsere Zäune gute Schuhe brauchen, sucht bitte diese Schuhe so aus, das ihr bzw. Eure Kinder sie auch eine gute Weile tragen könnten und das sie guten Halt geben.

Die Flüchtlinge brauchen diesen Halt, damit sie es schaffen!!

Damit Jesko und ich diese dann transportieren können:

Vielleicht hat einer von Euch noch einen gut erhaltenen Roll(!!)-Koffer, den er uns mitgeben kann, den wir dann dort lassen (also bitte nicht alle einen Koffer mitbringen, sondern mir eine Nachricht in den Blog schreiben und ich bestätige die Kofferübernahme dann, sonst habe ich nachher zehn Koffer oder mehr).

Das alles wäre wunderbar!!

Schreibt mir einmal, was ihr davon haltet – am besten in die Kommentare zu diesem Blog – und vor allem bringt mir dann gute Schuhe mit!

DANKE!

Euer Micha

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Clown für Lesbos

 

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Ihr lieben,

ich hatte mich vor einiger Zeit entschlossen, die Honorare meiner Clownauftritte als „Emotiono“(siehe auch www.emotiono.de) nicht für mich zu nehmen, sondern zu spenden.

Ich trete zurzeit in einigen Schulklassen auf, z.B. vor zwei Tagen in der GGS-Köln Braunsfeld. Dort hatte ich mit den 10 jährigen Mädchen und Jungen viel Freude, das kann man ja auf diesen Fotos sehen.

Ich möchte nun mit diesem Geld und anderen Spenden, die ich wie ich hoffe von Euch bekomme, einen zweiten Hilfseinsatz im nächsten Jahr finanziell auf die Beine stellen. Damit könnte dann vielleicht jemand aus unserem großem Familien- und Freundeskreis auch in 2018 so eine Herzensreise machen.

Swisscrosshelp ist ja eine private kleine Initiative, keine NGO und kein gemeinnütziger Verein. Sie arbeiten ausschliesslich mit privatem Geld, dass ihnen Unterstützer zur Verfügung stellen. Das heisst aber auch, dass jeglicher Hilfseinsatz von dem Helfer selbst finanziert werden  muss.

Deshalb freue ich mich sehr, wenn sich vielleicht möglichst viele von Euch dazu bewegen lassen, mich bei diesem Vorhaben unterstützen.

Wenn also einer von Euch mich dabei unterstützen kann und möchte, überweist mir bitte Euren Betrag auf mein privates Konto:

VR-Bank Rhein – Sieg eg

IBAN:DE 94 3706 9520 5008 2430 10

BIC:GENODED 1RST

Verwendungszweck: Herzensreise Lesbos 2018

Ich sammle dann alles und baue das Projekt für 2018 dann auf.

Vielen vielen Dank!

Mit clownesken Grüßen

Emotiono

 

 

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Vor(bereit)ungen

Ihr lieben,

die ersten Dinge sind nun vor(bereit)et, aber bin ich auch bereit?

Die Flüge von Zürich – wo ich kurz vorher bei unserem Familientreffen bin – am 03. Oktober 2017 nach Mytilene (Lesbos) über Athen sind gebucht und auch die Rückfahrt steht fest: Wir werden beide am 17.10.17 mit der Fähre von Lesbos nach Piräus fahren und ich fliege dann über Athen alleine nach Düsseldorf, da Jesko alleine auf dem Landweg zurückkehren möchte.

Da swisscrosshelp eine kleine private Hilfsorganisation ist, die keine Zuschüsse o.ä. erhält, werden wir wie die anderen Helfer aus vielen Ländern auch unseren Flug und die Unterkunft etc. selbst finanzieren, dazu hatte ich ja schon am Anfang des Blogs etwas gesagt. Angesichts der Summe von insgesamt ca. 1.900,00 € für Jesko und mich könnten viele ins Nachdenken kommen, da es ja doch viel Geld ist und viele Menschen für diese Summe alleine in den Urlaub fahren und sich dort verwöhnen lassen.

Ich lasse mich auch in meiner Herzensreise verwöhnen, ich lerne Menschen ganz nah kennen und kann ein klein bisschen von mir geben, damit es anderen besser geht, wie wunderbar!

 

Euer Micha

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Doaa (19 Jahre alt) Tiefe Bewegung

 

Ihr lieben,

nun da meine Herzensreise in die Vorplanung geht, merke ich, wie mich das Thema immer mehr bewegt, vor allen Dingen in der Tiefe bewegt.

Es ist nicht mehr das oberflächliche Befassen mit dem Thema, wie z.B.  Abends in der Tagesschau einen 30 Sekunden – Beitrag sehen, in dem wieder berichtet wird, das 1.000 Flüchtlinge gerettet wurden und 300 Flüchtlinge ertrunken sind. Ich merke es an mir selbst, da ich mir nun noch mehr Berichte zum Beispiel im Fernsehen anschaue, in denen detaillierte Schilderung der Verhältnisse gezeigt werden. Zum Beispiel eine Spiegel-Dokumentation von gestern Abend, in der geschildert wird, wie menschenverachtend die Schleuser arbeiten und wie wir als Deutschland die libysche Küstenwache technisch so ausstatten, das sie für uns die Drecksarbeit übernehmen und die Flüchtlinge wieder zurück nach Libyen bringen. Susanne und ich sprechen noch eine ganze Weile darüber und es bewegt uns sehr und Susanne nimmt es mit in ihre Träume.

Ich möchte über allem nicht vergessen, dass es viele viele einzelne Menschen sind so wie Doaa, die der UNO-Flüchtlingshilfe ihr Schicksal geschildert hat:

…………………..

Fluechtlinge-auf-dem-Mittelmeer

Bevor der Bürgerkrieg in Syrien sie zur Flucht zwang, war die 19-jährige Doaa eine ehrgeizige Schülerin. Dann floh sie mit ihrer Familie nach Ägypten. Ohne Arbeitserlaubnis lebte sie dort am Rande der Gesellschaft.

Trotzdem war Doaa hoffnungsvoll, sie war verliebt in Bassem, der um ihre Hand anhielt. Gemeinsam beschlossen sie Sicherheit in Europa zu suchen, um sich dort ein gemeinsames Leben aufzubauen. Bassem gab sein ganzes Erspartes, 5.000 Dollar, den Schmugglern, die sie auf ein überfülltes Fischerboot zwängten.

Doch nach drei Tagen auf See glaubte sie nicht mehr an eine sichere Ankunft und sagte zu Bassem: „Wir werden alle ertrinken“. Am vierten Tag kam ein verrostetes Boot auf sie zu. Die Passagiere weigerten sich in das seeuntaugliche Boot zu wechseln, woraufhin die wütenden Schmuggler ein Loch in das Fischerboot rammten und lachten.

Innerhalb von Minuten kenterte und sank das Boot. Die 300 Menschen, die unter Deck gefangen waren, hatten keine Chance zu überleben.

„Ich hörte wie Menschen schrien und sah wie ein Kind vom Propeller in Stücke zerrissen wurde“, erinnert sich Doaa. Um sie herum schwammen hunderte Leichen. Die Überlebenden kamen in Gruppen zusammen und beteten. Bassem fand einen Rettungsring für Doaa, die nicht schwimmen kann.

In der folgenden Nacht verloren viele Überlebenden die Kräfte und den Mut. Doaa musste zugucken, wie Männer ihre Rettungswesten abnahmen und ertranken. Einer von ihnen übergab Doaa kurz vor seinem Tod seine 9 Monate alte Enkelin Melek.

Auch Bassem verließen kurz darauf die Kräfte und Doaa musste mit ansehen wie er starb. Trotz unvorstellbarer Trauer nahm sie an diesem Tag ein weiteres Kind auf. Die Mutter der 18 Monate alten Masa gab ihr das Mädchen mit der Gewissheit, dass sie selbst nicht überleben würde.

Doaa war nun für zwei völlig erschöpfte Kinder verantwortlich, sie weinten, hatten Hunger und Durst. Sie sang für die Mädchen und erzählte ihnen Geschichten, ein langer Tag verging, dann ein weiterer. Am vierten Tag im Meer sah Doaa ein Handelsschiff. Zwei Stunden schrie sie um Hilfe, bis die Suchscheinwerfer des Schiffes sie fanden. Melek starb noch an Bord des Schiffes. Doch die kleine Masa hat überlebt.

…………………..

Ich bin sehr dankbar, dass ich hier in Deutschland so sicher und beschützt aufgewachsen bin und leben darf, womit habe ich das verdient? Ich habe eine wunderbare Familie und ohne Susanne, die mich mit ihrer Liebe und Fürsorge trägt durch alle Zeiten, hätte ich mich nicht auf diese Herzensreise einlassen können. Ganz sehr hilft uns beiden, das wir wissen, das wir nicht alleine sind, sondern dass Gott bei uns ist, der uns beschützt und Jesko und mich auch auf dieser Lebensreise begleiten wird.

 

Euer sehr nachdenklicher Micha

 

 

 

 

 

 

 

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Menschenrechte sind nicht verhandelbar; wir verhandeln aber sehr wohl über deren Umsetzung! (Michael Räber, schwizerchruez.ch)

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Ihr lieben,

hier nun einige Informationen über die kleine Hilfsorganisation, über die Jesko und ich dann nach Lesvos fahren:

schwizerchrüz.ch

schwizerchrüz.ch unterstützt seit August 2015 flüchtende Menschen in Griechenland und der Türkei. Die private Initiative wurde von Rahel und Michael Räber ins Leben gerufen. Seither haben hunderte Freiwillige uns dabei unterstützt, den Menschen auf der Flucht zu helfen und ihnen in Anstand zu begegnen. Wir treffen alle Entscheide konsequent aus Sicht der Flüchtenden und nicht nach administrativen Gesichtspunkten. Dadurch sind wir schnell, effektiv und wirkungsvoll.

schwizerchrüz.ch hat sich zu Beginn um obdach- und mittellose Flüchtende in Athen gekümmert. Im September 2015 sind wir nach Lesvos gegangen, um dabei zu helfen, die Rettungen der Bootsflüchtlinge an der Küste zu bewältigen. Bis Ende Juli 2016 haben wir an den Küsten zusammen mit vielen anderen Organisationen eine 24h Abdeckung an den Küsten gewährleistet.

Von März bis Mai 2016 hat sich schwizerchrüz.ch in Idomeni an der griechischen Grenze zu Mazedonien mit vielfältigen Hilfeleistungen engagiert. Unter anderem haben wir gut 14’000 Paar Schuhe individuell an die Flüchtenden verteilt, die vor der geschlossenen Grenze festsassen.

Seit Ende Mai 2016 betreut schwizerchrüz.ch gut 500 Flüchtende im Lager Karamanlis und seit Ende Juli 2016 weitere 500 Flüchtende im Lager Frakapor. Beide Lager sind in der Agglommeration Thessaloniki gelegen. Wir versorgen die Geflüchteten mit zusätzlichen Nahrungsmitteln und betreiben Cultural Centers in denen die Menschen lernen.

Im August 2016 hat schwizerchrüz.ch begonnen, sich in der Region Izmir mit Lebensmittelhilfe für geflüchtete Personen zu engagieren, welche in der Türkei festsitzen.

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Herzensreise

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Meine Herzensreise beginnt!!!

Ich bin der sogenannte „Gastautor“, den Jesko benannt hatte.

Die Idee zu dieser Herzensreise hatte ich bereits vor einem Jahr, nun wird sie Wirklichkeit.

Wie wunderbar!

Warum Herzensreise?

Meine Geschwister und ich haben vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, das jeder von uns mit einem kleinen Geldbetrag, der vom Erbe unserer Eltern übrig geblieben war, eine „Friedensaktion“ nach seiner Wahl unterstützen / durchführen kann. Das ist auch sehr im Sinne meiner Eltern, die mich insbesondere aus eigener Weltkriegserfahrung in diesen Gedanken immer sehr unterstützt haben, dafür bin ich ihnen zeitlebens sehr dankbar!

Da ich bereits seit zwei Jahren mehrere syrische Flüchtlinge hier in Deutschland unterstütze, ist es  für mich eine Herzenssache, Menschen dort zu helfen, wo sie auf ihrer Flucht meist zuerst ankommen, nämlich an den Zäunen, die wir in Europa gegen sie aufgerichtet haben, damit sie uns nicht in unserer wohleingerichteten Welt stören.

Ich suchte eine Zeitlang im Internet und fand dann die kleine Organisation swisscrosshelp (https://swisscrosshelp.herokuapp.com/pages/home/).

Es fasziniert mich, wie ein einzelnes Ehepaar alleine dadurch, das es sich von der Not fremder Menschen berühren läßt, so ein wunderbares Projekt auf die Beine stellt und das so viele fremde Menschen aus aller Welt sich dort unentgeltlich und engagiert beteiligen.

Mehr als eine Million Flüchtlinge sind seit 2015 auf den griechischen Inseln angekommen, also pro Monat kamen im Schnitt über 41.000,00 Flüchtlinge!

Mir war schnell klar, dass dort mein Herzensplatz dieses Jahr sein wird und ich habe seit einem Jahr viel Mailkontakt mit den Organisatoren und den Helfern vor Ort gehabt, um alles vorab klären zu können.

Bis vorgestern war auch noch nicht klar, wohin die Reise letztlich hingeht, da swisscrosshelp immer aktuell schauen muss, wo die Helfer am nötigsten sind, z.B. entweder auf Lesvos oder in Izmir (Türkei).

Nun ist es geklärt und ich kann mit den eigentlichen Reisevorbereitungen beginnen, denn es geht auf die griechische Insel Lesvos (Lesbos).

Vom 03.10.17 – 17.10.17 werde ich dort direkt vor Ort helfen, wo es gerade nötig ist. Alleine wollte ich das nicht machen und so habe ich meinen wunderbaren Sohn Jesko, der schon lange Zeit ein Weltenreisender ist, gefragt, ob er statt einer gemeinsamen Pilgerreise – die ursprünglich sein Wunsch war – diese Erfahrung mit mir teilen möchte und wie wunderbar – er reist mit mir.

So beginne ich nun mit den ganz praktischen Vorbereitungen wie Flug buchen, Ausrüstung planen etc.

Viel wichtiger ist es aber für mich, bereits jetzt meine Berührung mit diesem Thema zuzulassen und in mir wirken zu lassen; das ist das beste Fundament für die Begegnung mit den Menschen, die ich dort kennenlerne und denen ich mit meinen wenigen Möglichkeiten helfen kann.

Diese Herzensreise wird mich bewegen, berühren und mein weiteres Leben bereichern!

Geht mir mir in Gedanken und in Eurem Herzen auf diese Herzensreise!

Michael

 

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Ein Schweizer Kreuz, eine Insel und ein Gastautor

Im kommenden Oktober werde ich zu einer neuen Reise aufbrechen – gänzlich anders als zuvor. Ziel ist die griechische Insel Lesbos, kaum 30 Kilometer vom türkischen Festland entfernt. 30 Kilometer – das ist weniger als der Höchststand einer meiner Tagesetappen auf dem Camino del Norte letztes Jahr. Doch statt als von Freiwilligen umsorgter Sinnsucher-Pilger werde ich nun auf der anderen Seite stehen, für Menschen, die diese so viel schwierigeren 30 Kilometer so viel nötiger haben. Dort, auf diesem kleinen Vorposten der Festung Europas, stranden Tag für Tag Flüchtlinge oder werden von hoher See gerettet. Die private Organisation SchwizerChruez hat es sich zum Ziel gesetzt, dort eine wahre Hilfe zu leisten: Medizinisch, organisatorisch, menschlich. Zwei Wochen werde ich dort meinen Beitrag zu leisten versuchen, und bin dabei nicht alleine. Neben den vielen anderen Freiwilligen ist es vor allem ein Mensch, der mir den nötigen Arschtritt verpasst hat und mit mir zusammen die Reise antreten wird.

Darf ich vorstellen – zukünftiger Gastautor in diesem Blog, unverbesserlicher Gutmensch und fantastischer Vater: Michael.

Wir gehen nun in die Vorbereitungen und halten euch auf dem Laufenden!

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Der Camino del Norte in Bildern

 

Für alle Lesefaulen und Fotofreunde: die letzten zwei Monate in Bildern. Wer mehr sehen und lesen will muss in den Beiträgen zurückgehen. 🙂

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Am Ende der Welt

Eigentlich ist es gar nicht so spektakulär. Ein Leuchtturm, ein Stein mit der 0 Km Angabe, ein paar Felsen die zum Meer abfallen. Ein Mann der Gitarre spielt, eine Gruppe Pilger, die Wanderstöcke und Nachrichten mit Überwundenem verbrennen. Ein Sonnenuntergang, der deutlich weniger beeindruckend ist als jener, den ich am folgenden Tag vom kleinen, halbvergessenen Strand zehn Minuten hinter meiner Herberge betrachte (siehe Fotos). Eigentlich ist es nur ein Kap, das genaugenommen nicht einmal das westlichste Europas ist.
Aber zugleich ist es auch das Ende einer langen äußeren und inneren Reise. Die letzten Schritte nach über tausend Fußkilometern von Frankreich bis an die spanische Westküste.  Der letzte  Schlag meines Bambusstockes Salvador auf den steinigen Boden. Das Ende der Erde: Kap Finisterre.

Die letzten Tage von Santiago nach Finisterre waren wie ein neugemischtes Kartenset –  Pilger vom Camino Francés, Portugués und Norte treffen plötzlich aufeinander, man tauscht die unterschiedlichsten Erfahrungen aus, während der Höhenweg über die letzten Berge führt. Ab und an treffe ich jemanden aus dem Norden wieder, wie den österreichischen Ökonomen, den ich erstmals in Colombres traf (noch in Asturien,  vor über 300km) oder die Hippiedame aus den ersten Tagen in Galizien, neue Leute tauchen wieder und wieder auf, wie der Tschechische Programmierer oder das Schweizer Paar. Nach einer langen Etappe mit Christiana (der ersten nicht-polnischen Pilgerin die  zumindest teilweise aus katholischen Gründen läuft) komme ich in Cee an, einer Stadt in der nicht mal die Schritte der Fußgänger und das Klacken von Wanderstäben die allgegenwärtige Stille stört. In der Herberge an der Quelle  spielen wir Durak, die Herbergseltern verwöhnen uns mit Selbstgekochtem und Abschiedsumarmung, die Schokolade mit Kondensmilch schmeckt bereits nach Schlussetappe. „Hast du mit deinem camino erreicht was du wolltest?“  fragt Christiana, weil sie selbst keine Antwort weiß.
Als wir am nächsten Tag die letzten Kilometer am Strand entlang laufen, antworte ich „Ja“ und schreibe die Namen der Menschen, die diesen Camino zu dem machten, was er war, in den Sand. Wir essen mittag in „la Familia del mundo“, eine Empfehlung von Esperanza, Punks und Hippies mit Linsensuppe auf den Tellern, bunte Wände, laute Musik. Neben uns sitzt ein weinendes Mädchen. Sie ist aus Berlin und auch den Norte gelaufen, bringe ich sie schließlich zum reden, der Teller vor ihr ist voller Linsensuppe und Probleme, die hier nicht hingehören. Hat sie mit dem Camino erreicht, was sie wollte? Ja, deswegen weint sie. Ich bleibe zwei Tage in der Herberge da Sol y Luna, hinduistische Wandmalereien und Lagerfeuer, das beste Frühstück seit zwei Monaten, gemeinsames Abendessen im Garten, an der Wand steht „Das ist nicht das Ende, es ist der Anfang“. In den Straßen des kleinen Ortes am Ende der Welt treffe ich Canto wieder, Sorpresa ruft zufällig an, während die Sonne hinter dem Strand versinkt und die Wellen sich im Rot brechen. Ob ich erreicht habe, was ich vom Camino erwartet habe, fragt sie, aber was sind schon Erwartungen. Das räumliche Ziel zu erreichen, das ist leicht. Ein paar Berge, ein paar Landstraßen, Baskenland, Kantabrien, Asturien, Galizien, irgendwann ist es normal morgens aufzustehen, die Füße zu tapen  und loszulaufen, bis man eben am nullten Kilometer ist. Verändert man sich dabei? Kehrt man anders zurück? „Nur wenn man kein Schmalspurpilger ist“, würde Canto sagen. „Das werde ich erst zuhause wissen“, würde Busqueda vermuten. „Hoffentlich“ meinte Esperanza.
„Ja“, antworte ich, schreibe „gracias“ in den Sand und lasse das Ende der Welt hinter mir.