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The Real Barranco

Nachdem ich die ganzen letzten Tage an meiner Hausarbeit gesessen habe und an so manchen Dingen fast verzweifelt bin (Bibliothek, Statistikwebseiten von Brasilien und Ecuador…) und heute morgen einem wenig produktiven Besuch bei der brasilianischen Botschaft auf der Suche nach weiteren Informationen, gab ich für den Rest des Tages die Uniarbeit einmal auf und holte endlich nach, was ich schon eine Weile vorhatte: „Clase en la Calle: Barranco Teil II“ 😉 – diesmal bei Tag. Mit viel Zeit in der Tasche wich ich auch öfters mal von den grossen bekannten Strassen ab und entdeckte den Teil Barrancos, von dem alle immer reden, den aber offenbar wenige wirklich sehen: die Boheme. Abgefahrene Wandmalereien und Graffities, ruhige Parks, verwinkelte Cafes mit seltsamen Namen…. so hatte ich mir die angebliche Zuflucht der Limeño-Künstler schon eher vorgestellt. Und es gibt auch etwas weniger reiche Häuser und Strassen, was das ganze doch etwas natürlicher macht als z.B. Miraflores. Und doch sind die grossen Verkehrsadern des Barrios mit Bars und Clubs gefüllt, und sogar einen Dönerladen gibt es. Hab mich fast wie zuhause gefühlt.
Nachmittags wurde ich dann leider vom Pech verfolgt: nachdem ich endlich den passenden Vivanda-Supermarkt mit „Mi-Ticket“-Verkaufsstand gefunden hatte, durfte ich feststellen, dass die 90Soles-Ticket für Fatboy Slim schon ausverkauft sind. Bleiben nur noch die VIP-Tickets für 149 Soles… sehr ärgerlich.
Dann durfte ich feststellen, dass die lang erwartete Poesia en el Parque für die ich mich so vorbereitet hatte, heute abend leider ins Wasser fällt, da im ganzen Parque Kennedy eine Feria de Libros (Buchausstellung) mitsamt irgendwelchen Buchvorstellungen und Lesungen ist. Auch sehr ärgerlich, erstmal allen Freunden abgesagt die eigentlich kommen wollten, damit sie nicht umsonst kommen. Noch ärgerlicher: nächste Woche kann ich nicht, weil ich da in La Paz bin…

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Clase en la Kalle!* – Barranco

Barranco bei NachtDas gelbe Strassenlaternenlicht umhüllt die mediterran anmutenden Häuser, während zahllose Micros über die ehemaligen Strassenbahnlinien hetzen. Aus Clubs und Bars vermischt sich Reggaeton mit US-Musik und dem Mann mit der Gitare am Strassenrand. Duch mit Vigilancia ausgestatteten, private Strassen umrundende Zäune fällt der Blick auf den Pazifik, an dessen Ufer sich die tausend Lichte von Lima der Schrecklichen wie Sterne aufreihen – dass die Mehrzahl davonaus Barracken kommen, vergisst man hier leicht. Ich bin in Barranco.
Eigentlich hätte ich ja jetzt Uni. Demografia und die neu belegte Sociologia rural. Heute gab’s aber irgendeine Sonderveranstaltung/Feiertag/keine Ahnung was, weshalb in den Ciencias Sociales (…Überraschung!) keine Veranstaltungen stattfinden. Jetzt weiss ich auch, warum unsere Demografia-Aufgabe bis Donnerstag ist…
Also nutzte ich kurzerhand die Zeit und fuhr mit dem Bus nach Barranco (über 1h Fahrt!), um selbst ein bisschen Soziologieunterricht „in der Strasse“ zu haben 😉
Was soll ich sagen… es ist wie eine eigene Stadt, vollkommen andes zum Rest von Lima, und wenn ich nicht täglich zur Uni müsste, würde ich wahrscheinlich hier wohnen. Zusammen mit Miraflores ist Barranco eines der besseren Wohnviertel, was man auch sieht, aber doch etwas natürlicher als Mirafloes. In zwei schicken Gässchen tummeln sich zahllose Bars und Clubs, eine vielzahl an Restaurants und Backpackerhostels. Eine lange Treppe führt runter bis zum Meer, auf welches man aber auch von oben eine gute Aussicht hat – wenn man denn dorthin kommt. Denn die meisten Strassen dahin sind „privat“, mit Videoüberwachung, Zaun und Wachmann, damit auch ja kein Unbekannter in die Nähe der betuchten Häuser kommt…
Blick auf LimaZweimal hatte ich Glück, einmal war kein Wachmann vor Ort, ein anderes mal liess mich de in Chorillos wohnende ältere Herr bis nach vorne durch – die dort Wohnenden haben wirklich eine herrliche Aussicht, die sie da für sich gepachtet haben. Es fällt leicht, zu vergessen, dass der grösste Teil Limas unter Wellblechdächern lebt und mit 800 Soles im Monat auskommt – wenn der Vater denn einen festen Job hat. (Dass die Mutter trotzdem nicht arbeiten geht, ist Sache des machismo hier…) – wahrscheinlich auch der Wachmann.

Heute früh gab es dann wieder ganz herkömmlichen Unterricht mit Procesos Sociales y Politicos, heute mit den Agrarreformen in Lateinamerika als Thema. Naja, und wo ich noch vor Kurzem über Unterforderung geklagt habe, das hab ich jetzt davon: der Text für nächste Woche ist 200 Seiten lang, die Modulleistung ist ein Examen, ein Zwischentest, ein Referat mit Hausarbeit als Gruppe und vier Kommentare zu den gelesenen Texten. Wow. Da bin ich froh, nur 3 Veranstaltungen belegt zu haben, von denen die anderen 2 fakultativ sind. Selbe schuld 😉
Nach einem ungünstig gelegenen halben Tag frei gehts dann heut abend wieder zur Uni für meine (hoffentlich) erste Stunde Sociologie rural.

8.9.2010, Lima

*Anmerkung: Ja, Calle schreibt sich eigentlich mit C. Ist n Insider für alle, die schon mal in überfüllten Micros „Tekkno… en la Kalle!“ gehört haben 😉