Categories
Alte Reisen Reiseblog

Ultramuseumstag / Poesia en el Parque

Wow. Ich brauch gar keine Museumswoche. Ich mach das alles an einem Tag. Naja, fast: Zeitig aufgestanden machte ich mich ins Stadtzentrum, um dort ein paar Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Zuerst gings zur Iglesia de San Pedro, die nicht wirklich eine absolute Besonderheit ist, aber dank kostenlosem Eintritt auch keine Verschwendung. Auch hier wieder Prunk an allen Seiten, diesmal aber kein Pizarrosarg wie in der Kathedrale (wär ja auch merkwürdig gewesen). Danach ging es – wieder kostenlos – ins Museo banco Central de la Reserva, das, wie der Name schon sagt, im Gebäude der Zentralbank untergebracht ist. Schon witzig, dass solch eine kapitalistische Institution die dort gezeigte populäre und postkoloniale Kunst sowie präinkaische Historie umsonst zeigt, während die katholische Kathedrale einem 10 Sol abzieht… Im Keller des Museums sind in einem alten Tresorraum dann noch Goldschmuckstücke der Inka ausgestellt. Atmosphärisch passend. Und, wenn auch nur in überraschend kleinem Umfang, eine Sammlung peruanischer Münzen aus verschiedenen Zeiten. (Vom kolonialen Real über den Sol, den Sol de Oro und den Inti zum Nuevo Sol.) Zwei Kirchen, die ich unterwegs auf dem Weg fand, liess ich aussen vor – eh immer das gleiche zu sehen, und dann auch noch mit überteuertem Eintritt – und ing lieber ins kostenlose Museum der Inquisition. Da gibts dann die Gräuel der Kirche ganz plastisch an Figuren dargestellt, damit man auch noch die letzten Sympathien verliert. (Sorry an alle Gläubigen, ich rede nicht von der Religion, sondern von der Institution.) Die Führung war nicht allzu spannend, aber trotzdem streckenweise ganz hilfreich. Nach einem kurzen Mittagessen wollte ich mir noch die Kolonialhäuser Casa Pilatos und Oquendo ansehen, die laut meinem Lonely Planet besichtigbar sein sollen – das ist allerdings leider mittlerweile nicht mehr der Fall. Stattdessen dann in den Parque de la Muralla an der alten historischen Stadtmauer. Das 1-Sol-teure Museum kann man sich sparen, der Park ist aber ganz hübsch. Muss ich auch mal nachts hin, da wird der schön beleuchtet. Um meinen Powertag zu vervollständigen, gings dann abends mal wieder zu Poesia en el Parque mit meinem ersten bilingualen Text – siehe unten. Den ersten Text vom letzten Mal habe ich bisher immer noch nicht hochgeladen, das wird aber baldigst nachgeholt!

1.10.2010

Categories
Alte Reisen Reiseblog

Excursion, Archäologie,Töpfererotik, Feria, Poesia und der Flying Dog

Excursion, Archäologie und Töpfererotik
Ich befürchtete schon ein Dé-javù erlebnis, als ich gestern abend in der Uni vor der aula 8 stand. Und niemand da war. Und es bei der Parallelveranstaltung des anderen Prof in der aula 25 genauso leer war. Da aber wenig später vor der 8 noch ein paar andere Studenten warteten, blieb auch ich und konnte so eine halbe Stunde später tatsächlich an meiner ersten Stunde Sociologia rural teilnehmen. Erstmals hatte ich eine wirklich interessante Klasse mit bereichernden Erkenntnissen und bin entsprechend wirklich froh, zu dieser Klasse gewechselt zu haben. Ausserdem wird es, um das ganze auch praktisch abzudecken, Mitte Oktober eine gemeinsame Exkursion geben, wo wir dann sozusagen “Clase en el campo” (auf dem Land) haben 😉 – mehr dazu natürlich, wenn es so weit ist.
Heute wurde ich dann meiner offiziellen Einschreibung gerecht und besuchte das Larco-Archäologiemuseum in der Bolívar (in dem ich bisher immer noch nicht gewesen war, obwohl es um die Ecke meiner ehemaligen Unterkunft liegt). Das Museum ist wirklich faszinierend und gut gemacht, und zeigt vor allem die zahlreichen präinka-Kulturen auf, die man viel zu selten beachtet – angesichts der Tatsache, dass Peru einige tausend Jahre von Nazca, Chancay, Moche, Lima, Paracas und und und bevölkert wurde, während die Inka nur die letzten 150 Jahre eine Rolle spielten.
Erotische Töpferkunst im archäologischen MuseumIn einem Extrabereich (um die Kinder fernzuhalten 😉 ) war “erotische Töpferware” ausgestellt mit Krügen, auf denen die verschiedensten Sexstellungen als Skulpturen dargestellt sind, und einem Trinkgefäss, dessen Griff der überdimensionierte Penis eines grinsenden Indigeno ist… Sinn für Humor hatten die Moche (von denen dieses Werk stammt) also auch. 🙂

9.9.2010, Lima

Feria, Poesia und der Flying Dog
Manchmal sind die teuren Ereignisse längst nicht so ein tolles Erlebnis wie die kostenlosen – so wie heute. Ich habe mich ehrlich gesagt ein kleines bisschen geärgert, 20 Soles für den Eintritt zu der diese Woche im Parque de la Exposicion stattfindenden Feria de Comida (Essens-Messe) zu bezahlen. Zwar gab es tatsächlich sehr viel beeindruckende Auswahl und ich ass mein erstes Meerschweinchen (eigentlich vom Geschmack her ähnlich wie Hühnchen… ein bisschen wie Lamm vielleicht), aber trotzdem musste man schliesslich noch für alles bezahlen (und das nicht zu wenig, auch wenn es meist von exklusiveren Restaurants war und dafür natürlich wiederum günstig war) und meist auch noch ewig lang Schlange stehen. Hätte man sicher besser organisieren können (“man” ja, Limeño nein ;)), und alles in allem bevorzuge ich dann doch, in einem richtigen Restaurant für den gleichen Preis ein ganzes menü zu bekommen. War trotzdem ganz lustig mit der Gruppe aus Nadja, Benni, Katty, drei mir bis dahin unbekannten Kanadiern, und diversen anderen Austauschstudenten.
Um 6 Uhr musste ich dann schweren Herzens (ja, das war ein bisschen Ironie) das Messegelände verlassen, um rechtzeitig um 7 beim Parque Kennedy zur Poesia en el Parque zu sein – was ich dank chaotischem Verkehr nur ganz knapp schaffte. Nach der Hälfte der Vortragenden war ich dann dran und durfte meinen Text “Ich hasse es” in deutsch und in der in den letzten tagen übersetzten Version “Yo odio” präsentieren, was echt gut ankam und richtig Spass gemacht hat. Es waren sogar zwei deutsche Touristen da, die beide Versionen verstanden haben 😉
Der Abend bzw. die Nacht ging dann in der Bar des Backpackerhostels “Flying Dog” in Miraflores zuende, wo unsere französische Kommilitonin Amandine (die hier immer “Mandarine” genannt wird, weil sich die Peruaner ihren Namen nicht merken können 😉 ) arbeitet und wir (die Leute die auch bei der Feria waren) bis 2 Uhr sassen, Pisco Sour und Machu Picchu tranken und uns über alles mögliche unterhielten. War auf jeden Fall sehr entspannt und v.a. mit Benni konnte ich mich (auf Spanisch natürlich) echt gut unterhalten.

10.9.2010, Lima