Blogbeiträge

Kirchen und Krieg

Kirchen und Krieg

Touristen und Reisende mögen ja alte Städte. Wo die Stadtmauern in wuchtige Höhen wachsen, Kirchturmspitzen und Minarette die Wette um die größte Nähe zum Himmel ausüben und Festungsruinen auf den Spitzen der Berge thronen. In der letzten Woche fand ich gleich drei Beispiele solcher von aller Welt geliebten Städte: Das montenegrinische Kotor, das kroatische Dubrovnik und das bosnisch-herzegowinische Mostar. Alle drei leben vom Tourismus, der in den Sommermonaten ihre Straßen durchflutet, im späten Herbst der inzwischen unter den Mantel kriecht…

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Wer wir sind und wo wir leben

Wer wir sind und wo wir leben

“Kein Albanier mag Albanien”, sagt der Schüchterne, “Wenn ich könnte, wäre ich in Schweden.” “Unsere Identität ist noch aus der Antike,” sagt der mazedonische Poet, “wenn andere da Probleme mit unserem Namen haben, ist das doch deren Problem.” Gespräche hier gehen leicht in solche Richtungen. Wer wir sind und wo wir leben. Was ist kulturelle Identität? Und wie lange man als Gastarbeiter in Deutschland war. Hier, das sind die letzten fünf Tage in Mazedonien und Albanien, und sie sind voll…

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Die Elbenfelsen von Meteora

Die Elbenfelsen von Meteora

Wenn die Nebelbank sich in dicken Schwaden um die Felsen von Meteora legt, sieht es ein bisschen so aus, als würden sie schweben. Nur ein Dutzend Meter Fels, weich auf einer Wolke liegend, gekrönt von einem jahrhundertealten Kloster, dass sich in präfaktischer Weise an den Stein klammert. Die offizielle Geschichte lautet wie folgt: Ein gigantischer See, vielleicht ein Meer, in prähistorischen Zeiten, wurde duch ein Erdbeben gespalten, so dass die Strömungen im abfließenden Wasser eine Reihe caspardavidfriedrichesker Felsen aus dem…

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Schlechte Entscheidungen und Athen

Schlechte Entscheidungen und Athen

Ist alleine reisen nicht langweilig? Wird man als Alleinreisender häufig gefragt. Meist antwortet man mit: Nein, man lernt ja unterwegs umso mehr Leute kennen. Ja, aber. Es ist Tag 4 nach Lesbos, nach One Happy Family und der Abreise von Micha. Umarmungsreich hatten wir uns von vielen Freund gewordenen Menschen verabschiedet und ich brach auf, um erst Athen und dann den Peloponnes zu erkunden. Ich hatte 3000 Jahre alte Paläste gesehen und war durch zerklüftete Landschaften mit traumhaftem Meerblick gefahren….

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Ach, Europa

Ach, Europa

Irgendwo hinter spärlich bewachsenen Bergen, olivbrauner Vegetation und staubig-brüchigen Serpentinen im Norden einer kleinen Insel, die Asien näher ist als dem griechischen Festland; dort, wo Europa seine unsichtbaren Mauern durch das Mittelmeer zieht und in der Verteidigung seiner Werte dieselben vergisst, dort liegt ein Friedhof, der nie einer sein sollte. Micha und ich parkten das Auto, mit dem wir sonst Flüchtlinge von Moria zur Happy Family fahren, am Rande einer von Schafböcken gesäumten Bergstraße, um den letzten Kilometer zu Fuß…

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Einzelschicksale?

Einzelschicksale?

Wenn wir von unserer Zeit auf Lesbos erzählen, hören wir oft Sätze wie “Respekt, dass ihr das könnt.” Das ist lieb gemeint – aber eigentlich gebührt uns mitnichten solcher Ehre. Hier sind ein paar Alternativvorschläge, wem hier in Mytilene tausend Respektsbekundungen zufließen sollte, oder Glückwunsche, oder Mitleid. Oder alles zusammen. Eine garantiert unvollständige Sammlung von Einzelschicksalen:

Die Hoffnung ist der Anker der Welt (afrikanisches Sprichwort)

Die Hoffnung ist der Anker der Welt (afrikanisches Sprichwort)

Ihr lieben, im Rahmen unseres Flüchtlingseinsatzes erhalten wir über unser Netzwerk immer permanent  Nachrichten, wenn wieder Flüchtlinge von den Rettungsorganisationen hier vor Lesbos aus dem Meer gerettet und anschließend nach  Lebos gebracht werden. Jeden Abend (!) sind es meistens weiterhin 60-120 Menschen; pro Monat sind es dann …… Auch diese Menschen werden dann nach Moria (siehe Erklärung in den Voreinträgen) gebracht. In keiner Nachrichtensendung wird darüber noch berichtet, es sind vergessene Einzelschicksale, genauso wie die 5.000 Menschen, die in Moria…

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Trauriger Sonntag

Trauriger Sonntag

Heute ist für mich -und weiß Gott nicht nur für mich- ein trauriger Tag im Rahmen unseres Flüchtlingseinsatzes auf Lebos: Heute habe ich über unser Netzwerk erfahren, dass in Moria – dem völlig überfüllten Flüchtlingslager der Regierung, in dem laut Berichten der Flüchtlinge und belegt durch heimlich gemachte Handyaufnahmen täglich Gewalt und Misshandlungen erfolgen – gestern früh ein fünfjähriges Mädchen unter noch nicht geklärten Umständen gestorben ist.

One Happy Family

One Happy Family

Es ist warm und wuselig, aber auch bunt wie in einem Hippiedorf aus den 70ern. Wenn der Van durch ein steil ansteigendes Industriegebiet gefahren ist, öffnet sich uns ein Tor zu einem versteckten kleinen Grundstück, mit Wandmalereien und Meerblick. Kinder aus Syrien, Lybien, Irak und hundert anderen Ländern spielen auf dem Klettergerüst, Jungs spielen Basketball, Mütter sitzen auf der Steinballustrade und unterhalten sich, während die Männer sich im Café überzuckerten Tee besorgen. “Dieser Ort ist einfach magisch”, sagt der kleine…

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Hoch oben

Hoch oben

In einer kleinen Propellermaschine, mit kaum mehr als 15 Reihen Passagieren, fliegen Micha und ich über das wellenkräuselnde Mittelmeer und braun zerklüftete Inseln. Zwischen Freitag und heute, einem vollwuselndem New York und jener Insel, die anzusteuern wir im Begriff liegen, sah ich viele Wolken – einige davon von oben. Denn auch wenn das im letzten Beitrag so klang: noch geht es keineswegs nach Berlin zurück. Zunächst zog es mich nach Zürich, wo der Schweizer Teil meiner Familie zum all-vierjährlichen Treffen…

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