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Salsa zur Weihnacht

Weihnachtswunder
Die Schlammwanderung zur WeihnachtDer ganze Bus klatscht, die Sicherheits- und Ordnungsleute winken nicken uns wohlwollend zu und alle meine Mitpassagiere freuen sich. Klingt wie eine Kopie des chilenischen Bergwerkswunder, ist aber eigentlich wenn überhaupt, dann nur ein gaaanz kleines Wunderchen 😉 … wir sind durch den Erdrutsch durch, der meine Reise von Quito nach Cali von normalen 18 auf gute 35 Stunden verlängert hat, und den wir letzten Endes in weniger als 10 Minuten durchqueren. Was für ein Trip. Mit dem Bus nach Tulcan, über die Grenze, und dann den halben Tag in Izambia am Terminal mit Boyd (einem dort kennengelernten Ami) rumgehangen und gehofft, irgendwie nach Cali zu kommen. Alle Busgesellschaften waren ausgebucht oder wegen des Erdrutsches abgesagt, auf die Frage, was es sonst für Möglichkeiten gäbe, höre ich “Flugzeug” und “no hay” (gibts nicht). Mit viel Glück finden wir nen Bus bis nach Rsas, kurz vor jenem unglücklichen Erdrutsch… wir fuhren dann um 8 Uhr abends los und kamen heute früh um 2 Uhr Nachts an. Es war ein abstraktes Flüchtlingscamp wo wir Reisenden verschiedenster Herkungt an unser Gepäck gelehnt auf den Morgen warteten, bereits darauf eingestellt, zu Fuss die Strecke zurückzulegen und auf der anderen Seite eine Fahrtmöglichkeit zu suchen. Irgendwann um 4 kam Einer aus unserem Bus an und meinte “in 15 Minuten fähr ein Bus durch bis Cali!” – wir wetzten los, quetschten uns und unser Gepäck in den alten Bus und fuhren … gefühlte 2 cuadras. Da warteten wir dann, bis morgens um halb sieben die Strasse geöffnet wurde. War aber so sinnlos nicht, da wir so rect weit vorne in der Schlange standen, die sich hinter uns bildete … denn neben den mit Gummistiefeln ausgestatteten Fussgängern konnte je nur ein Fahrzeug die Strecke passieren, und aus der anderen Richtung kamen ja auch welche. Um 11 Uhr ereichten wir “el punto” und durchquerten mit unserem waghalsigen Fahrer den Schlamm.
Danach ist es eigentlich ganz normale Strecke bis Cali. Nur leider im schwer kaputten Bus, so dass wir nachher mehrere Male lange Halt machen mussten. Dass ich um 4 Uhr überhaupt noch in Cali ankam, und mich schliesslich noch vor Heiligabend mit Jenny und Wiebke traf – das war dann das eigentliche Weihnachtswunder 😉

24.12.2010, Cali, Kolumbien

Salsa zur Weihnacht
Cali alt und neuWeihnachten bei 30 Grad hat für einen Europäer wahrscheinlich sowieso schon eine leicht andere Stimmung. Ein klein wenig gesteigert wurde das gestern dann noch durch die “Feria”, die hier in Cali jedes Jahr für 5 Tage ab dem 25.12. die Stadt verrückt macht. So konnten wir gestern auf dem “Salsódromo” eine Parade der wahrscheinlich besten SalsatänzerInnen der verschiedensten lateinamerikanischen Länder betrachten, die 10 Blöcke einer von Menschenmassen gesäumten Strasse entlangtanzte – kaum erwähnenswert, dass sie natürlich nicht nur aussergewöhnlich gekleidet waren, sondern auch aussergewöhnlich gut tanzten 😉 … Abends gab es noch das Eröffnungskonzert, eigentlich gratis für alle, wegen der vielen Wetteropfer in letzter Zeit (Regenfälle, Erdrutsche etc) allerdings mit einer obligatorischen Essenspende (eine Packung Reis o.ä.) verbunden. Calis wohl schönste KircheDa wurde dann die ganze Nacht durch Livemusik präsentiert (Interpreten von Cali bis Cuba) und die riesige Menschenmenge tanzte sich die Beine ab. Salsa, natürlich.
Heute war unsere Auswahl nicht ganz so glücklich… wir waren bei einer Corbata, wo wir eine interessante Pferdeparade erwarteten, stattdessen aber nur viele reiche, besoffene Leute auf Pferden vorbeireiten sahen und andere Reiche in den Rängen, die denen zujubelten. Wirklich eine Zeitverschwendung und schwer verständlich was die Caleños daran finden. Aber so Erfahrungen gehören natürlich auch noch dazu…

26.12.10, Cali, Kolumbien

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Zu Pferd am Berg

Mein Pferd und ichZu Pferd am Berg
Höchsten Respekt für alle, die aus welchem Grund auch immer, stundenlag auf Pferderücken sitzen! Ich hatte dieses Erlebnis gestern zum ersten Mal für gerade mal zweieinhalb Stunden, und ich war erstmal froh, wieder auf ruhigem Boden zu stehen. Aber ansonsten eigentlich problemlos – die Stute war natürlich gut geschult und hörte auf jedes kleine Ruckeln an den Zügeln, und hat selbst bei den schwierigsten / steilsten Stellen nicht das Gleichgewicht verloren. Ja, ich bin übrigens immer noch in Quito. Tollerweise kann man aber direkt von der Stadt aus mit einer recht neuen Seilbahn zu einem immerhin gut 4000 Meter hohen Aussichtspunkt fahren und vor dort aus sind die Gipfel der beiden Vulkana Guagua Pichincha und Ruca Pichincha nur noch einen Klacks entfernt – theoretisch. Praktisch liegen da noch viele Höhenmeter zwischen. Und so lief ich nur einen Teil der Strecke und mietete für den Rest besagtes Pferd (samt Führer) mit dem ich recht hoch an den Ruca-Hang kam und eine fantastische Aussicht vom Pferderücken auf die Natur samt riesige Stadt im Hintergrund hatte. Alles in allem definitiv ein tolles Erlebnis!
Zurück in der Stadt sah ich mich dann auch mal in Neu-Quito um, wo ich bisher noch nicht gewesen war und war – ehrlich gesagt – enttäuscht. Dass es nicht mit Alt-Quito mithalten kann, war erwartbar, doch es erfüllte nicht mal die Erwartung “Skyscraper-Strassenschluchten”, die die Skyline von aussen (und oben) erweckt (und wie ich es aus Guayaquil kannte). Die paar grösseren Parks sind ganz nett, aber auch nichts besonderes. Ich hätte nicht mal was wirklich negatives zu beschreiben – es ist einfach gesichtslos. Also schnell wieder in die Altstadt.
Da klapperte ich dann heute ein paar Kirchen und das Kloster San Diego ab (was herrlich abgelegen vom Touristentrack vor sich hindöst… abgesehen von den Renovierungsarbeiten). Dann wollte ich eigentlich ein Busticket mit der Busgesellschaft Panamericana für morgen abend nach Cali holen – ist aber nichts. Bis zum 26. alles ausgebucht oder wegen irgendwelcher Probleme abgesetzt. Also muss ich wohl oder übel morgen um 5:00 früh mit dem Bus nach Tulcán an der Grenze fahren und von da aus was anderes suchen. Den Rest des Tages wich ich dem Regen aus und ging auf den

22.12.2010, Quito, Ecuador

Buschaos
Eigentlich wäre es so einfach: in Quito in nen Bus steigen, in Cali 18 Stunden später aussteigen. Nix da. Weihnachten heisst: alle Direktbusse ausgebucht, und wegen des derzeitigen Wetterchaos in Kolumbien die andere Hälfte storniert. Also nen Bus an die Grenze genommen und da sitze ich jetzt. Denn von da sind die Calibusse natürlich auch ausverkauft oder abgesagt. Also werde ich jetzt einen noch grösseren Umweg über Rosas nehmen, von dem ich immer noch nicht genau weiss wo es ist, und hoffen, von da so nach Cali zu kommen, dass ich noch vor morgen abend zu Heiligabend dort bin… Drückt mir die Daumen!

23.12.2010, irgtendwo an der Grenze Ecuador/Kolumbien

So, als kleines Weihnachtsgeschenk noch folgendes: neulich im quiteño Troleybus wurde ich (und die anderen Passagiere) von ein paar Jungs überrascht, die mal nicht irgendwelches Esszeug oder Krimskrams verkauften, sondern aus dem Stehgreif anfingen zu rappen. Ja, in Lateinamerika – kein Reggaeton, sondern richtiger Hiphop – ich war begeistert und kaufte ihnen auch gleich nachher ihre CD ab (die echt gut ist nebenbei). Um euch ein bisschen dran teilhaben zu lassen, hier eine kleine Videoaufnahme aus dem Bus… wer Spanisch kann wird sich über intelligente Texte freuen (besonders im Vergleich zu den Reggaeton-Lyrics), wer HipHop mag wird sich über den Flow freuen… und alle anderen: naja, freut euch einfach so. Frohe Weihnachten aus Lateinamerika, und danke für euer stetes Interesse, eure Mails und die Zeit die ihr euch nehmt, dass ihr durchzulesen!

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Ich hab die Hälfte der Welt gesehen… / Quito

Quito und der grandiose Reiseführer
Ganz besonders viel Flair hat das Café Modelo auf der Calle Venezuela Eke Menija. Jeden Abend von 5 bis 7 spielt ein betagter Pianist auf einem verstaubten Klavier für die Gäste – Alt-Quito pur!” Das sagt mein Reiseführer. Also wenn das Alt-Quito sein soll, weiss ich nicht, was mich die nächsten Tage im Neuen erwartet. Das Modelo ist kein Café, sondern eine Cafeteria, und hat in etwa so viel Flair wie jedes Strassenrestaurantchen in Lateinamerika. Bisschen sauberer (gar nicht verstaubt), mit Fussball-Fernseher, Neonleuchtschild und üblicher Sambamusik. Und Livemusik gibts nur Donnerstag bis Samstag. Keineswegs ein schlechter Ort, aber höchstens für sonst in abgeschotteten Hotelkasten wohnende Touris ein “Lokal mit viel Flair” – da hab ich echt schon flairiges erlebt. Dass der Reiseführer, den ich da für Euador in meiner Tasche habe, nicht ganz mein Stil ist, stellte ich bereits bei der andernorts gefundenen Anmerkung fest: “Nicht ganz so billig, aber dafür nah am Geschehen ist das HotelXYZ (Doppelzimmer 110$)“. NICHT GANZ SO BILLIG? Ich penne hier in Quito für 7$ in einem netten, zentralen Hostel. (Okay, das Bett ist nicht das optimum und ich hab ne Gemeinschaftsdusche, aber dafür hat der Eigentümer 13 Jahre in Bremen gelebt… versteh sein Spanisch trotzdem besser als sein Deutsch). Da liegt offenbar eine unterschiedliche Wahrnehmung vor. Nun ja. Ansonsten jedenfalls bin ich gut in Quito angekommen und hab mich etwas in der Altstadt umgesehen, mal wieder richtig gegessen und bin eine viertel Stunde zu spät zur Basilika gekommen, die gerade zumachte. Frage: warum schreibe ich dann über so einen recht unspektakulären Tag? …ich war grad an der Tastatur, eigentlich spannend wirds am nächsten Tag!

19.12.10, Quito, Ecuador

Ich hab die Hälfte der Welt gesehn!
Viele Leute prahlen ja damit, “die halbe Welt” bereist zu haben. Nun ja, ich habe heute Mittag die Hälfte der Welt gesehn: Mitad del Mundo, auf dem 0. Breitengrad – dem Äquator. Der ist übrigens nicht, wie man denken könnte, dort wo das in den 70ern erbaute, riesige Äquatormonumentaldings steht (und wo man teuren Eintritt bezahlt um wenig mehr als dieses klobige Stück zu sehen), sondern knappe 100 Meter weiter, wo sich ein kleines, interessantes Open-Air-Museum befindet. Die ganzen Kleingkeiten über ecuadorianische Ethnologien und Indigena-Bevölkerungsgruppen sind eigentlich kaum mehr als (immerhin ganz nette) Deko neben der Hauptattraktion. Und wer jetzt denkt “ja wie was, was ist denn schon so besonderes an ner Linie aufm Boden?” – liegt natürlich falsch. Denn dass der Äquator (im Ggs. zum 0. Längengrad) eine der Welt eigene Eigenheit mit einigen Besonderheiten ist, wussten schon die Indigenen ölker viele Jahre vor Ankunft der Spanier und errichteten zahllose Tempel auf dieser Linie quer durch Ecuador – und Quito liegt auch nicht zufällig nur knappe 20 km davon entfernt (der Name der Stadt leitet sich von “Mitte der Welt” in einer indigenen Sprache ab). Und so konnte ich also feststellen, dass das Wasser im Norden und Süden tatsächlich je andersrum fliesst, das Ei des Kolumbus auch ganz sanft und gar auf einem Nagel zu stehen kommt (ist aber nicht ganz so leicht) und man gehörig ins Schwanken kommt, wenn man mit geschlossenen Augen genau auf dem Äquator entlangläuft. Warum das alles? Weil die Erde sich dreht um in Norden alles linksrum kreiselt und im Süden rechtsrum. Weiss man ja. Logische Schlussfolgerung: in der Mitte eben gar nicht.

Anschliessend machte ich mich dann zur Basilika auf, die übrigens nicht zufällig wie der Kölner Dom aussieht – gleiche Baupläne (aber erst letztes Jahrhundert fertig gestellt). Nach langem Aufstieg hat man eine wirklich umwerfende Sicht auf die ganze Stadt – man kann wirklich bis zum höchsten Punkt gehen. Ganz schön windig, aber ECHT gut!

Die Glockentürme der BasilikaBasilika-Turmuhr von InnenNebenturm der Basilika in Quito

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Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuencas StrassenSchon kurz nach meiner Ankunft war klar: hier fühle ich mich wohl. Der Taxifahrer ist übermässig freundlich, die Strasse aus Kopfsteinpflaster von zahlreichen, guterhaltenen Kolonialhäusern gesäumt und an jeder Ecke steht eine Panaderia (Bäckerei). Das Klima ist genau wie ich es haben will (warm genug für T-Shirt tags bzw. leichter Pulli abends, nicht zu warm oder schwül, kein Regen…), die Stadt ist weder zu klein, noch zu gross, hat Flaire, ist lebendig und ein 5$-Hostel (in dem ich mich wohler fühle als im Kasten von gestern) fand ich auch auf Anhieb.
Glücklicherweise hatte es heute früh in Guayaquil den ganzen Morgen geregnet, so dass ich nach dem Frühstück entschied, nicht nochmal nach Las Peñas zu laufen, sondern gleich einen Bus nach Cuenca zu nehmen. Was für eine perfekte Entscheidung! So kam ich hier schon um 3PM an und hatte massig Zeit, durch die Stadt zu schlendern (s.o. die ist perfekt dafür), Cuencas Kathedralen-Skylinedie angeblich ca. 50 (gefühlte 1000) Kirchen zu bewundern (darunter die gigantische Kathedrale, die als grösste Lateinamerikas geplant war – worüber der Architekt allerdings übersah, dass die Kuppeln zu schwer wären… sieht jetzt bisschen aus wie’s Strassbourger Münster) und mich – kurz gefasst – einfach gut zu fühlen. Hutmacher-LadenEin Blick vorbei bei einem betagten Hutmacher (die berühmten weissen “Panamahüte” kommen nämlich eigentlich aus Ecuador… war kurz davor, mir für 20$ einen zu kaufen), und im Museum für moderne Kunst, ein Spaziergang am Fluss und ein Kurzbesuch der Universität Cuenca… und unglaublich leckeres Kokos-Süsszeug am Strassenstand – was ein voll gefüllter, herrlicher Tag. Da ich heute im Hostal wieder günstiger untergekoimmen bin, gönnte ich mir zum Abendessen mal das typische “Secco de Pollo” in einem fast schon luxoriösen Restaurant (erkennt man an den kostenlosen Apettitanreger-brötchen) – für 6$ geradezu schockiiiierend teuer 😉 – hat sich aber definitiv gelohnt. Erstaunlich, was 4$ für einen Unterschied machen können.

15.12.2010, Cuenca, Ecuador

Ambato, Latacunga, und was in den Anden weniger Spass macht
Eigentlich bin ich Donnerstag extra früh aufgestanden und aus Cuenca aufgebrochen, um gegen Mittag in Alausi zu sein. Was ich auch schaffte – doch der Hauptgrund fiel leider ins Wasser (hätte mir die Touristeninfo in Cuenca ja auch mal sagen können): es gibt eine tolle Bahnstrecke von dem Andendorf nach Riobamba, von der überall geschwärmt wird… wär auch toll gewesen, von der 20km/h-Bahn die Andenlandschaft zu geniessen. Dort angekommen erfuhr ich jedoch, dass bis Februar die Bahn wegen Streckenarbeiten geschlossen ist. Klasse, da hätte ich auch gleich mit dem Bus weiter bis Riobamba fahren können. So nahm ich nach 40 Minuten Essen und die Hauptstrasse langstreunern den nächsten Bus dorthin, um wiederum umzusteigen in einen Bus nach Ambato, wo ich gegen Abend ankam. Ein Gepäckjunge dorte wollte mir gar nicht glauben, dass ich tatsächlich dort bleibe und nicht zum allgemeinen Touri-Ziel Baños weiterfahre. Denn viel zu sehen gibt es in Ambato eigentlich nicht… nicht mal eine wirkliche Altstadt, weil der grösste Teil beim 1940er Erdbeben zerstört wurde. Der Grund, warum ich überhaupt dort hin bin, war die Möglichkeit, mal wieder ein bisschen sozialen Kontakt zu bekommen. So konnte ich nicht nur die Couch (genaugenommen ein eigenes Bett) bei der Familie von Fernanda surfen, sondern auch eine echt angenehme Zeit mit der Familie verbringen. Der Vater war sogar zur WM in Deutschland (daran sieht man den gehobenen Lebensstandart), und so fehlte es mir dort an nichts – netten Gesprächen, einer angenehmen Unterkunft und die Fürsorglichkeit, als ich am Freitag plötzlich krank wurde. Am Donnerstag abend war ich mit einer kleinen Stadtbesichtigung mit Fernanda und ihrem Freund noch im “Roho” lokales Bier trinken und anschliessend einen Strassenstandburger essen – was ich in den letzten vier Monaten ja nicht allzu selten gemacht habe. Diesmal schien da mein Körper aber irgendwas gegen zu haben und so blieb ich am Freitag grössenteils im Bett, statt (wie nach hartnäckigen Empfehlungen geplant) nach Baños zu fahren. Am frühen Abend fuhren wir zu einem Park am äussersten Ende der Stadt, von wo aus man einen fantastischen Blick auf selbige hat – trotz der guttuenden frischen Luft war ich schon schnell so KO, dass ich nachher eigentlich den ganzen Abend durchpennte.
Da ich heute früh zwar immer noch nicht 100% aufm Damm war, nach viel Schlaf aber auch nicht mehr ganz so down, verliess ich Ambato in Richtung Latacunga. Das Wetter war gut, ich kam recht schnell an und fand ein Backpackerhostal – so weit, so gut. Mein Plan für heute war, zum (kilometermässig) nahgelegenen Lago Quitoa zu fahren, der als der schönste See Ecuadors bezeichnet wird und sich in einem Vulkankrater befindet. Nach fast 2h Busfahrt (kurvige Bergstrasse) kam ich allerdings leider im Regen an – was ja noch ertragbar wäre, wenn er nicht mit so starken Nebel einherginge, dass man tatsächlich kaum was vom See sehen konnte. Nur das mir am nächsten gelegene Ufer unter mir liess ein bisschen auf die Schönheit dieses Ortes schliessen. Naja, Pech halt. Mehr Pech noch, dass der nächste Bus zurück nach Latacunga erst eine Stunde später losfuhr, und ich den dann auch noch verpasste, weil er (was für ein Wunder) früher da war als erwartet – und auch früher wieder weg. Ein leicht verschwendeter Tag…
Mein Plan für morgen ist damit dann auch mal spontan geändert, da es wettermässig wahrscheinlich morgen ähnlich aussehen wird. Und so wird es sich kaum lohnen, den (aktiven) Vulkan Cotopaxi hochzukraxeln… was noch so schön sein soll – im Nebel kriegt man davon nichts mit und friert sich nur die Beine ab. Hatte mich dann fast noch gefreut als ich rausfand, dass es hier auch einen Bahnhof mit noch aktiver Strecke nach Quito gibt – aaaaber: man kann nur Tickets für Hin- und Rückweg zusammen kaufen, und das auch nur in Quito. Wenn man sich also wie ich schon hier in Latacunga befindet, fällt das leider aus – warum? Weil das eben nur eine Touristenattraktion für Leute ist, die von Quito nen Trip hierher und zurück machen, und kein normales Verkehrsmittel. Leicht ärgerlich. Der Tag war für mich also gelaufen und ich hoffe einfach mal, dass sich mein Glück in Quito wieder ein wenig ändert 😉

18.12.10, Latacunga, Ecuador

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Vom Bustourist zum Backpacker… in Ecuador!

Bis heute Mittag war ich noch einer von vielen Touristen, die per Bus durchs Land reisen. In der billigen Variante zwar, aber trotzdem… meinen Schlafsack hatte ich nur überhaupt noch dabei, weil ich ihn nicht auch noch Francisco mitgeben wollte. Die Busfahrt war ereignislos, natürlich länger als erwartet und mit recht langer Wartezeit an der Grenze zwischen Peru und Ecuador). Nachdem ich mit einem Bus von Tumbes bis an die Carretera-Kreuzung bei Arenillas in Ecuador gekommen war, fehlte mir von dort nur noch die Strecke runter bis zu meinem heutigen Ziel Puyamango. Der Weg bis zu der Abfahrt nach dort von Arenillas war aber doch weiter als gedacht und so versuchte ich bis daher schon die Daumenvariante – fand aber nur Leute, die geradeaus weiterguhren. Also nahm ich etwas sppäter ein Taxi, da ich seit gestern ja nun wirklich lang genug auf der Strasse gewesen war. Puyamango ist so klein, dass ich überrascht bin, es überhaupt auf meiner Karte zu haben. Dort angekommen stellte ich fest: Hostals gibts hier nicht – aber ich konnte mir für 5$ (in Ecuador wird der Dollar benutzt) ein Zelt ausleihen und der Zeltplatz direkt am Fluss (ganz für mich alleine) hat sogar Licht. Abendessen fand ich dann im “Comedor”, einem provisorischen Restaurantchen, Sachen zum Frühstück einkaufen… fand ich gar nicht. 😉 Dafür konnte ich vor Sonnenuntergang noch im (mit starker Strömung ausgestatteten) Fluss schwimmen. So, und wenn ihr euch fragt – warum das ganze, für so ein Kaff?… lest morgen weiter!

13.12.10, Puyango, Ecuador

Versteinerter Wald
Versteinerter BaumIn dem schon um 8:30 warmen, aber doch trockenen Wald laufe ich auf Holzstegen zwischen quicklebendigen Riesenbäumen umher un betrachte Stücke von auf dem Boden liegenden versteinerten Bäumen. Ja wirklich! Das ist der Grund warum ich hier bin. Der versteinerte Wald von Puyango. Es ist nach USA und Argentinien die drittgrösste derartige Fundstelle (mehr gibt es nicht), jedoch sehr viel dichter von den mehrere Millionen Jahre alten Bäumen belegt. Es sind tatsächlich Steine, mit Kalzium und diversen Mineralien, acht mal so schwer wie ein vergleichbar grosses Stück Holz, und wenn man es auf den Holzsteg fallen lässt, macht es “Klonk”. Die einzigartigen Baumstücke, die hier überall umherliegen (teils bis zu 20 M lang), wurden vor Millionen von Jahren durch eine Mischung aus Lava, Wasser und Erdverschiebungen für die Ewigkeit festgehalten – ein Geschenk für Biologen und Geologen gleichermassen. Mein Guia führt mich eine Stunde hier herum, und trotz der kurzen Zeit hat sich dieser faszinierender Anblick gelohnt. Sowas sieht man schliesslich auch nicht alle Tage.
Auf dem Aufsatz eines Pickups komme ich dann für 2$ zurück nach Arenillas (was hätte ich gestern sparen können) und von da aus mit einem CIFA-Bus nach Guayaquil.
Dort erwartet mich Kulturschock – von kleinem Kaff zur grössten Stadt des Landes, das New York Ecuadors, grosse, breite Strassen, Hektik, viele viele Menschen die alles mögliche verkaufen… die übliche lateinamerikanische Grossstadt eben. Aber ein sehr schicker Malecon am Fluss entlang, mit vielen Skulpturen und was weiss ich nicht was sonst noch, zwei ganz netten Palästen und einer riesigen Kathedrale die zu Weihnachten drinnen mit kitschigen Blicklichtern verziert ist. Jetzt werde ich noch ein bisschen die Stadt bei Nacht geniessen, und morgen dann noch im Künstlerviertel “Las Peñas” vorbeischauen, bevor ich schon wieder in den Bus steige… wohin? Lasst euch überraschen!

14.12.10, Guayaquil, Ecuador

Maurischer Uhrturm in Guayaquil las peñas

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Verabschiedung von Lima

Ich spar mir jetzt hier detaillierte Berichte der letzten paar Tage, die eigentlich nur mit Leute treffen, rumgammeln, feiern und Bafög-Problemen gefüllt waren. Und auch zu meiner Verabschiedungsfeier gestern fass ich mich heute mal kurz (war toll) – dafür gibts aber ein tolles Video von meiner letzten Poesia en el Parque-Präsentation mit dem Text L.I.M.A.! Viel Spass dabei 😉

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— Halbzeit! — (Best of ;) )

Es ist Dezember und seit vier Monaten bin ich jetzt inzwischen in Peru. Weitere vier Monate auf Reisen durch Lateinamerika liegen noch vor mir, und so ist es Zeit für eine Halbzeitbetrachtung. Viel habe ich bisher erlebt und viel gesehen, abgesehen vom Kurztrip nach Bolivien, ausschliesslich in Peru – und trotzdem fehlt noch der ganze Norden des Landes. Auf dem Gringotrail (ArequipaPunoCusco) lernte ich die Klassiker des peruanischen Tourismus kennen, sah Machu Picchu und den fantastischen Titicacasee und muss grade im Rückblick sagen, dass ich mich ein wenig in die Anden verliebt habe. Wie gerne würde ich noch mehr Zeit dort verbringen. Auf späteren Reisen sah ich die Südküste mit den Nazca-Linien und den Islas Ballestas, und düste auf einem Sandboard durch die Dünen von Huacachina, erhaschte einen ersten Blick auf die Selva (andina) bei La Merced und Oxapampa und der teils paradoxen österreichischen Kolonie von Pozuzo. Erst jetzt, Ende November, lernte ich den tatsächlichen Dschungel in der Umgebung von Iquitos kennen, fischte Pirañas und verlief mich im Regenwald. Doch ich war nicht nur auf Reisen, sondern nebenbei ja auch noch an der Universität San Marcos eingeschrieben. Belegte zwar nur drei Kurse, in denen ich ehrlich gesagt nicht allzu viel lernte, schrieb aber auch eine spanischsprachige Hausarbeit und ging mit der “Sociologia Rural” auf Exkursion nach Huancayo, wo wir im Dorf Matahuasi Umfragen zum Leben der Einwohner machten. Und natürlich lernte ich durch die Uni viele Leute kennen, mit denen ich eine gute Zeit verbrachte, viele interessante Gespräche führte und die ein oder andere Chela leerte. Bedingt durch die Uni hielt ich mich entsprechend lang in Lima auf und lernte diese Metropole dadurch mehr kennen als die meisten Touristen, die hier nur kurz auf Durchreise nach Machu Picchu Halt machen. Und so sah ich zahllose barrios auf meinen “Clase en la Kalle”-Touren, besuchte viele Museen, Kirchen und Märkte und nahm mehrere Male als erster bilingualer Poet Perus bei der Poesia en el Parque teil (siehe meine Youtube-Videos). Und, was in Peru natürlich nicht fehlen darf – ich ass die tollsten Delikatessen, in den verschiedensten Stádten, teils an Strassenständen, teils in angenehmen Restaurants… mit Manjar gefüllte Churros, Picarones, geröstete Yuca, Anticucho-Spiesse (geröstete Rinderherzen), frische Fruchtsäfte, Picante de Cuy (Meerschweinchen in scharfer Sauce), gefüllte Paprika, Papa Huancayna (Kartoffel mit milder Sauce), die verschiedensten Chaufas (Reispfanne in “chinesischen” Restaurants, den Chifas), leckeren Cheesecake de Maracuya oder Pye de Limon, Tacacho (Bananenpüree mit Speck), Chicha Morada (rotes Mais-Erfrischungsgetränk), Chicha de Jara (Maisbier), natürlich Inca-Kola, Pisco Sour und den Mate de Coca gegen die Höhenkrankheit. (Und kreierte zwischendrin den fantastischen Cocktail “Lima Colada” 😉 ).
Hab ich Heimweh gehabt? Hin und wieder. Hab ich es genossen? Meistens. Würde ich es nochmal machen? AUF JEDEN FALL!
…und jetzt lasse ich schon bald mein liebgewonnenes Lima hinter mir und gehe auf Reisen gen Norden, gespannt was mich dort erwarten wird…

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Iquitos

Pipintuasi und der Paradies-“See”
Wollten wir nicht alle schonmal vollkommen alleine an einem kleinen Sandstrand liegen, ein ruhiger See vor der Nase, Palmen, Grillenzirpen und Vogelgeräusche hinterm Rücken, blauer Himmel, strahlende Sonne, und das Anfang Dezember?
Ich will euch ja nicht neidisch machen, aber da bin ich grade. Okay, der Preis sind gigantische Mückenstiche, und ich weiss auch nicht wirklich, obes der See Corrientillo ist, oder doch eher der Rio Nanay, und ob das Gegenüber ne Insel oder eine Landzunge ist – die hin und ab vorbeikommenden Motorkanus sprechen eigentlich für letzteres. Egal 😉 Ich hatte mich von einem Mototaxi zum See bringen lassen, er liess mich allerdings an einem kleinen Seechen raus, das, wenn es wirklich Corientillo ist, längst nicht so toll ist wie im Lonely Planet beschrieben. Ich drehte ein paar Runden im rötlichen Wasser, wo man selbst am tiefsten Punkt grade bis zur Hüfte im Wasser steht, und entschloss mich dann, was Besseres zu suchen. Dem Weg folgend an der Universidad Nacional Amazonia Peruana vorbei (was für ein GEILER Campus=) ) fand ich dieses Goldstück. An den tatsächlichen, oben beschriebenen Strand kam ich zwar nur schwimmend, so dass ich zum Tagebuchschreiben zurück an den “Hafen” musste. Wären nicht so viele Mücken, mein Hunger und die Frage wie ich zurück nach Iquitos komme, würde ich bis Sonnenuntergang hier bleiben…
Affe im Pipintuasi-ParkHeute vormittag war ich im Pipintuasi-Schmetterlingspark. Über Busfahrt nach Bellavista-Nanay (mit schickem hölzernen Mikro) und Bootsfahrt nach Padre Cocha erreichte ich schliesslich den Park. Durch bestes Dschungelgebiet (naja… mit Pfaden und sehr viel geordneter als die Selva virgen) teils mit und teils ohne Führung konnte ich nicht nur zahlreiche Schmetterlinger beobachten (die werden hier aufgezüchtet und dann in die Freiheit entlassen), frei durch die Gegend hüpfenden Affen folgen und die beiden Raubkatzen bewundern.

2.12.2010, Iquitos

Iquitos
An meinem letzten Tag hier in der Provinz Loreto habe ich mir endlich einmal Iquitos selbst angeguckt. Und war – schnell gelangweilt. Ich war um ca. 9 Uhr die “Prospero” heruntergelaufen, fotografierte dabei ein paar Häuser, die noch aus Zeiten des Kautschuk-Booms mit teuren portugiesischen Kacheln verziert sind, und erreichte dann Belen. Belen ist zum einen der grösste Markt der Stadt, zum anderen das Armenviertel. Teils beides zusammen. Der Markt ist angesichts der Temperaturen noch unhygienischer als ich es hier schon gewohnt bin (wenn sogar schon die dort hängenden Hähnchen so stark riechen, fragt nicht nach dem Fisch!) – dabei war es vormittags dank konstantem Nieseln “verhältnismässig” frisch. Das Stadtviertel erstreckt sich bis weit hinunter zum Fluss, voller bunter Baracken auf Stelzen, was sich im Lonely Planet noch ganz schön anhört… dass der Müll auf dem Boden schon festgetretener Teil der “Strasse” selbst ist, steht da natürlich nicht. Weiter draussen liegt dann der “schwimmende” Teil der Stadt, mit Häusern auf Flössen, die mit dem Fluss steigen/sinken. Ich hatte aber nicht mehr wirklich Lust, da mit einem Kanu hinzufahren, ich war so schon von der schwülen Hitze geschlaucht und entschloss mich umzukehren. Casa de HierroAm Malecon hoch, neben ein paar Kolonialhäusern vorbei bis zurück zur Plaza, wo sich auch das “Casa de Hierro” (Eisenhaus) befindet. Wurde eins vom Monsieur Eiffel konstruiert und nach Iquitos importiert, als die Stadt durch Kautschuk offenbar zu viel Geld hatte. Ist aber nix besonderes drin – was sich eigentlich von der ganzen Stadt sagen lässt. Eintsprechend war nach einem weiteren kurzen Spaziergang zur Plaza 28 (sehr hässlich) und einem Mittagessen grade der halbe Tag um, doch die Stadtbesichtigung fertig…
Und da ich nach einem Mittagsschlaf immer noch so träge war, dass ich in der von Mototaxis lärmenden Stadt nichts anzufangen wusste, folgte ich einem weiteren Lonely-Planet-Tipp zum See Mapacocha bei Santo Tomás, etwa 45 Minuten von der Stadt entfernt. Der Lonely Planet schwärmt von tollen weissen Sandstränden bei niedrigem Wasserstand und zahllosen Einheimischen in den Bars um den See herum… Sonnenuntergang überm MapacochaTrotz SEHR tiefem Wasserstand (man kann überall stehen) ist der Sandstrandbereich keine 10 Meter breit, und ich bin so ziemlich der Einzige, der hier schwimmt, obwohl es Freitag ist. Egal, trotzdem gut erfrischt und endlich wieder fit, am Strand gechillt und Sonnenuntergang beobachtet, was will ich mich beschweren? 😉

3.12.2010, Iquitos

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Verloren im Dschungel

Wie man aus Baumwurzeln trinkt,
…Termiten als Mückenschutz benutzt oder im Dschungel verlorgengegangene Freunde mithilfe eines riesigen Baumes zu sich ruft, sind nur drei Punkte des heute (siehe Datum) gelerntes ;). Früh um 8 fuhr ich mit meiner Gruppe (drei recht wortkarge Belgier, von denen 2 kein Spanisch sprechen) mit dem Auto zum Hafen von Nauta, von wo aus wir in einem Motor-Kanu weit in die Selva vorstiessen. Nachdeem wir das 3-Flusseck und damit den Anfang des Amazonas passiert hatten, kamen wir schliesslich an unserer Unterkunft an. Ein paar nicht grade luxoriöse, aber gemütliche Häuser, wie üblich auf Stelzen und mit Palendächern, ich eine Habitacion für mich alleine, Mückennetz am Bett und vor den Fenstern – was will man mehr im Dschungel?… einen Ventilator vielleicht, denn ich schwitze selbst 5 Minuten nach der erfrischenden Dusche schon wieder. Nach einem für mich eher kargen Mittagessen (da Fisch) packte unser Guia Augusto die Machete, wir Gummistiefel, und so stapften wir los in das grüne, von Vogelgeräuschen und Moskitosurren erfüllte Labyrinth. Neben ein paar Affen bekamen wir zB zu sehen, wie Ich trinke Wasser aus einer Baumwurzelman einfach ein Stück Wurzel eines bestimmten Baumes abhacken kann, um daraus kühles, klares Wasser zu trinken, zu hören, wie laut das Echo klingt (2km weit), wenn man mit der Machete gegen einen bestimmten, riesigen Baum schlägt, und zu fühlen, wie zahllose Termiten über die Hand krabbeln wenn man selbige auf ein Termitennest legt. Die tun nichts, sind im gegenteils sogar hilfreich, wenn man sie auf den Armen verreibt – als Mückenschutz. Trotzdem (und dem zusätzlichen Chemiezeug) war ich schnell durchstochen.
Wie das im Regenwald so ist, fing es etwas später an zu regnen, undzwar nicht nur ein bisschen… Schlauerweise hab ich nur 1 Hose mit, liege jetzt also in meinem Zimmer und warte, dass sie einigermassen trocknet, während der strömende Regen draussen sinnlose Tätigkeiten verhindert. Später am Abend gingen wir mit Taschenlampen ausgestattet nochmal raus, um die nachtaktive Tarantula (Vogelspinne) zu finden. Fanden allerdings nur eine Kleine, und eine, die schnell im Bauminneren verschwand. (Anmerkung: am nächsten Tag brachte Augusto kurz vorm Abendessen eine auf der Hand mit ins Esszimmer 😉 ). Als es wieder zu regnen anfing, zog ich schlauerweise schnell meijn Shirt aus und schützte es so vor der totalen Durchnässung. Warm genug für Oberkörperfrei war es ohnehin, und wenn es regnet, verschwindet auch der Hauptgrund für die viele Kleidung… die Moskitos 😉

29.11.2010, Irgendwo im Dschungel von Loreto

Pirañas und rosa Delfine
Typisches DschungelbildDer heutige Tag fand bisher grossteils auf den wichtigsten Verkehrsadern der Selva statt: den Flüssen. Um 5 Uhr früh aufgestanden schipperten wir los auf Kaimansuche… hatten leider keinj Glück. Dafür konnten wir aber bei sehr angenehmer Temperatur das Ufer betrachten. Nach dem Frühstück gingen wir mit Angeln ausgerüstet zum Piraña-fischen. Ich selbst zwar nicht, denn ich finde es sinnlos, Fische zu fangen, verletzen und zu töten wenn ich sie dann nicht aufesse. Die Belgier fingen aber ein paar der Viecher, die einem zwar wenn man sie doof anfasst ein Stücken vom Daumen abknabbern können, aber natürlich nicht so gefährlich sind wie im Hollywoodfilm. Bei schon mittäglicher Hitze hielten wir uns dann noch eine Weile im 3-Flusseck auf, wo wir die Flossdelphine beobachteten: und ja, ein paar von denen sind tatsächlich rosa. Nicht so Teeniemädchen-Scoutranzen-Pink natürlich, sondern mehr so europäische Hautfarbe, und auch das nicht gänzlich, sondern eher gescheckt. Aber trotzdem… funky 😉

Verloren im Dschungel
Ich vor der grünen WandEs wird langsam dunkel um uns rum. Die zahllosen Vögel zwitschern um uns irgendwo auf den Bäumen und Augusto, unser Guide, meint das Motorengeräusch käme aus dieser Richtung. Die eine Taschenlampe, die wir mithaben, neigt sich dem Ende zu und Ziki, der Bootjunge, antwortet auf unsere Rufe auch nicht. Die Belgier und ich schlagen vor, lieber einen sicheren Platz für die Nacht zu suchen statt sinnlos die Batterien zu verbrauchen und durchs dunkle Dikicht fern jeder Wege zu irren.
Wir waren nach dem Mittagessen nochmal Angeln gefahren und wollten eigentlich nur mit einem 40-Minuten Spaziergang die Zeit überbrücken, um dann vom Boot aus in der frühen Dämmerung Kaimane zu suchen. Inzwischen ist es weit nach 6 Uhr, hier in der Selva also schon längst dunkel, und ich überlege, ob es sich lohnt, in Panik auszubrechen. (Lohnt sich natürlich nicht.) Handy hat keiner mit, hätte eh nix gebracht da A kein Netz, B wen sollten wir schon anrufen. Wir haben nicht mal was zu trinken mit (wissen ja immerhin jetzt wie man aus Wurzeln trinkt) und ein kleeein wenig sehne ich mich nach Lima und meinem kleinen, sicheren Halle ;). Ich komm auf die schlaue Idee, mein Kameradisplay als Taschenlampenersatz zu benutzen.
Nassgeschwitzt, KO und nach mehrerem Stolpern sehen wir schliesslich zwischen den Glühwürmchen die Taschenlampe von Ziki. Was für eine Erleichterung… zusammen laufen wir nochmal so ewig bis zum Boot und von da aus brauchen wir nochmal so lange zurück zur Unterkunft, dass ich mich schon frage, ob wir schon wieder orientierungslos sind. Um 20:30 kommen wir endlich wieder an. Augusto behauptet später, das sei doch abenteuerlich gewesen und ich bin mir nicht ganz sicher, ob er nur nicht zugeben will, sicher verlaufen zu haben, oder ob es tatsächlich “Show” war… falls ja ist er ein seehr guter Schauspieler… Wie auch immer, abenteuerlich war es tatsächlich.

30.11.10, Irgendwo im Dschungel von Loreto

Peruanische Zuverlässigkeit – im Dschungel
Nachdem wir gestern unseren tollen Trip hinter uns hatten, wear ich heute ganz zufrieden mit dem Plan, nach dem Frühstück ein bisschen auf Affensuche durch den Wald in der Nähe der Herberge zu gehen, etwa anderthalb Stunden bis zum anderen Fluss, wo uns Ziki dann bereits mit dem Boot erwarten sollte. Nach dem von mücken begleiteten Weg, wo wir zwar nur seltenst Affen sahen, dafür aber über Baumstammbrücken kletterten und jede Menge anderes Getier sahen, kamen wir am ausgemachten Ziel an, doch Ziki war nicht da. Wir warteten gut eine halbe Stunde, beschäftigten uns anderweitig und gingen dann den Fluss entlang in seine Richtung. Immer wenn ein Boot zu hören war, rannte Augusto hinunter zum Fluss, um dann festzustellen, dass es ein anderes war. Über eine Stunde später kam er schliesslich, ich hatte ehrlich gesagt kein Bock mir seine Erklärung anzuhören, und war nur froh nicht wieder alles zurücklaufen zu müssen =)
Nach Dusche, Mittagessen und einem Gespräch mit einer grade angekommenen Neuseeländerin (mit der ich in einer halben Stunde wohl mehr geredet hab als in 3 Tagen mit den Belgiern) ging es per Boot (und Auto) zurück nach Iquitos. War ja wirklich ganz interessant der Trip, aber die Hitze und die Mücken nerven schon ein bisschen. Bin dann wohl doch eher der Anden-Typ. Hier in Iquitos bleiben mir jetzt noch zwei volle Tage für die Umgebung und die Stadt selbst, und dann geht es nochmals, wenn auch nur noch für recht kurze Zeit, zurück in mein liebgewonnenes Lima!

1.12.10, Irgendwo im Dschungel von Loreto / Iquitos

PS: Fotos gibts dann im nächsten Beitrag hochgeladen!

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Alte Reisen Reiseblog

Dschungelwetter

Clase en la Kalle: Jesusmaria
Das barrio, das von allen immer als konservatives, gemächliches, alte-Leute-Mittelstandesviertel abgestempelt wird und in dem ich zufällig lebe, hatte auch bei mir bisher mit diesem Vorurteil zu kämpfen. Unterstützt durch die Tatsache, dass in der Urbanizacion San Felipe tatsächlich nicht viel los ist… Bars findet man gar nicht, das nächste Kino erst im nächsten Viertel, dafür gleich um die Ecke vom japanischen Botschafts-Hochsicherheitstrakt das “Casa de Mayores” (Haus der Älteren”)… Und so hatte ich bis gestern auch noch nicht den Ansporn, mich doch wirklich mal ein wenig umzugucken… und fand, gestern, kaum was Neues. Meist ruhige Mittelschichtsstrassen, hier und da ein Miniladen, eine Gemeinde oder ein abgelegenes Ministerium, eine Schule und diverse Parks. Eben so langweilig, wie ich es schon kannte. Jeute jkedoch war ich mit Benni und Francisco beim Mercado Jesusmaria, der aus irgendeinemgrund völlig an mir vorbeigegangen ist. Mehrere cuadras voller Klamottenläden, Technikgeschäfte, eine ganze Marktholle voll Cevicherias und Saftläden, direkt daneben eine vorzügliche Dulceria (wo´s viele Desserts gibt 😉 ), eine Plaza mit gotischer Kirche und einem mit Menschen gefüllten und kostenlosen Wi-Fi ausgestattetem Park. Zwei Strassen weiter das Casa de la Juventud (Jugendhaus) mit Bühne auf der Strasse und jungen Skatern, die Sonne scheint, ich trinke Chicha Morada und der Barrio-Slogan “Positivo” scheint gar nicht so weit hergeholt. Vielleicht muss ich das bisherige Klischeebild einfach auf San Felipe einschränken… als ich zurückkomme, ist der Himmel wieder bewölkt und die Strasse voll alter Leute 😉

27.11.10

PS: Von Freitag mal noch der Poetry Slam hier:

Dschungelwetter: Iquitos
Schon bei der Ankunft schlägt mir die angeblich nur 4º wärmere, aber 1000 mal schwülere Luft entgegen, als ich um 7 Uhr abends aus dem Flieger steige. Ich bin gerade beim Gepäckband angekommen und schwitze schon mehr als ich es in 3 Monaten Lima getan habe. Abkühlung ist nicht, selbst nachdem es während der Mototaxifahrt ins Zentrum etwa 15 Minuten aus Kübeln anfängt zu regnen. Carajo, jetzt weiss ich warum es in Lima nie regnet – da ist nichts mehr übrig, nachdem alles in Iquitos verbraucht wurde!
Ich suchte mir ein hostel (Hobo Hideout 😉 ), was zu Essen und eine Dschungeltour für morgen, mnit der ich dann drei Tage lang durch die Selva (Dschungel) touren werde. Also nicht wundern, da gibt es kein Internet 😉 .

28.11.10