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Bogotá: Con mucho gusto

Blick auf BogotaVom Cerro de Monserate, erreichbar per Seil- und Zahnradbahn, blicke ich hinab auf die 8-Millionenstadt Bogota, die ihre äussersten Viertel wie Finger in die umliegenden Berge schiebt. Auf der Rückseite des Hügels: unberührte Natur. Es ist mehr als nur ein Aussichtsounkt: man nimmt Distanz hier zu dem Chaos da unten. Candelera, BogotaMaursich beeinflusste Kirche in BogotaGestern war ich noch in der Innenstadt, die übrigens nebenbei gesagt ganz hübsch ist (u.a. im historischen Zentrum) und ein Teil dieser Massen, deie sich täglich durch die durchnummerierten Strassen schiebt und sich in überfüllte Transmillenio-Busse quetscht. Und jetzt stehe ich hier oben (übrigens schon wieder bei strahlendem Wetter, obwohl Bogota sonst dafür berühmt ist, verregnet zu sein) und betrachte all das… symbolisch für Soziologen, immer zwischen Nähe und analytischer Distanz schwankend 😉 . Und wo wir gerade beim Analysieren sind, muss ich doch auch mal ein paar Worte zu diesem Land loswerden, in dem ich mich gerade befinde.
Hartnäckig hält sich der Ruf seit mehreren Jahrzehnten, dass Kolumbien wahnsinnig gefährlich sei. Wer hier her kommt, sieht oft nur Cartagena, die von Mauern gesäumte, sichere Touristenhochburg an der Caribik. Lonely Planet hat nicht mal einen deutschsprachigen Reiseführer für diesees Land, und in jedem Artikel in Deutschland über Kolumbien finden minestens ein mal die Narcos und die Paramilitärs Erwähnung. Doch so ist Kolumbien nicht – zumindest nicht nur. Zweifellos, es gibt sie, die unwirtlichen Landstriche im Bürgerkriegsähnlichen Zusstand, und gerade gestern ist all das ein wenig näher gerückt – zwei mit zwar nicht persönlich, aber über 2 Ecken bekannte Biologiestudenten der Universität Los Andes in Bogota wurden auf einer Exkursion im Feld von Paramilitares umgebracht. Grundlos natÑurlich. Und so stimmt es natürlich, dass man hier auspassen muss, wo man hinreist, auf lokale Empfehlungen/Abraten hören sollte und mit offenen Augen durchs Land reisen muss. Und dass sich an vielen Strassenkreuzungen in Stadt und Land schwerbewaffnete Polizisten und Militärs befinden, ist ebenfalls Alltag.
Und doch: geschätzte 95% sind ehrliche, hilfsbereite Menschen, fern jeder Böswilligkeit, die ihnen ihr strenger katholischer Glaube ohnehin verbieten würde (auch wenn das natürlich in der Vergangenheit oft genug alles andere als ausreichender Grund war). Übers Ohr gehauen wir hier der interessierte Tourist wahrscheinlich weniger als in anderen Ländern Lateinamerikas: die Kolumbianer sind froh über jeden Ausländer, der trotz des Rufes hier her kommt und Interesse für sein Land, seine Kultur, seine Region und Stadt zeigt – insbesondere, wenn dieser Spanisch spricht. (Sonst ist es auch manchmal recht schwer, bei den Englischkenntnissen hier…). Jeder hilflose Besucher kommt nicht nur Hinweise, wo man besser nach Ladrones (Räuber/Diebe u.ä.) ausschaut, oft wird statt einer Wegbeschreibung der Suchende einfach gleich zum gesuchten Ort mitbegleitet, wofür sehr viel weniger eine kleine Entlohnung erwartet wird, als man als Südamerika-Reisender denken würde. Und wenn man von seinen Reiseplänen erzählt, begegnet man nicht etwa Neid auf den europäischen Reichtum, sondern Begeisterung für das Reisen – denn die Kolumbianer reisen selbst sehr gern. Zu Ferienzeiten strömen v.a. aus den Städten zahllose Familien (die es sich leisten können) zu den verschiedenen wundervollen Orten dieses Landes, und wer etwas Geld mehr hat, war auch schon in umgebenden Ländern oder sogar Europa. Natürlich kann sich das längst nicht jeder leisten, denn Kolumbiens Reichtum ist ungleichmässig verteilt. Viele Menschen arbeiten hart von morgens bis abends, um ihre Familie zu ernähren oder ein Studium zu finanzieren. Aber auch die, oder vielleicht gerade die, lassen kein schlechtes Wort auf sich kommen. Und auch wenn von Bediensteten bisher die Floskel “a la orden” (zu Diensten) dominiert, hört man immer häufiger auch ein sehr ehrliches “con mucho gusto” (mit grossem Vergnügen/sehr gerne). Und irgendwie spiegelt dieser Satz die kolumbianische Mentalität wieder – ob man sich mit Freunden unterhält oder einem Fremden den Weg zeigt, einen Kaffee ausschenkt oder den ganzen Tag nichts anderes tut als Seilbahntüren zu schliessen, ob man sich in einer Salsabar oder beim Glücksspiel amüsieren geht oder sich für seine Familie aufopfert: der Kolumbianer tut das meist con mucho gusto. Darum kann auch ich nur antworten auf die Frage, wie ich denn durch Kolumbien, dieses so vielseitige, zu Unrecht verrufene Land reise: con mucho gusto.

13.1.11, Bogota, Kolumbien

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Bogotá und die Kathedrale aus Salz

Salzkathedrale bei BogotaMeterdicker, von Salzkristallen durchzogener Fels trennt mich vom Tageslicht, doch der gigantische, in den Berg gesprengte Raum wird vom weiss leuchtenden Kreuz erhellt, dessen Licht von den Wänden wiederschimmert. Ich bin in der Salzkathedrale von Zipaquira, 1h von Bogotá entfernt und über 100 Meter unter der Oberfläche in einem Salzbergwerk. Da soll noch mal jemand sagen, Manizales hätte die schönste Kathedrale des Landes.
Mit Wiebke zusammen bin ich heute früh aus Bogota losgefahren, wo ich gestern nach langer Busfahrt in Jennys Wohnung angekommen war (und den Abend mit Benji, der hier kurzfristig untergekommen war, den Mädels und einem Bogoteño im historischen Zentrum verbracht hatte). Nach einem von schöner Natur umgebenden Bergaufstieg betraten wir die Minen und folgten 40 Minuten lang unserer Guia durch die Stollen, in regelmässigen Abständen an den 12 Stationenen Christis Leidenswegs vorbeikommend – die angenehm dezent abstrakt und symbolisch gestaltet waren, da der Salzstein sich nur zu geraden, geometrischen Formen hauen lässt (und so meist einfach ein Kreuz in unterschiedlichen Varianten zu sehen war). Dann, in einer Seitenkapelle der Kathedrale, der Salzwasserfall aus Kristallen und ein Taufbecken, in dem Babys mit Taufwasser betröpfelt werden, das 3x salziger ist als das Meer – und schliesslich der Hauptgang der Kathedrale. Es gibt wenig beeindruckenderes an Kirchenarchitektur – das riesige, in den Fels gehauene, weisse Kreuz, die von gedämpften Geräuschen gefüllte Höhle… surreal. Vor allem, wenn man weiss, dass ein paar hundert Meter weiter zahllose noch aktive Stollen gesprengt und geleert werden, um Unmengen Tonnen Salz zu produzieren. Hinter der Zona Comercial (noch abstruser, mitten im Fels ein Cafe zu finden) Wasserspiegel in der Salzkathedraledann der Espejo de Agua: auf den ersten Blick vermeint man, von seinem Steg stehend in eine Höhle unter einem zu sehen – doch der Schein trügt: nur 15 cm tiefes, hochsalziges Wasser vor schwarzem Grund erschafft den perfekten Spiegel, und was man sieht, ist nichts weiter als die Decke über einem. Und selbst nachdem man das weiss, hören die Augen nicht auf, dem Hirn diesen Trick vorzuspielen. Auf einem von schelmischem Blick begleiteten Tipp einer anderen Guia gehen wir zu den WCs – und finden auf dem Weg dahin mehrere Bergarbeiter, die ein Relief in den Salzstein meisseln und uns ein handgrosses Stück Salzkristall schenken. Was für ein gut investierter 20 000- Pesos Eintritt. 🙂
Wieder in die helle Sonne blinzelnd kehren wir ans Tageslicht zurück und schlendern durch den hübschen kleinen Ort mit Backsteinstrassen, bevor wir ins hektische Bogota zurückkehren.

11.1.11, Bogotá, Kolumbien

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Lagunen-Jagd und Thermen

Lagunen-Jagd
So ziemlich die einzige FloraEs ist doch einfach nur eine Laguna auf 400m Höhe, mit ein paar tollen Pflanzen drum. Soll sehr schön sein. Leider kommt man nicht hin. Ich hatte ja schon in Salento festgestellt, dass man von da aus nur per überlanger Wanderung hinkommt, zur ach so tollen Laguna de Otún. Also fuhr ich am 5.1. nach dem Finca-Besuch nach Pereira, von wo aus das angeblich leichter ist. Nach viel herumforschen auf die Idee gekommen, nach Santa Rosas zu fahren, weil laut einem Online-Zeitungsartikel von 209 von da aus eine “brandneue” Strasse nach Potosi (ca 1h Fussweg vom See) hochführt. In S. Rosas stellte ich jedoch fest, dass diese wohl in sehr schlechtem Zustand sei und man nur im selbst angemieteten Jeep hinkomme – für 80 000 Pesos. Leichter sei es von Manizales.
Also nutzte ich die Zeit in Santa Rosas und ging in die berühmten Thermen. Da hier noch Ferienzeit ist, war es mit 30 000 leider nicht grad billig, aber lohnte sich – vor einem schönen Wasserfall in heissen Bädern chillen. Wäre nur etwas weniger los gewesen, und hätte es nicht zu regnen angefangen. Aber ich war ja eh im Wasser, das lass ich mir doch nicht verderben. Wie üblich hörte es natürlich auf, als ich mich auf den Rückweg machte.
Am 7. früh brach ich auf in Richtung des vielgelobten Manizales. Weil hier gerade auch eine “Feria” ist, ist natürlich wieder die ganze Stadt überfüllt und alle Hostels teurer, und so zahlte ich im Backpacker-Hostel Mountain House für ein Dormitorio ganze 30 000 (15$). Dafür lernte ich gleich nette Leute kennen, darunter die Münsteranerin Liza, mit denen ich gleich die Stadt erkundigen zog. Selbige ist zwar ganz nett, aber auch wieder nicht soooo umwerfend. Und dass die Kathedrale an der Plaza Bolivar die “schönste Lateinamerikas” sei, ist wohl auch Meinungssache. Von hochgelegenen Barrio Chipre wars jedoch ganz schick mit grandioser Aussicht auf die umgebenden Hügel und Täler. Im Rahmen der Feria war dann dort abends auch ein “Festival de Musica Electronica”, das sogar tatsächlich gut besucht war (sonst ist hier wenig mit modernem Electro) – allerdings hauptsächlich von noch grade so Minderjährigen. Kamen uns schwer alt vor. Da dann noch eine kleine Anmerkung zur Extrabehandlung von Europäern: Alle Typen wurden abgetastet wie sonst was und mussten sogar ihre Gürtel abgeben. Als der Wachmann bei mir feststellt, dass ich nen Gürtel hab, und mich darauf hinweist, ich ihn aufgrund der Lautstärke aber nur halb verstehe, fragt er “de donde eres?” (woher kommst du?) – “Alemania” – “Tu no estas des pelea, verdad?” (du bist nicht auf Streit aus, oder?) – “Por supuesto no!” (Natürlich nicht!) … und schon liess er mich einfach so durch. Dass ich noch ein Taschenmesser dabei hatte, merkte er erst gar nicht.
Nachher trafen wir noch eine lokale Couchsurferin und gingen landesüblicher in einen Salsaschuppen. Und heute, ja, heute wollte ich eigentlich endlich zur Laguna de Otún fahren. Eigentlich…

8.1.11, Manizales, Kolumbien

Kolumbische Thermen
…Uneigentlich wurde da natürlich auch nichts draus. Nach einer Reihe sich widersprechender Informationen in Bezug auf Wanderzeit und Kosten fiel die Entscheidung stattdessen auf die Laguna Negra, noch vor dem Eintritt zum Nationalpark, sowie einer vom Mountain House empfohlenen Hosteleria. Also liessen Liza und ich unser Gepäck zurück und nahmen schliesslich gegen 2:00 einen Bus nach “La Esperanza” (“Die Hoffnung”), von wo aus angeblich nur noch eine halbe Stunde Fussweg fehlte. Erstmal war jedoch nichts mit der Hoffnung, weil unser Busfahrer vergass, uns Bescheid zu sagen / rauszulassen, obwohl ich ihn extra vorher darum gebeten hatte. Nach entspr. Rückweg im entgegenkommenden Bus war es schon nach 5, und die lokalen Verkäufer meinten, es sei vielmehr 1h Weg zur Laguna, plus 1/2 zur Hosteria. Trotzdem guten Mutes liefen wir los durch die schön grüne, hügelige Landschaft – bis ein fies bellender Hund Liza ins Bein biss. Zum Glück nicht allzu schlimm. Trotzdem waren wir ganz froh, als etwas später ein Auto vorbeifuhr und anhielt, um uns mitzunehmen. Juan-Carlos und seine französische Frau und Soziologie-Professorin in Bogota, Anne, wollten zur gleichen Hosteria, was uns nicht nur einen Lift bis dorthin verschaffte, sondern auch gleich einen günstigeren Übernachtungspreis inklusive leckerem Frühstück. Abends noch einen herrlichen Ausblick auf den schneebedeckten Nevado del Ruiz – was heute leider nicht mehr möglich war, weil die dickste Nebeldecke über der Landschaft hing. Nach der verfluicht kalten Nacht war es eine sehr gute Idee, mit Juan-Carlos (der heute seinen 47. feierte) und Anne zu dem Termal del Ruiz zu fahren. Wir hatten uns zwar leicht was anderes vorgestellt, als das einfache Poolbecken mit 30°-SulfatWasser (das war schon mit kaltem gemischt, in der natürlichen Quelle warens 70°) neben dem abgewirtschafteten, leerstehenden Hotel. Doch der alte Herr, der sich darum kümmert (und auch der Einzige vor Ort ist/war), führte uns noch zu der nahegelegenen Cascada, und so war es alles in allem nicht nur schön aufwärmend, sondern auch so ein schöner Geburtstag für Juan-Carlos. 🙂
Nach dem Rückweg zum Hostal boten sie uns noch an, uns bis zur Carretera mitzunehmen (von wo die Busse nach Manizales fahren), doch wir entschieden uns, den grossteils abwärts verlaufenden Weg zu laufen um mehr von der Landschaft mitzukriegen. Wurde leider nichts draus, weil es anfing zu regnen. Also suchten wir Zuflucht in einem Strassenrestaurantchen und warteten bei heissem Tee auf das Ende des Regenwetters. Welches, na klar, erst kam, als wir uns umentschieden hatten und schon für 10 000 Pesos im Jeep direkt nach Manizales sassen. Auch gut. So blieb dann in Manizales wenigstens noch ein wenig Zeit, um ein wenig durch die überfüllten Strassen zu schlendern und mich mit Strassen-Essen vollzufuttern… gehört hier schliesslich auch dazu. Morgen früh geht es dann nach Bogota, womit mein Cafetera-Ausflug wohl vorerst beendet wäre. Ich hoffe, ich kriege trotzdem noch guten Kaffee.

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— Ergänzung zur Cafetera —

Erstens: Die Fotos sind hochgeladen, siehe unten, zweitens: Videoblog!

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Kaffee-Welt

Kolibris in Acaime
Nach einem kurzen, wenig erzählenswerten Aufenthalt in Armenia, kam ich gestern nach einer Stunde Busfahrt in Salento an, wo ich im von Yvonne empfohlenen “Tierra Cafetera” sehr gemütlich und freundlich unterkam (leckerer Kaffee inklusive!). Nach einigem Herumfragen änderte ich meinen bisherigen Reiseplan für die nächsten Tage – was ich im Kopf hatte, hätte 3 Tage Wanderung bedeutet – Fragen hilft 😉
Den Nachmittag wanderte ich durch das hübsch angestrichene Dorf, das abseits recht ruhig, auf der Plaza Bolivar und der Calle Real quirlig und von kolumbianischen Touris gefüllt ist. Einen Aussichtspunkt, eine angenehm dezente Kirche und einen zur Abwechslung mal nicht aus Schubkasten bestehenden Friedhof später ging ich mit dem Italiener, mit dem ich das Zimmer teilte, einen Kaffee trinken (was auch sonst – immerhin bin ich hier in der Region Cafetera) und verzehrte zwei leckerste Arepas (mit Käse und Schinken gefüllte Teiglinge mit Honig drauf!) und ein gigantisches Patacon (hartfrittierte, platte Banane) mit Tomaten-Zwiebelsausse plus einen Guanabanasaft, alles für 9000 Pesos (ca. 3,50 €).
Heute ging es dann auf Ausflug, wobei ich ehrlich gesagt etwas Geld hätte sparen können. Das für Pferd und Führer bezahlte Geld brachte mir nicht mal wirklich ein Zeitplus (wie erwartet und deshalb genommen, weil ich wegen morgendlichen Regens erst mittags aufbrach), sondern schützte mich nur ein wenig vor den fiesesten Schlammpfützen. Von Salento war ich stilecht stehend hinten auf einem Willy-Jeep nach Cocora aufgebrochen, nachdem es mittags vorerst aufgehört hatte zu regnen. Ziemlich genau eine halbe Stunde nach Aufbruch mit dem Pferd fing es wieder an zu regnen – bis ziemlich genau eine halbe Stunde vor Rückkehr. Wachspalmen in der Region CafeteraEin paar krasse Aussichten, u.a. auf die etwa 60 m hohen, von Humbold klassifizierten Wachspalmen und den Nebelwald schafften etwas Ausgleich. Nicht jedoch das “Naturreservat Acaime”, das als Zielort angesetzt war… eine ärmliche Finca mit ein paar Orchideen drumherumWahrscheinlich eine Orchideen-ArtKolibri bei Acaime und an 2 Händen abzählbare Kolibris – die zwar ganz nett zu beobachten waren, aber dafür insgesamt 4h Weg?! Angeblich sind es bei gutem Wetter sehr viel mehr und in verschiedenen Farben. Wer weiss – kann ich entsprechend natürlich schlecht beurteilen.
Nach der Rückkehr fing es wieder an zu regnen und so verkroch ich mich in Restaurants und Cafes mit schönem, schwarzen Kaffee. Hoffentlich wirds morgen besser. Kleine Anmerkung für alle Reisenden: habe meinen Rucksack gepackt, diesmal nach dem mir vorgeschlagenen Armee-POrinzip: alle Klamotten rollen statt falten. Verhindert knittern und ist ausserdem unglaublich platzsparend! – ich kriegte sogar den Schlafsack, der vorher draussen dranbaumelte, oben in den Rucksack gepackt. Warum hat mir das bloss vorher keiner gesagt? Militär ist halt doch zu irgendwas gut. 🙂

4.1.2011, Salento, Kolumbien

Kaffee-Welt
Was wäre ein Besuch in der Zona Cafetera Kolumbiens, ohne eine Kaffee-Finca? Eben, ziemlich sinnlos, und so brach ich heute früh zu Fuss zur anderthalb Stunden entfernten Finca de Elias auf. Nachdem ich fast in der direkt daneben gelegene, grossbeworbene Massenproduktionsfinca gelandet wäre, fand ich zum Glück doch noch zu der kleinen, biologischen, familiären Finca, die auf 3 Hektar Kaffee, Bananen und weiteres Kleinzeug anbauen, ein paar Hostelzimmer vermieten und eben Touristen rumführen. Und das ziemlich gut – wirklich empfehlenswert. Der sicherlich weniger Schälmaschine um die Kaffeebohnen freizukriegenJahre als ich zählende Jugendliche führte Die Kaffefrucht, hier an der Arabica-Pflanzedie gesamte Produktion vor, von der Anpflanzung der beiden Sorten Columbiana und Arabica (die übrigens vollkommen irrelevant für den Geschmack sind), über die Schälung und Trocknung bis zur duftenden, schwarzen Kaffeebohne nach der Röstung. Dass der mir angebotene Kaffee anschliessend natürlich hervorragend schmeckte, versteht sich von selbst. Frischer, duftender, köstlicher KaffeeGrade rechtzeitig vor dem nächsten Regenschauer schaffte ich es zurück nach Salento und brach von dort aus per Bus nach Pereira auf. – Kulturschock vom kleinen Dorf wieder in die Grossstadt, und erstmals wirklich ein bisschen Hostelsuch-Probleme gehabt. Nachdem mir die Touristinfo am Terminal einen sehr merkwürdigen Schuppen in Terminalnähe empfohlen hatte, bat ich einen Taxifahrer, mich zu einem günstigen Hostal im Zentrum zu bringen. Davon abgesehen dass er mir 3900 Pesos berechnete (weil dass der Mindestbetrag hier zu sein scheint!), war das Ding alles andere als billig – 50000 pro Person! Empört erzählte ich selbiges dem noch draussen stehenden Taxista, und er meinte ach so, na er kenne noch ein anderes in der Nähe wo er mich hinfahren könne. Aber natürlich nicht mit dem Taxometerstand von vorher, sondern mit neuem – der dann natürlich wieder auf 3900 Mindestbetrag wäre. Huevon. Ich suchte selber weiter, fand in der Nähe ein 10000-Pesos-Zimmer (das aber auch entsprechend grauenhaft war) und nachdem ich viele teure Hotels im Zentrum links liegen gelassen hatte, handelte ich schliesslich ein akzeptables Zimmer auf 20000 runter. Hier wäre ein Lonely Planet sicherlich hilfreich gewesen. Wie auch immer, jetzt muss ich nur noch ne Wäscherei finden, was zu Essen, und mein Tag ist erledigt 😉 Morgen gehts dann, falls das Wetter gut ist, wieder in die Natur… mal schaun!

5.1.2011, Pereira, Kolumbien

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Neujahr auf Schwarzem Sand

Abschied von Cali / Im Regen zum Strand
So, viel gibt es nachzuholen seit meinem letzten Eintrag, also werde ich mich kurz fassen. In Cali verbrachten wir den vorletzten TagSalsatänzerInnen beim Encuentro mit einem “Encuentro de Bailarines y Bailantes” mit fantastischen Salsa-TänzerInnen zum bewundern auf einer OpenAir-Bühne unter strahlener Sonne. Abends waren wir dann noch bei einem echt aussergewöhnlichen Konzert der Band von Oscar (den wir beim Eröffnungskonzert kennengelernt hatten – ein etwas älterer Allround-Künstler): den Manison-Brothers. In einem heruntergekommenen Untergrund-Schuppen in San Antonio, 10 Lukas eintritt – sehr gut investiert! Die Band spielte eine krasse Mischung aus Hip Hop, Balken, Salsa und irgendwas jazzigem und die ihr direkt gegenüberstehenden Zuhörer feierten einfach mal bis spät in die Nacht diese Musik. Heute (siehe Datum) früh sind wir dann in Richtung Pazifik aufgebrochen und kamen 4 Stunden später in Buenaventura an. Bei Tag gesehen: was für ein hässlicher Ort. Bei Nacht: hab ich mich nicht getraut… 🙂 Wir kamen leider kurz nach Abfahrt des Bootes an und mussten so noch bis 4 Uhr dort rumgammeln, bevor wir nach Juanchaco fuhren – im Regen. Das war natürlich nicht so angenehm, und wir schützten uns notdürftig mit Plastikfolien, konnten so aber nur begrenzt die schöne Pazifikaussicht geniessen. Von Juanchaco ging es per Traktor (mit Anhänger… das hiesige Transportmittel der Wahl= für 2000 Pesos nach Ladrilleros und endlich hatten wir unser Ziel erreicht. Wir landeten schliesslich in einer Cabaña (sowas wie ein Bungalow) für grade mal 13000 pro Nase (2000 ist 1$) mi9t Mückennetzen und nah am Strand – wir fühlten uns richtig wohl. Nach einer hervorragenden Cena (wenn ihr mal da seit: geht zu Alicia!!!) war es schon spät, dass wir nicht mehr dazu kamen, zum Strand selbst kamen, das sollte die Überraschung für den nächsten Tag bleiben…

29.12.2010, Ladrilleros, Kolumbien

Schwarzer Sand
Schwarzer SandWir sitzen natürlich nicht im Schlamm vorm Meer, auch wenn es auf den Fotos so aussehen mag – der Strand besteht tatsächlich aus schwarzem Sand. Anfangs war ich recht enttäuscht, als wir von unserer Cabaña kommend am verdreckten Ministrand mit für 5000 Pesos vermieteten Plastikstühlen ankamen. Das hatte ich mir nach Oscars Schwärmereien anders vorgestellt. Immerhin entdeckte Wiebk jedoch in der Bucht nebenan einen zwar noch kleineren und in der Nähe eines Abfallhaufen gelegenen, aber wenigestens menschenleeren und handtuch-trockenen Strand, wo wir unsere Tücher ausbreiteten – und solang man nicht nach hinten guckt, ist das toll. Was fehlte, war die Ebbe – die schuf, als sie dann kam, einen immer grösser werdenden Strand, der die einzelnen Buchten miteinander verband, so dass wir von unserem Eckchen eine halbe Stunde bis zu einem riesigen, helleren Strand laufen konnten, an dem die dortigen Holzhütten jedoch seltsamerweise wie nach einem Sturm verlassen aussahen – die Hochseason beginnt eben erst am 3.1. …
Heute kam dann ein besonderes Ereignis. Darwin am Anfang der PiscinaNur wir drei, unser cooler Guia Darwín und der Dschungelsound – und vor uns die vollkommen natürliche Piscina (Becken) aus klarstem Flusswasser: was für ein Paradies. Der Grund besteht aus einem einzigen, gigantischen Fels, und unter dem Wasserfall lädt ein 3 Meter tiefes Becken zum vom-Fels-springen ein. Um die Piscina herum wächst die grünste Dschungelumgebung und vom weichen Stein kratzen wir schlammartige Konsistenz, die unsere Sonnenbrände kühlt. Die grade mal 15 Lukas/Nase teure Tour hat sich definitiv gelohnt. Wir sind um 10 Uhr los, grade nachdem der morgendliche Niesel abgeklungen war, und paddelten mit unserem 4er Kanu den Fluss entland zu diesem herrlichen Ort. Wer in Ladrilleros ist und hier nicht hinkommt, hat wirklich was verpasst. Der anschliessende Besuch bei einer Indigena-Poblacion war zwar enttäuschend, da hauptsächlich ein Zwischenstopp für Artesania – aber nach dem vorherigen Ausflug war ohnehin alles andere nebensächlich. Nach herrlichen gefüllten Kartoffeln klang der Abend wieder auf schwarzem Sand aus… diesmal jedoch im Schatten. Die Sonne ist fieser als man denkt, und ich hab mir natürlich doch nen Sonnenbrand geholt.
Ladrilleros' KüsteLadrilleros' Küste 2Ladrilleros' Küste 3

31.12.2010, Ladrilleros, Kolumbien

Neujahr
2011 hat angefangen – mit Meerblick. Okay, nicht ganz, ehrlich gesagt. Um 0:00 gestern abend (zumindest nach meiner Uhr) waren wir noch bei den Cabañas mit unserem tollen in Buenaventura gekauften Likör (fragt nicht was da alles drin ist), Aguadiente, Rum, dem britischen ersten Drummer von Razorlight Benji, seiner Gitarre und abgedrehten Versionen von “cheesy Popsongs”, Wiebkes ruhigen spanischen Songs und ein paar meiner Slamtexte, den beiden Berlinerinnen aus der Nachbarcabaña und zwischenzeitlich unser Guia Darwín und der Cabaña-Wächter Jesús. Ein sehr schöner Abend. Später gingen wir in die Rondell-Disko mit Blick aufs Meer – Wiebke konnte wegen ihres gestern veretzten Knöchels nicht tanzen, und so sassen sie, Jenny und ich erst mal ne Weile auf der Terassenmauer, schauten aufs Meer, wippten zu “Yo no sé mañana” mit und genossen den klaren Sternenhimmel. Perfekt. Nachher gestellten Jenny und ich uns noch zu den anderen und unsere seltsam zusammengewürfelte Truppe tanzte die halbe Nacht durch.
Während die Ladrileños heute einfach mal weiterfeierten (gestern war das alte Jahr, heute muss das neue befeiert werden), chillten wir nochmal am Strand… wegen Wiebkes Fuss leider nicht am noch zu Fuss erreichbaren Barra-Strand (hinter dem oben erwähnten, verlassenen Strand), sondern wieder auf dem schwarz glitzernen Grund vor unserer Haustür…
Kann man ein schöneres Sylvester verlangen (ausser Wiebkes Fuss)? …kaum 😀
So viel dazu, ich hoffe ihr seit auch alle gut ins neue Jahr gekommen, wünsche euch viel Glück in 2011 und freue mich über jede Nachricht von euch!

1.1.11, Ladrilleros, Kolumbien

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Salsa zur Weihnacht

Weihnachtswunder
Die Schlammwanderung zur WeihnachtDer ganze Bus klatscht, die Sicherheits- und Ordnungsleute winken nicken uns wohlwollend zu und alle meine Mitpassagiere freuen sich. Klingt wie eine Kopie des chilenischen Bergwerkswunder, ist aber eigentlich wenn überhaupt, dann nur ein gaaanz kleines Wunderchen 😉 … wir sind durch den Erdrutsch durch, der meine Reise von Quito nach Cali von normalen 18 auf gute 35 Stunden verlängert hat, und den wir letzten Endes in weniger als 10 Minuten durchqueren. Was für ein Trip. Mit dem Bus nach Tulcan, über die Grenze, und dann den halben Tag in Izambia am Terminal mit Boyd (einem dort kennengelernten Ami) rumgehangen und gehofft, irgendwie nach Cali zu kommen. Alle Busgesellschaften waren ausgebucht oder wegen des Erdrutsches abgesagt, auf die Frage, was es sonst für Möglichkeiten gäbe, höre ich “Flugzeug” und “no hay” (gibts nicht). Mit viel Glück finden wir nen Bus bis nach Rsas, kurz vor jenem unglücklichen Erdrutsch… wir fuhren dann um 8 Uhr abends los und kamen heute früh um 2 Uhr Nachts an. Es war ein abstraktes Flüchtlingscamp wo wir Reisenden verschiedenster Herkungt an unser Gepäck gelehnt auf den Morgen warteten, bereits darauf eingestellt, zu Fuss die Strecke zurückzulegen und auf der anderen Seite eine Fahrtmöglichkeit zu suchen. Irgendwann um 4 kam Einer aus unserem Bus an und meinte “in 15 Minuten fähr ein Bus durch bis Cali!” – wir wetzten los, quetschten uns und unser Gepäck in den alten Bus und fuhren … gefühlte 2 cuadras. Da warteten wir dann, bis morgens um halb sieben die Strasse geöffnet wurde. War aber so sinnlos nicht, da wir so rect weit vorne in der Schlange standen, die sich hinter uns bildete … denn neben den mit Gummistiefeln ausgestatteten Fussgängern konnte je nur ein Fahrzeug die Strecke passieren, und aus der anderen Richtung kamen ja auch welche. Um 11 Uhr ereichten wir “el punto” und durchquerten mit unserem waghalsigen Fahrer den Schlamm.
Danach ist es eigentlich ganz normale Strecke bis Cali. Nur leider im schwer kaputten Bus, so dass wir nachher mehrere Male lange Halt machen mussten. Dass ich um 4 Uhr überhaupt noch in Cali ankam, und mich schliesslich noch vor Heiligabend mit Jenny und Wiebke traf – das war dann das eigentliche Weihnachtswunder 😉

24.12.2010, Cali, Kolumbien

Salsa zur Weihnacht
Cali alt und neuWeihnachten bei 30 Grad hat für einen Europäer wahrscheinlich sowieso schon eine leicht andere Stimmung. Ein klein wenig gesteigert wurde das gestern dann noch durch die “Feria”, die hier in Cali jedes Jahr für 5 Tage ab dem 25.12. die Stadt verrückt macht. So konnten wir gestern auf dem “Salsódromo” eine Parade der wahrscheinlich besten SalsatänzerInnen der verschiedensten lateinamerikanischen Länder betrachten, die 10 Blöcke einer von Menschenmassen gesäumten Strasse entlangtanzte – kaum erwähnenswert, dass sie natürlich nicht nur aussergewöhnlich gekleidet waren, sondern auch aussergewöhnlich gut tanzten 😉 … Abends gab es noch das Eröffnungskonzert, eigentlich gratis für alle, wegen der vielen Wetteropfer in letzter Zeit (Regenfälle, Erdrutsche etc) allerdings mit einer obligatorischen Essenspende (eine Packung Reis o.ä.) verbunden. Calis wohl schönste KircheDa wurde dann die ganze Nacht durch Livemusik präsentiert (Interpreten von Cali bis Cuba) und die riesige Menschenmenge tanzte sich die Beine ab. Salsa, natürlich.
Heute war unsere Auswahl nicht ganz so glücklich… wir waren bei einer Corbata, wo wir eine interessante Pferdeparade erwarteten, stattdessen aber nur viele reiche, besoffene Leute auf Pferden vorbeireiten sahen und andere Reiche in den Rängen, die denen zujubelten. Wirklich eine Zeitverschwendung und schwer verständlich was die Caleños daran finden. Aber so Erfahrungen gehören natürlich auch noch dazu…

26.12.10, Cali, Kolumbien

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Zu Pferd am Berg

Mein Pferd und ichZu Pferd am Berg
Höchsten Respekt für alle, die aus welchem Grund auch immer, stundenlag auf Pferderücken sitzen! Ich hatte dieses Erlebnis gestern zum ersten Mal für gerade mal zweieinhalb Stunden, und ich war erstmal froh, wieder auf ruhigem Boden zu stehen. Aber ansonsten eigentlich problemlos – die Stute war natürlich gut geschult und hörte auf jedes kleine Ruckeln an den Zügeln, und hat selbst bei den schwierigsten / steilsten Stellen nicht das Gleichgewicht verloren. Ja, ich bin übrigens immer noch in Quito. Tollerweise kann man aber direkt von der Stadt aus mit einer recht neuen Seilbahn zu einem immerhin gut 4000 Meter hohen Aussichtspunkt fahren und vor dort aus sind die Gipfel der beiden Vulkana Guagua Pichincha und Ruca Pichincha nur noch einen Klacks entfernt – theoretisch. Praktisch liegen da noch viele Höhenmeter zwischen. Und so lief ich nur einen Teil der Strecke und mietete für den Rest besagtes Pferd (samt Führer) mit dem ich recht hoch an den Ruca-Hang kam und eine fantastische Aussicht vom Pferderücken auf die Natur samt riesige Stadt im Hintergrund hatte. Alles in allem definitiv ein tolles Erlebnis!
Zurück in der Stadt sah ich mich dann auch mal in Neu-Quito um, wo ich bisher noch nicht gewesen war und war – ehrlich gesagt – enttäuscht. Dass es nicht mit Alt-Quito mithalten kann, war erwartbar, doch es erfüllte nicht mal die Erwartung “Skyscraper-Strassenschluchten”, die die Skyline von aussen (und oben) erweckt (und wie ich es aus Guayaquil kannte). Die paar grösseren Parks sind ganz nett, aber auch nichts besonderes. Ich hätte nicht mal was wirklich negatives zu beschreiben – es ist einfach gesichtslos. Also schnell wieder in die Altstadt.
Da klapperte ich dann heute ein paar Kirchen und das Kloster San Diego ab (was herrlich abgelegen vom Touristentrack vor sich hindöst… abgesehen von den Renovierungsarbeiten). Dann wollte ich eigentlich ein Busticket mit der Busgesellschaft Panamericana für morgen abend nach Cali holen – ist aber nichts. Bis zum 26. alles ausgebucht oder wegen irgendwelcher Probleme abgesetzt. Also muss ich wohl oder übel morgen um 5:00 früh mit dem Bus nach Tulcán an der Grenze fahren und von da aus was anderes suchen. Den Rest des Tages wich ich dem Regen aus und ging auf den

22.12.2010, Quito, Ecuador

Buschaos
Eigentlich wäre es so einfach: in Quito in nen Bus steigen, in Cali 18 Stunden später aussteigen. Nix da. Weihnachten heisst: alle Direktbusse ausgebucht, und wegen des derzeitigen Wetterchaos in Kolumbien die andere Hälfte storniert. Also nen Bus an die Grenze genommen und da sitze ich jetzt. Denn von da sind die Calibusse natürlich auch ausverkauft oder abgesagt. Also werde ich jetzt einen noch grösseren Umweg über Rosas nehmen, von dem ich immer noch nicht genau weiss wo es ist, und hoffen, von da so nach Cali zu kommen, dass ich noch vor morgen abend zu Heiligabend dort bin… Drückt mir die Daumen!

23.12.2010, irgtendwo an der Grenze Ecuador/Kolumbien

So, als kleines Weihnachtsgeschenk noch folgendes: neulich im quiteño Troleybus wurde ich (und die anderen Passagiere) von ein paar Jungs überrascht, die mal nicht irgendwelches Esszeug oder Krimskrams verkauften, sondern aus dem Stehgreif anfingen zu rappen. Ja, in Lateinamerika – kein Reggaeton, sondern richtiger Hiphop – ich war begeistert und kaufte ihnen auch gleich nachher ihre CD ab (die echt gut ist nebenbei). Um euch ein bisschen dran teilhaben zu lassen, hier eine kleine Videoaufnahme aus dem Bus… wer Spanisch kann wird sich über intelligente Texte freuen (besonders im Vergleich zu den Reggaeton-Lyrics), wer HipHop mag wird sich über den Flow freuen… und alle anderen: naja, freut euch einfach so. Frohe Weihnachten aus Lateinamerika, und danke für euer stetes Interesse, eure Mails und die Zeit die ihr euch nehmt, dass ihr durchzulesen!

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Ich hab die Hälfte der Welt gesehen… / Quito

Quito und der grandiose Reiseführer
Ganz besonders viel Flair hat das Café Modelo auf der Calle Venezuela Eke Menija. Jeden Abend von 5 bis 7 spielt ein betagter Pianist auf einem verstaubten Klavier für die Gäste – Alt-Quito pur!” Das sagt mein Reiseführer. Also wenn das Alt-Quito sein soll, weiss ich nicht, was mich die nächsten Tage im Neuen erwartet. Das Modelo ist kein Café, sondern eine Cafeteria, und hat in etwa so viel Flair wie jedes Strassenrestaurantchen in Lateinamerika. Bisschen sauberer (gar nicht verstaubt), mit Fussball-Fernseher, Neonleuchtschild und üblicher Sambamusik. Und Livemusik gibts nur Donnerstag bis Samstag. Keineswegs ein schlechter Ort, aber höchstens für sonst in abgeschotteten Hotelkasten wohnende Touris ein “Lokal mit viel Flair” – da hab ich echt schon flairiges erlebt. Dass der Reiseführer, den ich da für Euador in meiner Tasche habe, nicht ganz mein Stil ist, stellte ich bereits bei der andernorts gefundenen Anmerkung fest: “Nicht ganz so billig, aber dafür nah am Geschehen ist das HotelXYZ (Doppelzimmer 110$)“. NICHT GANZ SO BILLIG? Ich penne hier in Quito für 7$ in einem netten, zentralen Hostel. (Okay, das Bett ist nicht das optimum und ich hab ne Gemeinschaftsdusche, aber dafür hat der Eigentümer 13 Jahre in Bremen gelebt… versteh sein Spanisch trotzdem besser als sein Deutsch). Da liegt offenbar eine unterschiedliche Wahrnehmung vor. Nun ja. Ansonsten jedenfalls bin ich gut in Quito angekommen und hab mich etwas in der Altstadt umgesehen, mal wieder richtig gegessen und bin eine viertel Stunde zu spät zur Basilika gekommen, die gerade zumachte. Frage: warum schreibe ich dann über so einen recht unspektakulären Tag? …ich war grad an der Tastatur, eigentlich spannend wirds am nächsten Tag!

19.12.10, Quito, Ecuador

Ich hab die Hälfte der Welt gesehn!
Viele Leute prahlen ja damit, “die halbe Welt” bereist zu haben. Nun ja, ich habe heute Mittag die Hälfte der Welt gesehn: Mitad del Mundo, auf dem 0. Breitengrad – dem Äquator. Der ist übrigens nicht, wie man denken könnte, dort wo das in den 70ern erbaute, riesige Äquatormonumentaldings steht (und wo man teuren Eintritt bezahlt um wenig mehr als dieses klobige Stück zu sehen), sondern knappe 100 Meter weiter, wo sich ein kleines, interessantes Open-Air-Museum befindet. Die ganzen Kleingkeiten über ecuadorianische Ethnologien und Indigena-Bevölkerungsgruppen sind eigentlich kaum mehr als (immerhin ganz nette) Deko neben der Hauptattraktion. Und wer jetzt denkt “ja wie was, was ist denn schon so besonderes an ner Linie aufm Boden?” – liegt natürlich falsch. Denn dass der Äquator (im Ggs. zum 0. Längengrad) eine der Welt eigene Eigenheit mit einigen Besonderheiten ist, wussten schon die Indigenen ölker viele Jahre vor Ankunft der Spanier und errichteten zahllose Tempel auf dieser Linie quer durch Ecuador – und Quito liegt auch nicht zufällig nur knappe 20 km davon entfernt (der Name der Stadt leitet sich von “Mitte der Welt” in einer indigenen Sprache ab). Und so konnte ich also feststellen, dass das Wasser im Norden und Süden tatsächlich je andersrum fliesst, das Ei des Kolumbus auch ganz sanft und gar auf einem Nagel zu stehen kommt (ist aber nicht ganz so leicht) und man gehörig ins Schwanken kommt, wenn man mit geschlossenen Augen genau auf dem Äquator entlangläuft. Warum das alles? Weil die Erde sich dreht um in Norden alles linksrum kreiselt und im Süden rechtsrum. Weiss man ja. Logische Schlussfolgerung: in der Mitte eben gar nicht.

Anschliessend machte ich mich dann zur Basilika auf, die übrigens nicht zufällig wie der Kölner Dom aussieht – gleiche Baupläne (aber erst letztes Jahrhundert fertig gestellt). Nach langem Aufstieg hat man eine wirklich umwerfende Sicht auf die ganze Stadt – man kann wirklich bis zum höchsten Punkt gehen. Ganz schön windig, aber ECHT gut!

Die Glockentürme der BasilikaBasilika-Turmuhr von InnenNebenturm der Basilika in Quito

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Cuenca oder: Warum ich so gern in den Anden bin

Cuencas StrassenSchon kurz nach meiner Ankunft war klar: hier fühle ich mich wohl. Der Taxifahrer ist übermässig freundlich, die Strasse aus Kopfsteinpflaster von zahlreichen, guterhaltenen Kolonialhäusern gesäumt und an jeder Ecke steht eine Panaderia (Bäckerei). Das Klima ist genau wie ich es haben will (warm genug für T-Shirt tags bzw. leichter Pulli abends, nicht zu warm oder schwül, kein Regen…), die Stadt ist weder zu klein, noch zu gross, hat Flaire, ist lebendig und ein 5$-Hostel (in dem ich mich wohler fühle als im Kasten von gestern) fand ich auch auf Anhieb.
Glücklicherweise hatte es heute früh in Guayaquil den ganzen Morgen geregnet, so dass ich nach dem Frühstück entschied, nicht nochmal nach Las Peñas zu laufen, sondern gleich einen Bus nach Cuenca zu nehmen. Was für eine perfekte Entscheidung! So kam ich hier schon um 3PM an und hatte massig Zeit, durch die Stadt zu schlendern (s.o. die ist perfekt dafür), Cuencas Kathedralen-Skylinedie angeblich ca. 50 (gefühlte 1000) Kirchen zu bewundern (darunter die gigantische Kathedrale, die als grösste Lateinamerikas geplant war – worüber der Architekt allerdings übersah, dass die Kuppeln zu schwer wären… sieht jetzt bisschen aus wie’s Strassbourger Münster) und mich – kurz gefasst – einfach gut zu fühlen. Hutmacher-LadenEin Blick vorbei bei einem betagten Hutmacher (die berühmten weissen “Panamahüte” kommen nämlich eigentlich aus Ecuador… war kurz davor, mir für 20$ einen zu kaufen), und im Museum für moderne Kunst, ein Spaziergang am Fluss und ein Kurzbesuch der Universität Cuenca… und unglaublich leckeres Kokos-Süsszeug am Strassenstand – was ein voll gefüllter, herrlicher Tag. Da ich heute im Hostal wieder günstiger untergekoimmen bin, gönnte ich mir zum Abendessen mal das typische “Secco de Pollo” in einem fast schon luxoriösen Restaurant (erkennt man an den kostenlosen Apettitanreger-brötchen) – für 6$ geradezu schockiiiierend teuer 😉 – hat sich aber definitiv gelohnt. Erstaunlich, was 4$ für einen Unterschied machen können.

15.12.2010, Cuenca, Ecuador

Ambato, Latacunga, und was in den Anden weniger Spass macht
Eigentlich bin ich Donnerstag extra früh aufgestanden und aus Cuenca aufgebrochen, um gegen Mittag in Alausi zu sein. Was ich auch schaffte – doch der Hauptgrund fiel leider ins Wasser (hätte mir die Touristeninfo in Cuenca ja auch mal sagen können): es gibt eine tolle Bahnstrecke von dem Andendorf nach Riobamba, von der überall geschwärmt wird… wär auch toll gewesen, von der 20km/h-Bahn die Andenlandschaft zu geniessen. Dort angekommen erfuhr ich jedoch, dass bis Februar die Bahn wegen Streckenarbeiten geschlossen ist. Klasse, da hätte ich auch gleich mit dem Bus weiter bis Riobamba fahren können. So nahm ich nach 40 Minuten Essen und die Hauptstrasse langstreunern den nächsten Bus dorthin, um wiederum umzusteigen in einen Bus nach Ambato, wo ich gegen Abend ankam. Ein Gepäckjunge dorte wollte mir gar nicht glauben, dass ich tatsächlich dort bleibe und nicht zum allgemeinen Touri-Ziel Baños weiterfahre. Denn viel zu sehen gibt es in Ambato eigentlich nicht… nicht mal eine wirkliche Altstadt, weil der grösste Teil beim 1940er Erdbeben zerstört wurde. Der Grund, warum ich überhaupt dort hin bin, war die Möglichkeit, mal wieder ein bisschen sozialen Kontakt zu bekommen. So konnte ich nicht nur die Couch (genaugenommen ein eigenes Bett) bei der Familie von Fernanda surfen, sondern auch eine echt angenehme Zeit mit der Familie verbringen. Der Vater war sogar zur WM in Deutschland (daran sieht man den gehobenen Lebensstandart), und so fehlte es mir dort an nichts – netten Gesprächen, einer angenehmen Unterkunft und die Fürsorglichkeit, als ich am Freitag plötzlich krank wurde. Am Donnerstag abend war ich mit einer kleinen Stadtbesichtigung mit Fernanda und ihrem Freund noch im “Roho” lokales Bier trinken und anschliessend einen Strassenstandburger essen – was ich in den letzten vier Monaten ja nicht allzu selten gemacht habe. Diesmal schien da mein Körper aber irgendwas gegen zu haben und so blieb ich am Freitag grössenteils im Bett, statt (wie nach hartnäckigen Empfehlungen geplant) nach Baños zu fahren. Am frühen Abend fuhren wir zu einem Park am äussersten Ende der Stadt, von wo aus man einen fantastischen Blick auf selbige hat – trotz der guttuenden frischen Luft war ich schon schnell so KO, dass ich nachher eigentlich den ganzen Abend durchpennte.
Da ich heute früh zwar immer noch nicht 100% aufm Damm war, nach viel Schlaf aber auch nicht mehr ganz so down, verliess ich Ambato in Richtung Latacunga. Das Wetter war gut, ich kam recht schnell an und fand ein Backpackerhostal – so weit, so gut. Mein Plan für heute war, zum (kilometermässig) nahgelegenen Lago Quitoa zu fahren, der als der schönste See Ecuadors bezeichnet wird und sich in einem Vulkankrater befindet. Nach fast 2h Busfahrt (kurvige Bergstrasse) kam ich allerdings leider im Regen an – was ja noch ertragbar wäre, wenn er nicht mit so starken Nebel einherginge, dass man tatsächlich kaum was vom See sehen konnte. Nur das mir am nächsten gelegene Ufer unter mir liess ein bisschen auf die Schönheit dieses Ortes schliessen. Naja, Pech halt. Mehr Pech noch, dass der nächste Bus zurück nach Latacunga erst eine Stunde später losfuhr, und ich den dann auch noch verpasste, weil er (was für ein Wunder) früher da war als erwartet – und auch früher wieder weg. Ein leicht verschwendeter Tag…
Mein Plan für morgen ist damit dann auch mal spontan geändert, da es wettermässig wahrscheinlich morgen ähnlich aussehen wird. Und so wird es sich kaum lohnen, den (aktiven) Vulkan Cotopaxi hochzukraxeln… was noch so schön sein soll – im Nebel kriegt man davon nichts mit und friert sich nur die Beine ab. Hatte mich dann fast noch gefreut als ich rausfand, dass es hier auch einen Bahnhof mit noch aktiver Strecke nach Quito gibt – aaaaber: man kann nur Tickets für Hin- und Rückweg zusammen kaufen, und das auch nur in Quito. Wenn man sich also wie ich schon hier in Latacunga befindet, fällt das leider aus – warum? Weil das eben nur eine Touristenattraktion für Leute ist, die von Quito nen Trip hierher und zurück machen, und kein normales Verkehrsmittel. Leicht ärgerlich. Der Tag war für mich also gelaufen und ich hoffe einfach mal, dass sich mein Glück in Quito wieder ein wenig ändert 😉

18.12.10, Latacunga, Ecuador