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Baden, Bräuche und ein bisschen Bath

Natürlich blieb unser Wochenende nicht vom großen “”R”” verschont. (Siehe letzter Beitrag). Am lang geplanten Trip am Samstag kam es gar so weit, dass wir kurzfristig unsere Badesachen anzogen und unter argwöhnischen Blicken durch die Wassermassen tauchten.
Doch ich greife vor. Broadstairs' MöwenDie Woche war nämlich tatsächlich eigentlich recht regenfrei, und zwischen bzw. nach den Vormittags- und Nachmittags-Sprachkursen konnten wir uns die Sonne in für England ungeahnten Ausmaßen auf den Kopf prallen lassen. Zwischen den allgegenwärtigen Seemöwen gingen wir an den Strand unseres Städtchens Broadstairs Broadstairs' Beachund konnten sogar im (natürlich immer noch kalten) Meer schwimmen. Aber neben dem Auskurieren meiner Erkältung und Sonnen am Strand arbeitete ich natürlich auch an einer Präsentation für meinen Kurs, und nahm nebenher noch ein wenig Kultur mit – erwähnenswert vor allem Shakespeares “As you like it”, hervorragend gespielt und musikalisch untermalt von den Schauspielern des berühmten Globe Theaters, ganz in unserer Nähe, dem Küstenort Margate.
Auch der Freitag blieb noch so schön, dass wir uns ernstzunehmende Hoffnungen auf das Wochenende machen konnten, während wir den Nachmittag in Canterbury verbrachten, einer hübschen kleinen von Kanälen durchzogenen Stadt mit gigantischer Kathedrale (der einzige Grund, warum es sich tatsächlich “City” und nicht nur “Town” nennen darf). Ich spare die Worte und verweise auf Fotos.
Canterbury CathedralCanterbury Norman CastleCanterbury WestgatePhonebox / Cathedral

Das Wochenende war dann etwas aufwendiger geplant, und mit Vorfreude seit einigen Tagen organisiert. Zu fünft mieteten wir uns einen Ford Fiesta (ich musste ja nicht hinten sitzen 😉 ) und fuhren nach Stonehenge und Bath. Die erste schwierige Aufgabe für mich als Fahrer war denn, mich mit dem linksspurigen Verkehrs anzufreunden – was leichter ging als gedacht, bis auf das Einschätzen des linken Abstands zum Bordstein, und das Gangwechseln: den das macht man natürlich dann auch mit der linken Hand (mit der man aber trotzdem auch noch den Blinker bedient), während die rechte Hand sich auf dem Lenkrad langweilt. Es brauchte einige Gewöhnung, aber auf der Rückfahrt musste ich schon kaum mehr darüber nachdenken, wohin ich jetzt beim Abbiegen gucken muss. StonehengeWir fuhren größtenteils über Landstraßen, um ein wenig von der Umgebung zu sehen. Leider begann es circa eine Stunde vor unserer Ankunft in Stonehenge zu regnen. In unserer kontinentaleuropäischen Einfalt hatten wir natürlich weder viele Wechselklamotten noch Regenschirme mit, waren aber trotzdem entschlossen, nach Stonehenge zu fahren, einem doch angeblich so magischen Ort, von dem man schon so viel hörte. Bei dem “”R”” wäre eine solche Stimmung natürlich ohnehin schwerer gewerden, aber auch so fehlte das Gefühl, vor etwas “Besonderem” zu stehen – abgesehen natürlich von der Bewunderung der exakten Bemessung und des steinhauerischen Talentes der Schöpfer des Steinkreises (den man leider auch selbst nicht mehr betreten darf, sondern nur darum herum gehen kann). Stonehenge SwimmingSo zog unsere etwas ungewöhnliche Garderobe im Wasser-reichen Stonehenge auch nur deshalb die Bitte um wiederangezogene Mäntel nach sich, da ja Kinder da seien. (Was machen die denn dann am Strand?)… Dem uns dies ausrichtenden Wachmann war jedoch anzusehen dass er sich über die ungewohnte Abwechslung in seinem Tag freute.
Nach unserem Badeausflug fuhren wir also weiter, passenderweise zu einer Stadt namens “Bath”, benannt nach der dort unter römischer Herrschaft gebauten Badeanstalt. Der römische Einfluss dort war überhaupt in etwa so allgegenwärtig wie der Regen. Zwar hatten wir phasenweise etwas Glück, um auch ein wenig durch die Stadt laufen zu können, den fließenden Übergang zwischen römischer und typisch-englischer Architektur zu bemerken und am Fluss entlangzuschlendern. Meine Schuhe waren jedoch trotzdem letztlich so durchnässt, dass sie auch heute noch nach meiner Ankunft in Broadstairs ziemlich klamm sind.
IMG_2788IMG_2793Britisches Bath
Auf dem Rückweg konnten wir in den Nicht-Regenphasen jedoch sogar noch zwei kurze Stopps an unerwarteten Sehenswürdigkeiten einlegen: einem der “White horses”,IMG_2797 die in England verstreut in den übergrünen Wiesen liegen, und einer 1960 gebauten Kathedrale, die von außen wie ein etwas vergrößertes Backsteinhochhaus aussah und von innen wie eine neugothische Kathedrale (nur viel luftiger). Das alles, kombiniert mit guten Pubdiskussionen am letzten Abend, kompensierten uns dann doch ausreichend für den vielen “”R”” und das etwas enttäuschende Stonehenge.

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Bahn und Bus nach Broadstairs

Das Terminal in Brüssel ist gestaltet wie ein Flughafen – Sicherheitscheck, Passkontrolle, Boarding-Warteraum. Nach einiger Wartezeit wird dann endlich das “Gate” geöffnet, um den Weg freizugeben, zu einem so normalen Zug auf einem so normalen Bahngleis, dass der letzte IC in Oberfranken dagegen noch daherkommt wie ein Raumschiff. Nun gut. Der internationale Regionalexpress macht sich auf und ich fahre durch belgische und französische Landschaft zum großen Tunnel, der so unspektakulär daher kommt wie jeder Moseltaltunnel – nur ein wenig länger geht. Eine halbe Stunde später sehe ich auf der britischen Seite des Kanals wieder Tageslicht, und werde von meiner französischen Sitznachbarin darauf hingewiesen, dass wir mitnichten schon in 10 Minuten in London sind, weil wir hier eine Stunde Zeitverschiebung haben. Ihr seht, ich bin gut vorbereitet: keinen Reiseführer gelesen, keinen Steckdosenadapter dabei, aber immerhin in Brüssel schon ein paar Euros in Pfund umgetauscht.
In London angekommen kämpfe ich mich durch den Nahverkehr aus Tube und Doppeldeckerbussen zu einer Kommilitonin Giovannas im Süden der Stadt, wo ich für diese Nacht unterkommen durfte. Der Plan, abends noch in Tanzveranstaltungen Londons Nacht zu sehen, geht irgendwo zwischen interessanten Gesprächen und (für England) erstaunlich gutem Bier unter, während die 7 (!) Katzen des im Industriezeitalterstil gehaltenen Hauses an den Fenstern miauen. Samstag vormittag holten wir zumindest ein wenig nach, gingen in den Greenwichpark und lächelten über die Touristen am Meridian, die hier “one foot in the west and one in the east” stehen. Die Aussicht auf London ist unterdes herrlich, viktorianischer Stil verbindet sich mit modernen Hochhäusern. Natürlich fängt es ein wenig zu regnen an, wir sind ja in England. Es fängt immer irgendwann zu regnen an. Wir gehen zu einer Markthalle, wo gleich zu Beginn ein brasilianischer Churro-Bäcker unsere Aufmerksamkeit fängt. Nachdem ich Constanze genug davon vorgeschwärmt habe, plaudere ich ein wenig mit dem Brasilianer, der einen iberischen Akzent im Spanischen hat, und freue mich dann wie ein Kind über die mit Dulce de Leche gefüllten Churros. Der Unterschied zu Lateinamerikanischen Märkten: als ich im Vorbeigehen aus Versehen an die Schulter eines Briten stoße, entschuldigt ER sich dafür.
Mit dem Bus (deutlich günstiger als die Bahn) fahre ich Mittags von London nach Broadstairs, einer 25.000-Einwohnerstadt im Südosten Kents, also gleichzeitig so weit südöstlich, wie es in Englang eigentlich nur geht. Als ich ankomme, regnet es. (Da das wohl noch häufiger vorkommen wird in den kommenden Einträgen, werde ich ab jetzt “es regnet” mit “”R”” abkürzen.) Ich finde die Wohnung meiner Hostfamily, wo ich die nächsten drei Wochen wohnen werde – meine Hostmum Diana (kann ich mir einfach merken, meine Hostmum in Michigan damals heißt auch Diana) ist noch nicht da, der andere International English Student in ihrem Haus, ein Franzose mit entsprechendem Akzent, öffnet mir die Türe. Ich wohne nun in einem hübschen Zimmer mit Gartenblick, höre bei geöffnetem Fenster die Möwen. Diana (die uns sämtlich meist mit “Darling” und “Sweetheart” anredet) und ihr Sohn Neall sind furchtbar nett, beim Abendessen schwingen die Unterhaltungen von Rumblödeln zu Unterhaltungen über die Weltwirtschaft. Dabei ist interessanterweise der gerade 15-jährige Sohn am aktivsten. Ich schenke ihm mein kürzlich ausgelesenes Buch “23 Things they didnt tell you about capitalism”. Auf der Fensterbank stehen trotzdem Lego-Star Wars-Figuren von ihm.
Heute dann mein erster Tag im Hilderstone College, wo ich einen akademischen Englischkurs belege. Leider bin ich erkältet (im Juli!) und habe entsprechend schlecht geschlafen, meine Konversationsfreudigkeit muss erst durch Kaffee gepimpt werden. Nach allen nötigen Einführungen landen wir in einer netten Arbeitsgruppe und fahren nachmittags noch mit einer kleinen Bustour in die umlegenden Orte. Ramsgate, eine schöne Hafenstadt, wird uns nur für kurze Zeit überlassen (immerhin sehen College-Kollegin Maria und ich sowohl Innenstadt als auch Strand, durch zufälliges abbiegen auf unserer kurzen Streunerei), am Shopping-Centre wird fast doppelt so lange Pause eingelegt. Nicht wenige von uns Studienstiftlern finden das ein wenig schade – drei zu spät zum Bus zurückkommenden Mädchen haben jedoch H&M-Tüten in der Hand. Manche Leute kann man so einfach glücklich machen. Mich auch, aber eher hiermit:
RamsgateRamsgate Queens HeadRamsgate Beach

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Neue Gefilde

Schweren Herzens lasse ich Halle an der Saale zurück. Es ist keine Reise diesmal, es ist ein Aufbruch. Viel lasse ich zurück in dieser herrlichen Stadt, die noch sicher den einen und anderen Besuch von mir bekommen wird. Aber nun bin ich seit Anfang März in München zu finden, wo ich für zwei Monate ein Praktikum absolviere, bevor ich im April ebenso für ein Praktikum nach Frankfurt weiterziehen werde. Noch liegt mein Zeug in meiner Wohnung in Halle, doch der Umzug ist bereits in Vorbereitung, und all der Kram der sich dort angesammelt hat wird im nächsten Monat in einer Lagerhalle zwischengelagert. Denn wo ich letztlich am Ende des Jahres sein werde, weiß ich noch nicht. Wo immer mein Master mich hinzieht. Dazu zu gegebenem Anlass mehr, ebenso zu den anderen Orten zu denen es mich bis dahin noch treiben wird.
Jetzt aber München, eine Umstellung von den fünf Minuten Fußweg zur Uni zur 45minütigen Bahnfahrt zum Verlagshaus. Von jeden ständig auf der Straße wiedertreffen zu einer unbekannten Großstadt. Falls also jemand vorhat in nächster Zeit nach München zu kommen: ich freue mich über Besuch!

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Sächsische Schweiz Teil 2: Königstein und die Bastei

Festung Königstein 13.2.12
Eigentlich hatten wir uns einen ganz tollen Plan gemacht: per Bus nach Rathen, Bastei besichtigen, per S-Bahn nach Königstein und dann zurück zur Pension… nur standen wir nun auf der Westseite der Elbe und durften feststellen, dass die Fähre seit einer Woche wegen Eises in der Elbe nicht fuhr. Wir ärgerten uns ein wenig, stiegen dann in die S-Bahn und nahmen uns dafür mehr Zeit für die Festung Königstein im gleichnamigen Ort, die sich nach einem circa einstündigen steilen Weg erwartete, eingebettet in die Felsspalten des Königsteins, eine Fläche mehrerer Hektar einnehmend und sämtliche Baustile der letzten Jahrhunderte vermischend – immer wieder wurde die Burg zur Festung nachgerüstet, obgleich sie letztlich nie angegriffen wurde. Was für eine Geldverschwendung. Ein kompliziertes Kasematten-System, welches wir auch besichtigten, völlig umsonst. Nun, nicht ganz, immerhin diente die Festung uns nun als empfehlenswerter Ausflugsort, vor allem Dank fehlender anderer Touristen, großartiger Aussicht und dem Festungswald, den aus den Felsen ragenden Zinsen, von denen man auf das Dorf Königstein und die Elbe hinabblickt, und einem so ursächsichen Touristenführer, nü, dos es ejn Vognüjen woa. Abends die Sauna in unserer Pension ausgenutzt und wertgeschätzt…

Kleiner Alleingang 14.2.12
Auch heute wieder ein stark abgewandelter Plan: nach ersten Überlegungen, nach Zeughaus zu wandern, auf Empfehlung unserer Gasthaus-Besitzerin nach Hinterhermsdorf gewandert, von wo man zur “romantischen Oberen Schleuse” komme. Kam leider nur ich, da Torben sein schmerzender Fuß zu schaffen machte, und er ab dem Ort per Bus zurückfuhr. Ich wanderte weiter in den Canyon der Schleuse, samt wahrscheinlich schmalstem Felsaufstieg den ich je nahm und einer Schutzhütte, in der ich zu sommerlichen Zeiten unbedingt mal frei übernachten muss.

Die Bastei 15.2.12
Da heute der letzte Tag war, nahmen wir uns vor, jetzt doch noch die Bastei zu besuchen – da die ohnehin auf dem Weg Richtung Dresden und Halle lag. Leider führte das Navi uns “auf dem schnellsten Weg” hinter irgendeinem Kaff auf den “Höllweg”. Wir hätten skeptisch werden sollen. Wurden wir nicht, blieben dafür stecken. Viel geschiebe und gewende später nahmen wir alternative Routen, bis wir das gar nicht so leicht erreichbare Rathen erreichten (Luftkurort, daher quasi vollständig für Autos gesperrt), und von dort nicht den eigentlichen, dafür einen abenteuerlicheren und trotzdem zum Ziel führenden Wanderweg fanden, der uns Bastei hochführten: fulminanter Höhepunkt unserer Wandertage; ein architektonisches Kunstwerk ohnegleichen, seht euch die Bilder an. Wir waren überwältigt. Wie überhaupt von dieser herrlichen Region, und kommen sicher irgendwann zurück.
SaupsdorfAussichtsturm WachtbergAussicht vom WachtbergWanderung Sächsische SchweizLichtenhainer WasserfallSächsische Schweiz Eis-MordwaffePrebischtorGefrorener WasserfallElbe bei Bad SchandauFestung KönigsteinSchutzhütte an Oberer SchleuseObere SchleuseBastei-BrückeAussicht an der Bastei RathenBastei RathenBastei Panorama

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Sächsische Schweiz Teil 1: Nationalpark, Schnee und Grenzerfahrungen

Winterwonderland 10.2.12
Das Schöne liegt so nah. Knappe 3h südlich von Halle erreichten Torben und ich heute Mittag Saupsdorf in der sächsischen/böhmischen Schweiz. In einer Pension für 14€/Nacht (“Tannenhof”) hausieren wir nun für 5 Tage bei den etwas grobschlächtigen aber netten Pensionsbesitzern in einem ganz und gar aus Holz zu bestehen scheinenden Zimmer mit Schrägdach. Grob das Erste ausgepackt, und dank grober Beschreibung der Wirtin eine primitive Karte gezeichnet und auf den weg gemacht. Wir entdeckten den gelb markierten Wanderweg und folgten ihm bis zu einem versteckten Berggasthof, wo wir neben Gulasch auch eine Wanderkarte bekamen, und uns daraufhin entschieden, zum Aussichtsturm Weifberg weiterzulaufen. Durch ca 10cm hohen Schnee stapfend, immer wieder die wanderpfadsymbole suchend, wanderten wir durch bezauberndes schneeland über Lichtungen und durch Wälder. Das Wetter spielte mit, herrlicher Sonnenschein und warme Klamotten ermöglichten die Wanderung bis um 5:00, inklusive aufstieg auf den aussichtsturm samt grandioser Aussicht (was auch sonst). In Hinterhermsdorf angekommen, einen Kaffee bei “Zu Peters” getrunken (der Stammtisch mit älteren Herren trug ein Holzschild mit der Aufschrift “Stammtisch”), und dann per Bus zurück nach saupsdorf. Während uns unsere heutige Route nur knapp an Tschechien und ebenso knapp am Nationalpark vorbei führte, geht es morgen in Letzteren!

Nationalpark 11.2.12
Wir ließen uns das Frühstück extra bereits um 8 machen und kämpften uns zeitig aus dem Bett – waren aber ja auch recht früh schlafen gegangen. Um kurz nach 9 stapften wir dann mit Proviant im Rucksack los – in die falsch Richtung. Naja, zumindest etwas zu weit, bis wir dann den roten wanderpfad aus saupsdorf raus gen Süden fanden. Schon bald nachdem wir die Grenze des Nationalparks übertreten hatten, erklommen wir einen Felsen, der zwar glatt wie ein Gletscher war (wir fielen auch mehrmals hin), aber die Wanderoute beschenkte uns dafür mit einem königlichen Ausblick von den schroffen Felsen hinab über verschneite Tannen und ferne Felsen des Nationalparks. Weiter hinab ging es durch selbige Wälder, wir sahen einen Fuchs und erreichten die Buschmühle an der Kirnitzsch, an deren Seite wir nun eine Weile wandern sollten. Sah zwar herrlich aus, ist aber dafür kälter als in der Höhe. Einen Bogen um das Dörfchen Kuhstall machend erreichten wir bereits 12:45 den Lichtenhainer Wasserfall. Selbstredend zugefroren. Aus unserem Plan, von der nächsten Haltestelle aus die 1896 gebaute Kirnitzschtalbahn zu nehmen wurde nichts, da wir die stündlich fahrende Bahn um 10 min verpasst hatten. So gingen wir weiter und entschieden uns bei der Station “Nasser Grund”, sie Links liegen zu lassen und die auf einem Schild als “gemütlich” gepriesene Wanderoute zu nehmen, laut der wir 2h später dort zurück sein sollten und eine zeitlich passende Bahn nehmen könnten. Der “Butterweg” war zwar alles andere als gemütlich, aber wir hatten auch schon schlimmeres erlebt, und so errichten wir eine 3/4 Stunde später das Bergsteigerehrenmal “Hohe Liebe”: welch unglaubliche Sicht belohnte den Aufstieg! Wir entschieden uns, statt zurück weiter vorwärts zu gehen und folgten dem Oberen Liebweg hinab bis zur Ostrauer Mühle, wo wir wider Erwartens bereits die 15:20 Bahn nehmen konnten und bis auf 5 min genau ankamen. Mit dieser fuhren wir dann nach Bad Schandau, wo wir die zusätzliche Zeit mit einem Stadtbummel zu vertreiben gedachten -wäre der Ort nicht so langweilig gewesen. Nun, kein Tag ist perfekt. Wir wussten uns die Zeit bis zur nächsten Busfahrt gen Pension zu vertreiben. 

Ausflug nach Tschechien mit Zugabe 12.2.12
Da wir etwas weniger wanden wollten als gestern, die Sonntags Busverbindungen allerdings eine Fahrt zur Bastei erschwerten, fuhren wie zum Wandern in die nahegelegenen Tschechische Republik. Die ÖPNV Verbindung war nicht gerade schnell und einfach, aber dank nur 2 Zonen recht günstig: mit dem Bus nach Sebnitz, nach Bad Schandau, nach 3/4h warten per S Bahn nach Schöna und von da per Fähre nach Hrensko. Schon am Kai sah man die Ankunft im Nachbarland: uns empfingen von Asiaten geführte Klamotten und Ramschstände am Straßenrand zwischen Touri-Restaurants mit 80 Gerichten in Kronen und Euro auf der Speisekarte. Wir durchquerten den Ort und folgten der Straße an Flussesseite etwa 40min lang, bevor wir auf den roten Wanderweg in dem böhmischen Nationalpark hinein abbogen. Die Wege waren etwas besser befestigt als jene der letzten Tage, und wir begegneten ganzen 8 anderen Wanderern während wir mit eingefrorenen Bärten (nie war mir das aus Kolumbien mitgebrachte Panela in der Thermoskanne mehr wert als dieser Tage) den verschneiten Wald anstiegen. Nach knapp 2h erreichten wir das Prebischtor, eine imposante, torförmige Felsformation, an dessen Seite ein Gasthaus im Fachwerkstil lehnt. Im Sommer sicher gut von Gästen besucht, war es derzeit geschlossen, und damit auch der Zugang zum Platau unter dem Tor selbst. Dass man fur diese Feststellung erst bis vors Tor der Gaststätte hochlaufen muss, ist bestenfalls unfreundlich. Aber Ärger wäre sinnlos, das Tor auch von unten sichtbar, und so machten wir uns nach einer Brotpause an den Abstieg. Schneller als erwartet trafen wir wieder in Hrensko ein, so dass noch Zeit für eins der besseren Restaurants blieb, bevor wir an den Kai gingen, von dem laut ÖPNV Website die Fähre um 16:48 fahren sollte. Wir warteten am Kai hin und her laufend… bis auf der anderen Seite bereits die S Bahn weg war. Die Fähre fährt auf Abruf – wenn man am Ablegesteg steht kommt sie rüber. Ärgerlich, da wie so zwar noch die nächste S Bahn nehmen konnten, der letzte Bus von Bad Schandau nach Sebnitz aber bereits weg war. Alle Möglichkeiten durchgecheckt fuhren wir nach Pirna weiter (grandioser Umweg), von wo noch ein späterer Bus nach Sebnitz fuhr, wenn auch keiner mehr ab dort nach Saupsdorf… Da half nur noch das Taxi. 

PS Famose Fotos folgen!

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Fertiges Album: auf in die Natur!

Gleich zwei Dinge, die mich in letzter Zeit ziemlich beschäftigt hielten, werde ich im Laufe des Februars abschließen: zum einen meine Bachelorarbeit, für die ich ja im September und Oktober in Kolumbien forschte, und seit dem viel Zeit am Schreibtisch damit verbrachte, all diese Erhebungen auszuwerten. Zum anderen das Album “Utopía” meines Musikprojektes “Fremdgang”, für welches ich vor allem mit Flo und Eric in den letzten zwei Monaten viel Zeit im Studio verbrachte, und jetzt darauf warte, dass die CD das Presswerk verlässt. (Was das alles ist und soll und vor allem wie sich das anhört, seht ihr auf der Fremdgang-Seite, oder auch auf unserer Facebookseite). Da habe ich mir etwas Urlaub doch verdient, dachte ich mir, und werde nun zusammen mit Torben fünf Tage in die Böhmische Schweiz fahren, die unter einer vom sibirischen Wetter verursachten, bildhübschen Schneedecke liegt. In einer kleinen Pension am Rande des Nationalparks und der Grenze zur Tschechischen Republik werden wir ein wenig zur Ruhe kommen, und von dort aus wandernd (und in Schichten von dicker Kleidung gepackt) eins der schönsten Naturgebiete unseres Landes erkunden… wir sind gespannt was uns dort erwartet! Wenn ihr Tipps oder Erfahrungen habt, freuen wir uns da natürlich sehr drüber.
Bis dahin hört euch schonmal das Medley des Fremdgang-Albums an und schreibt mir, wenn ihr auch eines kaufen möchtet, dann bekommt ihr sie direkt zugeschickt – ihr freut euch über die Musik, und wir darüber, dass wir unsere Kosten gedeckt kriegen. Und natürlich darüber, dass ihr euch freut. Mit dem Gedanken im Kopf freu ich mich wiederum umso mehr aufs Wandern.

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Medellin. Letzte Eindrücke.

Jardin BotanicoDer Geruch von frischem Pandebono-Käsebrot. Straßenverkäufer die lauthals “Guarapo Guarapo Guarapo” rufen und damit ihr Getränk aus gekühltem Zuckerrohrsaft anpreisen. Händler die laut in die Hände klatschen um auf ihre ausgestellte Ware aufmerksam zu machen. Im botanischen Garten unter schön warmer Sonne liegen und anschließend im Parque de los Deseos mit Freunden Musik machen. Durch die Fußgängerzone laufen auf der Suche nach diesem einen Objekt dass ich mir unbedingt noch holen wollte. Frühstück aus Rührei, Arepa mit Käse und Kaffee in meinem simplen Lieblingsrestaurant im Hospital-Viertel. Einen Abend im kostenlosen Teatro Lido Tanzvorstellungen der verschiedenen Regionen Antioquias sehen. Sich von einem alten Uhrmacher das Armband reparieren lassen. Wieder mit meinen Mitbewohnern Byron und Nicolás rumalbern. Sich von Jessica im Parque Explora durch die Einstein-Ausstellung führen lassen und über den zweiten Weltkrieg reden. Zu oft übersüße Bocadillos essen. Vieles für meine Rückkehr vorbereiten. Sich wegen der üblichen Probleme nicht mit allen Leuten treffen können. Alte, aber bestens erhaltene Schallplatten für 1,50 Euro in einem kleinen Bücherladen um die Ecke kaufen. Kaffee im Parque Bolivar trinken und die Leute beobachten, die den Kopf über den etwas verrückten Straßenprediger schütteln, der immer wieder laut schreit “Konvertiert! Und ihr werdet leeeeeeeben!”. Panzerottis essen. (Immer wieder.) Meinen Rucksack packen und mich weniger über Platz- mehr über Gewichtsprobleme ärgern. Innerlich Abschied nehmen.
Parque de los Deseos

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Wie soll man helfen.

Ein Aufenthalt in Lateinamerika ist kaum möglich, ohne früher oder später der Armut über den Weg zu laufen. Obdachlose in den Straßen sind allgegenwärtig. Gestohlen oder geraubt wird immer noch häufig in einsamen nächtlichen Straßen (als Jordan in Medellin war, wurden wir an einer Straßenkreuzung von zwei Motorradfahrern bestohlen, die anhielten, Jordan eine um den Hals getragene Kette vom Hals rissen und schnell fortfuhren). Gebettelt wird überall, wo Leute sind – oft nur um wenige hundert Pesos (ein paar Cent), ob für die nächste Empanada oder einen Aguardiente, wer weiß das schon. Einmal bat mich abends in der Candelaria Bogotas ein Mann um ein paar Pesos (“ich bettel lieber, als zu klauen”). Ich antwortete, dass ich kein Kleingeld habe, was stimmte, worauf er meinte, dann könne ich ihm vielleicht am unteren Ende der Straße etwas zu Essen kaufen. Nun, da kann ich mir auf jeden Fall sicher sein, dass es auch wirklich um Essen geht, dachte ich mir, ging mit ihm zwei Blöcke weiter und kaufte ihm ein Stück Pizza für 2000 Pesos. So weit, so gut, doch anschließend fragte er, ob ich nicht noch 200 Pesos für eine Empanada hätte. Hatte ich erstens tatsächlich nicht (weil ich mit einem 2000-Schein bezahlt hatte), und fand ich zweitens etwas merkwürdig. Versuchte er nur, noch etwas mehr von einem offensichtlich spendablen Passanten zu bekommen, oder würde das Bargeld nicht lieber in Drogen investiert werden? – man kann es nie wissen. Und Spenden auf der Straße ist auch keine wirklich langfristige Hilfe. Und dann überlegt man sich, ob man nicht einfach weitergehen sollte, so wie Victor, der als 12-Jähriger ausgeraubt wurde, nachdem er einem Bettelnden versprochen hatte, etwas mehr Geld von zuhause zu holen. Und dann sieht man Obdachlose, die in Kleiderfetzen auf den Bürgersteigen neben den luftverpesteten Straßen schlafen, und weiß nicht, wer nicht arbeiten kann, und wer nicht will. Ich schrieb schon nach meinem letzten Aufenthalt im Text “Weißer Nebel” “Doch was kann ich schon tun, außer spenden und Texte schreiben”… man fühlt sich manchmal so hilflos, als könnte man nichts tun, um dieses zum Teil von uns mitverantwortete Elend zu bekämpfen. Das ist natürlich falsch. Man kann etwas tun. Auch abgesehen von Spenden, nicht unbedingt an einzelne Bettler, sondern an Organisationen wie Un Techo para mi país (“Ein Dach für mein Land”, die armen Familien in Lateinamerika helfen, sich eine stabile Unterkunft bauen zu können) oder vergleichbare Organisationen. Mikrokredite sind eine andere Möglichkeit, durch welche viele Menschen aus der Armut entfliehen können, und man selbst nicht einmal sein Geld “verschenken” muss, sondern es meist wiederbekommt. Ich bin noch auf der Suche nach der perfekten Mikrokredit-Organisation (mit dem geringsten Zinssatz für die Kreditnehmer und einer Vergabe auch an wirklich arme Menschen) – bis dahin habe ich mit kiva.org schonmal eine sehr Gute gefunden, die ich euch auch ans Herz legen möchte. 25$ sind nicht mal 20€, die ihr wahrscheinlich auch wieder zurückbekommt, und in der Zwischenzeit ist einem Menschen und seiner/ihrer Familie am anderen Ende der Welt damit mehr geholfen, als wir uns mit 20€ vorstellen könnten. Zeit, seine Aktien an der Börse zu verkaufen, und das Geld in etwas Sinnvolles zu stecken.

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10 Dinge, die man in Bogota bei Regen machen kann

Bogota…und da es in Bogotá quasi täglich regnet – was man überhaupt machen kann.

1. Sich durch den Buchladen “Merlin” (Carrera 9 mit Calle 16) durchschmökern, und nach dem klein scheinenden Raum am Eingang drei volle Etagen mit teils uralten Büchern in Ledereinband in verschiedensten Sprachen zu allen nur denkbaren Themen entdecken
2. In eine der kleinen Panaderias in der Candelaria gehen und sich durch die köstlichen Cookies, Teilchen und Trüffel bei einer heissen Schokolade probieren, bis eine regenfreie Stunde einem die Chance gibt, die schöne Altstadt drumherum zu durchlaufen
3. Im Museo de Oro prähispanische Metallkunst bewundern und über die Bedeutung von “El Dorado” lernen, oder sich einen echt guten Film über “los Colombianos tal como somos” im 4. Stock ansehen
4. Auf dem Flohmarkt (Mercado de Pulgas) San Alejo unter den Plastikplanen der Stände alte Wählscheibentelefone, notwendige Schals und Mützen, verdammt günstige Hängematten, Filmplakate oder Süßspeisen und Säfte kaufen
5. In der Cinemateca Distrital, einer mit Independentkinos vergleichbaren Institution in einem altkolonialen Gebäude (Carrera 7 con Calle 22, #79) Dokumentarfilme oder Untergrundproduktionen für 2500 Pesos ansehen, oder (mit weniger frequenten Aufführungszeiten) für etwas mehr Geld ins Teatro Municipal direkt nebenan gehen
6. Bestenlisten schreiben. Okay, das zählt eigentlich nicht. Was man stattdessen machen kann, was zwar nicht so viel Spass macht, aber ein guter Zeitvertreib während Regen ist: versuchen, das Transmilenio-Bussystem zu verstehen.
7. Sich mit Victor (oder einem anderen intelligenten Uni Nacional-Studenten 😉 ) in einem Crepes & Waffles ein Crepe mit Kaffeeeis, Arequipe, Krokant und Schokosausse bestellen und über das kolumbianische Bildungssystem aufklären lassen
8. Forschungsinterviews mit Anthropologen über die Identität von Afrokolumbianern führen. Okay, für alle Nicht-Soziologen (obwohl das wirklich spannend ist!): mit einem paar wasserdichter Schuhe eine der Strassen östlich der Plaza hochrennen und versuchen, nicht auf den durch Flüsse aus Regenwasser durchnässte Kopfsteine auszurutschen, um unter einem der Regenschirme Halt zu machen, unter denen ältere Frauen “Ricas Obleas” verkaufen – große, runde Obladen mit wahlweise einer oder aller der folgenden Zutaten beschmiert: Brombeeren (die hier ECHT populär sind), Arequipe, Kondensmilch, geraspelter Käse, Erdnussstückchen oder Kokosraspeln.
9. An der Uni Nacional zu kulturellen Veranstaltungen, Theateraufführungen o.ä. gehen (fast immer kostenlos), und/oder immer Samstags im Hof der Cuenteros (notfalls bei der Cafeteria unterstellen, wenn es… nein, weil es regnet) teils weitgereisten, professionellen Geschichtenerzählern lauschen
10. Mit einer Ausgabe des Espectadors, der Semana oder ähnlichen Presseprodukten einen Tinto (schwarzer Kaffee) trinken, auf die Strasse blicken, die sich durch den Regen mal wieder in einen reissenden Strom verwandelt, und alter Salsa-, Tango- und spanischer Opernmusik auf Schallplatte lauschen, während sich alte Männer an den umgebenden Tischen über Gott und die Welt unterhalten – sehr geeignet: das offenbar namenlose Café von der Carrera 7 kommend die Calle 22 hochlaufend auf der rechten Seite.

Das waren so ziemlich auch meine sinnvollsten Beschäftigungen der letzten Tage in Bogotá. Außer Schnupfen kriegen. Aber das war ja schon fast erwartbar. Inzwischen bin ich nach einer 18 (!) Stunden langen Fahrt (statt üblichen ca 10) von Bogotá per Bus nach Medellin gekommen (wir wurden durch einen Erdrutsch aufgehalten. Sehr lange.) und freue mich hier noch eine Weile übers gute Wetter. Eine Woche noch. Und dann geht es schon wieder zurück ins kalte Deutschland. Da hilft mir meine Liste bestimmt auch.

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Nachgeholte Fotos!

Wie bereits erwähnt, gab es lange Zeit ein Problem mit dem Hochladen von Fotos hier im Blog. Das ist zumindest teils gelöst, und so kann ich jetzt ein paar Fotos der letzten Reiseaufenthalte nachholen. Die Blogeinträge dazu sind ja schon weiter unten vorhanden, deshalb nur mit kurzer Textzusammenfassung.
Cartagena, wo Jordan und ich per Flieger von Medellin ankamen und ein wenig Zeit in der tollen Altstadt und dem Handwerkerviertel Getsemani verbrachten:
Cartagena Getsemani Jordan in Cartagena
Palenque San Basilio, wo ich einen schwer interessanten Teil meiner Forschungsarbeit für die Thesis erledigte (wozu es bald auch noch einen extra Artikel geben wird):
Palenque San Basilio interview in Palenque 2 Interview in Palenque 1 Musiker in Palenque
Playa Linda, wo wir uns anschliessend ein wenig karibische Auszeit gönnten:
Unterwegs zur Playa Linda Playa Linda Strand Playa Linda bei Nacht
Rio Claro, ein herrlicher Naturpark, wo wir campten und ausgiebige Wanderungen durch Dschungel und Marmorhöhlen unternahmen:
Rio Claro Campingplatz Rio Claro1