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Schilfwelt, Fiestas und Millionen Sterne

Da habe ich ja jetzt viel nachzuholen – bloss weil man mal zwei Tage vom Internet abgeschnitten ist. Mir gehts jedenfalls gut, keine Sorge.
Wie geplant machte ich mich morgens früh (siehe Datum am Ende des Eintrags 😉 ) auf, um um 8:00 das Boot für die geplante Route zu nehmen. Meinen Rucksack liess ich im Hostal zurück und nahm nur das Wichtigste für den Ausflug mit (ausser Mückenmittel. Und die in Lima gelassene Sonnenbrille. Und eine Cap…) Mit ein paar Brötchen auf die Hand verliess ich mit einem Boot voller Franzosen und einigen wenigen Indigenos den Hafen Punos in Richtung der Islas flotantes (schwimmenden Inseln) von Uro. Die Inseln des ehemaligen Uro-Volkes (die sich heute mit den Azmara vermischt haben) schwimmen etwa 4 km von Puno entfernt im Titicacasee – und man kann die Begeisterung kaum verstehen, wenn man diese Schilfwelt nicht betreten hat: es ist beeindruckend! Die Häuser, die Dächer, die Boote sind aus Schilf – und die Inseln selbst auch! Alle paar Jahre wird neuer getrockneter Schilf (den man übrigens auch lecker essen kann) auf den Boden gebunden, während er von unten her verrottet. Fünf Anker halten eine Insel an ihrem Platz, damit sie nicht nach Bolivien schwimmt.Auf dem Schilf stehend Die Einwohner leben fast ausschliesslich vom Tourismus und dem Fischfang, der Strom für Licht und (manchmal) Fernsehen kommt von einem Solarpaneel pro 3 Häuser. Die Kinder fahren im Schiff zur Primaria-Schule auf einer der Inseln. Der federnde Schritt über das gebundene Schilf ist durch kein Foto nachzuvollziehen.
Schilfboot auf den UroFisch auf Uro-InselSchilfhaus auf den Uro-Inseln

Zurück auf dem Boot ging es 3 Stunden lang zur Insel Amantaní. Unterwegs unterhielt ich mich mit einer in Spanien lebenden Limeña (Katty), die mit ihren Eltern gerade auf Urlaub ist. Der Kapitän, der kurz vor Amantaní eine Liste für die Unterkünfte machte, steckte uns kurzerhand zusammen in eine Unterkunft (okay, er hat schon gefragt), so dass wir zu viert waren. Die Unterkunft auf Amantaní ist nämlich bei einer Familie (es gibt hier keine Hostals, meistens ja nicht mal elektrisches Licht). Hafen von AmantaníSo landeten wir bei Carmen und ihrer Familie, die uns jetzt für S/ 25 nicht nur unterbringt, sondern auch verpflegt. Mein Plan war eigentlich, nach dem Mittagessen die Ruinen von Pachatata zu sehen, die etwa 1h Fussweg bergaufwärts liegen. Kattys Familie, die auch morgen noch hier sein will, präferierte aber die Plaza, auf der heute eine Fiesta stattfand. War ich auch erst noch entschlossen, zu den Ruinen zu gehen, ändert ich auf dem (anfangs gleichen) Weg meine Meinung. Böswillige Zungen könnten behaupten, ich war einfach zu faul für den Fussweg. Ich sehe das aber eher so: Ruinen sehen oder bei einer Amantaní-Feier dabei sein und die Leute erleben. Letzten Endes bin ich eben doch Soziologe, kein Archäologe…

Amantaní-Bewohner bei traditionellem TanzAmantaní-Bewohnerinnen beim Tanz ums Feuer

Unterwegs beobachteten wir noch eine lokale Hochzeitsfeier, die hier laut Carmen „dos días, no más“ [zwei tage, nicht mehr] andauern. Tatsächlich höre ich jetzt um 22:00 immer noch die Flötenmusik.
Auf der schönen Plaza war neben einer „Kunsthandwerksausstellung“ (für Touristen) die Feier mit Tänzen und ein wenig eintöniger Musik zu erleben, später am Abend dann noch mit Feuern und… mehr Tänzen 😉
Wir verbrachten eigentlich den Rest des Tages dort, unterhielten uns miteinander und mit Carmen oder ihrem Mann und kehrten gegen 19:00 zum Haus zurück. Den Weg nur dank Taschenlampe findend. Apropos Dunkelheit: der Himmel entschädigt für vier Monate Lima – selbst als in einer Kleinstadt Aufgewachsener kann ich nicht behaupten, je so viele Sterne gesehen zu haben.
Am Abend überzeugte mich Kattz dann doch, auch den nächsten Tag hier zu bleiben (dann seh ich doch noch die Ruinen… 😉 ) und mit ihnen zusammen am Mittwoch nach Cusco zu reisen – dann habe ich da zwar ca. einen halben Tag weniger Zeit, dafür versprach sie mir, einen „Plan“ zu machen, und ich dadurch die Zeit ja sozusagen wieder wettmache; da sie selbst schon diverse Male da war und entspr. weiss, wie ich wo am besten hinkomme. (Aktuelle Anmerkung: Pläne müssen ja nicht immer umgesetzt werden…) Naja, was soll ich sagen? – ihre Argumente haben mich überzeugt. Und Amantaní ist einfach zu schön und natürlich, als dass da viel gegen sprechen würde.

9.8.2010, Amantaní

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Alpaca, Chicha morada und Mate de Coca gegen die Höhenerschöpfung

Nachtrag vom 7.8.: Park statt Uni
Jetzt habe ich doch nicht mehr die Uni gesehen – dafür habe ich mich fast zwei Stunden mit einem peruanischen Professor de letras und gleichzeitigem Ingenieur-Studenten unterhalten. Park im Norden ArequipasIch wanderte durch den sehr schönen ruhigen Park nördlich des „Selva alegre“-Kinderspielplatz-Parks und erwiederte auf das grüssende Nicken des älteren Herren auf der Parkbank mit einer entsprechenden Grussfloskel. „¿De donde es Usted?“ [Woher kommen Sie?] kam auch schon die durchschnittliche Standardeinstiegsfrage. Auf meine Antwort fragte er, ob ich ihm erklären könne, was „Leitmotiv“ auf Spanisch heisst – ein Wort, das er in einem englischsprachigen Buch gelesen hatte (und offenbar eines der deutschen Export-Wörter ist). Auf schwer nachzuzeichnende Weise entwickelte sich das Gespräch von da aus über soziologische Betrachtungen von Gruppen zu Gesellschaftssystemen und Politik, zu Kapitalismuskritik und der Suche nach einem „neuen System“, zu Umweltbewusstsein und der Macht der Natur als entwicklungsbestimmendes Element. (@Keks: das Gespräch hätte dir sicher gefallen!). Wir kamen erst zum Ende, als die Parkaufsicht uns um halb sechs rauswarf und ich mich schliesslich von Roz (wenn ich mich recht an seinen Namen erinnere) verabschiedete. Schade zwar, dass ich jetzt nicht die Uni gesehen habe – aber das war es definitiv wert!

7.8., Arequipa

Alpaca, Chicha morada und Mate de Coca gegen die Höhenerschöpfung
Vicuñas auf dem Weg nach PunoNach guten sechs Stunden im Bus nach Puno (durch mit Alpacas und Vincuñas bevölkerte Steppen, bergige Serpentinenstrassen und das ernüchternd triste Juliaca) bin ich am Nachmittag in Puno angekommen. Ausblick auf den Titicacasee3400 Meter überm Meeresspiegel, direkt am Titicacasee gelegen und Hafen zu verschiedenen angeblich malerischen Inseln (werde ich morgen hoffentlich bestätigt sehen). Obwohl ich ja aus dem bereits etwas höher gelegenen Arequipa kam und der H¨pohenunterschied nicht ganz so drastisch ist, merke ich inzwischen trotzdem die Auswirkungen. Hier angekommen suchte und fand ich erstmal ein Hostal in der zentralen Fussgängerzone Calle Lima (das Monterron, mit einem spartanischen, aber sauberen und einigermassen sicheren Zimmer) und ging dann zum Hafen, um zu sehen, wann morgen früh ein Boot zu meinen gewünschten Zielen losfährt – so soll meine Route aussehen:

Hafen von PunoMontag Puno -> Islas flotandes -> Amantaneí, dort übernachten,
dann Dienstag Amantaneí -> Taquile, und nachmittags zurück nach Puno.

Schon auf dem Rückweg war ich erstaunlich erschöpft, obwohl ich gerade 1 km gelaufen war (ca. 15 Min.) – was für mich als gewohnter Hallenser Fussgänger eigentlich nicht viel ist 😉 . Also schleppte ich mich wieder zur Calle Lima und befinde mich nun im Restaurant „Don Piero“ (also „nun“, als ich das in mein Reisetagebuch schrieb 😉 ), wo ich so traditionell / peruanisch esse wie nie zuvor: Alpaca-Steak, Chicha morada und Mate de Coca – hier eine kleine Geschmacksbeschreibung:

Mate de Coca: Kräutertee aus den Kokablättern – macht aber nicht high, auch wenn es angeblich die gleichen Spuren im Blut hinterlässt wie Kokain. Wird als Teebeutel in heissem Wasser aufgelöst und v.a. im Altiplano getrunken, da angeblich gut gegen die Höhenkrankheit. Ist geschmackloser als man denkt, und unterscheidet sich nicht so stark von „normalen“ Kräutertees. Stattdessen viel interessanter: Anis-Mate!

Chicha Morada: Weinrotes bierähnliches Getränk auf Maisbasis, das in aufwendigem Fertilisierungsprozess hergestellt wird – nach traditioneller Herstellungsweise samt Spucke der Mate-Kauerinnen. Unbedingt probieren (also das Getränk, nicht die Herstellung) – schmeckt v.a. gekühlt unglaublich gut!Der Geschmack liegt irgendwo zwischen Rotwein, kleines bisschen Bier, Traubensaft, Mais und – wenn ich mich nicht irre – Inca Kola. Wobei die Entstehungsreihenfolge wohl eher umgekehrt gewesen sein dürfte.

Lomo de Alpaca: Steak aus dem Fleisch der Lama-verwandten Alpaca. besonders im Altiplano zu finden. Schmeckt eigentlich wie Rind, angeblich mit weniger Kalorien. Klasse, als ob mich das interessiert. Wird gerne sehr dünn serviert. Genau wie diverse andere Fleisch-Mahlzeiten wird das offenbar häufig nur gerade lauwarm serviert, selbst wenn das Fleisch durch ist. Keine Ahnung wie und warum. Und natürlich, wie fast alles in Peru, ohne jegliche Sauce… da hilft nur Chicha morada nebenher trinken.

PS an Maike: die Meerschweinchen wurden bisher noch verschont. Noch…

8.8.2010, Puno

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El Molino de Sabandía

Das Wasser plätschert durch das Mühlrad hinter mir, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel auf die Pferde, die an der Wiese vorbeilaufen, während ich im Schatten einer etwa 200 Jahre alten Mauer im Gras liege. ¡Que lindo! Ich befinde mich an der Mühle von Sabandía, einem Vorort von Arequipa, etwa 20 Minuten von der Innenstadt entfernt. Eigentlich wollte ich ja den ganzen Tag in Arequipa selbst verbringen, konnte nach Carlas (die erwähnte Couchsurferin) Schwärmereien aber nicht anders, als hier vorbeizuschauen. Wie verabredet hatten wir uns heute zum Frühstück getroffen und eine Weile über Gott* und Peru geplaudert. (*sie ist Adventistin – eine christliche Gemeinschaft, die sich in Peru immer mehr ausbreitet… war ganz interessant – erfreulicherweise wollte sie mich trotzdem nicht bekehren und wir haben auch über andere Sachen geredet.) Zunächst fuhr ich dann mit einem collectivo (selbst die sind hier günstiger als in Lima) zum Terminal Terrestre, wo ich mir ein Busticket nach Puno für morgen früh kaufte… diesmal mit „Flores“, die auf jeden Fall schon mal neuere Busse haben als Ormeño, aber trotzdem nicht so teuer sind wie Cruz del Sur. Dann schnappte ich mir ein Taxi, um nach Sabandía zu kommen – und hatte Glück mit dem betagteren Taxista, mit dem ich mich angeregt unterhielt, und der mir empfiehl, unbedingt in „die Schweiz Perus“ zu fahren (Huaraz). Auf der Fahrt sah ich auch erstmals die äusseren Viertel Arequipas, die doch bedeutend ärmer sind als das Zentrum – aber die gibt es wohl überall. Im Vergleich zu Lima waren aber selbst die noch in vertretbarem Zustand, was die Stadt natürlich noch mal sympathischer macht.
Molina de SabandíaDen Mittag konnte ich dann in Ruhe an der Mühle geniessen, bevor ich in einem nahegelegenen Restaurant Mittag ass… und es bereute, weil es einfach nicht gut schmeckte… naja, kommt auch mal vor.
Mit einem 70Centimos-Collectivo ging es dann zurück in die Stadt, wo ich jetzt erstmal die Uni und einen Park im Norden der Stadt sehen werde, etwas richtiges Esse und heute Abend dann wieder meine Sachen packe, um nach Puno weiterzureisen. Von dem angefragten Couchsurfer habe ich leider bisher noch keine Antwort, muss mir dann also vor Ort ein Hostal suchen – mal sehen ob ich da so ein Glück haben werde wie hier in Arequipa.

PS: Arequipa gilt als „die weisse Stadt“ – musste aber leider feststellen dass das ein klein wenig übertrieben ist. Liegt vielleicht daran, dass der Name angeblich nicht von den weissen Gebäuden kommt, sondern von der ehemals homogen weissen Bevölkerung…

7.8., Arequipa

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— Fotos hochgeladen —

So, wie ihr in den unten aktualisierten Beiträgen seht, habe ich jetzt ein paar Fotos hochladen können. Da nicht alles in den Blog passt, ist das natürlich nur eine Auswahl. Wer noch mehr sehen will – die habe ich jetzt mal bei Rapidshare hochgeladen, da dürft ihr sie euch gerne runterladen – am besten baldmöglichst, denn die werden dort nach einem gewissen Zeitraum gelöscht. (Wäre ganz cool wenn sie jemand auch gleich für mich mit abspeichert und entsprechend irgendwo aufbewahrt 😉 )
Hier findet ihr sie:
http://rapidshare.com/files/411503529/AQP.rar
beste Grüsse aus Arequipa, Jesko

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Betten machen und über Frauen reden in Arequipa

Eines vorweg: es ist nicht kalt in Arequipa. Nur früh morgens von 5 bis 8 ist es etwas kühl, der Rest des Tages war T-Shirt-Time. Woher ich das weiss? – weil ich heute früh aufgestanden bin. Man höre und staune. Hatte aber ja auch viel vor: ich habe mir jetzt endlich ein Handy gekauft (was länger dauert als man denken wuerde), schön günstig auswärts gegessen (ein Mittagsmenue für S/ 8), das Monasterio de Santa Catalina besucht (ein wirklich beeindruckend schönes Kloster mitten in der Innenstadt, wo sich sozusagen eine pastellfarbene, ruhige, mediterran angehauchte Stadt inmitten Arequipas findet, versteckt hinter den hohen Klostermauern), die gigantische Kathedrale an der Plaza de Armas bestaunt (und selbige natürlich ebenfalls… der wahrscheinlich schönste Waffenplatz Perus 😉 – Fotos siehe unten), das in Eis mumifizierte Inkamädchen Juana im Museum gesehen und (nachdem ich das per Telefon jetzt absprechen konnte) mich mit einer Couchsurferin aus Arequipa getroffen. Das mit dem Kaffee-trinken-gehen wurde allerdings nichts – ca. 15 Minuten bevor wir uns wie verabredet trafen, fiel ihr ein, dass sie heute noch Uni hat… Würde wie ne schlechte Ausrede klingen, wenn wir uns nicht beim kurzen Treffen dann für morgen zum Frühstück verabredet hätten 😉
Das Hostal wo ich bin ist übrigens wirklich angenehm – vor allem die ca. 60-jährige Besitzerin ist sehr gesprächig und locker drauf. Als ich grade eben wiederkam und ein paar Worte mit ihr wechselte, bat sie mich, ihr schnell beim Neubeziehen des Hochbettes zu helfen, dass sie für ein paar Neuankömmlinge fertig machte, und an welches sie aufgrund ihrer geringen Grösse nicht so recht drankam. So fand ich mich denn, wo ich schon mal dabei war, beim Bettenmachen und über Frauen reden mit der Hostalbesitzerin wieder. Fragt nicht wie wir auf das Thema kamen.

Unterdessen habe ich meinen Reiseplan so geändert, dass ich am Sonntag erst nach Puno an den Titicacasee fahre, weil das näher an Arequipa ist, um dann von dort aus Richtung Cusco zu fahren. Der Zeitplan ist leider eng, da ich ja am Montag den 16. zurück in Lima sein muss. Die Zeit hier in Arequipa will ich mir aber trotzdem nehmen und den Tag hier morgen entspannt geniessen, denn die Stadt gefällt mir immer mehr. Kann die Universidad San Marcos nicht einfach in Arequipa sein? Blauer Himmel, entspannte Leute, nicht ganz so überfüllte Strassen… und zumindest demzufolge, was ich im Juanita-Museum gesehen habe, offenbar ein Paradies für Archäologen – wenn das kein Grund für mich ist, hier zu bleiben! 😉

Kathedrale am Plaza de las ArmasPlaza de las Armas bei NachtPlaza de las Armas bei TagMonasterio de Santa CatalinaMonasterio de Santa Catalina 2

6.8., Arequipa

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Verloren in Nicaragua / 170 km bis Arequipa

Verloren in Nicaragua
Spontan wie ich bin, habe ich mich heute kurzerhand nach Nicaragua begeben, um schon mal zu sehen, was mich so erwartet. Nicaragua, direkt nebenan zu Costa Rica, liegt nicht wie erwartet nahe der Pacifico, sondern bei San Felipe. So, verwirrt? Gut, das war ich auch, wenn auch auf andere Weise. Ich rede natürlich von Strassen, bzw. im Fall der „Pacifico“ von einer (privaten) Uni. Und die Nicaragua… nun ja, die gibt es laut meiner Karte zwei Mal. Leider habe ich erst nur die eine gesehen, die mittlerweile anders heisst, und deshalb wie blöde gesucht und telefoniert, bis ich die andere, kleinere Nicaragua in der Nähe der Avenida San Felipe gefunden habe. Der Grund dieses komplizierten Ausflugs war meine zukünftige Unterkunft: da meine bisherige in Pueblo Libre zwar durchaus echt in Ordnung, aber leider zu teuer ist, habe ich mir in einem Hochhaus Potentielle Unterkunft in Jesus Maria(ja, Flo, in einem Hochhaus… ich…) in San Felipe (in Jesus Maria, nahe des Viertels San Isidro wenn ihrs genau wissen wollt) die Wohnung von Angela angesehen. Angela, die in Lima Gastronomie studiert, wohnt hier die Woche über, finanziert von ihrer Tante, und verbringt das Wochenende anscheinend meist bei ihren Eltern ausserhalb der Stadt. Und sie sucht eiunen Mitbewohner für das leere Zimmer in diesem Appartment – klingt ungerwöhnlich für eine Peruanerin? Stimmt – aber sie hat ja auch eine Zeit lang in Barcelona studiert, das hat wahrscheinlich seinen Einfluss hinterlassen. Alles in allem spricht wenig dagegen: es ist (ein gutes Stück) billiger, genauso sicher und gut gelegen, und ich hätte eine etwa gleichaltrige Mitbewohnerin. Nachteil: es ist ein Stückchen weiter von der Uni entfernt (allerdings nicht so weit wie befürchtet) und es ist eben ein Hochhaus ;). Könnte aber schlimmer sein… Nun ja, jetzt warte ich noch ein weiteres Angebot ab, das ich leider nicht mehr ansehen konnte vor meiner Abreise, und dann mal sehen wo man mich im September findet.
Miraflores Meerblick1
Ansonsten habe ich den Tag genutzt und kurz mal in Miraflores vorbeigeschaut – und das Meer gesehen! Beeindruckend – man sieht kaum den Unterschied zwischen Himmel und Meer. Da wird man mich sicher noch öfters sehen.Miraflores Meerblick2
Und um den Tag zu perfektionieren: für etwa 2 Stunden war zeitweise ein kleines bisschen Blau am Himmel zu sehen…
Pues, jetzt sitze ich im Bus nach Arequipa und die beiden Kinder von Juan, einem Kerl mit dem ich mich an der Gepäckabgabe unterhalten habe, probieren aus, wie weit man die Sitze vor meinen Knien nach hinten stellen kann. Juan sagt ihnen gerade, sie sollen aufhören, weil „el joven“ gerade am schreiben ist… sein Machtwort hält nur für kurze Zeit an. Ich hoffe sie schlafen bald ein, damit ich die kommenden Stunden im Bus überleben werde 😉 Und morgen dann: Arequipa!

4.8., Ormeño-Bus Lima-Arequipa

170 km bis Arequipa
Der alte Bus, dessen Lüftung schon lange nicht mehr zu funktionieren scheint, kämpft sich einen weiteren Berg durch die Wüste hoch. 170 km bis Arequipa, sagt ein Schild an der Seite des Weges. Immer noch. Das letzte Schild um 13:15 zeigte 174 km. Jetzt ist es 14:35. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie sich vermessen oder wir uns verfahren haben. Ormeño ist schon eine tolle Buslinie.
Seit 17 Stunden sitze ich jetzt im Bus. Die beiden Kinder George und Milagros sind eigentlich ganz nett, 8 und 10 Jahre alt, fragen mich immer mal wieder aus oder beobachten mich beim Schlafen. Zur Mittagspause haben mich Juan und seine Frau zum mitgebrachten Essen und einen Anismate eingeladen und mich bereits im Voraus zu einer richtigen warmen Mahlzeit eingeladen, wenn sie wieder zurück in Lima sind (Telefonnummern sind inzwischen auch ausgetauscht) – jetzt fahren sie erstmal zum Familienbesuch nach Juliaca.
Nachdem wir uns in der Nacht gut mit Jacken einwickeln mussten, knallt jetzt die Wüstensonne auf unseren Bus und lässt mich an die deutsche Sommerhitze denken die ich noch vor weniger als einer Woche erlebt habe. Der gelbe Wüstensand zieht sich endlos an der Pazifikküste entlang, zerklüftete Felsen lösen Sanddünen ab. Wüste bei NazcaHin und wieder ein paar Baracken im Nirgendwo, hier und da ein kleines Dorf mit fünf Häusern, einem Restaurant und dem Schild „Zona Urbana“, alle paar Stunden ein grösserer Ort, bei dem fliegende Händler in den Bus steigen und Drinks, Knabberzeug und Medizin verkaufen.
Grüne WüsteAm beeindruckendsten jedoch der Ausblick, wenn wir hinter einem Berg hervorkommen und in ein Tal blicken, welches von einem winzigen Fluss durchquert wird – welcher wiederum das ganze Tal begrünt, so dass man grüne Wiesen, Anbaufelder und kleine Hütten inmitten der Wüstenberge ausmachen kann.
Wenn es nicht so warm wäre, könnte man das viel besser geniessen. Da soll noch wer was vom Kältechaos im Sueden reden – von wegen. Ob ich mich in Arequipa über die Kälte nach dieser Wüstentour freuen werde? Ob ich ein Recht habe, mich über die 18 Stunden zu beschweren, während die Bewohner hier in diesen Temperaturen ständig leben? Wie lange wir wohl noch für die verbleibenden 170 KM brauchen werden? Und ob George und Milagros es in der Zwischenzeit überdrüssig werden, mich an den Füssen kitzeln zu wollen? Fragen über Fragen… ich hoffe zumindest, die letzte beantwortet sich bald.

5.8., Ormeñobus Lima-Arequipa

Anmerkung
So, jetzt sitze ich in einem Internetcafe in Arequipa. Wir haben insgesamt sage und schreibe 20 Stunden gebraucht. (Also insgesamt, nicht für die letzten 170 km 😉 ). Juan, George, Milagros y yo
Nach der Fahrt sehr herzlich von Juans Familie verabschiedet worden und wie oben erwähnt Nummern ausgetauscht, ein Verwandter hat mich dann noch mit dem Auto bis in die Strasse Zela gebracht, wo ich in das Hostal eingecheckt habe, das Nicolas (siehe letzter Beitrag) mir empfohlen hat. Mehr dazu später, jetzt fordert erst mal mein Magen sein Recht ein.

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Ein Tag Verkehr

Ich will gar nicht wissen, wie viel Zeit ich heute in motorbetriebenen Fahrzeugen verbracht habe – und das keineswegs, weil ich faul wäre und wenig gelaufen bin…
Nachdeem ich heute früh im Internetcafe meinen letzten Eintrag geschrieben habe, machte ich mich erneut auf den Weg zur Uni, wo ich Veronica das gewünschte Foto brachte – und feststellte, dass ich noch ein zweites brauchte. Ausserdem benötigte sie eine Kopie meines Visums. Weiss ich ja shconmal, wo ich morgen früh wieder sein werde. Im Einkaufszentrum San Miguel holte ich mir dann eine Simkarte von „Claro“ und eine Aufladekarte für S/ 10. Jetzt fehlt nur noch ein Handy. Wenn ich eins aufgetrieben habe, gebe ich euch auf Anfrage auch gern die Nummer, falls ihr mich mal auf diesem Weg erreichen wollt. 😉
Nach dem Mittagessen, während welchem ich mich mit Rossanas Schwester unterhielt (eine sehr gebildete Frau, mit der man gut über Weltpolitik reden kann, die aber z.Zt. arbeitslos ist und deshalb jede Menge Zeit hat…), nahm selbige mich mit dem Auto mit auf den 2. Teil meiner Erledigungen. Zuerst wollte ich mir einen neuen, funktionierenden Konverter besorgen. Nun ja, um die lange Story kurz zu machen: Peru hat nicht wie die USA 110 V, sondern 220 V – wie Europa. Ein Konverter ist damit nicht nur unnötig, sondern sollte gar nicht erst angeschlossen werden. Logisch. Wenn man das weiss. Naja. Und der Stecker – wer genau auf das Bild im letzten Beitrag sieht, wird feststellen, dass da auch so nette kleine Rundungen sind. Ja genau. Ich kann meinen ganz normalen europäischen Stecker einfach da rein stecken. Simple as that. Für die Dosen, die diesen runden Teil nicht haben, hab ich mir für S/ 2 einen einfachen Umstecker geholt. Pro: ich brauch den Konverter nicht mit auf Reisen nehmen. Contra: Ich habe ihn mir umsonst in Dtl. geholt. Ich hoffe wenigstens, dass damit die Problematik abgeschlossen ist.
Anschliessend liess ich mir beim Notar für S/ 4 eine Passkopie beglaubigen, damit ich diesen nicht immer mitnehmen muss, machte Fotos und die Visumskopie und …. tadadada! …. (nach nochmal gut 40 Minuten Busfahrt) kaufte mit das Busticket nach Arequipa für S/ 55 bei der Gesellschaft Ormeño. Der Bus den ich jetzt nehme, hat zwar keine Betten, sondern nur normale Sitze, ist dafür aber S/ 50 billiger (!) und fährt um 9:00 abends statt um 9:00 morgens los. Und die Zeit brauche ich hier schliesslich noch für die restlichen Erledigungen.
– Hört sich nicht nach sooo viel an. Bezieht man aber die Entfernungen und die Busfahrten mit ein, ist der Tag schon wieder vorbei. Wirklich was gesehen von Lima habe ich bisher also noch nicht – dafür habe ich aber ja noch drei Monate Zeit. Und brauch mir dann immerhin nicht mehr beizubringen, wie man Bus fährt. 😉

Im Gespräch mit Rossanas Schwester stellte ich etwas Beeindruckendes fest: der Himmel ist hier in Lima tatsächlich immer zugezogen und grau bewölkt. Natürlich auch nachts. Sie hat mit 20 Jahren das erste Mal einen Sternenhimmel gesehen, als sie zum ersten Mal aus Lima hinauskam.

Wenn ihr Zeit und Lust habt, könnt ihr mir ja ein Foto von euch vor eurem Lieblings-Sternenhimmel schicken, damit ich das auch mal wieder sehe 😉

3.8., Lima

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Der Archäologe in mir

Der Himmel ist grau – du bist grade aufgewacht
Du weisst nicht genau – was man bei so ´nem Wetter nur macht
Doch du hast dieses Gefühl – bloss weils nicht regnet gilt das hier schon als prima
Denn es ist heute „nur“ kühl – der Himmel grau: willkommen in Lima!

Herzlich Willkommen in Lima: der Himmel ist grau. Und der Blick aus meinem Zimmer entsprechend tris – aber darauf war ich ja vorbereitet. Nachdem ich das ehrlicherweise nicht wirklich umwerfende Frühstück verzehrt habe, fängt um 9:00 mein Tag an (und das trotz Jetlag!). Rossna, die das Studentenhaus führt, in dem ich derzeit untergekommen bin, hat sich wie versprochen den halben Tag frei genmmen, um mir den Weg zur Uni etc. zu zeigen.
CollectivosAb der Straße „Bolivar“ nehmen wir dann auch den Bus – aber lasst euch nicht vom Begriff täuschen: das hat nichts mit unseren Bussn zu tun. Wir warten einfach an einer recht bliebigen Straßenecke und achten auf die bunten Minibusse, die auf uns zukommen. Sobald wir einen sehen, der auf der Seite bei seinen „Stationen“ die Straße „Universitaria“ stehen hat, heben wir die Hand und springen auf den wenige Sekunden haltenden „collectivo“ auf. Egal wie weit man mitfährt, zahlt man in der Regel S/ 1 (S/ = Nuevos Soles, 1? = ca. 3,5 S/ ), und wenn man wieder rauswill, spricht man den „Schaffner“ an, wenn er nicht gerade aus dem Fenster die kommenden Straßen schreit um Kundschaft zu werben. Wenn alles klappt, springt man wie wir bispielsweise 15 Minuten später an der Puerta Prinicap der Universidad Nacional de San Marcos ab. Praktischerweise befindet sich das Gebäude der Ciencias Sociales nur wenige hundert Meter vom Haupteingang entfernt, und so schauen wir erst mal dort vorbei. nach mehrerem Durchfragen landen wir bei Sr. Luna, der theoretisch für Angelegenheiten wie mich (an dieser Fakultät) zuständig ist. Theoretisch. Praktisch gesehen hat er aber erst am Mittwoch Zeit und meint außerdem, ich müsse erst zum Büro für internationale Angelegenheiten. Gut, dass wir da eh noch hinwollten.
Mit dem auch „burro“ genannten uniinternen Bus (mit tatsächlichen Haltestellen) kommen wir zur Seda Central, wo sich neben anderen Verwaltungsbüros auch das meiner Austauschverantwortlichen Sra Veronica Roldán-Flores befindet. Natürlich ist diese jedooch noch bis morgen in Urlaub. Ein ntter Herr, dessen Namen ich wieder vergessen habe, vertritt sie aber und erklärt mir u.a., dass mein „Tutor“ Dr. Hernán Amat Olazaval sein wird. Ich werde stutzig als ich feststelle, dass Olazaval Professor für Archäologie ist. Naja was solls, Archäologie und Soziologie – alles das Gleiche! Und überhaupt ist er ja nur der Tutor, und die beiden bereiche sind ja auch an der gleichen Fakultät angesiedelt. Macht ja alles nichts. Nur, dass sich hrausstellt, dass ich ich tatsächlich für die Archäologie eingschrieben worden bin. Was mein hallesches Prüfungsamt wohl davon halten würde? Wie auch immer, das Ganze liegt offenbar daran, dass ich in minem Motivationsschreiben mein Interesse für präkolumbianische Hochkulturen erwähnt habe. Und das ist natürlich Archäologie.
Inka-Cola!Dass das mein Privatinteresse und lediglich Grund für die Wahl Perus als Aufenthaltsort war; und dass ich bereits drei soziologische Veranstaltungen ausgewählt habe, die ich hier studieren will, ist wohl irgendwie untergegangen. Mal sehen, ob sich das klären lässt, wenn Veronica wieder da ist, oder ob ich von jetzt an Archäologe bin… Eine Steckdose und ein Konverterstecker... kleine Differenzen?

Im weiteren Verlauf des Tages kaufe und trinke ich außerdem meine erste Inka-Cola (schmeckt wie gelber Gummibärchen-HubbaBubba und hat wahrscheinlich nichts außer dem Namen mit den Inka zu tun) und unterhalte mich mit Nikolas; einem Franzosen, der auch hier wohnt und mir ein paar hilfreiche Tipps für meinen kommenden Trip geben kann, da er selbst gerade in Cusco und Arequipa war.

Ach übrigens, habt ihr euch schon mal gefragt, wie sich ein Stromknverter anhört, der in die falsche Steckdose gesteckt wird? Okay, ich eigentlich auch nicht. Jetzt weiß ich es trotzdem: P'(u)fffffffff. Zur Erklärung, siehe das Bild. eigentlich recht offensichtlich, dass das nicht passt. Nicht für mich. Immerhin ist das Gerät laut Verkäufer ein Konverter für US-Steckdosen, und diese sind laut diversen Bekannten und Perureisenden die gleichen wie in Peru. Also Abdeckung der Steckdose abgenommen, und siehe da, der runde Stutzen steckt dann einfach im Leeren neben der Dose. Surrt nur komisch und wenige Sekunden nach Einstecken des Laptop-Ladekabels in den Konverter: P'(u)fffffffff. Naja, das Netbook hat sowieso gerade ständig ’nen Whitescreen, so dass ich ihn dauernt neustarten muss. Schadet also kaum, und dann hab ich eben auf meinem Arequipa-Cusco-Trip weniger Gepäck ;). Doof nur, dass meine Kamerabatterien irgendwann aufgeladen werden wollen. Bis dahin muss ich mir wohl eine Notlösung einfallen lassen.

In der Zwischenzeit habe ich mir schonmal die verschiedenen Busgesellschaften angesehen, die nach Arequipa fahren, und nebenbei ein bisschen von Lima Centro gesehen… und bin froh, stattdessen in einer ruhigen Nachbarschaft in Pueblo Libre untergekommen zu sein, die nicht laut ist, stinkt, uind so viel befahren ist, dass man beim Strasse überqueren an St. Petersburg denken muss.

2.8.2010, Lima

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Sind Sie Herr Habert nach Caracas? Wo waren Sie denn so lang?

…sagt die Lufthansa-Stewardess am Eingang zum Gate 26, von dem mein Flug nach Caracas um 11:25 abfliegt. Meine Uhr zeigt 11:26. Aber die geht ja auch immer ganze vier Minuten vor.
Wo war ich denn so lang? Nun ja, ich musste erst meine Bestimmung finden und mit dem Hispanistik-Studium beginnen um mich fuer ein Auslandssemester in Peru zu entscheiden, das dann von langer Hand planen und schliesslich Halle hinter mir lassen, bevor ich diesen Flug antreten konnte. Lateinamerika hat schon auf mich gewartet.
Die Stewardess meinte aber sicher eher die Maschine, die „auf mich gewartet“ habe. Okay, das ist etwas schneller zu erklären: ich habe mich in vorauseilendem Gehorsam wohl schon an lateinamerikanische Zeitverhältnisse angepasst. Und ihr wisst, wie lange Familienabschiede dauern können. Und nachdem ich mich von ihnen und Torben verabschiedet hatte, musste ich auch noch durch die lange Schlange zum Gepäckcheck und durch die Passkontrolle, und dann noch den langen Weg zum Gate runter. Und vorher natürlich lange anstehen, um mein Gepäck aufzugeben. Habe also genug Ausreden. Ausserdem wollte ich nicht früher aufstehen. Und der eigentliche Start liess ohnehin bis 11:48 auf sich warten. Was stellt ihr euch eigentlich so an?
Jetzt bin ich jedenfalls in der Luft, unterwegs nach Caracas, wo ich dann in den Flieger nach Lima umsteigen werde. Aufgeregt? Schon. Müde? Immer. Gespannt? Natürlich!
Mein Reisetagebuch ist offiyiell eingeweiht, Deutschland liegt hinter mir und acht Monate Neues vor mir. Wir sehen uns in Ecuador, Panama oder im April wieder in Deutschland – wir hören uns irgendwann – wir schreiben uns bald!

1.8.2010, Lufthansaflug Frankfurt-Caracas.

Ich bin jetzt raus, fühl das Fernreise-Enzym
Lass den Artikel weg und verzichte auf mein Synonym
Sag nicht „derjesko unterwegs“, sondern „ich bin am reisen“
Lass die Gedanken von nun an um die halbe Welt reisen!

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Countdown zum neuen Leben / Flashbacks

14 Tage. Der Countdown läuft. In zwei Wochen werde ich im Flieger von Frankfurt am Main nach Lima sitzen und mein derzeitiges Leben in Halle hinter mir lassen. 
Während ich mittlerweile meine Unterkunft für den ersten Monat klargemacht habe (Adresse für Post geb ich euch auf Anfrage) und das Bafoegamt drängele, verlassen immer mehr Freunde die Stadt für die Semesterferien und sehen mich damit zum letzten Mal für recht lange Zeit. Lange Verabschiedungsumarmungen, Zigarre rauchen mit Flo an der Fontaine, mit Torben in der Sonne chillen… In solchen Flashbacks merke ich was mir fehlen wird. Auch wenn ich mich auf das neue Leben freue und irgendwie loslassen werde, bleibe ich ja schließlich in Kontakt – was einem einmal wichtig ist, vergisst man ja auch nicht so schnell. Und deshalb freue ich mich auf das was bleibt, wenn ich zurückkomme und gleichzeitig auf das, was ich hinzugewinne – was immer das auch sein wird. 
Meine Güte klingt das schon wieder nachdenklich-melancholisch. Ist aber gar nicht so gemeint: ich bin echt gespannt auf das, was auf mich zukommt! Meine Zwischenmiete kriege ich auch noch organisiert und mein Koffer ist im Geiste schon gepackt. Die Temperaturen gleichen sich schon ein bisschen dem peruanischen Niveau an und so langsam wird auch mir bewusst, dass die Zeit mal wieder schneller vergeht als gedacht. 14 Tage. Der Countdown läuft.